Carulli zum Abgewöhnen

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)
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Bernd C Hoffmann
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Carulli zum Abgewöhnen

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Fr 11. Mai 2018, 19:23

Was ich an Carulli´s Sonaten mag, ist die klangliche Leichtigkeit, die vom Spieler eine gewisse Sensibilität verlangt um die Klänge mit einer gewissen Strahlkraft als Musik auf die Reise zu bringen. Ich wollte mal sehen, was Interpreten an Opus 7 zu bieten haben. Hier habe ich tatsächlich jemanden gefunden, der von der Musik und ihrer (fraglichen) Strahlkraft offenbar genauso viel versteht, wie sein applaudierendes Publikum. Man möge mir nachsehen, dass ich mich da nicht mehr zurückhalten kann. Hier ist ein Grobmotoriker am Werk, der es exzellent versteht, diese wunderschönen Sonaten mit seinem unkoordinierten Holzhackerschlägen nach allen Regeln der Kunst zu verhunzen und zerkloppen. Auch sein anspruchsloses Publikum hat gemäß den Hintergrundgeräuschen Wichtigeres zu tun als beherzt im Klangrausch zu baden. Ich kann mich nicht erinnern jemals eine dermaßen schrottreife Interpretation gehört zu haben. Da verstehe ich jeden, der von der Gitarre nichts mehr wissen will...

Liebe Grüße
Bernd
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docsteve
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Re: Carulli zum Abgewöhnen

Beitragvon docsteve » So 13. Mai 2018, 18:11

Er sagt ja schon an, dass er die Gitarre auf dem Müll gefunden hat :lol:

Was erwartest du also?

Viele Grüße Stephan

Kuno Wagner
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Re: Carulli zum Abgewöhnen

Beitragvon Kuno Wagner » So 13. Mai 2018, 18:49

Immerhin hat er sich mit dem Stück beschäftigt, er hat es geübt und spielt es wohl auch komplett durch
(in wie weit er sich an den Notentext hält, kann ich nicht beurteilen, ich habe das Stück nie gespielt).

Evtl. ist die Beschäftigung mit Musik auch so eine Art Wiedereingliederungsmaßnahme ("von der Strasse auf die Bühne")

Was seinen ganz speziellen Sound betrifft (von der gefundenen Gitarre einmal abgeshen) - Vielleicht hört er es einfach nicht besser.
Beispiele für dieses Phänomen gibt es genügend.

Hier mein Favorit:
Wer es sich bis zum Schluß anhört, bekommt ein Eis!

https://www.youtube.com/watch?v=giI2uxwFRJg

P.S. sehr unterhaltsamer Film mit Meryl Streep, Simon (Wolowitz) Helberg und Hugh Grand in Bestform.

grenner
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Re: Carulli zum Abgewöhnen

Beitragvon grenner » So 13. Mai 2018, 19:45

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Hier ist ein Grobmotoriker am Werk, der es exzellent versteht, diese wunderschönen Sonaten mit seinem unkoordinierten Holzhackerschlägen nach allen Regeln der Kunst zu verhunzen und zerkloppen. Auch sein anspruchsloses Publikum hat gemäß den Hintergrundgeräuschen Wichtigeres zu tun als beherzt im Klangrausch zu baden. Ich kann mich nicht erinnern jemals eine dermaßen schrottreife Interpretation gehört zu haben.



Da antworte ich wie Jack Sparrow: " Aber Du hast sie gehört! "

Ich bin mir sicher, dass Du das Stück ganz toll und viel besser spielst. Aber es gibt Menschen auf dieser Welt, die vielleicht nicht das Glück haben, Dein Talent oder Deinen Fleiß oder Dein Umfeld zu haben, oder einfach nur in Mitteleuropa geboren und aufgewachsen zu sein. Ich weiß nichts über diesen Musiker und warum er das Stück so spielt wie er es spielt. Aber ich finde es von Dir extrem überheblich so über ihn zu urteilen. Immerhin spielt es das Stück durch und er scheint in der Musik Erfüllung zu finden. Ob er erst kurz Gitarre spielt, untalentiert ist oder eine Krankheit hat und Musik als Therapie betreibt ist völlig unerheblich. Es gibt keinen Grund sich über Menschen, die keine konzerthallentaugliche Performance abliefern öffentlich lustig zu machen, oder abfällig zu äußern.
Ich habe eine behinderte Tochter, die in einer Theatergruppe mit anderen Behinderten spielt. Für diese Kinder ist das Theaterspielen eine unglaubliche Bereicherung und hervorragende Therapie. Du würdest Dich über ihre Darbietung wohl auch nur lustig machen und Dich abwertend äußern. Ich finde es absolut nicht in Ordnung wie Du Dich hier über andere Menschen äußerst.

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klaus
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Re: Carulli zum Abgewöhnen

Beitragvon klaus » So 13. Mai 2018, 19:50

Na, ja.. so einfach möchte ich über den Menschen nicht lachen. Man weiss nicht, was da für ein sozialer Hintergrund mitspielt. Auch egal, wenn ihm das SpaB macht.
Habt Ihr Euch übrigens mal seinen YoutubeKanal angesehen? Er spielt auch Cello..

https://www.youtube.com/channel/UCV5BVu ... aXEkcLdlmw

Und um den Ruf der Gitarre, wie Bernd fürchtet, brauchen wir uns auch keine Sorgen zu machen.
Also nicht fremdschämen sondern stolz sein auf diese Nachricht:

https://www.youtube.com/watch?v=E3QWYCFIc7Q

über die Sängerin die Kuno hochgeladen hat, ja, darüber kann man lachen. Frau Streep stellt übrigens eine gewisse Florence Foster Jenkins dar, die wirklich gelebt hat, wirklich so aufgetreten ist. Da ist das Publikum extra zum Lachen hingegangen.
Sie fand es groBartig und ihr Mann (Millonär!!!!) hats bezahlt.

Der Spiegel schreibt:
http://www.spiegel.de/einestages/floren ... 12909.html

Schönen Restsonntag noch..

Klaus

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Bernd C Hoffmann
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Re: Carulli zum Abgewöhnen

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mo 14. Mai 2018, 01:44

grenner hat geschrieben:
Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Hier ist ein Grobmotoriker am Werk, der es exzellent versteht, diese wunderschönen Sonaten mit seinem unkoordinierten Holzhackerschlägen nach allen Regeln der Kunst zu verhunzen und zerkloppen. Auch sein anspruchsloses Publikum hat gemäß den Hintergrundgeräuschen Wichtigeres zu tun als beherzt im Klangrausch zu baden. Ich kann mich nicht erinnern jemals eine dermaßen schrottreife Interpretation gehört zu haben.


Ich bin mir sicher, dass Du das Stück ganz toll und viel besser spielst. Aber es gibt Menschen auf dieser Welt, die vielleicht nicht das Glück haben, Dein Talent oder Deinen Fleiß oder Dein Umfeld zu haben, oder einfach nur in Mitteleuropa geboren und aufgewachsen zu sein. Ich weiß nichts über diesen Musiker und warum er das Stück so spielt wie er es spielt. Aber ich finde es von Dir extrem überheblich so über ihn zu urteilen. Immerhin spielt es das Stück durch und er scheint in der Musik Erfüllung zu finden. Ob er erst kurz Gitarre spielt, untalentiert ist oder eine Krankheit hat und Musik als Therapie betreibt ist völlig unerheblich. Es gibt keinen Grund sich über Menschen, die keine konzerthallentaugliche Performance abliefern öffentlich lustig zu machen, oder abfällig zu äußern.
Ich habe eine behinderte Tochter, die in einer Theatergruppe mit anderen Behinderten spielt. Für diese Kinder ist das Theaterspielen eine unglaubliche Bereicherung und hervorragende Therapie. Du würdest Dich über ihre Darbietung wohl auch nur lustig machen und Dich abwertend äußern. Ich finde es absolut nicht in Ordnung wie Du Dich hier über andere Menschen äußerst.

Lieber grenner,

es liegt mir fern, mich über jemanden negativ zu äußern, der beispielsweise auf Grund einer Krankheit sich nur begrenzt darstellen kann. In der Regel werden solche Informationen mitgeteilt. Deswegen finde ich es überheblich von Dir mir zu unterstellen, ich würde mich auch Deiner behinderten Tochter gegenüber entsprechend negativ äußern! Nur weil jemandes Tochter behindert ist, braucht man kein überflüssiges Moralin versprühen und dem Betreffenden alle möglichen Eventualitäten zusprechen, die seine am Durchschnitt gemessene schlechte Leistung irgendwie relativieren könnten. Davon abgesehen habe ich für Behinderte schon selbst persönlich gearbeitet.
Youtube liefert unzählige Videos von nicht konzerthallentauglicher Performance. Aber die Performance im Video - da bleibe ich bei - ist ganz einfach grottenschlecht! Die Interpretation ist für mich ein Beispiel der Nutzung von Youtube zur Darstellung von enthemmter Blödheit. Bei "normalen" Interpretationen halte ich dem Akteur auch nicht zu Gute, welche Krankheiten ihm für seine belanglose aber nicht schlechte Leistung erspart blieben. Insbesondere muss ich als direkt Betroffener von Fokaler Dystonie niemanden beglückwünschen, der davon nicht betroffen ist. Ich erwarte auch nicht, dass man mir diese neurale Dysfunktion zu Gute hält. Es interessiert auch nicht, in welchem Teil der Welt man geboren wurde, zumal die Ostblockstaaten nicht für schlechte Gitarristen bekannt sind. Die Selbstdarstellung im Video ist aus meiner Sicht genauso vergleichbar mit Spinnern, die sich durch hoffnungslose Selbstüberschätzung bei Talentshows wie DSDS zum Affen machen. Da zählt auch nur die Leistung der Tagesform - wie bei jedem Wettbewerb für Jugend Musiziert.

Um es deutlich auf den Punkt zu bringen: Ich nehme es mir heraus, jedes Video so zu kommentieren, wie ich es für richtig halte. Diese Freiheit hat jeder, ungeachtet sonstiger Meinungen. Wer damit ein Problem hat, der muss sich nicht damit befassen.
Liebe Grüße
Bernd
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Roberlin
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Re: Carulli zum Abgewöhnen

Beitragvon Roberlin » Mo 14. Mai 2018, 09:40

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:
Um es deutlich auf den Punkt zu bringen: Ich nehme es mir heraus, jedes Video so zu kommentieren, wie ich es für richtig halte. Diese Freiheit hat jeder, ungeachtet sonstiger Meinungen. Wer damit ein Problem hat, der muss sich nicht damit befassen.


Ein Video zu kommentieren ist ja etwas anderes, als es hier zu exponieren. Das hat eine gewisse Signalwirkung, gerade wenn man die prägenden Person des Forums ist.
Im Übrigen ist das Problem von Youtube nicht, dass es dort zu viele Selbstdarsteller gibt, sonst dass es die Kommunikation untereinander verroht. Das gilt leider für viele soziale Medien. Für eine Nische, wie die Konzertgitarre, überwiegen, denke ich mal, die Vorteile. Sich bei alldem menschenfreundliche Umgangsformen zu bewahren sollte jeder für sich anstreben.

Manfred
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Re: Carulli zum Abgewöhnen

Beitragvon Manfred » Mo 14. Mai 2018, 10:22

Ich möchte etwas zur Beruhigung der Gemüter beitragen. Ein paar Clicks belehren uns:
Der Gescholtene ist Serg Sergitschko, geboren 1972 in Moskau. Er ist Künstler (ohne Ausbildung und ohne Ausstellungen, wie er selbst sagt) Maler, Fotograf Musiker. Er spielt auf dem Cello eine Improvisation, die er Requiem für Katyn nennt (wer es nicht parat hat, möge googeln). Dieser Mann ist ein kritischer Geist, dessen Spiel sich der Beurteilung durch Gitarre-Lehrer entzieht. Er spielt auch Chopin und andere Der will keinen glatten Schönklang. Der interessiert sich nicht für falsche Noten, der sagt uns, was er von der Zivilisation hält , die ihn umgibt. Das ist ein Provokateur. Schaut seine Fotos an und seine Bilder. Das ist eine andere Welt. Wenn Ihr ihn nicht mögt, lasst ihn wenigstens in Ruhe, solche Leute muss es geben. Auch dafür ist YouTube da.
Liebe Grüße
Manfred

grenner
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Re: Carulli zum Abgewöhnen

Beitragvon grenner » Mo 14. Mai 2018, 12:11

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Um es deutlich auf den Punkt zu bringen: Ich nehme es mir heraus, jedes Video so zu kommentieren, wie ich es für richtig halte.


Als Betreiber dieses Forums, kannst Du es Dir auch herausnehmen, genauso wie Du es Dir heraus nimmst Dir unliebsame Posts zu löschen.
Ich glaube Du solltest Dir trotzdem einmal in einer ruhigen Minute die Frage stellen, warum Du immer wieder Videos von Menschen in Deinem Forum auf sehr negative Art und Weise exponierst. Immerhin betreibst Du ein Forum für Konzertgitarre und Flamencogitarre und ich habe Musiker immer für aufgeschlossen und tolerant gehalten. Für mich ist die Musik etwas Verbindendes, egal wer sie spielt und in welcher Weise. Das es viele schlechte Musiker gibt (ich zähle mich selbst auch dazu) ist bekannt und dass es auf Youtube millionenfach üble Videos gibt ebenfalls.
Wenn ich dann wieder sehe, dass Du ein Video hervorgekramt hast, um den Darsteller runterzumachen habe ich immer den Eindruck, dass es dabei nur darum geht Dich selbst zu erhöhen. Die Reaktionen auf Deine Tiefschläge hier im Forum sind ja auch meist sehr verhalten.
Ich schreibe das hier nicht weil ich mir erwarte, dass Du mir zustimmst oder vielleicht wirklich darüber nachdenkst. Ich finde nur dass das Forum hier eine wirklich gute Sache ist und derartige Beiträge das Niveau senken (auch wenn oder gerade weil sie vom Forumsbetreiber kommen).

Bertram
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Re: Carulli zum Abgewöhnen

Beitragvon Bertram » Mo 14. Mai 2018, 12:39

Puuh, ich musste mal kurz durchatmen und habe überlegt ob ich etwas schreiben soll.

ja, es stösst mich ab dass hier Videos gepostet werden aus Freude am Kritisieren. Irgendwie hat der Eingangsbeitrag einen unschönen Unterton (noch so viel unschöner als die Vorstellung selbst). Ich kann beim besten Willen keinen Mehrwert für das Forum sehen, denn es ist einfach klar dass der Mann "ausser Konkurrenz" spielt - aus welchen Gründen auch immer. Ich meine damit dass es edengut ein Kunstprojekt sein kann, ein Spass, jemand der seine Fähigkeiten einfach noch nicht so weit entwickelt hat und trotzdem auftritt. So what, wenn man es nicht mag, muss man es aber wirklich nicht noch auf eine undifferenzierte Art hier im Forum ausbreiten. Denn es gibt eigentlich nur zwei Arten von Reaktionen die daraus folgen können: entweder versammeln sich Gleichgesinnte und man kann sich gemeinsam amüsieren wie schlecht andere spielen und sich dabei sogar noch ganz unverfroren der Welt präsentieren (gibt ein hässliches Geläster bei dem man sich kurzzeitig selber besser fühlen kann) oder die Reaktionen sind die die diese Meinung eben nicht teilen, dann gibt es unschöne Gespräche über die Motive so etwas zu posten. In beiden Fällen sehe ich keinen Mehrwert für das Forum.

Ich bin neu im Forum, ich schätze das meiste am Forum und die Teilnehmer. Die Tendenz, nicht gelungenes breit zu treten und sich anschliessen auf Meinungsfreiheit zu berufen, stösst mich allerdings ab.

Ich habe nächte Woche mein erstes "Konzert" mit der Musikschule, ich werde nur etwas sehr einfaches spielen können und auch das wird auf keinen Fall besser klingen als das was der Mann vorträgt. Es wird unmusikalisch, mit Gehaper und Fehltönen. Und trotzdem freue ich mich drauf. Podiumserfahrungen (Youtube, Musikschulkonzerte, Kirchenorchester...) sind ein nicht unwichtiger Teil vom Musizieren und sind für die meisten Leute eine Quelle um zu wachsen und sich zu freuen.

Nur weil jemandes Tochter behindert ist, braucht man kein überflüssiges Moralin versprühen und dem Betreffenden alle möglichen Eventualitäten zusprechen, die seine am Durchschnitt gemessene schlechte Leistung irgendwie relativieren könnten.

Bernd, hier schiesst du echt übers Ziel hinaus. Ich habe grenner ganz anders verstanden. Vielleicht liest du nochmal seinen Text, hm?

Das wichtigste schrieb er hier:
Es gibt keinen Grund sich über Menschen, die keine konzerthallentaugliche Performance abliefern öffentlich lustig zu machen, oder abfällig zu äußern.
. Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen oder zu erklären. Dieser Satz spricht in aller Einfachheit und Deutlichkeit für sich selbst.


edith: Ergänzung und ein paar Schreibfehler weggetipext.


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