Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

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Die Heike
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Re: Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

Beitragvon Die Heike » Fr 27. Aug 2021, 07:34

Bernhard Hiller hat geschrieben:
Die Heike hat geschrieben:Abrichten der Bünde
Hast du dabei hoffentlich beachtet, daß das Griffbrett leicht "durchhängen" soll, und damit am 10. Bund tiefer liegen als am 1. oder 17.?
Oder andresrum ausgedrückt: wenn man eine Saite gleichzeitig am ersten und einem sehr hohen Bund herunterdrückt, sollte sie um den 10. Bund herum nicht das Bundstäbchen berühren.
Das verhindert Schnarrgeräusche.


Wie ich in dem Post über das Griffbrett geschrieben habe:

Die Heike hat geschrieben:In das Griffbrett habe ich noch einen ganz leichten Relief eingeschliffen.


Beim Abrichten der Bünde habe ich natürlich darauf geachtet, dass der Relief erhalten bleibt und das ist auch gelungen. Ob ein Relief überhaupt notwendig ist und wenn ja wieviel, darüber gibt es ja unterschiedliche Meinungen. Es gab ja auch hier im Forum mal eine lebhafte Diskussion darüber mit dem Kollegen WGgitarre.

https://www.klassikgitarre-forum.de/viewtopic.php?f=50&t=5434#p27433

Ich habe da auch keine Erfahrung aber sicherheitshalber habe ich es mal gemacht. Schaden wird es nicht.

Die Heike
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Re: Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

Beitragvon Die Heike » So 29. Aug 2021, 13:43

Und nun zur letzten Kleinigkeit beim Bau meiner Fleta:

Die Brücke

Eine Fleta Brücke ist ja sehr leicht erkennbar an den beiden seitlichen Knocheneinlagen am Knüpfblock. Die meisten (nicht alle) haben auch das zentrale Mosaik der Rosette in der Mitte des Knüpfblocks. Das wollte ich auch so haben.

Ich hatte mir schon mehrere schöne Palisanderrohlinge besorgt. Den schönsten habe ich dann auf Maß gesägt und mit dem Drumsander auf die gewünschte Höhe gebracht.

Bild

Nach dem Sägen der Kerbe für die Stegeinlage ist mir der Rohling gleich zerbrochen. Zu tief gesägt.

Also den zweitschönsten Rohling auf Maß gesägt, durch den Drumsander gejagt und wieder frisch drauf los gesägt. Die Höhen haben nun zwar gepasst, ich hatte mehrere Ausrisse und das Ganze hat so Schei....e ausgesehen, dass ich auch diesen wieder verworfen habe.

Nach ein paar Tagen Frustbewältigung habe ich mich entschlossen eine vorgefertigte Brücke zu nehmen und nur die Mosaiks einzuleimen. Das hat zwar geklappt, aber die Brücke schaute halt so gar nicht nach Fleta aus.

Bild

Irgendwann hat mich dann doch wieder der Ehrgeiz gepackt und ich wollte die Brücke dann doch selbst machen. Also nochmal alle Schritte nachgelesen im Kopf durchgegangen, den drittschönsten Palisanderrohling auf Maß gebracht und durch den Drumsander geschickt und los ging es.

Schritt 1: Löcher bohren

Löcher anzeichen

Bild

Löcher bohren

Bild

Passt

Bild

Schritt 2: Schlitze für Stegeinlage und Knüpfblock sägen

Diesmal habe ich die Schnitttiefe der Säge 5 x nachgemessen.

Passt

Bild

Schritt 3: Mosaik leimen und bündig machen
Passt

Bild

Schritt 4: Mosik in Knüpfblock einfräsen und einleimen

Passt

Bild

Schritt 5: Kanäle für Knocheneinlagen fräsen

Passt


Bild

Schritt 6: Flügeln ausfräsen

Passt nicht

Bild

Nach dem Abfräsen hat sich herausgestellt, dass der Schlitz vor dem Knüpfblock doch wieder zu tief gesägt war, da ich anscheinend die Löcher etwas zu tief angesetzt hatte und ich jetzt einen ca. 1mm tiefen Schlitz in den Flügeln hatte. Ich war sauer.

Bild

Nochmal neu machen? Nein, sicher nicht. Wie schön öfters erwähnt ist Holz geduldig. Also habe ich aus ein paar Palisanderresten passende Späne geschnitzt und diese in die Kanäle eingeleimt. Dann mit der Shoeshine Methode die Rundung geschliffen und es ist eigentlich nichts mehr zu sehen.

Bild

Wie man sieht habe ich mittlerweile auch schon die Knocheneinlagen eingeleimt und die Flügel abgeschrägt. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Es ist kein Glanzstück geworden, aber die Brücken von den alten Fletas (vom Vater) sehen auf den Fotos auch nicht so ganz perfekt aus. Man sieht da auch, dass diese von Hand gemacht wurden. Soweit passt das für mich.

Bild

Die Heike
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Re: Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

Beitragvon Die Heike » So 29. Aug 2021, 14:07

Die Brücke muss natürlich noch auf die Gitarre geleimt werden. Da kam wieder mein Go bar deck zum Zug. Ich habe mir da auch viele Varianten angesehen und überlegt. Es gibt da ja wirklich viele teils abenteuerliche oder auch recht teure Konstruktionen. Ich bin dann bei der unten gezeigten Variante mit einer Klemmsia Zwinge zentral und den Klemmstäben an den Flügeln gelandet.

Bild


Das hat auch problemlos funktioniert. Ich habe mir auch länger überlegt, ob ich zwecks Kompensation eine schräge Stegeinlage machen soll, aber Fleta hat eine gerade. Also habe ich die Brücke leicht schräg aufgeleimt mit 2mm Kompensation auf der Bass- und 1mm auf der Diskantseite. Fällt optisch kaum auf.
Und das ist nun das finale Resultat.

Bild

Und hier noch einmal der Verglich einer original Fleta Brücke und meiner.

Bild

Ich denke die Idee dahinter erkennt man.

Nun gut. Die Bautätigkeit wäre somit abgeschlossen. Hat nun doch etwas über 1 Jahr gedauert. Jetzt kommt noch der schöne Teil, nämlich das Schellackieren.

Ich habe vor einiger Zeit den thread von Kuno Wagner entdeckt, wo er über den Bau seiner Torres Kopie berichtet hat und geschrieben hat, dass diese in 1 Tag schellackiert wurde. Da musste ich heftig schmunzeln. Entweder hatte der gute Kuno da ordentlich geflunkert oder das was gemacht wurde war einfach nur ein besserer Schutzanstrich.

Eine richtiges French Polish (und nur ein solches ist einer Fleta würdig) dauert schon ein bisschen länger. Aber dazu mehr nächstes mal.

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Re: Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

Beitragvon pianoguitar » So 29. Aug 2021, 16:40

Auch wenn ich mich hier zum x-ten Mal wiederhole: Gratulation und Hochachtung, das ist richtig klasse !! :)

Gruß
Peter
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Re: Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

Beitragvon chrisb » So 29. Aug 2021, 19:08

Ja, super!
chrisb

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Re: Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 29. Aug 2021, 22:11

Ich schließe mich an. Soviel Herzblut in die Konstruktion zu legen, dass man über ein Jahr daran arbeitet, und in einem derart großen Projekt viel handwerkliches Geschick trainiert und Gehirnschmalz investiert, verdient auch einen großen Respekt! Auch bin ich dankbar, dass Du Deine ganze Arbeit, liebe Heike, hier für uns dokumentiert hast.

Jetzt stehen im Grunde nur noch 2 Dinge aus, nämlich das Ergebnis der Lackierung und ein Klangbeispiel. Mit Spannung bin ich auch auf diese Präsentationen gespannt :)
Liebe Grüße
Bernd
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kallemann
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Re: Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

Beitragvon kallemann » Mo 30. Aug 2021, 14:14

Auch meine Hochachtung für diese tolle Arbeit. So etwas schafft man nur mit Geduld und ohne Hektik.
Also - ein Tag für eine Schellack-Lackierung - das halte ich auch für ein Scherz.
Meine Gitarre hatte durch ein Missgeschick meinerseits ein Schaden an der Decke die von einem Gitarrenbauer zwar repariert wurde
aber am Lack wollte er nicht machen. Sichtbare Druckstellen und Haarrisse waren nicht das was ich wollte.
Ich habe selbst die Decke vollkommen abgeschliffen und mit Schellack lackiert. Ballen-Lackierung. Lack, Porenfüller und Polieröl von Contura.
An einem Tag schafft man höchsten einen Durchgang mit Porenfüller.
Weiterhin viel Erfolg. Grüße kallemann

rwe
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Re: Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

Beitragvon rwe » Mo 30. Aug 2021, 17:50

kallemann hat geschrieben:An einem Tag schafft man höchsten einen Durchgang mit Porenfüller.
Hmm, du hast dabei aber nicht 8 Stunden am Stück je Durchgang gearbeitet, oder? Ich halte das Video von Held (https://www.gitarrenbau-held.de/2015/09 ... ckpolitur/) für ziemlich real time. Das natürlich bei einem vorbereiteten Korpus. Und ohne Trockenzeiten etc. Wenn ich die Zeit hochrechne, dann kann ich innerhalb von 8 Arbeitsstunden netto schon recht viele Schichten aufbringen. (Ich habe bei mir für einen Versuch auf einem ramponierten Billig-Instrument schneller gearbeitet, aber das war auch nur ein erster Materialversuch und das sieht man auch, zumal ich gerade beim Schleifen und Polieren geschlampt habe.)

kallemann
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Re: Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

Beitragvon kallemann » Mo 30. Aug 2021, 18:49

Klar, ich habe mir natürlich Zeit gelassen. Eine Schicht und dann lange genug trocknen lassen.
PS: das Video ist auch nützlich. Grüsse kallemann

chrisb
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Re: Ich bau mir eine FLETA (maybe I play then betta)

Beitragvon chrisb » Di 31. Aug 2021, 12:30

rwe hat geschrieben:
kallemann hat geschrieben:...... Wenn ich die Zeit hochrechne, dann kann ich innerhalb von 8 Arbeitsstunden netto schon recht viele Schichten aufbringen......


?
pro tag trägt man eigentlich i.d.r. nur eine schicht auf.
dann lässt man mind. einen tag trocknen.
ansonsten kann sich die vorgänger schicht wieder lösen.
aber es soll ja auch spezialtechniken geben, da geht alles in einem tag (siehe oben erwähnten bericht von kuno).
diese geheimnisse erschließen sich mir jedoch nicht.
chrisb


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