Übungszeiten

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)
aläx
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Übungszeiten

Beitragvon aläx » So 10. Feb 2019, 18:39

Hallo Gitarristengemeinde :) ,

ich mache mich ja gerade schlau wie ich am effektivsten üben kann.
Dazu habe ich bereits eine Menge gehört und gelesen.
Zunächst ist es ja mal interessant wieviel Zeit man dafür aufwendet, bzw. aufwenden kann.
Aus meiner früheren Zeit kenne ich es so.
Man hat z.B. 1 Stunde am Tag.
Damals war es üblich, diese Zeit auf drei Blöcke zu verteilen:
Technikübungen - Etüden - Vortragsstücke und zwar in dieser Reihenfolge wobei die jeweiligen Zeiten ungefähr gleich lang sein sollen.

Jetzt habe ich den Standpunkt gehört, dass das nicht die optimale Einteilung sei.

Die Theorie dahinter ist, dass man bei dieser Variante seine Energie und Konzentration bereits durch die Technischen Übungen und Etüden"verbraucht" und deshalb das Einstudieren der Vortragsstücke leidet.

Der Ansatz wäre jetzt, dass man sich kurz warmspielt um dann zuerst die Problemstellen bei den Vortragsstücken anzugehen.
Das Ganze sollte auch, wenn möglich früh am Tag passieren weil man da noch am meisten Energie und Konzentration hat.
Idealerweise sollte man sich für diese Problemstellen eigene Technikübungen ausdenken und somit den Technikteil nicht isoliert trainieren.


Klingt eigentlich logisch.
Wie haltet ihr es denn :?: .

tschau aläx

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docsteve
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Re: Übungszeiten

Beitragvon docsteve » Mo 11. Feb 2019, 14:08

Ich übe eigentlich genau so wie du es beschreibst: Technikübungen - Etüden - Vortragsstücke. Die Etüden fallen aber schon mal weg, je nachdem wie gut es läuft und wieviel Zeit und Lust ich habe. Ich merke, dass Etüden mir bei der Konzentration helfen, gerade wenn es bei den Vortragsstücken mal nicht so gut läuft.

Da ich im letzten Jahr sowieso die Etuden von HVL gespielt habe, waren die Grenzen da eh fließend.

Ich bemühe mich, auf jeden Fall täglich ein paar Minuten zu spielen (im Gegensatz zum Üben), und wenn es bloß fünf Minuten vor dem Schlafengehen sind.

Viele Grüße Stephan
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Roberlin
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Re: Übungszeiten

Beitragvon Roberlin » Mo 11. Feb 2019, 14:56

Ich spiele auch kaum mehr technische Übungen oder Etüden. Die Villas-Lobos-Etüden sind da sicher eine Ausnahme, weil sie auch musikalisch ansprechend sind.
Es hängt sicher auch viel vom technischen Stand ab. Ich mache technisch nur noch kleine Fortschritte, und die ergeben sich m.E. automatisch durch Problemstellen an den aktuellen Werken. Wichtig ist vor allem, dass man die Probleme sauber löst, dass man sich also nicht vorbeimogelt oder zu schnell spielt.
Ich würde auch durch Etüden Lust und unnötig Kraft verlieren.
Anders ist es, wenn man am Anfang steht oder sich vornimmt, noch mal richtig große Schritte zu machen oder spezielle Defizite aufzuarbeiten.
Ich merke auch den umgekehrten Weg, dass ich durch meine Art zu üben merke, dass ich bestimmte Etüden, wenn ich sie mir dann doch mal kurz vornehme, besser spielen kann als früher...

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Heike
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Re: Übungszeiten

Beitragvon Heike » Mo 11. Feb 2019, 22:10

Etüden sind oft überflüssig... einzige Ausnahme Carcassi, die übt auch Pepe Romero immer wieder.
Gerade wenn man wenig Zeit hat: Etwas Technik, dann die Stücke!

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docsteve
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Re: Übungszeiten

Beitragvon docsteve » Di 12. Feb 2019, 14:22

Carcassi spiele ich auch immer wieder gern zum Aufwärmen. Da sind Pepe und ich also einer Meinung :)

Viele Grüße Stephan
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klaus
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Re: Übungszeiten

Beitragvon klaus » Mi 13. Feb 2019, 09:13

Vorsicht, Vorsicht..
die obenstehenden Kommentare sind ok für fortgeschrittene oder ausgebildete Spieler in Eigenverantwortung, die wissen, was sie ihren Fingern zutrauen können.
Bei Spielern, die noch nicht soweit sind , könnte der Eindruck entstehen, dass technische Übungen = Einspielen/ Aufwärmen ist. Und das ist falsch.

Für diese Leute halte ich eigentlich die Dreieraufteilung für ok.
Wenn man von einer Stunde Übezeit ausgeht, glaube ich auch nicht, dass ein grosser Konzentrationsabfall zu spüren ist. Vielleicht ist es wirklich nachgewiesen, aber ich halte da die Werte für vernachlässigbar.
Ragossnig schrieb in seinem Handbuch für Gitarre und L.
etwa so.: ( und ich hoffe, das machen wir alle !!!!)

"Bei Müdigkeit Pausen einlegen " ... und der spielte ja wohl länger als eine Stunde.

L.G.
Klaus

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Re: Übungszeiten

Beitragvon aläx » Mi 13. Feb 2019, 14:03

@klaus

danke für deinen "Einwand" :)

Natürlich habe ich meine "Frage" an diejenigen Gitarristen gewandt, die schon über eine gute Grundtechnik verfügen.
Gerade deshalb bin ich dabei herauszufinden, inwieweit ich mich als fortgeschrittener Gitarrist vielleicht umorientieren solte, was meine Übungsroutine betrifft.

Aus meiner Zeit in der ich mich intensiv mit Technik beschäftigt habe weiß ich noch, dass diese Dreiteilung auch bei Spitzengitarristen usus war.
Anscheinend hat sich das geändert wie mir auch der Beitrag von Heike bestätigt.

Ich habe mich damals durch die technischen Studien von Tarrega gearbeitet und das ist doch ziemlich fordernd und auch, im wahrsten Sinne des Wortes" ermüdend.
Wenn ich mir jetzt das große Lehrwerk von Käppel so ansehe, denke ich, dass es nicht mehr zielführend ist wenn man das von vorne bis hinten durcharbeitet.
Gleiches gilt für Pumping Nylon oder auch die Übungen von Carlevaro.

Da ich ja viele Techniken bereits geübt habe werde ich mir in Zukunft nur noch die Techniken genauer anschauen, die ich bei einem aktuellen Stück brauche.
Es soll ja Gitarristen geben, die keine Tremolostücke spielen weil ihnen der Zeitaufwand zu hoch ist und man diese Technik nicht unbedingt braucht wenn man mal von reinen Tremolostücken absieht.
Ansichtssache.
Zeit ist nun einmal ein knappes Gut.
Was die Etüden betrifft ist es ja so, dass da die Übergänge fließend sind.

Die HVL Etüden oder die fortgeschrittenen Etüden von Sor, Coste sind ja im Prinzip auch Vortragsstücke.
Das sehe ich auch bei Carcassi so denn diese durchaus fordernden Etüden op.60 kann man ohne Probleme auch in Konzerten spielen (wenn man nicht Vollprofi ist). ;)

Mein Interesse an dieser Sache kommt unter anderem auch daher, dass ich mich seit cirka einem halben Jahr intensiv mit der Technik an der E-Gitarre auseinander setze.
Dort geht es in den Spitzenbereichen genauso "akademisch" zu wie im Klassikbereich.
Allerdings bietet hier das Internet eine ungleich qualifiziertere "Anleitung" als im klassischen Bereich.
Allerdings muss ich mich hier wieder mit jeder Menge technischer Übungen auseinandersetzen da die klassische Technik hier wenig hilfreich ist.

Da ich auch meine klassische Spielweise pflege werde ich in Zukunft wohl zweierlei Übungsroutinen praktizieren.
Hauptsache es macht Spaß :D

tschau aläx

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Re: Übungszeiten

Beitragvon Heike » Mi 13. Feb 2019, 14:21

Also Tremolo übe ich immer wieder, es ist die ultimative Basistechnik für die Unabängigkeit der Finger.... und wenn ich 5 Minuten vor einem Konzert habe, dann spiele ich Tremolo! Dadurch, daß die Repetition auf einer Saite ist, wird man im Gegensatz zu Arpeggien ja gezwungen hinzuhören, ob wirklich alle Finger klanglich zueinanderpassen- und ob alle durch denselben Bewegungsvorgang laufen, ist also die ultimative Schulung für Tonkontrolle.

Aber sowas wie 120 Giuliani für rechts, dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade, das ist im Studium ganz schön, wenn man all die absurden Kombinationen mal probiert hat, was für Nerds, aber mit wenig praktischem Nutzen... Ich übe ein absolutes Basis-Set für Technik, die aber mit höchstem Anspruch mit dem berühmten David-Russell-Zitat: "Stell Dir vor, es sei Deine erste Gitarrenstunde, nur daß Du dieses Mal ALLES richtig machst"

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Re: Übungszeiten

Beitragvon Roberlin » Fr 15. Feb 2019, 09:23

aläx hat geschrieben:
Mein Interesse an dieser Sache kommt unter anderem auch daher, dass ich mich seit cirka einem halben Jahr intensiv mit der Technik an der E-Gitarre auseinander setze.
Dort geht es in den Spitzenbereichen genauso "akademisch" zu wie im Klassikbereich.
Allerdings bietet hier das Internet eine ungleich qualifiziertere "Anleitung" als im klassischen Bereich.
Allerdings muss ich mich hier wieder mit jeder Menge technischer Übungen auseinandersetzen da die klassische Technik hier wenig hilfreich ist.

Da ich auch meine klassische Spielweise pflege werde ich in Zukunft wohl zweierlei Übungsroutinen praktizieren.
Hauptsache es macht Spaß :D

tschau aläx


Hi Aläx,

ich habe früher auch viel E-Gitarre geübt, bis hin zur (gescheiterten) Aufnahmeprüfung an der Hochschule.
Im Nachhinien würde ich auch für die E-Gitarre sagen, weniger technisch zu üben, bzw. zu schauen, welche Techniken einem eirklich etwas musikalisch bringen. Ich habe z.B. damals Speed-Picking geübt, das sehe ich heute als Fehler an. Denn es kommt musikalisch nicht so viel bei rum, und wenn man es nicht absolut perfekt drauf hat, bringt es auch nichts für die Phrasierung etc.
Bei der klassischen Gitarre ist es insofern anders, als das es für jede Technik auch Stücke gibt, die musikalisch Sinn machen, also etwa Tremolo Stücke. Ich übe auch ein bisschen Tremolo, obwohl mir z.B Recuerdos gar nicht besonders gefällt, aber ich sshe mich durch Heike bestätigt, dass das auch davon abgesehen Sinn macht.
Bei der E-Gitarre gibt es viele Techniken, die in meinen Ohren vor allem technische Kraftmeierei sind und u.U. auch für das musikalische kontraproduktiv sind. Ist natürlich auch Geschmackssache, aber wenn ich heute wieder E-Gitarre üben würde, würde ich mich auf eine bestimmte Stilrichtung ausrichten und voer allem musikalisch üben, dass man also etwa alle Skalen in allen Lagen wirklich drauf hat und anwenden kann etc.

aläx
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Re: Übungszeiten

Beitragvon aläx » Sa 16. Feb 2019, 15:05

@,Roberlin,

ich sehe das etwas anders ;)

Ich habe früher auch schon E-Gitarre gespielt und auch in verschiedenen Amateurbands.
Allerdings kann ich im Nachhinein sagen, dass meine Fähigkeiten zwar ausreichend waren (die Leute fanden mich sogar gut 8-) ) aber inzwischen habe ich einen anderen Anspruch an meine Fähigkeiten.
Auf der Klassikgitarre war ich da wesentlich weiter.
Mir gehts in erster Linie um den Spaß und ich übe auch nicht auf ein bestimmtes Ziel hin.
Ich sitze einfach gerne zuhause und improvisiere zu Backingtracks.
Um jedoch das zu spielen was mir da so vorschwebt (Neoclassik im Stile von Malmsteen, Moore, Mcalpine) muss ich eben insbesondere diese Techniken wie Speedpicking und Sweeping üben.
Das ist aber nicht so einfach und man muss da genauso rangehen wie bei klassischen Stücken.
Allerdings sehe ich inzwischen bereits einen Mehrwert auch für mein klassisches Spiel.
Bei der E-Gitarre habe ich zum ersten mal begonnen in sehr kleinen Einheiten, sprich Sequenzen zu üben.
Um auf diese Geschwindigkeiten zu kommen macht es wenig Sinn einen ellenlangen Lauf zu üben da ich einfach diese Grundgeschwindigkeit erst bekommen muss und das gilt auch für die linke Hand.gut
Diese Geschwindigkeiten von 200 bpm über längere Passagen kommen in der Klassik so gut wie nie vor.
Das heißt ich eleminieren in meinen Übungen alle anderen Schwierigkeiten soweit möglich und konzentriere mich auf die Syncronisation zwischen rechter und linker Hand in kleinen Sequenzen.
Nur so bekomme ich ein Gefühl für diese Geschwindigkeiten.

Ich mache das jetzt erst seit 2 Monaten so und übe nur sogenannte Speedbursts.
Damit habe ich schon mehr Fortschritte erzielt als in den jahrelangen Übesessions die ich früher gemacht habe.

Da ich auch noch sehr viel Klassikgitarre spiele habe ich das jetzt übertragen auf meine Überoutine in diesem Bereich.
Das heißt ich übe nur die wenigen Stellen die mir Schwierigkeiten bereiten in ganz kurzen Abschnitten. Langsam und stupide aber ohne Fehler und habe festgestellt, dass ich so die Stellen allmählich ausmerze an denen ich jahrelang "dübergespielt" habe nach dem Prinzip Hoffnung.

Das klappt inzwischen auch schon ganz gut und ich habe festgestellt, dass man dann so eine Stelle tatsächlich "überschreiben " kann.

Das Gehirn merkt sich alles und leider eben auch Fehler. Die sind, wenn sie einmal drin sind auch nur schwer auszumerzen.
Ich merke auch, dass wenn ich dann solch eine Stelle mal wirklich gut kann, meine Anspannung sehr zurückgeht, eben weil ich vor diesen Stellen keine Angst mehr haben muss :)

Ich bin im Moment sehr zufrieden mit meinen Fortschritten und versuche die neuen Ansätze die ich aus meinem E-Gitarrenstudium erhalte auch auf die Klassikgitarre zu übertragen wenn sie sinnvoll sind.

Insbesondere bei der Synchronisation in schnellen Passagen und Läufen kann ich da eine Menge mitnehmen.


tschau aläx


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