Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)
Gerhard Rosenberger
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Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Beitragvon Gerhard Rosenberger » Sa 4. Aug 2018, 15:31

Hallo zusammen,

wie ich im Vorstellungs-thread geschrieben habe, spiele ich nur hobbymäßig klassische Gitarre. Nun habe ich einmal im Jahr die Möglichkeit vor einer kleinen Runde (etwa 40 Freunde und Bekannte) zu spielen. In genau 2 Wochen ist es wieder so weit. Ich werde 10 kleine, einfache Stücke spielen. Die gesamte Spieldauer beträgt etwa 30 Minuten. Im Prinzip "sitzen" die Stücke (technisch und musikalisch).
Meine Frage lautet jetzt also: wie bereite ich mich die nächsten 2 Wochen noch gezielt auf diesen kleinen Auftritt vor?
Das Programm (es sind ja nur 30 Minuten) täglich zumindest einmal durchspielen?
Oder mehr Augenmerk auf die schwierigeren Stücke legen?
Oder zusätzliche technische Übungen suchen, die im Zusammenhang mit den Stücken stehen?
Oder (wieder) einzelne Passagen aus den Stücken vermehrt üben?
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich gerade das Privileg habe, Ferien zu haben. Ich habe also viel Zeit. Natürlich ist mir klar, dass ich jetzt nicht plötzlich den ganzen Tag spielen kann - das würde nur die Hände ruinieren.

Ich freue mich über Tipps, Ratschläge, Anmerkungen,....

Liebe Grüße
Gerhard
Liebe Grüße, Gerhard

grenner
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Re: Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Beitragvon grenner » Sa 4. Aug 2018, 16:29

Also bei mir ist es so, dass wenn ich vor Publikum spiele (was so gut wie nie vorkommt), auch wenn es "nur" Freunde und Bekannte sind, immer ein gewisses Lampenfieber dabei ist, was dazu führt, dass die ohnehin schon nicht so sichere Performance noch etwas holpriger wird.

Falls das bei Dir auch eine Rolle spielt würde ich die Zeit und das schöne Wetter nutzen und ein paar mal in Fußgängerzonen das Programm vor Publikum spielen. Da könnte dann auch noch der eine oder andere € reinkommen ;)

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Bernd C Hoffmann
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Re: Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 4. Aug 2018, 20:52

@ Gerhard
Wo siehst Du denn Dein Problem?
Liebe Grüße
Bernd
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Jörg Wagner
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Re: Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Beitragvon Jörg Wagner » So 5. Aug 2018, 12:37

Hallo Gerhard,
ich erkläre meinen Schülern immer : es gibt Kopf- und/oder Fingerfehler. Kopffehler sind oft Gedächtnislücken, nicht letztgültig geklärte technische Ausführungen, Konzentrationsstörungen (z.B. durch Ablenkung, unvorhergesehene Zwischenfälle, Unruhe im Publikum etc. Für mich gehören auch Motivationsfragen mit zu den Ursachen von Kopffehlern, z.B. "Ich werde jetzt so spielen, daß das Publikum total von den Socken ist", oder "den werde ich es jetzt aber mal zeigen" usw. Auch nicht verstandene musikalische Inhalte, stilistische Fragen und inadäquate rhythmische Gestaltung führen oft zu Fehlern die mit der Leistungsfähigkeit der Finger wenig zu tun haben, man wird dann oft quasi "auf dem falschen Fuß" erwischt. die meisten Fingerfehler dagegen resultieren aus technischer Überforderung oder motorischen Defiziten, es gibt einen Graubereich, in dem sich diese beiden Kategorien nebelhaft durchdringen, da wird dann die Diagnose schwierig.
Falls Du also Aussetzter oder irgendwelche Probleme hast, versuche, sie in einer der beiden Kategorien unterzubringen, das Problem immer enger einzukreisen und dann aus der Welt zu schaffen.
Deine
Frage scheint aber auch die rein mentalen Aspekte der Vorspielsituation zu reflektieren. Hier rate ich Dir, das Repertoire seeeeehr langsam und kristallklar zu spielen extrem gut hinzuhören und jede kleinste Unreinheit auszumerzen, dazu gehören auch Lagenwechselgeräusche wenig tonschön ausgeführte Legati, Fingernägelklappern und allgemeine
Tonqualität (langsam, denn in der Vorspielsituation wird es von alleine schneller, außerdem steigert langsames Spiel Deine
Wahrnehmung und wirkt sich förderlich auf das musikalische Gedächtnis aus).
Insgesamt wäre es schön, eine musikalische Erfahrung mit dem Publikum zu teilen, die Musik sollte im Vordergrund stehen und Du solltest Dein Publikum gernhaben.
Viel Glück
Jörg Wagner

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Bernd C Hoffmann
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Re: Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 5. Aug 2018, 14:09

Jörg hat das sehr schön auf den Punkt gebracht. Ich habe bei meinen Schülern (bis zu einem gewissen Zeitpunkt auch bei mir selbst) immer primär das Lampenfieber mit drohendem Blackout durch Nervosität und möglichem Kontrollverlust über die Situation gesehen. Hierfür habe ich eine Lösung gefunden, die offensichtlich bei vielen Menschen sehr gut funktioniert hat. Dabei setze ich die von Jörg genannten spieltechnischen Aspekte voraus.

Lampenfieber im Sinne von Vorspielangst oder allgemein Angst sich vor Publikum darzustellen bedeutet Aufregung. Es gibt positive und negative Aufregung. Sie ist zwar da, will mir aber nichts Böses. Deswegen gehört sie zu mir, wie das Atmen und alles Andere auch. Weil sie positiv ist, nehme ich sie als einen "guten Freund" an. Und da mir ein guter Freund nichts Böses will, verliert diese Aufregung zunehmend an Bedeutung.

Interessant fürs Publikum ist es auch, wenn man etwas zu den Stücken bzw. den Komponisten sagen kann. Das lockert die Atmosphäre fokussiert die Besucher.

In der Vorbereitung kann man diese Methode sehr gut nutzen, um eine quasi-authentische Spielsituation zu simulieren. Ich hatte mir (in den 90er Jahren) hierfür einen Kassettenrekorder mit einem einem Mikrofon hingestellt. Das Mikrofon hauchte mir einen großen Respekt ein. Als ich mich wenig später an diese Situation gewöhnt hatte, wurde mein "guter Freund" zu einem "stillen Begleiter". Im nächsten Schritt stellte ich dann den Rekorder auf 'Aufnahme Pause', und siehe da, mein "guter Freund" drängte sich wieder in den Vordergrund. Mit zunehmendem Spiel gewöhnte ich mich auch hieran. So verschwand die Aufregung auch bald. Im dritten Schritt nahm ich mich dann direkt auf, mit dem selben Effekt. Vorteil der Aufnahme: Man hört sich aus der Sicht des Publikums, nimmt also jeden Fehler und jede Unreinheit voll wahr, was zum bewussten Ausmerzen motiviert. Stand bei mir tatsächlich ein Konzert an, dann lud ich mir zunächst ein paar Freunde ein, denen ich das Programm (teils nur auszugsweise) vorspielte. Einen Schritt weiter lud ich noch mehre Leute ein, um mich an ein größeres Publikum zu gewöhnen. Hierbei ist Jörg´s Hinweis wichtig, dass man seine Gäste mag. Mental kann man sich auch sagen und klar machen: "Ich mag mein Publikum!" Mit dieser Einstellung und der bewussten Vorbereitung ist es völlig egal, wie groß das Publikum ist. Und ich freue mich auf die Unterhaltung meiner Konzertbesucher!
Liebe Grüße
Bernd
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Gerhard Rosenberger
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Re: Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Beitragvon Gerhard Rosenberger » So 5. Aug 2018, 22:18

Danke für die Antworten! Das war genau das, was ich mir erhofft hatte!
@grenner & Bernd:
Die Idee probehalber vor Publikum zu spielen bzw. sich Leute einzuladen ist genial! Da hätte ich aber auch selber drauf kommen können. Das werde ich machen.

@Mikrofon: das mache ich bereits seit einiger Zeit. Bernd, ich kann Deine Beschreibung nachvollziehen. Am Anfang saß ich vor dem Micro wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange. Aber es ist im Laufe der Zeit besser geworden. Nachdem ich heute hier Deine Antwort gelesen hatte, habe ich auch gleich 2 Stücke aufgenommen. Das eine ist soweit ok., beim anderen habe ich tatsächlich an 2 konkreten Stellen Übungsbedarf festgestellt.

@Zum Publikum sprechen: das hatte ich vor und habe es auch die letzten Jahre so gemacht. Schön von einem Profi bestätigt zu bekommen, dass man richtig liegt.

@Jörg: danke für die Erklärungen, ist für mich alles nachvollziehbar. Die Beispiele mit den Motivationsfragen finde ich spannend. Da werde ich noch in mich gehen und etwas darüber nachdenken.
Liebe Grüße, Gerhard

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Re: Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Beitragvon klaus » Di 7. Aug 2018, 13:08

Hallo aus dem Sommer ..
Ich habe zwar schon 20 Jahre kein Konzert megr gegeben, Bei den letzten habe ich das Repertoir 3 Tage vor dem Konzert garnicht mehr -richtig- geübt.
Ich habe meine normales Trainingsprogramm gemacht. Fingerübungen, Etüden und ein paar Stücke, die ich gerade einstudierte.
Das Repertoir habe ich nur dedächtnishaft durchgespielt, mit abgedämpften Saiten ( Tuch unterm Steg). Aber so wie Jörg es beschreibt.Auf alle Kleinigkeiten achten.
Wenn man dann vor dem Konzert beim Einspielen die Gitarre wieder richtig hört, klingt das unglaublich "frisch" und man geniesst das Spiel...man will es nach ein paar Tagen Stummheit mal wieder richtig schön hören, spielt für sich selbst und vergisst das Publikum.

Schönen Sommer und Toi toi toi...
Hier in Katalonien sagt man übrigens .

Molta mierda.
Das heisst so viel: "Ich wünsche Dir viel Scheiße". Das kommt aus der Zeit, wo die Leute noch mit Perdekutschen zu einer Veranstaltung gekommen sind, die dann vor dem Saal "Parkten" und ihre Pferdeäpfel entsorgten. Also je mehr ScheiBe, desto mehr Puplikum.

In diesem Sinne ..
Klaus

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Re: Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Beitragvon pianoguitar » Do 11. Okt 2018, 14:26

Ich hab grad diesen Thread gelesen, noch ein kurzer Hinweis: Ich finde das Buch von Ahmed El-Salamouny "Breaking the Wall" hierzu sehr informativ und auch unterhaltsam. Er gibt als erfahrener Profi sehr viele Tips, der Untertitel heißt "Nervosität beherrschen, kreativer werden und besser lernen - ein Ratgeber, nicht nur für Musiker".

Ich finde eine sehr gute Lektüre.

Gruß
Peter
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"Alles was Du sagst sollte wahr sein, aber nicht alles was wahr ist, solltest Du auch sagen." Voltaire

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Re: Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Beitragvon Batam » Do 11. Okt 2018, 19:45

Hallo, Gerhard!

Ich bin auch Hobbygitarrist und ab und zu spiele in kleinem Kreis (Grillpartys, Feier usw.)
Ich komme so ca. auf 45-60 Minuten Spieldauer, auch mit kleinen Pausen dazwischen.

Mein Lampenfieber ist fürchterlich – schon wenn ich alleine bin und Micro für Kontrollaufnahme
einschalte – mache ich sofort Fehler aus dem Nichts…

Mein Vorgehen beim bekannten Publikum ist folgende:

1. Zuerst die Reihenfolge festlegen (von einfach zum schwierig) und Zettel
In die Tasche stecken oder auswendig lernen.

2. Die Temperatur im Raum oder draußen muss komfortabel sein,
kalte Hände mit Aufregung ist für mich die schlimmste Kombination.

3. Ich vermeide auf jeden Fall, dass eine Bühne-Umgebung aufgebaut wird,
irgendwo sich einfach hinsetzen, aber mit normalen Bedingungen (Fussbank
oder Stütze)

4. Und das Wichtigste für mich – Ich sage immer halbwegs serios, dass ich kein Profi bin
und keine Konzerte spiele… ich mache nur Hintergrundmusik und die Leute
können sich ruhig weiter unterhalten…und Du muss sich ein wenig warm machen.
Das werden die Leute zuerst auch tun, wenn ihnen nicht ein Konzert angekündigt wurde.

5. Dann fange ich langsam an, mich warm zu machen und versuche vom Publikum abzuschalten. Ich spiele nicht laut!
einfach zerlegte Akkorde, Arpegio – Etude von Guliani o.ä. Akkorde von Lobos Etüde 1, egal was (aber vorher genau überlegt!),
das muss nicht nach „Musikstück“ klingen, aber musikalisch genug sein, kein abstraktes Warm-Up.

6. Und wenn Du merkst, dass keiner Dir so richtig zuhört und Du warm und ruhig bist, fange an
zu spielen – immer noch für Sich!! Als ob das eine Routine-Übung ist. Mit der Lautstärke
steigend. Und auf einmal hörst Du die absolute Stille im Publikum und....Applaus.
Ich fange immer mit Spanische Romanze oder E-moll Etude von Tarrega.

Das ist, natürlich, sehr persönliches Vorgehen, mir hat das sehr geholfen.

Teile uns bitte mit, wie das gelaufen ist.

Gruß
Batam

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Re: Die letzten Tage (Wochen) vor einem Auftritt. Wie vorbereiten?

Beitragvon klaus » Fr 12. Okt 2018, 20:00

Hallo ...
Wie ich sehe, es geht nicht nur um Vorbereitung auf ein Konzert, sondern eher um die Kontrolle des Lampenfiebers.
Ok.Lampenfieber ist ein Thema, es wird eigentlich auch im Internet ziemlich breit behandelt.
Ich kann dazu nicht viel schreiben. Es ist alles eine sehr persönliche Geschichte. die Gründe dafür sind unterschiedlich. Manchmal kommt es auf die Situation an, wann Lampenfieber eintritt. Als Beispiel kann man Tarrega und E.S.d.l.M Anführen. Sie werden als super Gitarristen beschrieben.. Aber nur in kleinem Kreis, wenn das Publikum grösser wird, fühlen sie sich nicht mehr wohl und das hörte man scheinbar.
Man sollte das Thema auch nicht überbewerten. Das macht Anfängern nur Angst. Nach dem Motto:
o Gott ... ich habe ein Konzert ... mich wird das Lampenfieber heimsuchen .....kreisch ... .

Aber ich will hier auf was anderes hinaus.

Ich glaube, nicht alles, was uns auf der Bühne nervös macht, Lampenfieber ist.
Was auf der Bühne nervös machen kann, obwohl man eigentlich ganz ruhig das Konzert begonnen hat, werden uns alle erfahrenen "Rampensäue" beschreiben können. Anekdoten von möglichen bis unmöglichen Situationen, die uns auf der Bühne widerfahren können.
Obwohl meine Konzerterfahrung relativ bescheiden ist, kann ich über eine ganze Reihe von Ereignissen sprechen, die mir nicht gerade geholfen haben, ein Konzert ruhig über die Bühne zu bringen.
Vielleicht wäre das mal ein extra Thema.. Anfänger könnten daraus lernen, mit den Situationen umzugehen.
KEIN LAMPENFIEBER !!!! ... EHER STRESS MIT DER UMGEBUNG, den Umständen ..etc ..
Na.. ich erzähle mal einige Andekdoten aus meiner Bühnenpraxis.

1. Die Umgebung: Da hat fast gleichzeitig mit meinem Anfangsakkord ein Kühlschrank aus dem Nebenraum angefangen zu summen. Wenn so was als Grundton da ist, glaubt man, die Gitarre ist falsch gestimmt. Aber es geht noch,. beim Nachstimmen muss man aber dann doch etwas genauer hinhören.. es dauert länger. Das Nachfragen hat ergeben, das aus diesem Kühlschrank das wartende Publikum abgefüllt wurde und die ganze halbe Stunde vor dem Konzert darum offen stand.

Ein anderes Konzert hier in Barcelona in einer Volkshochschule: Irgendwann gab es einen Höllenkrach .. Schlagzeug.. EGitarregekreische ... heavy metal !!! Wie komme ich da mit meinem Capriccio Arabé durch? Wie das?
Na..gleich nebenan waren die Überäume für Musiker und diese Gruppe hatte ganz legal die Räume für ihre Bedürfnisse reserviert. Gottsei Dank war sofort der Direktor da und hat den Musikern die Lage erklärt. Die haben sich dann auch ganz interessiert in mein Konzert gesetzt. Und mit ihnen hatte ich anschliessend die interessantesten Gespäche.
2. Die Bühne: Für eine Musikschule sollte ich ein Konzert zum Besten geben, der Direktor hatten extra einen Saal mit Bühne angemietet. Alles war eigentlich optimal.
Aber als ich anfing zu spielen, wurden zwei Baustrahler 2 Meter von mir entfernt eingeschaltet. ( Die Strahler waren bei der Bühnenabnahme noch nicht aufgestellt).. wie sagt man so schön? : gut gemeint......
Mit der Konsequenz, dass ich anfing zu schwitzen, meine Finger wurden feucht und quollen minimal auf,also war der Abstand Fingerkuppe ... Nagelrand (rechte Hand) nicht mehr der, mit dem ich geübt hatte. Der Schweiss auf den Fingern der linken Hand hat mein Spiel gehemmt. Irgendwie ging das alles noch, aber es ist klar, dass uns sowas ganz schön nervös macht. Wir bekommen Angst...aber es ist kein Lampenfieber...Es ist eine Nevosität, die uns auch packt , wenn etwas in andernen Situationen nicht klappt. Arbeit, Verkehr etc.

Oder die Geschichte mit dem Gemeindesaal... Schöner groBer Saal, aber keine weitere Ausstattung. Kein Nebenraum zum Einspielen. Aber es gab die Tür zur Polizeistation, die ihre Räume im gleichen Gebäude hatte. So habe ich mich auf der Polizeistation einspielen müssen. Zwischen nervösen Polizisten, der übliche "Kundenverkehr" was/wen man sich eben so bei der Polizei vorstellt. Und da saB ich dazwischen mit meiner Gitarre, schwarzem Anzug und Fliege. War schon ein bisschen schräg die Situation.
3. Publikum.
Diese nette alta Dame, die bei JEDEM Anfangsakkord ALLER Stücke lautstark.. rechts von sich ... links von sich ...hinter sich ... vor sich ... fragte, ob das jetzt die Spanische Romanze sei ( Die garnicht auf dem Programm stand).
In der Pause habe ich dann den Veranstalter gebeten mit der Frau zu sprechen. Ich habe versprochen, die Spanische Romanze als Zugabe zu spielen, wenn sie doch nur nicht mehr fragt ...
Aber als ich den zweiten Teil anfing, ging die dumme Fragerei schon wieder los. Ich habe dann ( AUS RACHE !!!! ) die Romanze nicht als Zugabe gespielt.

Und wer meint, das passiert nur im kleinen Rahmen oder mit unerfahrenem Personal, der irrt sich. Auch bei Veranstalltungen, die ein komplettes professionelles Umfeld haben, kann man überrascht werden.
Da gab es dieses Konzert von Julian Bream in der Stuttgarter Liederhalle Ende der 70ger. Als er eine Bachsuite begann, hörte man aus der 4ten oder5ten Reihe ein für die damalige Zeit typisches Klappern und Klicken... Da hat jemand einen dieser tragbaren Kassettenrekorder manipuliert. Bream spielte das Präludium zu Ende. Wartete dann aber demonstrativ mit dem Blick auf diesen Zuhörer gerichtet. Dann spielte er weiter ...wieder Klappern. Bream ging von der Bühne.Das Publikum wurde unruhig. Die hinteren Reihen haben vielleicht nicht mitbekommen, was da passiert ist. Schliesslich spielte Bream weiter, wurde aber wieder unterbrochen und er ging wieder von der Bühne. Der Mann mit dem Rekorder bemerkte nichts und manipulierte weiter am Gerät .. Da erschien Bream IM ZUSCHAUERRAUM ..eine Reihe hinter dem Störer, ging genau hinter diese Person und beugte sich ganz langsam auf die Höhe seines Gesichtes. Einer Person, die man eigentlich auf der Bühne wähnte, so nah Auge in Auge zu sehen muss ganz schon erschreckend sein. Auf jeden Fall hat er es dann kapiert. Aussderdem kam 2 Minuten später ein Saalordner und sprach der Person ins Gewissen.
Na ? wie würden wir wohl mit so einer Situation umgehen.
Oder der Beitrag von Alice Arzt in einer frühen Gitarre&Laute. Sie schrieb über ihre Erfahrung in Asien, wo sie es sehr sehr nervös gemacht hat, dass die Leute nicht klatschten.

Typisch sind auch verspätete Zuschauer, die Unruhe in die ersten Stücke bringen. Nicht bei jeder Veranstaltung ist es Brauch, verspätetes Publikum erst bei einer Applauspause reinzulassen.

Auch M Barrueco wurde vor einigen Jahren hier in Barcelona nicht verschont. Im Sommer ist im Casal de Metge scheinbar die Klimaanlage ausgefallen. Barrueco hat die erste Halbzeit hinter sich gebracht. Dann Pause... ich glaube die Pause hat 2 Stunden gedauert. Wir, die Zuschauer haben in der stickigen Vorhalle geduldig gewartet. Ja und nach einer ewigen Zeit ging das Konzert dann auch weiter. Später, als sich die ganze Gitarregemeinde sich zu einem gemeinsamen Umtrunk traf, hat uns Barrueco dann erzählt, dass er in sein Hotel gefahren ist um sich zu duschen.

Da lag ein andächtiges Schweigen im Raum und ich habe fast die Gedanken jedes einzellnen Anwesenden lesen können.
2 Fragen: Wäre mir in dieser Situation eingefallen im Hotel zu duschen...wenn ja..hätte ich das auch gemacht?
Und dann, hätte bei meinem Konzert das Publikum 2 Stunden gewartet? Fast habe ich das Kopfschütteln sehen können.

Also zur Konzertvorbereitung kommt auch, alle möglichen und unmöglichen Überraschungen aus der Welt zu schaffen. Wenn diese Dinge nicht im Vertrag vereinbart sind, sollte man mit Hausmeister, Veranstalter oder anderem Personal sprechen, um technische und organisatorische Fragen zu klären ...
Aber wer kennt denn schon alle Überraschungen.. niemand... sonst wären es ja keine Überraschungen mehr. In diesem Sinne bleibt nur die Frage, was uns wohl beim nächsten Konzert erwartet.

Und da gibt es noch, diese nette Episode mit der Sopranistin Montserrat Caballe ( kürzlich erst verstorben .. :( )
Sie beschwerte sich über den zu glatten Bühnenboden. In Ermanglung anderer Mittel hat ein pfiffiger Bühnearbeiter CocaCola auf den Boden gesprüht. Nach Ihrer Arie waren ihre Schuhe so angeklebt, dass sie keinen Schritt mehr machen konnte.

Der Beitrag ist so lang geworden, weil hier heute Feiertag ist.

L.G.
KLaus


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