Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Spieltechniken, Gitarristen, allgemeine Gitarristik (Konzertgitarre)
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Bernd C Hoffmann
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Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 28. Okt 2018, 17:58

Benjamin Zander ist Dirigent beim Boston Philharmonic Orchestra und hat den ebenfalls aus Boston stammenden Gitarristen Jonas Kublickas im Interpretations-Seminar. In der Regel halten werden solche Seminare von renommierten Gitarristen geführt. Dass ein Dirigent einen Gitarristen konkrete Informationen für die Verbesserung der Interpretation gibt, ist eher ungewöhnlich. Dieser Meisterkurs ist interessant, weil der Gitarrist quasi schon alles perfekt im Griff hat - bis auf ein paar Kleinigkeiten. Damit bekommt der Gitarrist auf kurzweilige Weise die Informationen für "den letzten Schliff".

Sowohl inhaltlich als auch von der Art der Darbietung ist dieses Seminar absolut sehenswert und stellt durch seine Ungewöhnlichkeit mit einem Dirigenten als Dozent etwas Außergewöhnliches dar. Wer als Gitarrist meint, er habe dieses Präludium gut "im Griff", der wird in diesem Seminar wahrscheinlich um ein paar interessante Facetten bereichert.

Liebe Grüße
Bernd
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klaus
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Re: Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Beitragvon klaus » Mo 29. Okt 2018, 23:11

Hallo
Bernd schreibt:
siehe oben...

Eigentlich müsste das der Normalfall sein. Aber scheinbar ist es noch immer etwas Besonderes. Was wieder mal zeigt, dass wir (die Gitarristen) noch immer nicht überall als vollwertige Musiker anerkannt sind. :(
Aber das Video lässt hoffen. Darum : Danke Bernd.........

L.G.
Klaus

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Bernd C Hoffmann
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Re: Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Di 30. Okt 2018, 00:31

Ich finde nicht, dass Gitarristen als Musiker nicht anerkannt sind, auch, was das Video betrifft. Es geht lediglich um den "letzten Schliff" aus der Sicht eines Bachspezialisten. Für mich sind es Details im Nuancenbereich. Ich finde es interessant, wie der Dirigent es aufgreift und den Gitarristen darauf sensibilisiert. Ob er sich mit seiner bisherigen Art im Konzert blamiert hat, bezweifle ich sehr. Zudem erkennt der Dirigent den Gitarristen als einen hervorragenden Musiker an. Von daher kann ich Deinen Einwand nicht zuordnen.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Beitragvon klaus » Di 30. Okt 2018, 06:38

Vollkommen richtig Bernd..
Mein Kommentar bezog sich auch eher auf die Beachtung, die man erhält, wenn ein Gitarrist in diesem Kreis respektiert wird. Bei einem anderen Instrument ... Violine, Klavier.. wäre das vollkommen normal und nicht erwähnenswert. Aber hier wird ein Gitarrsit von gleich zu gleich behandelt. Klasse.
Aber wie gesagt, von diesen Begegnungen müsste es mehr geben...
Schöne Woche
Klaus

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Re: Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Beitragvon paco » Di 30. Okt 2018, 12:42

Benjamin Zander ist ein sehr inspirierender Mensch, das kann man auch bei seinen anderen Youtube-Videos bewundern. Heike hat mal ein tolles über ein Chopin-Prelude verlinkt. Ob er jetzt ein Bach-Spezialist ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist er kein Spezialist für alte Musik. Nichts desto Trotz sind seine Hinweise für die Wichtigkeit der Basststimme Gold Wert und in meinen Augen auch nicht nur ein Feinschliff oder ein Detail sondern wesentlich. In meinen Augen sollte man die Stücke, die man bei einem Meisterkurs spielt auch technisch beherrschen und nicht rumstümpern. Kein Pianist oder Violinist würde sich das trauen. Auch bei einer Orchesterprobe geht man ab einem semiprofessionellen Niveau davon aus, dass die Musiker ihren "Scheiß" können. Zumindest alle Orchesterinstrumente arbeiten also regelmäßig mit Dirigenten zusammen, die ihnen Hinweise zur Interpretation geben. Um das Technische muss sich der Musiker (eventuell zusammen mit seinem Lehrer) selbst kümmern. Dies ist für viele Gitarristen nicht selbstverständlich. Ich kann nur empfehlen, viel Kammermusik mit Sängern, Geigen, Flöten, etc. zu machen und auch zu denen mit in den Unterricht zu gehen. Singen im Chor mit einem fähigen Chorleiter ist auch sehr bereichernd.

Grüße
Benjamin Otto

Roberlin
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Re: Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Beitragvon Roberlin » Fr 2. Nov 2018, 13:02

paco hat geschrieben:Benjamin Zander ist ein sehr inspirierender Mensch, das kann man auch bei seinen anderen Youtube-Videos bewundern. Heike hat mal ein tolles über ein Chopin-Prelude verlinkt. Ob er jetzt ein Bach-Spezialist ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist er kein Spezialist für alte Musik. Nichts desto Trotz sind seine Hinweise für die Wichtigkeit der Basststimme Gold Wert und in meinen Augen auch nicht nur ein Feinschliff oder ein Detail sondern wesentlich.


In diesem Zusammenhang hätte ich die Frage, wie generell mit der Tatsache umzugehen ist, dass zumindest in meiner Transkription die Basstöne i.d.R nur als Viertel notiert sind. Ist das unter Bachspezialisten bereits ausdiskutiert oder gibt es da verschiedene Meinungen?
Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es auch Argumente fürs Verkürzen des nachklangs des tiefen D gibt. Z.B. mehr Struktur und mehr EInheitlichkeit gerade in bezug auf die Basstöne, die nicht so lange zu halten sind wie die Leersaiten-basstöne...

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Re: Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Fr 2. Nov 2018, 13:40

Die Frage ist eigentlich an die Bearbeiter gerichtet. Man kann davon ausgehen, dass zu jeder Ausgabe individuelle Überlegungen vorangegangen sind. In guten Bearbeitungen werden die Hintergründe für das vorliegende Ergebnis benannt.
Liebe Grüße
Bernd
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Roberlin
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Re: Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Beitragvon Roberlin » Fr 2. Nov 2018, 13:53

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Die Frage ist eigentlich an die Bearbeiter gerichtet. Man kann davon ausgehen, dass zu jeder Ausgabe individuelle Überlegungen vorangegangen sind. In guten Bearbeitungen werden die Hintergründe für das vorliegende Ergebnis benannt.


Eine kurze Internetrecherche ergibt, dass Bach das selbst als Viertel notiert hat. Also ist es wohl vor allem eine Frage der Spielkonvention.

aläx
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Re: Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Beitragvon aläx » Fr 11. Jan 2019, 20:24

Hallo,

interessant.
Ich finde aber, dass der Gitarrist das Stück sehr bescheiden spielt und habe ständig das Gefühl, dass die Gitarre nicht richtig gestimmt ist :o

Geht das nur mir so oder habe ich was an den Ohren?

tschau aläx

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Re: Interpretations-Workshop: Bach Prelude BWV 998

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Fr 11. Jan 2019, 20:45

Nein, Du hast was am Knie :lol:
Natürlich hast Du Recht. In der zweiten Hälfte zieht es mir auch auf die Ohren.

Die Bescheidenheit selber führe ich darauf zurück, dass der Gitarrist nicht ganz unvoreingenommen ist, um der Interpretationsempfehlung des Mentors zu folgen. Ich nehme diese Bescheidenheit als "steifes Spiel" wahr. Er hat mehr Emotion im Gesicht als aus der Gitarre heraus kommt. Es fehlt in den Phrasierungen und der Dynamik die Souveränität. Vermutlich wäre er dort anders durchgegangen und hat vielleicht den Hinweis, etwas ganz anders zu spielen als sonst, zum ersten Mal gehört und versucht umzusetzen.
Liebe Grüße
Bernd
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