Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)
Benutzeravatar
klaus
Beiträge: 317
Registriert: Mi 15. Mai 2013, 17:47
Wohnort: Barcelona

Re: Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Beitragvon klaus » Fr 4. Mai 2018, 09:32

Hallo ..
ich gebe Haike da Recht. Es muss auf der Gitarre klingen.

Das angeführte Beispiel - Asturias - ist noch ziemlich harmlos. In anderen Bearbeitungen wird wesendlich groBzügiger mit Abweichungen umgegangen.

Auch bei Orginalkompositionen für Gitarre sollte man immer vor Augen haben, dass eine Abweichung vom Notentext nicht immer aus der Laune des Interpreten entsteht.
Oft existieren mehrer voneinander abweichende Versionen. Vom Komponisten nach der Veröffentlichung geänderte Takte. etc. Da muss man dann entscheiden, was man spielt.

L.G.
Klaus

Kuno Wagner
Beiträge: 347
Registriert: Fr 25. Nov 2016, 18:53

Re: Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Beitragvon Kuno Wagner » Fr 4. Mai 2018, 22:18

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:An La Catedral hatte ich mich auch versucht und bin gescheitert. Allerdings steht es wieder auf dem Programm.


Ich habe es vor Jahren mal auf der Touch-Guitar gespielt, wollte es mir aber auch mal "traditionell" drauf schaffen. Was hällst du von einer Übegruppe La Catedral?
Natürlich nur der dritte Teil :P
Ich fange morgen an

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3836
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 5. Mai 2018, 01:09

@ Paco und Kuno

In meinem Projekt kommt im Grunde die ganze Weltliteratur der klassischen Gitarre vor, z. B. Variationswerke und Sonaten von Sor, Giuliani, Grangnani, Legnani, Paganini, Carulli, Carcassi, eine Sammlung von Tárrega-Stücken in verschiedenen Sammlungen, Naváez, Mudarra, Aguado, einiges von Barrios etc. Im Schwerpunkt sind es Stücke zwischen Mittel- und Oberstufe von Komponisten, die mindestens 70 Jahre tot sind. Auch für die Unterstufe werde ich einige Packungen herausgeben. Deswegen halte ich von einer Übegruppe "La Catedral" mit meiner Beteiligung nichts.

In Kürze kommen 2 oder 3 kostenlose Appetitmacher mit Vals Venozolano No. 2, El Marabino (Lauro) und Salida del Sol (Kreidler + Kamjunke), die aktuell in der Planung sind. Für Salida del Sol habe ich mit Udo Kamjunke abgesprochen, dass ich für den Solopart eine Rhythmus-Tabulatur erstellen werde.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

Benutzeravatar
klaus
Beiträge: 317
Registriert: Mi 15. Mai 2013, 17:47
Wohnort: Barcelona

Re: Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Beitragvon klaus » Sa 5. Mai 2018, 20:44

Hallo ,..
ob das hier noch reingehört weiB ich nicht.
Diese Version des danza paraguaya ( Barrios ) kannte ich noch nicht...
Aber ein weiterer Beleg dafür, dass Komponist nicht aufhören, an ihren Werken rumzubasteln.

https://www.youtube.com/watch?v=G5gxRNjWCLE

Schönes Wochenende..
Klaus

Benutzeravatar
peterg
Beiträge: 56
Registriert: So 3. Dez 2017, 17:35

Re: Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Beitragvon peterg » Sa 19. Mai 2018, 23:40

Zum Thema Werktreue fiel mir heute etwas Interessantes auf:
Ich fange im Moment an mich mit den Bagatellen von William Walton zu beschäftigen. Ich lasse es langsam mit der Zweiten angehen. Zwei Punkte sind vorab wichtig:
1. Das sind Stücke, welche original für Gitarre geschrieben sind.
2. Walton war offensichtlich, soweit ich mich informieren konnte, ein sehr exakter um nicht zu sagen penibler Komponist, der bis ins Detail Spielanweisungen gab. Dementsprechend kollidierte das etwas mit den Interpretationen von Julian Bream, die ja quasi als Benchmark dieser Stücke betrachtet werden.
Was mir nun bei meiner ersten Bagatelle (Nr 2) auffällt ist, dass ich auf Youtube keinen Einzigen Interpreten finde, der sich exakt an die, über das reine Notenbild hinausgehenden Anweisungen Walton's hält. Wer die Noten zur Hand hat: Schaut mal die detaillierten und m.E nachvollziehbaren Anweisungen für Staccato
Oder die Arpeggioanweisungen.
Ist natürlich aufwendiger das auch ganz exakt zu spielen. Andererseits ist sie ja technisch nicht schwierig.
Ich glaube, dass sich viele Gitarristem hier gefühlsmäßig nach Bream ausrichten und sich in diesem speziellen Fall falsche interpretatorische Freiheiten nehmen.
Andererseits, schön ist sie trotzdem :D

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3836
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 20. Mai 2018, 00:11

Dazu ist zu sagen, dass Bream und Werktreue selten das selbe Paar Schuhe sind.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

Roberlin
Beiträge: 51
Registriert: Mi 11. Apr 2018, 11:37

Re: Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Beitragvon Roberlin » So 20. Mai 2018, 08:08

peterg hat geschrieben:Zum Thema Werktreue fiel mir heute etwas Interessantes auf:
Ich fange im Moment an mich mit den Bagatellen von William Walton zu beschäftigen. Ich lasse es langsam mit der Zweiten angehen. Zwei Punkte sind vorab wichtig:
1. Das sind Stücke, welche original für Gitarre geschrieben sind.
2. Walton war offensichtlich, soweit ich mich informieren konnte, ein sehr exakter um nicht zu sagen penibler Komponist, der bis ins Detail Spielanweisungen gab. Dementsprechend kollidierte das etwas mit den Interpretationen von Julian Bream, die ja quasi als Benchmark dieser Stücke betrachtet werden.
Was mir nun bei meiner ersten Bagatelle (Nr 2) auffällt ist, dass ich auf Youtube keinen Einzigen Interpreten finde, der sich exakt an die, über das reine Notenbild hinausgehenden Anweisungen Walton's hält. Wer die Noten zur Hand hat: Schaut mal die detaillierten und m.E nachvollziehbaren Anweisungen für Staccato
Oder die Arpeggioanweisungen.
Ist natürlich aufwendiger das auch ganz exakt zu spielen. Andererseits ist sie ja technisch nicht schwierig.
Ich glaube, dass sich viele Gitarristem hier gefühlsmäßig nach Bream ausrichten und sich in diesem speziellen Fall falsche interpretatorische Freiheiten nehmen.
Andererseits, schön ist sie trotzdem :D

Walton hat die Bagatellen in Zusammenarbeit mit Bream überhaupt erst erstellt. Es gibt auf YouTube ein Video, in den Bream Walton site von ihm edierte No zwei
vorspielt und Walton am Ende meint: "you made it better"...

Roberlin
Beiträge: 51
Registriert: Mi 11. Apr 2018, 11:37

Re: Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Beitragvon Roberlin » So 20. Mai 2018, 08:09

peterg hat geschrieben:Zum Thema Werktreue fiel mir heute etwas Interessantes auf:
Ich fange im Moment an mich mit den Bagatellen von William Walton zu beschäftigen. Ich lasse es langsam mit der Zweiten angehen. Zwei Punkte sind vorab wichtig:
1. Das sind Stücke, welche original für Gitarre geschrieben sind.
2. Walton war offensichtlich, soweit ich mich informieren konnte, ein sehr exakter um nicht zu sagen penibler Komponist, der bis ins Detail Spielanweisungen gab. Dementsprechend kollidierte das etwas mit den Interpretationen von Julian Bream, die ja quasi als Benchmark dieser Stücke betrachtet werden.
Was mir nun bei meiner ersten Bagatelle (Nr 2) auffällt ist, dass ich auf Youtube keinen Einzigen Interpreten finde, der sich exakt an die, über das reine Notenbild hinausgehenden Anweisungen Walton's hält. Wer die Noten zur Hand hat: Schaut mal die detaillierten und m.E nachvollziehbaren Anweisungen für Staccato
Oder die Arpeggioanweisungen.
Ist natürlich aufwendiger das auch ganz exakt zu spielen. Andererseits ist sie ja technisch nicht schwierig.
Ich glaube, dass sich viele Gitarristem hier gefühlsmäßig nach Bream ausrichten und sich in diesem speziellen Fall falsche interpretatorische Freiheiten nehmen.
Andererseits, schön ist sie trotzdem :D

Walton hat die Bagatellen in Zusammenarbeit mit Bream überhaupt erst erstellt. Es gibt auf YouTube ein Video, in den Bream Walton die von ihm edierte No zwei
vorspielt und Walton am Ende meint: "you made it better"...

Benutzeravatar
peterg
Beiträge: 56
Registriert: So 3. Dez 2017, 17:35

Re: Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Beitragvon peterg » So 20. Mai 2018, 09:53

Das ist mir bekannt!
Deswegen wollte ich daraufhinweisen, dass sich Werktreue auf die Arbeit des Komponisten bezieht und nicht auf die Interpretation des "Benchmarkinterpreten" ,auch wenn sie noch so schön klingt.
Was die Äußerung Walton's am Ende des Videos betrifft, so könnte man sie in Anbetracht seines Charakters vielleicht auch ironisch werten. In jedem Fall bestätigt er, dass Bream sie nicht 1:1 gespielt hat.

Roberlin
Beiträge: 51
Registriert: Mi 11. Apr 2018, 11:37

Re: Technische Vereinfachung vs. Werktreue

Beitragvon Roberlin » So 20. Mai 2018, 10:20

peterg hat geschrieben:Das ist mir bekannt!
Deswegen wollte ich daraufhinweisen, dass sich Werktreue auf die Arbeit des Komponisten bezieht und nicht auf die Interpretation des "Benchmarkinterpreten" ,auch wenn sie noch so schön klingt.
Was die Äußerung Walton's am Ende des Videos betrifft, so könnte man sie in Anbetracht seines Charakters vielleicht auch ironisch werten. In jedem Fall bestätigt er, dass Bream sie nicht 1:1 gespielt hat.

Das spielen zwei Dinge zusammen.
Ich denke, der Entstehungsprozess war so, dass Walton irgendwann die Noten abgeliefert hat und Bream hat sie dann so bearbeitet, dass sie für Gitarre (mehr oder weniger gut) spielbar sind. Bream wird dabei die möglichst viele Originalanweisungen beibehalten haben, auch wenn er vielleicht schon da dachte, ich würde/werde das anders spielen. Darauf weist z.B. das gehaltene a in Takt 37-39 u. 45-48 hin, das auf der Gitarre nicht haltbar ist. Bream lässt es aber stehen, um die INtention des Komponisten zu verdeutlichen.
Vielleicht hat er sich also gedacht, erschreibt das staccato von Walton hin, aber sieht es es als nicht gitarrengemäß in seinen Klangvorstellungen an. Oder er hatte einfach keine Lust sie zu spielen ;-)
Bei Stephanie Jones ist jedenfalls bei den Arpeggios alles wie im Notentext, so weit ich sehe... https://www.youtube.com/watch?v=09wKaJ4nDCk


Zurück zu „Spieltechnik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder