Interview mit Tatyana Ryzhkova

Alles, was nicht in die Rubrik "Zubehör & Sonstiges" oder woanders hinein passt

Bannerwerbung Bannerwerbung Bannerwerbung
Der Spieler
Beiträge: 13
Registriert: Sa 1. Jul 2017, 11:40

Re: Interview mit Tatyana Ryzhkova

Beitragvon Der Spieler » Di 5. Dez 2017, 21:12

Hallo Tulius,

Wie viel Zeit ist vergangen bis du dir einen Lehrer genommen hast?

Seiten wie CGC gibt es viele im Netz. Lassen sich die Videos runterladen?

Die Internetgeschwindigkeit in Hotels ist manchmal grausam, da ist es von Vorteil die Videos auf der Festplatte zu haben.

Ich habe für mich die Videos von guitarnick genutzt. Fingerstyle Beginner Lesson 1 bis 99. Parallel das Buch Von Anfang an. Ich hatte lange schwierigkeiten ein C zu greifen das es sauber klingt. Mit hilfe der kurzen Videos hat es dann irgendwann geklappt.

Nimmst du regelmäßig unterricht und machst parallel CGC?

Gruß

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3292
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Interview mit Tatyana Ryzhkova

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Di 5. Dez 2017, 22:15

Der Spieler hat geschrieben:ich wohne in Bielefeld

Für qualifizierte Lehrer zu bekommen, brauchst Du in Bielefeld praktisch nur mit dem Finger zu schnippen. In der Nähe zum Aufgang der Sparrenburg bei der Teutoburger Straße gibt es das Bielefelder Gitarrenforum.

Der Spieler hat geschrieben:Da ich beruflich häufig unterwegs bin sollte der Lehrer flexibel sein was die Unterrichtszeit betrifft. Wenn ich unterwegs bin dann von Mo-Fr, unter Umständen auch mal 3 Wochen hintereinander sodass ich nicht regelmäßig Unterrichtet werden kann. Es sei denn der Lehrer unterrichtet auch am Samstag.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass Du für diese doch sehr außergewöhnliche Flexibilität jemand findest. Gitarrenlehrer und Musikschulen planen nach dem Prinzip der Raumauslastung. Mit Deinen Anforderungen ist das nicht leistbar.

Der Spieler hat geschrieben:Den Unterricht stelle ich mir Stil unabhängig vor, heißt ich bin nicht auf Klassik fixiert. Mir geht es in erster Linie um die Grundlagen.

Mit Verlaub, das kannst Du vergessen! Jeder Lehrer hat ein etabliertes als sein favorisiertes Lehrwerk, an dem er seine Unterrichtsplanung ausrichtet. Komplett ausgearbeitete Grundlagen für eine gute Technik gibt es nirgendwo besser und kompletter ausgearbeitet - und zwar in jedewede Details (!) - als in der klassischen Literatur. Hier herrscht zwar in weiten Teilen eine bestimmte Klangsprache vor, doch die technischen Fähigkeiten (gemeint ist hauptsächlich die Motorik) lassen sich auf jedes andere Klangmaterial anwenden. Wenn Du eine solide Technik erlernen willst, dann kommst Du an der klassischen Gitarrenliteratur nicht vorbei. Insbesondere haben sich bestimmte Lehrwerke deshalb etabliert, weil sie auf erfolgreichen Unterrichtskonzepten mit klar strukturierten Plänen basieren.

Das, was Du als "stilunabhängig" bezeichnest, existiert in dem Sinne nicht, weil für Deine Auslegung die Klangsprache entscheidend ist. Das ist jedoch der falsche Ansatz. Musik lebt im Wesentlichen von der Offenheit sich gegenüber bestimmten Gegebenheiten nicht zu verschließen. Aber genau das tust Du. Die "Stilunabhängigkeit", die Du glaubst zu finden, ist tatsächlich genau das Gegenteil. Du schränkst Deine Möglichkeiten lediglich ein.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

bassklampfe
Beiträge: 607
Registriert: Mi 14. Nov 2012, 16:56

Re: Interview mit Tatyana Ryzhkova

Beitragvon bassklampfe » Mi 6. Dez 2017, 09:27

Ich würde das mit dem Lehrer nicht so düster sehen. Es gibt sicher Privatlehrer, die bereit sind, nur gelegentlich eine Stunde zu geben. Das wird sich allerdings im Preis widerspiegeln. Und die Unterrichtsstruktur muss man ihm natürlich überlassen. Man kann sicher Wünsche zur Literatur äußern, aber mehr auch nicht.
______________
Gruß
bassklampfe

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3292
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Interview mit Tatyana Ryzhkova

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mi 6. Dez 2017, 13:23

Auch das sehe ich deutlich kritischer. Wünsche zur Literatur kann man erst dann äußern, wenn die Technik dafür erarbeitet wurde. Auch ist es praktisch kaum möglich einen Unterrichtsplan zu entwerfen, wenn mehrere Wochen Pause zwischen den Unterrichtseinheiten liegen oder der Unterricht auf unregelmäßige Zeitpunkte fällt. Allein das verteuert den Unterricht enorm, weil man nicht im üblichen Sinne eine funktionierende Zielplanung für die nächsten 6 Monate festlegen kann. Dazu kommt der bekannte "Trugschluss auf Schülerseite", dass man mit meheren Unterbrechnungen tatsächlich mehr Zeit zum Üben hat. Logisch ist das richtig, nur funktioniert das aus Lehrersicht nur äußert selten, weil durch den langen Zeitraum zur näachsten Unterrichtseinheit beim Schüler die Prokrastination zuschlägt. Genau damit wird nach und nach die Motivation abgebaut. Wer als Lehrer diesen Versuch schon mal gemacht hat, der weiß genau, wovon ich rede oder er hatte einen "statistischen Ausreißer", wo es tatsächlich geklappt hat. Man muss sich im Klaren sein, dass diese chaotische Art von Unterricht mittelfristig die Motivation für beide Seiten abbaut.

Was auf Schülerseite immer außer Acht gelassen wird, sind die Fixkosten, die auch bei Unterrichtsausfall gegeben sind. Unterrichtsausfälle, die der Lehrer oder die Musikschule nicht zu vertreten hat, gehen ausschließlich zu Lasten des Schülers.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

CG-Fan
Beiträge: 151
Registriert: Mo 28. Mär 2016, 13:20

Re: Interview mit Tatyana Ryzhkova

Beitragvon CG-Fan » Mi 6. Dez 2017, 16:30

bassklampfe hat geschrieben:Ich würde das mit dem Lehrer nicht so düster sehen. Es gibt sicher Privatlehrer, die bereit sind, nur gelegentlich eine Stunde zu geben. Das wird sich allerdings im Preis widerspiegeln. Und die Unterrichtsstruktur muss man ihm natürlich überlassen. Man kann sicher Wünsche zur Literatur äußern, aber mehr auch nicht.

Es gibt sicher nicht viele, aber es gibt sie. In einer ähnlichen Berufsituation hatte ich mal eine Zeit lang Unterricht bei Ulrich Peperle in Düsseldorf. Ein ausgezeichneter Lehrer, der sich zudem sehr flexibel auf die zeitlichen Unwägbarkeiten bei Erwachsenen eingestellt hatte. Die Stunden wurden von mal zu mal vereinbart. Absagen waren auch kurzfristig möglich und wurden bis 2 Tage vor dem Termin nicht berechnet. Keine Ahnung, wie sein Geschäftsmodell aussah, aber er hatte sich wohl auch sehr auf Unterricht für Erwachsene spezialisiert. Für Niederheiner in oder bei Düsseldorf jederzeit empfehlenswert! ;)

Der Spieler
Beiträge: 13
Registriert: Sa 1. Jul 2017, 11:40

Re: Interview mit Tatyana Ryzhkova

Beitragvon Der Spieler » Mi 6. Dez 2017, 19:41

Hi,

ich sehe das auch nicht so düster, es so wie es ist. Ich mach das Hobby mäßig und möchte kein Geld damit verdienen:-).
Ich werde demnächst mal den einen oder anderen Lehrer anrufen, die Situation schildern und schauen was er sagt.
Bis dahin mach ich weiter wie bisher, eventuell probiere ich eine Online Schule aus.

Viele Grüße

Ekkehard
Beiträge: 137
Registriert: So 21. Apr 2013, 19:36

Re: Interview mit Tatyana Ryzhkova

Beitragvon Ekkehard » Do 7. Dez 2017, 09:30

Der Spieler hat geschrieben:Hi,

ich sehe das auch nicht so düster, es so wie es ist. Ich mach das Hobby mäßig und möchte kein Geld damit verdienen:-).
Ich werde demnächst mal den einen oder anderen Lehrer anrufen, die Situation schildern und schauen was er sagt.
Bis dahin mach ich weiter wie bisher, eventuell probiere ich eine Online Schule aus.

Viele Grüße

Ich sehe das auch so. Ein guter Gitarrenlehrer ist flexibel und wird 2 bis 3 unterschiedliche Konzepte vermitteln können: Z.B. Klassik, Fingerpicking (-Style) nach Zupfmustern, Tabulaturen usw. Der Gitarrenlehrer ist ein Dienstleister und wird sich auch um die Belange der interessierten, nach speziellen Stilen suchenden Schüler kümmern. Ein Anfänger ohne besondere Vorstellung wird im Regelfall über einfache Noten nach gängigen "Gitarrenschulen" klassisch herangeführt. Ein guter Lehrer wird auch seine Grenzen erkennen und gegebenenfalls an Kollegen weitervermitteln.
Ekkehard

grenner
Beiträge: 63
Registriert: Mo 18. Jan 2016, 10:48

Re: Interview mit Tatyana Ryzhkova

Beitragvon grenner » Fr 8. Dez 2017, 14:06

Bernd C Hoffmann hat geschrieben: Auch ist es praktisch kaum möglich einen Unterrichtsplan zu entwerfen, wenn mehrere Wochen Pause zwischen den Unterrichtseinheiten liegen oder der Unterricht auf unregelmäßige Zeitpunkte fällt. ..................Man muss sich im Klaren sein, dass diese chaotische Art von Unterricht mittelfristig die Motivation für beide Seiten abbaut.


Du hast ja sicher recht, dass es nicht ideal ist, wenn man keine fixen, regelmäßigen Unterrichtsstunden hat. aber es ist halt mal so, dass man als Erwachsener beruflich und familiär bedingt diese Regelmäßigkeit nicht immer leisten kann. Mir geht es da gleich, wie "Dem Spieler". Ich bin oft beruflich unter der Woche unterwegs, sodass ein fixer Termin pro Woche nicht machbar ist.

Was würdest Du uns denn raten, um der Prokrastination vorzubeugen und einen Leistungsfortschritt zu ermöglichen?

rwe
Beiträge: 177
Registriert: Di 9. Dez 2014, 23:22

Re: Interview mit Tatyana Ryzhkova

Beitragvon rwe » Fr 8. Dez 2017, 18:07

grenner hat geschrieben:
Bernd C Hoffmann hat geschrieben: Auch ist es praktisch kaum möglich einen Unterrichtsplan zu entwerfen, wenn mehrere Wochen Pause zwischen den Unterrichtseinheiten liegen oder der Unterricht auf unregelmäßige Zeitpunkte fällt. ..................Man muss sich im Klaren sein, dass diese chaotische Art von Unterricht mittelfristig die Motivation für beide Seiten abbaut.


Du hast ja sicher recht, dass es nicht ideal ist, wenn man keine fixen, regelmäßigen Unterrichtsstunden hat. aber es ist halt mal so, dass man als Erwachsener beruflich und familiär bedingt diese Regelmäßigkeit nicht immer leisten kann. Mir geht es da gleich, wie "Dem Spieler". Ich bin oft beruflich unter der Woche unterwegs, sodass ein fixer Termin pro Woche nicht machbar ist.

Was würdest Du uns denn raten, um der Prokrastination vorzubeugen und einen Leistungsfortschritt zu ermöglichen?


Einfach Spaß am Üben haben. Ich kann beruflich auch nicht regelmäßig üben, ich freue mich aber jedesmal darauf, sowohl auf das (ziemlich regelmäßige) Ensemblespiel als gerade auch auf das nicht-tägliche Üben, weil ich merke, dass mich das Üben weiterbringt. Ich denke auch, dass sich die Lehrer zunehmend auf solche "suboptimalen" Situationen einstellen müssen. Es geht schon spätestens bei den jugendlichen Schülern los, die hier mal eben 3 Monate ins Ausland gehen, da mal eben Projektwochen oder andere Pflicht-Schulveranstaltungen haben. Es setzt sich dann bei den Erwachsenen beruflich und / oder familiär fort. Das ist schade, aber wer sich als LehrerIn nicht darauf einstellen kann, wird mittelfristig Schwierigkeiten haben. Das bedeutet nicht, dass einer Beliebigkeit Vorschub geleistet werden soll, quatsch. Aber es gibt genug motivierte SchülerInnen, die trotz schlechter Möglichkeiten wirklich Spaß am Üben haben. Das kann zu neuen Formen von Wochenendworkshops führen, Online-Beratung zu Einzelfragen usw. usf. Die Herausforderung wird sein, solche Formate zu entwickeln. (Das gilt aber auch für andere Aus-Bildungen, beginnend im Kindergarten, über die Schule hin zur Berufsbildung, einem Studium und der biografiebegleitenden Fortbildung.)

Noch'n Nachtrag: Die allerersten Basics lassen sich so nicht vermitteln, klar. Da bedarf es schon der Fähigkeit zum Reflektieren.

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3292
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Interview mit Tatyana Ryzhkova

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 9. Dez 2017, 12:53

grenner hat geschrieben:
Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Was würdest Du uns denn raten, um der Prokrastination vorzubeugen und einen Leistungsfortschritt zu ermöglichen?

Gar nichts. Ich lehne Unterricht mit nicht definierbarem Fortschritt ab. Auch bin ich mir sicher, dass kein Unterrichtender das nötig hat. Man ist nicht selbständig, um sich die Zeiten vom Schüler diktieren zu lassen sondern weil man selber weiß, wie man die eigenen Stärken zu Gunsten der Schüler einsetzt. Terminliche Unordnung bietet für mich keinen Anreiz.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!


Zurück zu „Allgemeines“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder