Beschallung von Gitarren

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chrisb
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Re: Beschallung von Gitarren

Beitragvon chrisb » So 15. Nov 2020, 11:31

chrisb

Charlie
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Re: Beschallung von Gitarren

Beitragvon Charlie » Di 12. Jan 2021, 11:32

Klaus war so nett, an anderer Stelle diesen Link hier für uns einzustellen:

http://www.moz.ac.at/user/rwolff/Eigene ... meset.html

Unter Gliederungspunkt "14.2.1 Arten von Saiten" findet sich im 3. Absatz eine Anmerkung, dass sich die Decke der Gitarre auf bestimmte Schwingungsfrequenzen durch Mikrorisse in den Ligninfasern des Holzes einstelle und die Decke so dann optimal für diese Frequenzen schwinge.

Viele Grüße
Charlie

Karel
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Re: Beschallung von Gitarren

Beitragvon Karel » Mi 13. Jan 2021, 14:14

ToneRite for guitar. Dieses kleine Gerät wurde vor mehreren Wochen oben in einem Link vorgestellt und ich war neugierig und habe es nach längerem Überlegen gekauft. Nach einigen Wochen Einsatz ist meine Erfahrung: Wenn eine Gitarre längere Zeit (bei mir waren es fast 4 Monate) nicht gespielt wurde, im Koffer "einschlief", dann wird sie durch den ToneRite innerhalb von 3-4 Tagen "geweckt". Den ToneRite ließ ich über Nacht laufen, insgesamt waren es ca. 40-50 Std. Der Klang wird offener, durchhörbarer und lauter. Aber Wunder darf man sich natürlich nicht erwarten, oder: was das Holz der Gitarre nicht hergibt, kann der ToneRite nicht herzaubern. Den gleichen Effekt habe ich bei einen neuen Gitarre erzielt. Der ToneRite kann in verschiedener Intensität eingestellt werden und brummt dementsprechend leiser oder lauter. Er wird über die Saiten am Steg gelegt und vibriert brav vor sich nicht. Natürlich ist das viel leiser als eine Beschallung über Lautsprecher. Wenn er richtig angewendet wird, kann an der Gitarre kein Schaden entstehen.

Charlie
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Re: Beschallung von Gitarren

Beitragvon Charlie » Do 14. Jan 2021, 06:47

Karel hat geschrieben:Wenn eine Gitarre längere Zeit (bei mir waren es fast 4 Monate) nicht gespielt wurde, im Koffer "einschlief", dann wird sie durch den ToneRite innerhalb von 3-4 Tagen "geweckt". Den ToneRite ließ ich über Nacht laufen, insgesamt waren es ca. 40-50 Std. Der Klang wird offener, durchhörbarer und lauter.

Hallo Karel,
bislang gibt es ja mehrere Deutungsversuche, warum das so ist. Sie gehen von Einbildung über Verdrängung von Feuchtigkeit bis hin zum Lösen von Verspannungen im Holz oder dem Verändern der Harzstruktur. Alle diese Punkte könnten ein Rückentwickeln beim Nichtspielen erklären, was Du als Einschlafen bezeichnest.
Und dann schreibt Prof. Dr. Wolff wie oben verlinkt, dass es Mikrorisse in den Fasern sein sollen, die beim Einspielen entstehen. Diese wachsen sicher beim Liegenlassen einer Gitarre nicht wieder zusammen. Wenn dieses die Ursache für die Entwicklung der Klangeigenschaften einer Decke wäre, dann wäre die Klangveränderung wohl eher von Dauer?
Es bleibt spannend, was hier eigentlich passiert ...
Danke fürs teilen Deiner Erfahrung!
Viele Früße
Charlie

Karel
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Re: Beschallung von Gitarren

Beitragvon Karel » Do 14. Jan 2021, 17:06

Danke für das feedback. Eine Profi-Gitarristin sagte mir mal nebenbei, eine Gitarre muss gespielt werden, sonst klingt sie nicht so gut, wie sie könnte ... und da fiel mir ein, dass vor Jahren jemand im Freundeskreis von einem Menschen in seiner WG sprach, der seine Gitarre ständig vor die Lautsprecher seiner Musikanlage stellen würde, um sie zu beschallen. Ich habe es ja dann auch mit dieser Methode probiert, mit hörbarem Erfolg, allerdings ist das ständige Musikdröhnen in der Wohnung auch anstrengend ... Deswegen der ToneRite-Versuch. Erfahrene Gitarristen sagen ja auch, dass wenn eine alte Gitarre eines guten Herstellers in superzustand angeboten wird, etwas nicht stimmen kann, oder: sie wurde möglichweise nicht gespielt, weil sie nicht gut klingt (weil kein gutes Holz gewählt wurde). Aber wie gesagt, der ToneRite zeigt nach ca. 40-50 Std. Anwendung, in welche Richtung der Gitarrenklang sich entwickelt. Wenn gar keine Veränderung zu hören ist, wäre ich bei der Gitarre sehr skeptisch. Kommende Woche bin ich wieder zu Hause, wo einige Gitarren stehen, die ich einer ToneRite-Behandlung unterziehen werde (komme mir schon vor wie ein Guitardoc :D :D , mal sehen, zu welchem Ergebnis isch da komme. Beste Grüße und Gesundheit wünscht Karel

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Re: Beschallung von Gitarren

Beitragvon Charlie » Do 14. Jan 2021, 18:00

Hallo Dr. Karel :-),
was meinst Du, was bringt es, wenn man in der ToneRite-Phase ein Kapo alle paar Stunden wechselnd in verschiedenen Bundpositionen platziert? Bringt das zusätzlich was oder simuliert der ToneRite alle Frequenzen von selbst?
Viele Grüße
Charlie

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Re: Beschallung von Gitarren

Beitragvon Karel » Fr 15. Jan 2021, 18:44

Hallo, hmmmm ... so etwas habe ich noch nicht probiert, aber ich glaube nicht, dass es viel bringt, zumal ja der ToneRite eine große Bandbreite an Vibrationsanzahl hat (oder wie ich das nennen soll...). Ich habe einfach mal 2 Nächte höchste Vibration eingestellt, dann mal medium und mal ganz wenig. Der Hersteller schreibt in der Anleitung, das zB die maximale Einstellung der Projektion zugute kommen soll, was ich bejahen würde. Hast du einen ToneRite gekauft, bestellt? Vorsicht bei der Volt-Einstellung, es gibt 230V Typen für Europa 8und 110V für die USA mit jeweils anderen Steckern.

Charlie
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Re: Beschallung von Gitarren

Beitragvon Charlie » Sa 16. Jan 2021, 17:04

Karel hat geschrieben:Hast du einen ToneRite gekauft, bestellt? Vorsicht bei der Volt-Einstellung, es gibt 230V Typen für Europa 8und 110V für die USA mit jeweils anderen Steckern.

Hallo Karel,

nein, noch nicht, danke für den Hinweis mit 110/220!
Ich habe zwar sehr viel Spaß an solchen Experimenten, aber ich bin gerade auf einer anderen Spur.

In diesem Thread
https://www.musiker-board.de/threads/gi ... rt.574914/
wird das Einspielen innerhalb einer Stunde mit einem Kapo und einem Slide beschrieben. Etwas lang, bis es auf den Punkt kommt, auf der 2. Seite im 2. Beitrag wird dann das Verfahren beschrieben.
Kurzform: Per Kapo und Strumming wird soweit es geht bis in die hohen Lagen gespielt und dann auf einen Slide gewechselt, mit dem bis über das Schalloch hinaus in Richtung Steg weiter gestrummt wird. Hier sollen dann die Obertöne vermehrt rausgekitzelt werden. Und nach Benno Streu liegt der Geist der Gitarre ja gerade in den Obertönen ;-)
Klingt spannend und heute habe ich diese buddhistische Demutsübung mal auf mich genommen und eine Stunden lang mit Gehörschutz (wichtig!) nach diesem Verfahren meine Gitarre bearbeitet. Naja, ich habe nur 45 Minuten durchgehalten. Dabei habe ich auf den Kapo verzichtet und habe mit dem Slide vom ersten Bund an alle Saiten 10-20 mal durchgestrummt und bin dann einen Bund höher gewandert, bis hinter das Schalloch und dann wieder zurück.
Nun ist es natürlich schwer, ein objektives Ergebnis im Vergleich vorher-nachher zu finden und ich möchte erst einmal darauf verzichten etwas dazu zu sagen, vorher möchte ich gerne eine zweite Meinung einholen :D

Lieber Karel,
hast Du evtl. auch Lust, dieses Verfahren mal auszuprobieren?

Eine "Warnung" vorweg, die ich an anderer Stelle im Zusammenhang mit den Einspielexperimenten gehört habe: ein mehr an Obertönen ist vielleicht nicht bei allen Gitarren gewünscht, wer also schon genug davon hat, sollte auf ein weiteres "künstliches" Einspielen lieber verzichten.

Viele Grüße
Charlie

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Re: Beschallung von Gitarren

Beitragvon Karel » So 17. Jan 2021, 18:27

Das ist ja interessant und gleichzeitig völlig verrückt, aber das sind wir ja eh ... :D :lol: :lol:
Hat dich deine Familie aus der Wohnung geworfen? Oder der Vermieter? John Cage hätte seine Freude an dem Experiment gehabt.
Nun ich werde es mal probieren, aber wenn du von slide sprichst, dann war die Gitarre eine steelstring?
Ich habe nach einigen Tagen Pause wieder die eine mit ToneRite aufgeweckte Konzertgitarre gespielt und: es ist wirklich eine positive Klangveränderung hörbar.
Beste Grüße
Karel

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Re: Beschallung von Gitarren

Beitragvon Charlie » Mo 18. Jan 2021, 06:21

:D
@ Karel
es ist eine klassische Nylon-Gitarre.

Die Ergebnisse des 45ig minütigen Strummings mit Kapo und Slide haben mich sowohl erschreckt als auch begeistert.
Dass man mit guten Willen vielleicht ein wenig an Ergebnis heraushören könnte, nagut, dass hätte ich vielleicht noch erwartet, was sollen die paar Minuten schon bringen ...
Gegenüber dem monatelangen händischen Zupfen, dem Tonerite-Verfahren und dem nebenbei vor Lautsprecher stellen entsteht durch das Strumming eine weitaus heftigere Schwingungsentwicklung und Lautstärke, die tatsächlich bei mir eine sehr deutlich Veränderung der Gitarre bewirkt hat.
Ist natürlich subjektiv, und alle Einwände von Einbildung bis Unmöglich sind in oben verlinkten Thread schon ausreichen geäußert worden, das müssen wir hier sicher nicht nochmal wiederholen.

Mein Ergebnis: ein deutlich verändertes Gesamtklangbild, ein vorher leicht näselndes mittiges Klangbild ist deutlich aufgehellter und offener.
Hätte ich so nie erwartet und obwohl ich das neue Ergebnis klanglich sehr angenehm finde so bin ich doch auf der anderen Seite sehr erschrocken, dass innerhalb so kurzer Zeit eine so deutliche Veränderung geschehen kann und dieser vorherige leicht näselnde Klangcharakter so stark in den Hintergrund gerückt ist und sich in Richtung zu mehr Ausgeglichenheit, Brillianz und Obertönen verändert hat.
Viele Grüße
Charlie


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