Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)

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Marty CT
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Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Beitragvon Marty CT » Mo 16. Okt 2017, 23:18

Hallo Zusammen,

ich hatte mal einen Gitarren-Lehrer der Studierter Gitarre- und Lauten-Spieler war. (Hat am Konservatorium in Wien studiert)
Nachdem wir das Stück "Bach BWV 996 - Allemande" durchgenommen haben, hat er mir empfohlen diese weiterhin zu üben und die obere Stimme komplett im Apoyondo zu spielen. War aber nicht mehr Thema des Unterrichts sondern eine Empfehlung für die weiterenwicklung von Ihm.

Seit dem habe ich das Stück nicht mehr gespielt. Da ich gerade dabei bin dieses in mein Repertoire wieder aufzunehmen frage ich mich ob seine Empfehlung musikalisch oder eher didaktisch gemeint war?!

Was ist eure Meinung dazu?

Grüße

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docsteve
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Re: Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Beitragvon docsteve » Di 17. Okt 2017, 12:59

Didaktisch. Laute wird grundsätzlich nicht im Apoyando gespielt. Um eine Stimme herauszuarbeiten, wäre es mMn gerechtfertigt, beim Vortrag würde ich aber Tirando wählen.

Abgesehen davon empfinde ich das Stück als mindestens dreistimmig. Was sagen die Profis dazu?

Viele Grüße, Stephan

aläx
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Re: Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Beitragvon aläx » Sa 28. Okt 2017, 23:19

Hallo Marty :)

ich komme auch noch aus der alten Schule und spiele fast immer Apoyando wo es geht.
Ich stehe auch noch auf Teppichboden :lol:

Nixdestotrotz spiele ich auch heute noch die Lautensuiten in Apoyando wenn möglich und insbesondere bei diesem Stück.
Wenn du dir mal alte Videos von Julian Breamoder Segovia ansiehst weißst du, dass die ihren Klang genau aus dieser Technik holt.

Gruß aläx

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Bernd C Hoffmann
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Re: Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 29. Okt 2017, 07:28

Unabhängig von der Lautensuite spiele ich auch alles apoyando, wo es geht. Man muss nur darauf achten den Anschlag zu modulieren.
Liebe Grüße
Bernd
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Marty CT
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Re: Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Beitragvon Marty CT » Do 2. Nov 2017, 08:41

Damals mit 16 habe ich das Apoyando nicht hinbekommen (wegen meiner Nägel (Anschlagtechnik)). Mein Lehrer hat - auch wegen der Laute - nur mit Fingerkuppen gespielt und konnte mir da nicht wirklich weiter helfen... Wobei ich auch sagen muss, dass ich bis heute keine Gitarrenlehrer hatte der so gut Bach spielen konnte :D.

Ich habe eigentlich nur 3 Vorbilder was Gitarre angeht:
- John Williams (präzise, glasklar)
- Julian Bream (=John Wiliams + unübertroffen das gewisse Extra an Gefühl)
- Andre Segovia (Phrasierung + Ton + Julian Bream)

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Bernd C Hoffmann
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Re: Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Do 2. Nov 2017, 18:13

Wer Gitarre unterrichtet, der sollte sich eigentlich mit dem Nagelspiel auskennen, auch wenn er mit der Kuppe spielt.
Mein Vorbild war Pepe Romero. Durch ihn habe ich wieder zur Klassik zurück gefunden, später auch zum Flamenco. Heute gibt es viele gute Gitarristen mit Vorbildcharakter.
Liebe Grüße
Bernd
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Marty CT
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Re: Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Beitragvon Marty CT » Sa 4. Nov 2017, 03:01

Musikalisch hat der Kollege mich sehr geprägt.
Seine Methode war zunächst eher die musikalische Seite des Spielens zu fördern.
Die technische Seite kam erst später.

Heute bin ich eher der Befürworter des Ansatzes:
"Bevor du Musik spielst musst du erst die Technik beherrschen... ;)"

Ist aber mein eigener Weg gewesen.

Wegen der Nägel:
Tipps konnte er mir schon geben, diese haben auch die ersten 2 Jahre funktioniert (Nägel nach der Form der Fingerkuppen formen, nicht zu lang, etc...) War für den Anfang sehr gut. Jedoch stellt man im Lauf der Zeit fest, dass dies eben sehr viele Nachteile hat und auch die RH negativ beeinflusst...

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Bernd C Hoffmann
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Re: Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 4. Nov 2017, 04:15

Marty CT hat geschrieben:Wegen der Nägel:
Tipps konnte er mir schon geben, diese haben auch die ersten 2 Jahre funktioniert (Nägel nach der Form der Fingerkuppen formen, nicht zu lang, etc...) War für den Anfang sehr gut. Jedoch stellt man im Lauf der Zeit fest, dass dies eben sehr viele Nachteile hat und auch die RH negativ beeinflusst...

Richtig ist, dass die Kuppenform des Nagels etwas für den Anfang ist. Dass dies jedoch "sehr viele Nachteile" hat, kann ich nicht sagen. Auch wird die aus meiner Sicht die rechte Hand dadurch nicht negativ beeinflusst. Die Kuppenform hat im Gegensatz zur Rampe den Vorteil, dass die einzelnen Kontaktstellen des Anschlags leichter zu machen sind. Schlecht sind nur irgendwelche Formen und Beschaffenheiten, die den Ton und die Bewegung negativ beeinflussen.

Welche konkreten Nachteile hat die Kuppenform aus Deiner Sicht?
Liebe Grüße
Bernd
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aläx
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Re: Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Beitragvon aläx » Sa 4. Nov 2017, 15:19

Hallo Marty,

"Bevor du Musik spielst musst du erst die Technik beherrschen... ;)"

das unterschreibe ich sofort 8-)

Ich kenne im Prinzip nur einen Gitarristen, der mich mit reinem Kuppenspiel (also ohne Nagel) überzeugt hat.
Das war Osvaldo Parisi, der auch viel Laute spielt.
Allerdings hatte der eine richtige Hornhaut an den Fingerkuppen.
Emilio Pujol habe ich nie gehört, aber bei dem muss es ähnlich gewesen sein.
Beim Nagelanschlag kommt es meiner Meinung darauf an in welchem Winkel ich die Saite treffe.
Ich bin Anhänger der "alten" Schule, damit meine ich Bream.
Der Anschlag ist fast ein ziehen (schwer zu beschreiben aber auf Videos kann man es sehen) und dazu muss der Nagel relativ lang sein.

Bei Segovia ist es ähnlich. Williams geht schon mehr in Richtung modern aber deshalb bin ich auch der Meinung, dass der Ton von Bream oder Segovia mir mehr zusagt.

@Bernd
Ich hatte mal Unterricht bei Angel Romero und der war auch ein absoluter Tonkünstler. Ich kenn insbesondere Giuliani Stücke, die kann niemand so schön schmalzig spielen wie Angel oder eben auch Pepe Romero.
Die hatte auch ganz tolle Rodriguezgitarren.
Ich hätte damals (1983) für 18.000 € kaufen können, aber da war mein Budget einfach zu dünn :D

Gruß aläx

Jörg Wagner
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Re: Bach BWV 996 Allemande / Apoyando

Beitragvon Jörg Wagner » Sa 4. Nov 2017, 15:46

Hi Aläx,
Oswaldo habe ich auch gekannt, den habe ich öfter bei Hans Herb in Erlangen getroffen.
Segovia hatte übrigens ultrakurze Fingernägel, und seinen "Anschlag" würde ich eher als "reibend" oder "drückend" beschreiben, von "schlagen" Keine Spur, der hatte die Saiten regelrecht "am Wickel".
Ich erinnere mich auch noch an eine kritische Bemerkung von Michael Teuchert gegenüber einem Gitarristen, er sagte damals "Du schlägst ja noch."
Jörg Wagner


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