Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Spezielle Beiträge, die z. B. durch besondere Betrachtung, Herangehensweise, Ergebnisse etc. eine beachtenswerte Besonderheit darstellen

Bannerwerbung Bannerwerbung Bannerwerbung
Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 2846
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 9. Nov 2014, 20:17

Den genauen Inhalt Deiner Aussage verstehe ich immer noch nicht. Bitte beschreibe etwas näher, was Du konkret aus der Zeder herausholst.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

Ekkehard
Beiträge: 109
Registriert: So 21. Apr 2013, 19:36

Re: Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Beitragvon Ekkehard » So 9. Nov 2014, 20:42

Hallo Bernd,
danke für die Anfrage. Zum Beispiel nutze ich das kürzere Sustain der Zederndecke für schnelle Stücke insbesondere Tremolo-Stücke, um eine bessere Trennschärfe zu erhalten. Aber wie schon gesagt - subjektives Empfinden. Andere mögen vielleicht eher die Verwischung der Töne zum Klangteppich.
Gruß
Ekkehard

Boyko
Beiträge: 152
Registriert: Fr 2. Nov 2012, 10:13
Wohnort: Karlsruhe

Re: Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Beitragvon Boyko » So 9. Nov 2014, 22:22

Hallo Ekkehard,

kürzeres oder längeres Sustain haben Instrumente sowohl mit Zederndecke als auch mit Fichtendecke.
Das hängt vom Bau des konkreten Instrumentes ab.
Wenn es um individuell gefertigten Meistergitarren geht, dann ist es meistens das Resultat der Klangvorstellung des jeweiligen Gitarrenbauers.
Die Fabrikgitarren werden meistens nicht so fein getuned, weil die Fertigungsvorgaben normalerweise über die Eigenschaften des konkreten Stück Holz stehen.

Aber zum m.E. entscheidendsten Unterschied zwischen Fichte und Zeder:
Die Erfahrung mehrerer mir bekannter Gitarristen (und meine ebenfalls) ist, dass die Fichte eine größere Klangfarbenpalette ermöglicht, als die Zeder zu bieten hat.
Das ist glaube ich vor allem die Eigenschaft, die am meisten viele Gitarristen in Richtung Fichte anlockt.
Der Klang hat natürlich auch einen anderen Charakter, aber für mich punktet die Fichte mit der Variabilität in der Klanggestaltung.
Zeder finde ich dadurch etwas einfacher zu spielen, weil man eben (meistens) weniger Klangmittel zur Verfügung hat. Es sein denn es geht um eine feine Friederich, Fleta oder alte Ramirez. :)

LG
Boyko

Ekkehard
Beiträge: 109
Registriert: So 21. Apr 2013, 19:36

Re: Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Beitragvon Ekkehard » Mo 10. Nov 2014, 06:22

Hallo Boyko,
danke für deine Erklärung.
Ekkehard
PS: ne feine Hegewald ist es

Playbär
Beiträge: 7
Registriert: Mi 26. Okt 2016, 16:07

Re: Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Beitragvon Playbär » Do 10. Nov 2016, 09:40

Hallo Bernd,

Deine Erläuterungen zu den Klangcharakteristika von Zeder und Fichte, haben mich - im Rahmen meiner Möglichkeiten als Gitarrenanfänger - "erleuchtet". Ich kann zwar die Unterschiede selbst nicht spielerisch austesten, da ich nur eine Gitarre besitze, aber es hat mir geholfen mehr zu verstehen, auf was ich ggf. achten sollte, wenn ich mal über den Kauf einer weiteren Gitarre nachdenke. Da ich ein Anfängermodell von Hellweg (CS 30) mit massiver Fichtendecke und Korpus aus gesperrter Buche spiele, würde mich interessieren, wie sich die Buche auf die Klangeigenschaften der Fichte auswirkt. Du hattest ja in Deinem Artikel nur Bezug auf den wohl weitverbreitete Mahagonikorpus genommen. Am Rand mag ich andeuten, dass mich die dunklen Hölzer beim Korpus optisch ungemein ansprechen, insbesondere in Verbindung mit einer helleren Decke. Die CS 30 ist ja "rundum" mit hellem Holz gebaut, was mir eigentlich nicht sooo gut gefällt. Ich hatte allerdings einmal eine LaMancha Rubi für ein paar Tage zum Testspielen zur Verfügung und für einen fairen Preis zum Angebot - aber der Klang meiner CS 30 überzeugte mich mehr und so kam das Geschäft nicht zustande. Das warme Timbre der LaMancha hatte aber natürlich auch etwas ...

Würde mich freuen, wenn Du etwas zu Buche als Korpusholz zu meiner Erleuchtung sagen könntest :)

Vielen Dank und beste Grüße
Playbär

Benutzeravatar
docsteve
Beiträge: 499
Registriert: So 4. Nov 2012, 16:00

Re: Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Beitragvon docsteve » Do 10. Nov 2016, 14:08

Wow, exakt 2 Jahre bis zur Auferstehung des Thread.

Buche als Korpusholz ist extrem selten. Ich hätte es noch nie gesehen oder gehört. Da Buche zu den Harthölzern zählt, würde ich einen eher brillianten Klang vermuten. Eine Einsteigergitarre mit Fichtendecke und Korpus aus Buchenlaminat weckt sicherlich im Forum kein GAS. Die Decke ist vermutlich nicht so toll, dass unterschiedliche Korpushölzer hier viel ausmachen.

Viele Grüße, Stephan

Playbär
Beiträge: 7
Registriert: Mi 26. Okt 2016, 16:07

Re: Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Beitragvon Playbär » Do 10. Nov 2016, 16:15

Hallo docsteve,

danke für Deine Einschätzung, auch wenn Deine Antwort stark den Eindruck erweckt Du hälst sie für unter der Würde des Forums. Leider weiss ich nicht was "GAS" heissen soll. Irgend etwas erwecken wollte ich auch nicht, sondern eine Frage adressieren. Wenn das Forum nur für den Austausch zwischen Spielern hochwertiger Gitarren gedacht ist, bin ich hier vielleicht falsch und bitte um Verzeihung. Die Gitarre ist übrigens durchaus als Einsteigermodell verbreitet, daher weiss ich nicht, warum der Einsatz des Buchenlaminats "extrem selten" sein sollte.

Beste Grüße
Playbär

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 2846
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Do 10. Nov 2016, 17:04

Hallo Playbär,

danke für die Blumen ;-)

Zur Buche kann ich Dir nichts sagen, da das Holz tatsächlich keine nennenswerte Verbreitung hat und nur im Einsteigerbereich zu finden ist. Im Einsteigerbereich ist es von untergeordneter Bedeutung, ob der Korpus aus Ahorn oder Mahagoni besteht. Hier liegt der Fokus neben guter Besielbarkeit auf einem präsenten, klaren und einigermaßen transparentem Ton. Wichtig ist nur, dass der Korpus aus einem Hartholz besteht. Im Profibereich hatte Stefan Schlemper mal Birnenholz angeboten. Manche Hersteller möchten mit einheimischen Hölzern ein Zeichen für Umweltschutz setzen. Sofern das Klangbild ok ist, ist dagegen nichts einzuwänden. Bessere Einsteigergitarren bestehen aus Nussbaum oder (ostindischen) Palisander. Am Besten testet man die unterschiedlichen Hölzer im Fachhandel aus. Bspw. habe ich meine ersten Aha-Erlebnisse im Musikladen Eberstadt in Darmstadt gemacht. Die haben im 1. Stock Räume, wo man ungestört testen kann (haben andere Geschäfte bestimmt auch).

Richtig ist, dass viele Forenmitglieder hochwertige Gitarren haben, die teilweise sogar bis in den 5stelligen Bereich gehen. Aber darauf kommt es nicht an. Ein Anfänger sieht meist nicht den Vorteil von Mittelklassegitarren im Anfängerunterricht. Das ist aber gar nicht wichtig. Wichtig ist das, was oben gesagt habe und damit einher gehend auch eine gute Verarbeitung, was insbesondere die Bünde betrifft. Sind die nicht poliert, dann kommt mit dem ersten zusammenhängenden Spielfluss Frust auf, weil dies die Gitarre sehr störanfällig Nebengeräusche ist und permanentes Greifen vor dem nächsten Bundstäbchen mit erhöhtem Kraftaufwand erfordert. Wenn man sich als Anfänger bei ca. 200 € orientiert, dann stimmt die Orientierung. Die Wahrscheinlichkeit hier einen "Griff ins Klo" zu machen, ist sehr gering. Man bekommt nichts Besonderes aber ein akzeptables Anfängerinstrument. Ich denke, das ist das, was Stephan meinte.

Manchmal hat es den Anschein als ob hier ein teurer Gitarrenfuhrpark erforderlich wäre. Aber der Schein trügt. Wer mit der Zeit mehr Fortschritt und Erfahrung gesammelt hat, wird ab einem gewissen Punkt höherwertige Instrumente zu schätzen wissen. Das kann man damit vergleichen, dass man als Jugendlicher froh ist, wenn man einen Ghettoblaster hat. Verdient man etwas mehr Geld, dann kauft man sich eine Stereoanlage und nimmt akustische Qualitäten anders wahr. Meine Infinity Boxen habe ich mir auch erst mit 30 Jahren geleistet. Vorher war ich auch mit Durchschnittsboxen an einem einfachen Verstärker zufrieden. Das hat aber nichts damit zu tun, dass wir hier nur über High End reden wollen. Natürlich tun wir das, aber nicht um andere auszugrenzen sondern weil man gerne fachsimpelt. Insofern sind wir auch gitarristische Stammtischphilosophen. Aber wir haben auch sehr engagiert die Anfänger im Auge ;-)

GAS ist die Abkürzung für Guitar Akquisition Syndrome = Gitarrenkaufrausch.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

rwe
Beiträge: 132
Registriert: Di 9. Dez 2014, 23:22

Re: Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Beitragvon rwe » Do 10. Nov 2016, 17:35

Playbär hat geschrieben:Wenn das Forum nur für den Austausch zwischen Spielern hochwertiger Gitarren gedacht ist, bin ich hier vielleicht falsch und bitte um Verzeihung.


Nicht nötig... - und unter den Nutzern des Forums haben erstens alle mal angefangen und zweitens sind einige auch als Lehrer unterwegs.

Playbär hat geschrieben:Die Gitarre ist übrigens durchaus als Einsteigermodell verbreitet, daher weiss ich nicht, warum der Einsatz des Buchenlaminats "extrem selten" sein sollte.


Na ja, zwar sind die Hellweggitarren recht weit verbreitet, aber Buche ist auch für Hellweg (CHD) ein recht neues Korpusholz, vielleicht 10 oder 15 Jahre alt, vielleicht weniger. Parallel hat Hellweg ja auch noch die Mahagoniinstrumente. Und bei Thomann findest Du bei 319 gelisteten Nylonsaitengitarren gerade 3 mit Buche, und die sind im unteren Preissegment... Ist schon selten. ALLERDINGS: CHD bietet schon ordentliche Schülerinstrumente an, egal aus welchem Holz (habe selbst einige mit Buche gespielt).

Ansonsten zur Frage: Buche + Fichte: Es ist eigentlich Tradition, dass helle Hölzer wie Ahorn, Zypresse und eben auch Buche mit Fichtendecken verbaut werden. (Höfner bietet ein Modell mit Zederndecke und Ahornkorpus an.) Ich vermute, dass es auch mal empirisch durchprobiert wurde und sich als nicht so gut herausgestellt hat. Zederndecken hast Du dann bei "dunklen" Hölzern, die ja nicht nur eine andere Farbe, sondern als Tropenhölzer auch andere Eigenschaften haben. (Wir haben in der Familie zwei CHD-Viertelgitarren, eine in "hell", eine Zeder/Mahagoni. Beide klingen anders, mir persönlich gefällt hier die "dunkle" klanglich etwas besser, was aber "Geschmack" ist.)

Playbär
Beiträge: 7
Registriert: Mi 26. Okt 2016, 16:07

Re: Was ist besser: Fichte oder Zeder?

Beitragvon Playbär » Fr 11. Nov 2016, 10:29

Hallo Bernd,

danke für die ausführliche Antwort.

Beste Grüße
Playbär


Zurück zu „Besondere Abhandlungen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder