Die etwas andere Überlegung...

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)
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Bernd C Hoffmann
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Re: Die etwas andere Überlegung...

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Fr 30. Mär 2018, 15:35

matthias hat geschrieben:Der unmittelbare Gedanke den ich dabei hatte war die Frage:
Geht es mir um Noten? oder
geht es mir um Musik ( machen )?

Da scheint es soweit es den "Schwerpunkt" angeht einen Unterschied zu geben.

Es geht zunächst nur um die Notation. Erst im zweiten Schritt geht es um die Musik, nämlich um die Interpretation.

matthias hat geschrieben:Da der Klassiker in erster Linie "nachspielt" wird sich ihm aber diese Frage gar nicht stellen, oder?

Doch, denn um den Klassiker geht es nicht. Es geht um denjenigen, der ohne Notenkenntnis klassische Literatur spielen will. Um nach Noten spielen zu können, reicht es überhaupt nicht aus Noten lesen zu lernen.
Liebe Grüße
Bernd
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CG-Fan
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Re: Die etwas andere Überlegung...

Beitragvon CG-Fan » Fr 30. Mär 2018, 18:10

matthias hat geschrieben:...Da der Klassiker in erster Linie "nachspielt" wird sich ihm aber diese Frage gar nicht stellen, oder?

Spielt nicht jeder Musiker auf die eine oder andere Art nach, sofern wir nicht von freier Improvisation sprechen, was ja wohl nicht zur Debatte steht, oder?

Musik wird doch erst dann daraus, wenn ein Stück soweit eingeübt ist, dass der Musiker beginnen kann, dem Ganzen (seinen eigenen) Ausdruck zu geben. Dabei ist es doch unerheblich, mit welchen Hilfsmitteln das Einüben erfolgt, über Tabulatur, Noten oder Abhören oder einer beliebigen Kombination der Alternativen.

Ich für meinen Teil finde es immer wieder faszinierend, wie aus der abstrakten Darstellung eines Notenbildes Musik zu entstehen beginnt, wenn die grundsätzlichen Abläufen des Stückes erst einmal vertraut sind. :D

matthias
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Re: Die etwas andere Überlegung...

Beitragvon matthias » Fr 30. Mär 2018, 20:53

Spielt nicht jeder Musiker auf die eine oder andere Art nach, sofern wir nicht von freier Improvisation sprechen, was ja wohl nicht zur Debatte steht, oder?


Auf die ein oder andere Art zumindest häufig...aber bei den Klassikern scheint da ein besonderer Schwerpunkt zu liegen. Und daraus folgt dann wahrscheinlich auch fast zwangsläufig die starke Fixierung auf Noten.

Musik selber gab es schon lange bevor es Noten gab.

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Re: Die etwas andere Überlegung...

Beitragvon CG-Fan » Sa 31. Mär 2018, 12:03

matthias hat geschrieben:...aber bei den Klassikern scheint da ein besonderer Schwerpunkt zu liegen. Und daraus folgt dann wahrscheinlich auch fast zwangsläufig die starke Fixierung auf Noten.

Musik selber gab es schon lange bevor es Noten gab.

Auch wenn es dir die Klassiker in Bezug auf Noten besonders angetan zu haben scheinen, die wahren „Notenfresser“ unter den Gitarristen sind die Jazzer! ;)

Zudem finde ich den zwanghaft konstruierten Gegensatz Musik vs. Noten etwas irritierend. Noten sind nur ein Hilfsmittel, dessen sich die Musik bedienen kann aber nicht muss, um sie an Musiker weiterzugeben und zur Vereinfachung der Kommunikation untereinander. Musik wird daraus i.d.R. erst dann, wenn man alle grundsätzlichen Informationen der Noten beherrscht und verinnerlicht hat. Wer einmal die Gelegenheit hatte, von einem Meister seines Faches über diese Punkt hinausgeführt worden zu werden, wird nie mehr vergessen, welches neue Universum dann auftut. Das die Mehrzahl der vor allem Laienmusiker über diesen Punkt nicht hinauskommen, sollte man fairerweise nicht der Notenschrift anlasten.

Trotz aller Unzulänglichkeiten stellt die Notenschrift in der heutigen Form eine Kulturleistung dar, die gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Der Wortschrift durchaus vergleichbar, wird sie im Gegensatz zu dieser sogar weltweit verstanden. Es hat schon seinen Grund, warum Musiker vor vielen Jahrhunderten damit begonnen haben, sich über die nichtakustische Weitergabe von Musik Gedanken zu machen und sich die Notenschrift in der heutigen Form ausgebildet und durchgesetzt hat. Sie taugt sogar dazu hochkomplexe, neue Musik zu beschreiben, auch wenn die Partituren dann wie abstrakte Zeichnungen aussehen und wer will kann heute sogar sein Jimi Hendrix Solo nach Noten erlernen. So obskur das selbst auch mich wirkt, beweist es doch, wie leistungs- und anpassungsfähig diese Notensprache ist.

Damit soll nicht gesagt sein, dass man ohne Noten keine Musik machen könnte, wofür es ohnehin zahlreiche Gegenbeispiele gibt. Ebensowenig ist aber auch der Umkehrschluß gültig, dass nach Noten spielen keine Musik hervorbringen kann! ;)

Bei der Vielfalt der Möglichkeiten fällt es heute deutlich leichter Schülern selbst zu überlassen, welche Hilfsmittel sie für das Erlernen eines Instrumentes einsetzen. Das universellste und leistungsstärkste Tool sind und bleiben die Noten, weshalb sich die Anstrengungen lohnt, diese universelle Musiksprache zu erlernen. Das geht übrigens wie bei der Wortschrift dann am besten, wenn man sie auch selber schreibt und nicht nur zu lesen versucht! ;)

Für den der das nicht kann oder will, gibt es heute zum Glück genügend Alternativen, so dass dadurch keinem der Spaß am Musizieren verleidet werden muss!

In diesem Sinne allen weiterhin ein schönes Osterfest! :D

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Re: Die etwas andere Überlegung...

Beitragvon klaus » Sa 31. Mär 2018, 14:53

@Bernd.. versuch mal ein Aplaus-Smilie für dieses Forum aufzutreiben.
CG-Fan hätte jetzt wirklich eins verdient.

L.G.
Klaus

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Re: Die etwas andere Überlegung...

Beitragvon matthias » Sa 31. Mär 2018, 17:07

Auch wenn es dir die Klassiker in Bezug auf Noten besonders angetan zu haben scheinen

Zudem finde ich den zwanghaft konstruierten Gegensatz Musik vs. Noten etwas irritierend.


Keines von beiden trifft zu bzw. lag in meiner Absicht.
Aber ich halte gerne als Anlass für unterhaltsame Sermone her. :lol:

Ich registriere allerdings das da so etwas wie ein wunder Punkt zu liegen scheint- ;)

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Re: Die etwas andere Überlegung...

Beitragvon matthias » Sa 31. Mär 2018, 18:33

Lieber Klaus!

Andere mit Foristen ( im übrigen grundlos ) als zwanghaft zu beschimpfen und zu beleidigen ist ganz schlechter Stil und eigentlich unterste Schublade.
Was es da zu beklatschen gibt, wirst du selbst am besten wissen. Soweit es mich betrifft schließe ich daraus wenig schmeichelhaftes bezüglich deines Charakters.

In diesem Sinne: frohe Ostern.

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Bernd C Hoffmann
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Re: Die etwas andere Überlegung...

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 31. Mär 2018, 18:55

Liebe leute,

Ich sitze gerade beim putzer und schaue von unterwegs rein. Bitte versteht mein thema nicht falsch. Wenn es etwas zwanghaftes in der betrachtung noten vs. tabulatur gibt, dann geht nur auf meinen mist. Bitte keinen persönlichen schlagabtausch, wo er nicht hin gehört ;)
Liebe Grüße
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Re: Die etwas andere Überlegung...

Beitragvon klaus » Sa 31. Mär 2018, 20:08

@Matthias
Ich wollte gern CG-Fans sensible, und fundierte Homenaje an unser Notensystem würdigen. Darum der Applaus. Bitte leite daraus keine Beleidung ab, weil ich von CG-Fans Kommentar begeistert bin.
Es lag nicht in meiner Absicht, dich dadurch zu kränken. Wenn Du das so aufgefasst hast, dann tut mir das ehrlich und aufrichtig leid. :(

L.G.
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Re: Die etwas andere Überlegung...

Beitragvon grenner » Mo 2. Apr 2018, 08:44

klaus hat geschrieben:@Matthias
Ich wollte gern CG-Fans sensible, und fundierte Homenaje an unser Notensystem würdigen. Darum der Applaus. Bitte leite daraus keine Beleidung ab, weil ich von CG-Fans Kommentar begeistert bin.
Es lag nicht in meiner Absicht, dich dadurch zu kränken. Wenn Du das so aufgefasst hast, dann tut mir das ehrlich und aufrichtig leid. :(

L.G.
Klaus


Vielleicht sollte Bernd einen eigenen "Du hast mich jetzt aber wirklich gekränkt/Tut mir furchtbar leid, dass ich Dich gekränkt habe, verzeih mir" Thread aufmachen und die entsprechenden Posts dahin verschieben.

Aber zurück zum Thema. Ich persönlich finde, wenn mann klassische Musik spielen will, dann sollte man sich auch mit dem System befassen, in dem die Musik vom Komponisten ursprünglich niedergeschrieben wurde. Es gibt für mich keinen Grund das nicht zu tun. Außer Faulheit, Borniertheit, Arroganz, Unwissenheit, Präpotenz, Beratungsresistenz, Bequemlichkeit etc.
Aus allen diesen Gründen habe auch ich mich, obwohl ich in meiner Jugend nach Noten gelernt habe, beim Wiedereinstieg dem Tabulatur-System in Kombination mit You-Tube zugewandt. Hat auch funktioniert. Aber nachdem mich das Gitarrenspiel wirklich begeistert hat, habe ich mich entschlossen doch ins Notensystem einzusteigen. Die Umstellung hat ca. 3 Wochen gedauert im Gegensatz zum Erlernen von bestimmten Stücken, die nach 2 Jahren Üben noch nicht sitzen. Was mich an den Noten gegenüber der Tabulatur fasziniert, ist die Fülle an Informationen, die das Notensystem gegenüber der Tabulatur bietet und ich kann mir mittlerweile ein Stück aus einer Notation erarbeiten, ohne You-Tube (obwohl ich natürlich immer noch die Videos zu einem Stück intensiv studiere). Aber auch das ist eine interessante Erfahrung, zu lernen, dass in einer Notation nicht nur steht was zu spielen ist, sondern auch wie es zu spielen ist.


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