krummer Hals

Reparatur & Gitarrenbau, Justierung, Pflege, Luftfeuchtigkeit, Tonabnahme, ...
Karel
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krummer Hals

Beitragvon Karel » Sa 30. Okt 2021, 15:15

Schönen Tag! Bevor ich zum Gitarrenbauer gehe, möchte ich hier anfragen, ob es Erfahrungen gibt mit folgendem Problem: Ich habe ein gut gepflegte alte Made in Japan Konzertgitarre von ca. 1980 (für das Sigma Label importiert von Levin), die wie viele der alten Japan-Gitarren schön und kräftig klingt. Allerdings hat vor mir jemand mal Stahlsaiten aufgezogen und dadurch den Hals gekrümmt, so dass die Gitarre bei bester Einstellung von Sattel und Stegeinlage nur bis zum ca. 7. Bund spielbar ist. Ich habe irgendwo gehört, dass man das unter Wärmeeinfluss etwas korrigieren kann, stimmt das? Besten Dank für eure Antworten in Voraus und beste Grüße, Karel

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Bernd C Hoffmann
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Re: krummer Hals

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 30. Okt 2021, 15:54

Das mit dem Wärmeeinfluss lese ich zum ersten Mal. Es fällt mir schwer zu glauben, weil der Hals i. d. R. außerhalb des Griffbretts lackiert ist. Handelt es sich um Nitrolack, dann werden wahrscheinlich unschöne Lackrisse die Folge sein. Der normale Weg beim Gitarrenbauer ist es, nach Entfernung der Bünde den Hals im Winkel durch Hobeln wieder in den richtigen Winkel zu bringen. Dabei kann je nach Winkelgeometrie ein neues Griffbrett erforderlich werden. Neubundierung und Abrichtung der Bünde werden dabei eingepreist. Ich würde hierfür sicherheitshalber zwischen 300 und 400 € kalkulieren. Wahrscheinlich ist es günstiger, wenn der Gitarrenbauer keine weiteren Fehler findet. Grundsätzlich sind Gitarrenbauer bei solchen Arbeiten in ihren Vorabschätzungen meiner Erfahrung nach sehr zuverlässig.
Liebe Grüße
Bernd
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Klampfenkarl
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Re: krummer Hals

Beitragvon Klampfenkarl » So 31. Okt 2021, 03:29

Im Werkstattbuch von Benno K. Streu ist eine solche Methode beschrieben. Grundlage ist die Überlegung, dass die Weiß- oder Warmleime, die verwendet werden, um den Hals und das Griffbrett zu verbinden, bei 60° bis 80°C plastisch werden und man Hals und Griffbrett dann leicht zueinander verschieben und in dieser Position wieder erkalten lassen kann. Die genaue Beschreibung unterliegt wahrscheinlich einem Copyright. Nur soviel: Er nimmt zum Richten ein Vierkantholz, das mit Ausgleichsplatten und Schraubzwingen an Hals und Korpusende befestigt wird und erhitzt den Hals mit einem um den Hals gewickelten Heizband, das mit einem Tuch abgedeckt wird und in dem ein Thermometer zur Kontrolle der Temperatur steckt. Je nach Lack muss tatsächlich nachpoliert oder nachgearbeitet werden.
Das Buch „Über die Restaurierung von Meistergitarren“ kann übrigens immer noch bei seinem Sohn bestellt werden.

Karel
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Re: krummer Hals

Beitragvon Karel » So 31. Okt 2021, 11:29

Ok, danke!!! Ich werde meinen Profi-Gitarrenbauer fragen, ob er die bzw. eine ähnliche Methode kennt und dann hier berichten.

Die Heike
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Re: krummer Hals

Beitragvon Die Heike » Mo 1. Nov 2021, 08:30

Klampfenkarl hat geschrieben:Im Werkstattbuch von Benno K. Streu ist eine solche Methode beschrieben. Grundlage ist die Überlegung, dass die Weiß- oder Warmleime, die verwendet werden, um den Hals und das Griffbrett zu verbinden, bei 60° bis 80°C plastisch werden und man Hals und Griffbrett dann leicht zueinander verschieben und in dieser Position wieder erkalten lassen kann. Die genaue Beschreibung unterliegt wahrscheinlich einem Copyright. Nur soviel: Er nimmt zum Richten ein Vierkantholz, das mit Ausgleichsplatten und Schraubzwingen an Hals und Korpusende befestigt wird und erhitzt den Hals mit einem um den Hals gewickelten Heizband, das mit einem Tuch abgedeckt wird und in dem ein Thermometer zur Kontrolle der Temperatur steckt. Je nach Lack muss tatsächlich nachpoliert oder nachgearbeitet werden.
Das Buch „Über die Restaurierung von Meistergitarren“ kann übrigens immer noch bei seinem Sohn bestellt werden.


Ich habe die Stelle jetzt auch mal nachgelesen. Der Aufbau klingt ziemlich abenteuerlich. Vor allem, die Schraubzwingen am Korpus lösen bei mir ein mulmiges Gefühl aus. In der Theorie ist es natürlich bestechend einfach und logisch und das Lösen der Verleimung ist (sofern ein sich bei Wärme auflösender Leim verwendet wurde) sicher nicht das Problem. Ich sehe eher das Problem, dass sich das Griffbrett dann verschiebt. Und da reicht ein 1/2 mm, dass die ganze Aktion umsonst ist. Aber Benno Streu hat sicher gewusst was er da schreibt. Vielleicht hat er die Seiten ja noch abgesichert.

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Bernd C Hoffmann
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Re: krummer Hals

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Di 2. Nov 2021, 02:03

Ich würde darauf vertrauen, dass der beauftragte Gitarrenbauer die Fertigkeiten beherrscht, die für die betreffende Reparatur am besten geeignet ist. Ich sehe das wie in der Mathematik: Es führen mehrere Wege nach Rom ;-) Man kann den Gitarrenbauer fragen, auf welche Weise er die Reparatur vornimmt. Das Risiko für Verschlimmbesserungen wird er abschätzen können und aus dem Weg gehen.
Liebe Grüße
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Re: krummer Hals

Beitragvon Karel » Do 11. Nov 2021, 14:26

Liebe Leute, habe bei meinem Gitarrenbauer angefragt, er ist Profi und restaurierert viele alte Instrumente. Einen krummen Hals würde er mit Anpassung des Griffbretts oder wenn das nicht mehr geht, mit einem neuen Griffbrett zu beheben versuchen. Da das natürlich mit Neubundierung und evtl einer Lackierung einhergeht, ist es schon aufwendig und dementsprechend nicht ganz billig. Mit einer Wärmetechnik arbeitet er nicht. Grüße Karel


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