Carcassi Op 60, spez. re Hand

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)
Kerstin Muc
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Carcassi Op 60, spez. re Hand

Beitragvon Kerstin Muc » Sa 27. Aug 2022, 07:55

Hallo Leute,
Gibt es spezielle Empfehlungen aus dem sehr umfangreichen Op 60, was die re Hand und Geschwindigkeit fokussiert? Spiele Mittelstufe und würde da gern ein paar extra Übeeinheiten mit Metronom üben. Regulär arbeite ich mit Lehrer und der Sagreras Schule.

Vielen Dank Kerstin

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Bernd C Hoffmann
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Re: Carcassi Op 60, spez. re Hand

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mo 29. Aug 2022, 09:18

Wenn Du tatsächlich eine Tempovorgabe für jedes Stück brauchst, dann gibt (oder gab) es eine CD von William Kanengiser mit Namen "Estudios". Da sind alle Carcassi Etüden drauf, die von Brower und alle wichtigen von Sor. Ich habe sie damals gekauft. Ansonsten sagen Dir die Vortragsbezeichnungen wie Allegro, Allegretto etc., wie schnell die Etüden zu spielen sind.
Liebe Grüße
Bernd
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Charlie
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Re: Carcassi Op 60, spez. re Hand

Beitragvon Charlie » Di 30. Aug 2022, 14:36

Hallo Kerstin,

zur Geschwindigkeitssteigerung oder -übung brauchst Du nicht zwingend bestimmte Stücke, jedes Stück kann dazu verwendet werden. Wenn Du nach Metronom spielt, stell' das Metronom einfach immer etwas höher, sobald Du Dich flüssig und sicher beim Spielen fühlst.

Hier ein Video, dass die Grundlage der Geschwindigkeit sehr schon beschreibt:



Ansonsten hat Carcassi Op. 60 No. 7 schöne Elemente zur Lockerung bzw. Geschwindigkeitsübung.

Viele Grüße
Charlie

msh
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Re: Carcassi Op 60, spez. re Hand

Beitragvon msh » Mi 31. Aug 2022, 10:29

Also ich würde grundsätzlich nur ausnahmsweise ein Metronom einsetzen.
Dies gilt auch für Carcassi- bzw. Aguadoetüden, die sich auch musikalisch auf hohem Niveau ausformulieren lassen.
Metronomeinsatz nur, um bestimmte Tempofehler, die aus der Spielweise resultieren, zu "visualisieren".
Ansonsten liegt der Schlüssel zu echtem Tempo im langsamen, zeitlupenhaften Üben sowie in der Abstraktion und Bewegung des Rhythmus.
Niemals schneller werden als die Stelle im Stück, bei der ein Problem geschwindigkeitsbedingt aufkommt.
In diesem Zusammenhang hatte mir Glenn Gould mit seiner Umsetzung der Goldbergvariationen die Augen geöffnet: Ultralangsam und wahnsinnig schnell, beides hochvirtuos - und natürlich mit verschiedenen musikalischen Aussagen. Immer hörenswert.
Ansonsten liegt der Schlüssel virtuos-schnellen Spieles natürlich in:
Möglichst kraftfreien, feinen und weichen Finger- Hand- Arm- und Körperbewegungen.
Niemals würde ich das Metronom schneller stellen um schneller zu werden.
Musik ist doch mehr als nur Sport, oder? Sollte ich mich einer Maschine unterordnen? Wozu bin ich Mesch überhaupt?
Naja, ich möchte das Thema jetzt nicht unnötig bagatellisieren/dramatisieren.

Kerstin Muc
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Re: Carcassi Op 60, spez. re Hand

Beitragvon Kerstin Muc » Mo 5. Sep 2022, 06:52

Charlie hat geschrieben:Hallo Kerstin,

zur Geschwindigkeitssteigerung oder -übung brauchst Du nicht zwingend bestimmte Stücke, jedes Stück kann dazu verwendet werden. Wenn Du nach Metronom spielt, stell' das Metronom einfach immer etwas höher, sobald Du Dich flüssig und sicher beim Spielen fühlst.

Hier ein Video, dass die Grundlage der Geschwindigkeit sehr schon beschreibt:



Ansonsten hat Carcassi Op. 60 No. 7 schöne Elemente zur Lockerung bzw. Geschwindigkeitsübung.

Viele Grüße
Charlie


Danke, das ist super.

Kerstin Muc
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Re: Carcassi Op 60, spez. re Hand

Beitragvon Kerstin Muc » Mo 5. Sep 2022, 06:54

msh hat geschrieben:Also ich würde grundsätzlich nur ausnahmsweise ein Metronom einsetzen.
Dies gilt auch für Carcassi- bzw. Aguadoetüden, die sich auch musikalisch auf hohem Niveau ausformulieren lassen.
Metronomeinsatz nur, um bestimmte Tempofehler, die aus der Spielweise resultieren, zu "visualisieren".
Ansonsten liegt der Schlüssel zu echtem Tempo im langsamen, zeitlupenhaften Üben sowie in der Abstraktion und Bewegung des Rhythmus.
Niemals schneller werden als die Stelle im Stück, bei der ein Problem geschwindigkeitsbedingt aufkommt.
In diesem Zusammenhang hatte mir Glenn Gould mit seiner Umsetzung der Goldbergvariationen die Augen geöffnet: Ultralangsam und wahnsinnig schnell, beides hochvirtuos - und natürlich mit verschiedenen musikalischen Aussagen. Immer hörenswert.
Ansonsten liegt der Schlüssel virtuos-schnellen Spieles natürlich in:
Möglichst kraftfreien, feinen und weichen Finger- Hand- Arm- und Körperbewegungen.
Niemals würde ich das Metronom schneller stellen um schneller zu werden.
Musik ist doch mehr als nur Sport, oder? Sollte ich mich einer Maschine unterordnen? Wozu bin ich Mesch überhaupt?
Naja, ich möchte das Thema jetzt nicht unnötig bagatellisieren/dramatisieren.

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Ohne das notierte Tempo gelingt aber die Interpretation doch nicht. Tempoangaben sind doch essenziell, oder wie ist da deine Auffassung?

LG Kerstin

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Re: Carcassi Op 60, spez. re Hand

Beitragvon bassklampfe » Mo 5. Sep 2022, 11:45

Kerstin Muc hat geschrieben:
Ohne das notierte Tempo gelingt aber die Interpretation doch nicht. Tempoangaben sind doch essenziell, oder wie ist da deine Auffassung?

Tempoangaben sind Näherungswerte. Wenn da Adagio oder Allegro steht, gibt es immer ein "von-bis". Außerdem gibt es ein "ich kann so und so schnell" und, wichtiger, ein "ich möchte es in diesem, meinem Tempo spielen". Natürlich sollte man aus einem Allegro kein Largo machen, und aus einem Andante kein Presto. Aber es gibt doch keine Tempoverpflichtung. ;)

Auch scheinbar präzise Angeben wie "Viertel = 90" sind nicht absolut. Wenn man alte Originalaufnahmen vergleicht, die die Komponist selbst eingespielt haben, wird man feststellen, dass die Tempi praktisch immer unterschiedlich ausfallen. Dafür gibt es viele Gründe, Tagesform, andere Sichtweisen etc.

Grundsätzlich finde ich, dass es besser ist, ein Stück musikalisch und schön zu spielen, als sich zwanghaft ans Tempo zu klammern. Sicher gehört Geschwindigkeit auch zu den Fähigkeiten, die Musik und den Musiker ausmachen. Aber es sicher kein Alleinstellungsmerkmal. Wenn du allerdings für dich befindest, dass du ein Stück gerne in einem bestimmten Tempo spielen möchtest, dann musst du langsam darauf hintrainieren. Sehr langsam beginnen und auf Fehlerfreiheit achten.

Ach so, vielleicht sollte man an der Stelle auch schauen, ob die Tempoangaben überhaupt vom Komponisten stammen oder nachträglich hinzugefügt wurden. Es ist ganz oft so, dass sich da irgendwelche Herausgeber profiliert haben, weil es eben keine Angaben vom Komponisten gibt.
______________
Gruß
bassklampfe

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Re: Carcassi Op 60, spez. re Hand

Beitragvon msh » Mo 5. Sep 2022, 17:23

Also Tempo hängt stark vom Hörgefühl ab. Daher hören: Wie haben es andere gemacht, wie gefällt es mir das?
Klar, es gibt Skalen.
Aber je nach Komponist und Epoche wurde auch verschieden mit Tempi umgegangen.
Frage lautet oft: Was hat der Komponist eine Tempoangabe tatsächlich gemeint?
Und: Auf welchen Notenwert hat er sie bezogen?
Ist die Tempoangabe wirklich vom Komponisten selbst oder eher vom "Editierer"?
Welten liegen in den Bereichen, für die eine Tempodefinition gilt.
Wobei: 90 auf die Achtel ist schon eine ziemlich klare Ansage.. : )

Tariq
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Re: Carcassi Op 60, spez. re Hand

Beitragvon Tariq » Mi 7. Sep 2022, 21:51

Schön, dass Charlie ein Video von Merce Font verlinkt hat,
Ich finde ihre Lehrvideos alle super und kann sie stundenlang anschauen (die Videos ;) ) und davon profitieren.
Außerdem ist sie sehr nett; sie war schon mehrfach auf den Gitarrentagen in Vallendar, wo ich sie kennen lernen durfte.
Man kann auch bei ihr online-Unterricht buchen; sie ist sehr professionell mit der Video-, Audio- und Computertechnik.


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