Ökonomisches Spiel

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)
Benutzeravatar
christian_k
Beiträge: 27
Registriert: Di 12. Mai 2015, 00:57

Re: Ökonomisches Spiel

Beitragvon christian_k » So 17. Dez 2017, 01:31

Mir gefällt Tina's Version besser.
Irgendwie sauberer und ein besseres Vibrato.
Aber auf Dauer ist das nichts zum Anhören, ist halt Hochleistungssport auf der E-Gitarre.
Ich habe jahrelang fast nur Malmsteen und Vai gehört. Aber auch das langweilt irgendwann.

Mittlerweile (ich bin 55) mag ich die Töne lieber, die nicht gespielt werden ;)

Wenn es aber wirklich um sauberes, mehrstimmiges Spielen geht, dann führt nichts am Klassik-Gitarristen vorbei.
Die Krönung ist dann das virtuose Flamenco-Spiel.
Meine Meinung jedenfalls.

Grisha Goryachev ist einer besten Flamenco-Spieler der Gegenwart:
https://www.youtube.com/watch?v=gMCak0-0WNw

grenner
Beiträge: 191
Registriert: Mo 18. Jan 2016, 10:48

Re: Ökonomisches Spiel

Beitragvon grenner » So 17. Dez 2017, 08:39

Mich würde mal interessieren, wie das Ganze klingen würde, wenn es ohne Verstärker, Zerre, Compressor, Delay , Reverb etc. etc. auf einer von Bernd so geliebten Aldi Gitarre gespielt würde. Ob das dann auch noch so eindrucksvoll rüberkommt oder ob nicht doch ein guter Teil der Elektronik geschuldet ist.

Kuno Wagner
Beiträge: 347
Registriert: Fr 25. Nov 2016, 18:53

Re: Ökonomisches Spiel

Beitragvon Kuno Wagner » So 17. Dez 2017, 09:53

Ich kann mich nur selbst zitieren:

Kuno Wagner hat geschrieben:mit Musik hat das nichts zu tun)

Manfred
Beiträge: 100
Registriert: So 21. Aug 2016, 18:57

Re: Ökonomisches Spiel

Beitragvon Manfred » So 17. Dez 2017, 12:06

Da treffen wohl zwei Welten aufeinander. Das müssen wir aushalten. Auf der Gitarre gibt es keine Weltmeisterschaften wie auf dem Akkordeon. Für mein Dafürhalten hat Kuno Wagner recht. Diese Position scheint mir aber nicht mehrheitsfähig zu sein.
Schöne Grüße zum dritten Advent
Manfred

Benutzeravatar
peterg
Beiträge: 56
Registriert: So 3. Dez 2017, 17:35

Re: Ökonomisches Spiel

Beitragvon peterg » So 17. Dez 2017, 13:00

Ich nehme mich im Moment auch wieder an die Kandarre und beschäftige mich damit, wie ich meine Fingerbewegungen links ökonomisieren könnte. Bin dabei auf diesen Thread gestoßen, der allerdings etwas vom Thema abweicht.
Vielleicht kurz zunächst meine Meinung dazu:
Die Aussage, dass das was hier vorgestellt wurde "nichts mit Musik zu tun hätte" ist ja zweifelsohne bewusst polemisch akzentuiert.
(Interessant finde ich, dass da von den Heavy Metal-Fans kaum heftigen Widerworte kamen).
Mit dem Vorwurf: "Das ist nicht Musik" sind Musiker und Komponisten ja seit Jahrhunderten konfrontiert.
(Ich kann mich noch an den Kommentar meiner Mutter erinnern, als ich Browers La Espiral eterna geübt hatte :D )
Ich denke dieser Vorwurf wird seit dem 20. Jahrhundert aus verschiedensten Gründen, die nicht unbedingt immer mit Musik zu tun haben häufiger (Globalisierung->Zugang zur Musik anderer Kulturräume, technologischer Fortschritt->Rasche, ubiquitäre Verbreitung und Widergabe von Musik, etc.)
Ob das noch Gitarrenmusik ist, hatte ich mich neulich bei diesem Video auch gefragt (Ab Minute 17:30)
https://www.br.de/mediathek/video/semif ... e?t=17m48s
Wenn man annimmt, dass ein wesentliches Merkmal von Gitarrenmusik ist, Töne auf sechs Saiten zu produzieren, dann wären die eingangs im Thread gezeigten Videos wohl noch eher Gitarrenmusik als Bozzas Interfret.
Ob diese Heavy-Metal-Videos ökonomische Bewegungsabläufe zeigen, mag ich nicht beurteilen, aber es sieht locker und geübt aus. Die machen das nicht zum ersten Mal.
Schön. Mir gefällts trotzdem nicht, was solls!

Jetzt aber zum Thema:
Natürlich hängt ökonomisches Gitarrenspiel von vielen Aspekten ab.
Mir ist klar, dass z. B. anatomische Aspekte hier eine Rolle spielen (->Django Reinhardt)
Und dass man auch mit elegant abgespreizem Kleinfinger exzellente Technik haben kann.
https://www.guitarsalon.com/blog/?p=11781
Trotzdem steht die Sinnhaftigkeit der Ökonomisierung der Fingerbewegungen/Stellungen außer Frage.
Mich würde interessieren, Wie übt ihr z. B. dass sich die linken Finger nicht zu weit vom Griffbrett abheben ein.
Gut ich achte jetzt beim Skalenspiel und beim Spielen von Stücken (wenn ich dran denke) bewußt drauf die Finger der linken Hand stets nahe am Griffbrett zu behalten und hoffe dass sich das automatisiert.
Habt ihr darüberhinaus irgendwelche Tipps?
Also es geht mir hier jetzt bewußt nur um die Ökonomisierung der linken Hand in dem Sinne, dass der Fingerkuppen-Griffbrettabstand möglichst klein bleibt.

Manfred
Beiträge: 100
Registriert: So 21. Aug 2016, 18:57

Re: Ökonomisches Spiel

Beitragvon Manfred » So 17. Dez 2017, 14:43

Ist das, was Andrey Lebedev ab Minute 17.30 spielt, noch Gitarren Musik? Fragt Perterg.
JA, und zwar vom Feinsten, Ihr Heavy Metaller!
Übrigens, ich werde in ein paar Wochen 81 und habe in meinem Leben mehr Musik gehört als die meisten von Euch
Schöne Grüße
Manfred

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3835
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Ökonomisches Spiel

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 17. Dez 2017, 16:43

Manfred hat geschrieben:Ist das, was Andrey Lebedev ab Minute 17.30 spielt, noch Gitarren Musik? Fragt Perterg.
JA, und zwar vom Feinsten, Ihr Heavy Metaller!

Absolut richtig! Konkret ist es das, was man als Neue Musik bezeichnet. Dazu gibt es hier auch eine (leider völlig unterbelichtete) Rubrik.

Manfred hat geschrieben:Übrigens, ich werde in ein paar Wochen 81 und habe in meinem Leben mehr Musik gehört als die meisten von Euch

Respekt! Und schönes Feiern ;-)
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

Benutzeravatar
klaus
Beiträge: 317
Registriert: Mi 15. Mai 2013, 17:47
Wohnort: Barcelona

Re: Ökonomisches Spiel

Beitragvon klaus » Mo 18. Dez 2017, 09:15

Hallo
ich glaube aläx dahingehend verstanden zu haben, dass man mal über den Zaun gucken sollte.
Wohingegen in den Kommentare dazu eher geschmackliche Aspekte behandelt werden.
Für mich gilt, dass auch Technik z.B. in einer Tonleiter ein Stück Musik sein soll. Weil wir sie dazu benutzen, später in einem Werk sicherer und flüssiger und melodischer zu spielen.
Das ist, sagen wir mal der musikalische Aspekt zu dem Thema.
Und ich finde es auch ok. mal andere Techniken anzusehen.Ich stimme mit aläx dahingehend überein, dass man auch von anderen Stilrichtungen lernen kann. Selbst von anderen Instrumenten. Die Erfahrung habe ich selbst oft genug gemacht.
Direkt vergleichbar ist das Solospiel auf der E-Gitarre mit einer Konzertgitarre aber nicht. Wenn man bedenkt, dass die Werke für diese Instrumente anderes angelegt sind.
E.Gitarre mit ihrer geraden melodischen Linie (meistens...) Die Konzertgitarre mit mit ihren harmonischen Stützen. (Bass, Füllstimmen, etc. )Sachen also, die bei einem E-Gitarristen meistens von seinen Kollegen übernommen werden . Bassist, 2te Gitarre etc.
Das, was im klassischen Bereich als "E-Solo " noch am ähnlichsten ist, sind Etüden. So wie die 2te von H.V.L z.B.
Aber wie gesagt, man sollte Berührungsängste mal aufgeben und durchprobieren, was so alles auf einer wie immer genannten Gitarre so möglich ist und was man davon lernen kann, ohne sich von vornherein abzuschotten, weil es geschmacklich für uns nicht in die Tüte kommt. Aber darum geht es ja garnicht.
Ich nutze diesen Kommentar um Euch allen herzlichst...
FROHE WEIHNACHTEN
zu wünschen.
L.G.
Klaus
.

aläx
Beiträge: 46
Registriert: So 11. Nov 2012, 14:52

Re: Ökonomisches Spiel

Beitragvon aläx » Mo 18. Dez 2017, 23:08

Hallo Klaus und auchalle anderen Gitarrenfreunde,

@ Klaus,
100 Prozent Zustimmung, bzw. du hast meine Intention auf den Punkt gebracht.
Ich spiele seit fast 40 Jahren Gitarre. Ich bin im Prinzip Klassikgitarrist mit Flamencoerfahrung und Akustik- E-Gitarrenhintergrund.
Ich liebe dieses Instrument und weiß. dass man sich irgendwann entscheiden muss, was man eben auf hohem Niveau machen möchte.
Da ich mich in der Situation befinde, dass ich meinen Lebensunterhalt nicht mit Gitarrenspielen bestreiten muss, kann ich mich eben um alle diese Stilrichtungen beschäftigen.
Tja und da stelle ich fest, dass die "Berührungsängste" eher bei Klassikgitarristen sind.
Ich war über 5 Jahre als Ordner in Konzerten eingesetzt.
Ich spreche von Konzerten von Weltklassebands wie van Halen, Iron Maiden und anderen. Da kann man sich ab und zu mal austauschen.
Diese Gitarristen sind völlig offen für das was"wir" Klassiker machen.
Andersrum ist es eher schwierig.
Ich hatte mal das Vergnügen ein paar Stunden bei Elliot Fisk zu nehmen. Ich habe ihm damals ein paar Aufnahmen von Paco de Lucia und Malmsteen vorgespielt.
Der war hin und weg und zwar bei beiden.

@ Manfred

Ich bin zwar noch keine 81 Jahre aber mit zunehmenden Alter kann ich moderner Musik etwas abgewinnen.
Allerdings ist mir diese Musik die hier vorgestellt wurde deutlich zu extrem.
Ich war als Zuhörer beim ARD Wettbewerb im Jahr 1981 oder 82.
Damals war die Royal Winter Musik von Henze als Pflichtstück.
Das war damals harter Toback, vor allem wenn man es 5 mal hintereinander hört.
Ich bewundere Gitarristen, die sich den "Stress"antun insbesondere im Rythmischen Bereich.
Aber ehrlich gesagt verwende ich meine Zeit lieber für Stücke mit denen ich ein Publikum erreiche.

Gruß aläx


Zurück zu „Spieltechnik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder