Prima Vista spielen?

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)
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Bernd C Hoffmann
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Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mi 18. Mär 2020, 16:05

wortspur hat geschrieben:
amadeo hat geschrieben:Danke für dieses Kaleidoskop der Meinungen. Es gibt also für Gitarre keine spezielle Prima Vista Literatur.


Ich habe nicht den gesamten Beitrag gelesen aber es scheint so, als wären "Sight reading for the classical guitar" noch nicht genannt worden:

Band 1:
https://www.amazon.de/Sight-Reading-Classical-Guitar-Level/dp/0769209742

Band 2:
https://www.amazon.de/Sight-Reading-Classical-Guitar-Level/dp/0769212859

Diese Bücher kann man genauso vergessen wie jeden nachträglichen Notenlernkurs, absoluter Käse. Das einzig Brauchbare für einen Klassikgitarristen ist die Liste mit den Vortragsbezeichnungen. Und selbst die sind überflüssig, weil man sie im (guten) Unterricht vermittelt bekommt. Durch Ablesen, weil das Buch mehr nicht vermittelt, weiß man praktisch nicht, wie die einzelnen Anweisungen an der Gitarre umzusetzen sind.
Liebe Grüße
Bernd
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Jörg Wagner
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Re: Prima Vista spielen?

Beitragvon Jörg Wagner » Mi 18. Mär 2020, 16:27

Hi,
ich habe mal den mitgeteilten link mit den Albert-Noten aufgerufen.
Achtung : das ist nicht die Albert-Schule, sondern es handelt sich hier um seine "Solospiel-Studien". Sein Lehrwerk trägt den Titel "Moderner Lehrgang des künstlerischen Gitarrespiels" Verlag Gitarrefreund Berlin-München-Wien, erschienen Bei Schlesinger, Berlin - Haslinger, Wien. Interessant sind hier die Bände II.Teil, III. und IV. Teil. Wer es eilig hat, kann sich jeweils auf die ersten Übungen zu den dort behandelten Lagen (Melodiespiel und Akkorde) beschränken, die Stücke selbst entsprechen nicht mehr unbedingt unsrem Zeitgeschmack.
Jörg Wagner

wortspur
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Re: "

Beitragvon wortspur » Mi 18. Mär 2020, 16:32

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Diese Bücher kann man genauso vergessen wie jeden nachträglichen Notenlernkurs, absoluter Käse. Das einzig Brauchbare für einen Klassikgitarristen ist die Liste mit den Vortragsbezeichnungen. Und selbst die sind überflüssig, weil man sie im (guten) Unterricht vermittelt bekommt. Durch Ablesen, weil das Buch mehr nicht vermittelt, weiß man praktisch nicht, wie die einzelnen Anweisungen an der Gitarre umzusetzen sind.


Aha, ist ja eine interessante Einschätzung. Ich nehme an, du kennst die Hefte und hast dir nicht nur die ersten 3 Seiten der amazon Vorschau angeschaut.
Ich denke, das sind genauso "Trainingvorlagen" wie die ganzen "Daily warm up routine" Bücher die es zum Thema Konzertgitarre gibt.
Denn genau so wird darin vorgegangen (und nicht wie du behauptest "durch Ablesen"): Tonart – Intervalle – Akkordumkehrungen – Arpeggios – 68! rhythmische Varianten ...
Es geht eben nicht ums Ablesen sondern darum, aktiv "Vorlagen" in allen Varianten zu spielen und dadurch schneller zu erkennen.
Das ist Prima Vista Training wie ich es auch vom Klavier her kenne.

Dass Tabulatur Käse (kontraproduktiv) ist und das beste Training durch fundierten Gitarrenunterricht vermittelt wird steht ausser Zweifel.
Zuletzt geändert von wortspur am Mi 18. Mär 2020, 19:59, insgesamt 1-mal geändert.

Roberlin
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Re: "

Beitragvon Roberlin » Mi 18. Mär 2020, 19:11

wortspur hat geschrieben:
Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Diese Bücher kann man genauso vergessen wie jeden nachträglichen Notenlernkurs, absoluter Käse. Das einzig Brauchbare für einen Klassikgitarristen ist die Liste mit den Vortragsbezeichnungen. Und selbst die sind überflüssig, weil man sie im (guten) Unterricht vermittelt bekommt. Durch Ablesen, weil das Buch mehr nicht vermittelt, weiß man praktisch nicht, wie die einzelnen Anweisungen an der Gitarre umzusetzen sind.


Aha, ist ja eine interessante Einschätzung. Ich nehme an, du kennst die Hefte und hast dir nicht nur die ersten 3 Seiten der amazon Vorschau angeschaut.

Du musst den Chefcholeriker nicht so ernst nehmen. Mach ich auch nicht. Machen, glaube ich, die meisten hier nicht...

Tariq
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Re: Prima Vista spielen?

Beitragvon Tariq » Mi 18. Mär 2020, 20:26

Vor einer gefühlten Ewigkeit hat mir Mario Sicca zum Verbessern des Blattspiels empfohlen, einfach irgendwelche Violinliteratur herzunehmen. Diese ist einfach zu finden, in jeder Schwierigkeitsstufe, je nach Ehrgeiz und Können, hat oft keine störenden Fingersätze, und wenn doch, sind sie für Gitarre unbrauchbar und man lernt zugleich, Fingersätze zu ignorieren. Und die Stücke für Violine sind manchmal musikalisch auch ganz wertvoll und fördern den musikalischen Vortrag.

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Bernd C Hoffmann
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Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mi 18. Mär 2020, 22:35

Roberlin hat geschrieben:Du musst den Chefcholeriker nicht so ernst nehmen. Mach ich auch nicht. Machen, glaube ich, die meisten hier nicht...

Der Chefcholeriker hat vor allem eigene Erfahrung mit Tabulaturspielern gemacht, die in ihren Versuchen mit amerikanischer Literatur, die ich oben als Käse bezeichnet habe, stecken geblieben sind. Ich habe keine hohe Meinung von solchen Ausgaben. Sie suggerieren lediglich, dass jahrelange musikalische Analphabeten quasi durch Gucken und Suchen zu versierten Blattspielern werden. Ich sage, das ist völliger Blödsinn! Ohne ein thematisch selektives und gitarristisch aktiv geführtes Ineinandergreifen mit dem Instrument kann man sich denken, was dabei heraus kommen wird: Nichts. Insbesondere liefert die Inhaltsübersicht keine formulierten Ziele über die Selektion und dem hierfür konkreten Bezug zur gitarristischen Umsetzung. Aber genau darauf kommt es an! Es ist genau das, was der Tabulaturspieler können will. Wäre es anders, dann hätte ich nicht immer wieder solche Schüler bekommen.

Speziell die beiden velinkten Amazon-Titel gehen auf substanzielle Aspekte der Oberflächlichkeit von Tabulaturspielern überhaupt nicht ein. Das sind bspw. denkbar schlecht antrainierte motorische Aspekte und das häufig miserable rhythmische Lesen; typische Äußerung: "Ich muss das erst mal hören." Ohne zu wissen, welche Probleme Tabulaturspieler tatsächlich haben, sind solche Ausgaben bestenfalls theoretisches Halbwissen. Das lässt mich folgern, dass in den USA unter Tabulaturspielern entweder ein viel besseres Hintergrundwissen vorhanden ist (was ich stark bezweifle, da ich damals auch hier stationierte Amerikaner unterrichtete) oder die Autoren dieser Ausgaben haben ganz einfach keine Ahnung über die tatsächlichen Probleme von Tabulaturspielern. Dafür spricht auch das Inhaltsverzeichnis, das größtenteils nur weitgehend praktisch unbrauchbare Theorieansätze liefert.

Wer selbst noch keinem Tabulaturspieler das Notenblattspiel vermittelt hat, lieber Roberlin, der braucht mir gegenüber keine Andeutungen zu machen, wie in gewissen Bereichen die Welt funktioniert. Aber wenn Du mir etwas bestimmtes andichten möchtest, was Dir an mir nicht passt, dann kannst Du Dich entweder damit abfinden oder Dir ein anderes Forum suchen. Solltest Du mir nochmal einen Wink durch die Blume zukommen lassen oder etwas konkreter werden, dann wird das Dein letzter Beitrag hier gewesen sein. Ich bin nicht willens darüber zu diskutieren. Akzeptiere es oder suche Dir andere Ressourcen.

Off topic
Die Amis haben in zu bestimmten Themen selbstverständliche Ansichten, die ich überhaupt nicht teile. Ich gehe auch noch einen Schritt weiter und sage, dass fast alles, was über den großen Teich hier herüberschwappt, nichts taugt, weil es ganz einfach niemand braucht. Aber es muss eben nur ein Bedarf geweckt werden, damit es Leute kaufen (siehe Mac Donnald´s und Konsorten). Aber das ist ein anderes Thema muss hier nicht vertieft werden. Der einzige Nutzen, den solche Sight Reading Ausgaben haben, sind die Hinweise auf die Lehrwerke von Aaron Shearer und William Leavitt, weil die wirklich gut sind. Aber hierfür gibt es deutsche Alternativen, wenn man das vorziehen möchte.
Liebe Grüße
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Re: Prima Vista spielen?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mi 18. Mär 2020, 22:43

Tariq hat geschrieben:Vor einer gefühlten Ewigkeit hat mir Mario Sicca zum Verbessern des Blattspiels empfohlen, einfach irgendwelche Violinliteratur herzunehmen. Diese ist einfach zu finden, in jeder Schwierigkeitsstufe, je nach Ehrgeiz und Können, hat oft keine störenden Fingersätze, und wenn doch, sind sie für Gitarre unbrauchbar und man lernt zugleich, Fingersätze zu ignorieren. Und die Stücke für Violine sind manchmal musikalisch auch ganz wertvoll und fördern den musikalischen Vortrag.

Der leider schon verstorbene Wolfgang Lendle hatte Violinenliteratur für Gitarristen herausgegeben. Der Hintergrund war zwar ein anderer (technischer Ausbau der Geläufigkeit), aber der Ansatz hat durchaus seine Berechtigung und ist nicht neu. Für Tabulaturspieler, die gerade erst mit Noten anfangen, ist das jedoch nicht zu empfehlen.
Liebe Grüße
Bernd
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