Handgrößen

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)
AufsNeue
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Re: Handgrößen

Beitragvon AufsNeue » Do 20. Jun 2019, 20:49

Schönes Video, Bernd. Danke.

Mein Zeigefinger ist 5,6 cm. Meine Kuppen sind 5,5 cm.
Laut die Formel der EGTA-D brauche ich eine Mensur von 57 cm.
Meine Gitarre hat eine Mensur von 63 cm und einen Sattel von 49 mm. Der Korpus ist 4/4. Es ist eine alte, handgebaute Studiengitarre von Vollholz.
Manchmal glaube ich eine Gitarre mit einer Mensur van 58 oder vielleicht 61 cm wäre soviel bequemer daß es der unvermeidliche Verlust an Klang wert ist, da die nur mit Vollholz Obenblatt zu Kauf sind und/oder jetzt viel zu teuer für mich wären. Ich denke z.B. eine Mancha Rubi oder eine kleine Esteve oder eine Cordoba Cadete oder Requinto.

Ich spiele gerne mit einem Kapo auf dem 3. Position, aber für zusammenspiel ist das nicht ideal.

Ich habe schon experimentiert mit die Gitarre einen ganzen Ton herab gestimmt und einem Kapo auf dem zweiten Position. Aber die Gitarre klingt dann gar nicht mehr mit meinem Savarez Alliance High Tension Saiten...

Was sind Euere Gedanken? Ist meine Gitarre wirklich zu groß für mich um bequem drauf spielen zu können?

Edit: Vielleicht ist es noch wichtig zu melden daß ich schon über 60 bin.

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Bernd C Hoffmann
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Re: Handgrößen

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Fr 21. Jun 2019, 14:26

Mit Instrumenten wie "Kadete", die zur Kategorie der einfachsten Einsteiger- bzw. Kindergitarren gehören, würde ich nicht mit befassen wollen. Die sind klanglich weit unter dem, was man von einem Studentenmodell erwarten kann.

Die Herausforderung ist (beim Rechtshänder) die linke als Greifhand. Hier geht es um die Spreizfähigkeit. Mein Idealmaß ist der Industriestandard mit 65/5,2. Wegen fokaler Dystonie habe ich ein halbes Jahr nicht gespielt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass meine sehr gute Spreizfähigkeit (bei kleinen Händen) nach längeren Spielpausen relativ schnell wieder da ist. Das Instrument betreffend würde ich Dir empfehlen, dass Du einige Gitarrenbauer kontaktierst. Sie werden meist keine Gitarren mit kürzeren Mensuren haben, jedoch können sie häufig Gitarristen benennen, die solche Instrumente spielen. Mit denen kannst Du Dich verabreden und dann direkt testen. Da ist immer noch besser als ein Frustkauf für irgendeine drittklassige Gitarre, die einer klanglich gereiften Tonproduktion durch den Spieler überhaupt nicht standhalten kann.
Liebe Grüße
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Re: Handgrößen

Beitragvon AufsNeue » Fr 21. Jun 2019, 17:52

Danke für euere Antwort, Berndt. Ich fürchte, Sie haben recht mit dem all zu einfachen Einstiegergitarren. Um so mehr, weil meine Ohren verwöhnt sind mit guten Instrumenten.

Am liebsten möchte ich ein gutes (ich verstehe, es würde kein fantastisches) Instrument in einem Shop aussuchen. Auch kann ich mich jetzt einfach keine speziell für mich angefertigte, handgebauten Gitarren leisten. Dabei kommt noch: Bei der (Haken)harfe z.B. habe ich die Erfahrung daß selbst Fabriksinstrumente von derselbe Marke, Modell und Holz, ganz verschieden klingen. Das hat u.a. damit zu tun das jedes Stück Holz einzigartig ist und andere Klangeigenschaften hat.

Also, vielleicht soll ich zuerst versuchen ob meine, zwar alte Hände sich nach einer Jahrenlange Pause sich mit was Übung besser spreizen wollen (Danke für 's nennen von eueren eigen Erfahrung). Auf der Harfe wollten meine Finger sich am Anfang auch slecht spreizen aber nach viel Übung (und eine gute Lehrerin) hat sich das nach einigen Jahren viel gebessert.

Gehören die La Mancha Gitarren 'Kindergitarren' im selben Qualitätsklasse als die Cordoba Kindergitarren?

Verzeihung für mein Deutsch. Es ist eine Fremdsprache für mich. Ich kan Deutsch gut lesen, aber sprechen und schreiben ist ganz andere Sache.

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Re: Handgrößen

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Fr 21. Jun 2019, 18:48

AufsNeue hat geschrieben:Gehören die La Mancha Gitarren 'Kindergitarren' im selben Qualitätsklasse als die Cordoba Kindergitarren?

Verzeihung für mein Deutsch. Es ist eine Fremdsprache für mich. Ich kan Deutsch gut lesen, aber sprechen und schreiben ist ganz andere Sache.

Wir Pflegen hier miteinander das Du und verstehen Dich sehr gut ;-)

Die Kindergitarren von Cordoba kenne ich nicht. Die Gitarren von La Mancha kommen aus China, aber in deutscher Aufsicht. Qualitativ stufe ich sie als gut ein, im Preis-/Leistungsverhältnis sind sie hervorragend. Gewisse klangliche Abstriche macht man bei kleineren Gitarren (unter 7/8 Mensur) hat man immer. Bei La Mancha erhält man sehr viel Gitarre fürs Geld, auch mehr Klang.

Die Klangqualität hängt hauptsächlich vom Alter des Holzes ab. Wurde es länger abgelagert, z. B. 10 Jahre, dann ist die Gitarre entsprechend teuer. Dafür ist auch der Anteil an Handarbeit deutlich höher.
Liebe Grüße
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Re: Handgrößen

Beitragvon AufsNeue » Mo 24. Jun 2019, 14:45

Danke, Bernd für deine Informationen. Stoff zum nachdenken.

Zuerst fragte ich mich womit deine Präferenz vor eine Mensur van 65 cm zu tun haben könnte.

Hier: https://www.lmii.com/blog/2017/10/07/sc ... beginners/ fand ich: "All things being equal, a guitar with a longer scale length will sound a bit brighter, with a quicker attack and more defined bass notes. The sound will be more chime-like. The short scaled guitar will be sweeter and warmer sounding. The basses may be rounder (some might say ‘muddier’) but the highs will be more lyrical and resonant sounding."

Und hier: https://hazeguitars.com/blog/scale-leng ... y-and-tone "Where all of the overtones and harmonics sit on a string is determined by its scale length. With a longer scale, and more room for the harmonics to breath, you end up with a more clear, ringing tone."

Also, eine kurzere Mensur hat wichtige Folgen für den Klang. Bevor ich dies las, erwartete ich daß als ich eine hartere Spannung von Saiten auswählte, ich bei einer significant kürzeren Mensur (wie 58/59 oder 61 cm) in Kombination ungefähr denselben Klang, sei es was kleiner und sanfter, bekäme weil das Body kleiner gebaut worden ist...

Bezeichnet dies auch daß bei einer kürzere Mensur Fichte eine logischere Wahl ist als Zeder? Ich glaube, Fichte klingt heller und schallt was langer als Zeder und würde vielleicht teils den Nachteilen von einer kürzeren Mensur teilweise kompensieren.

Habe ich dies richtig verstanden?

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Bernd C Hoffmann
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Re: Handgrößen

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mo 24. Jun 2019, 16:47

Ich kann die beiden Berichte nur als allgemein aber nicht absolut betrachten. Meine Erfahrung ist, dass es am Gitarrenbauer iegt, was er daraus machen kann. Gerade bei der Gitarrenvauschule aus Granada und deren Abkömmlinge zeigt sich immer wieder, dass keine größeren Mensuren besseren Ton erforderlich ist.

Wie Fichte oder Zeder sich bei kleineren Gitarren verhält, die außerhalb des Einsteigersegments liegen, weiß ich nicht. Ansonsten findest du in der Rubrik "Interessante Abhandlungen" einen Artikel, der auf die Besonderheiten von Fichte und Zeder eingeht.
Liebe Grüße
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