ohne Fingernägel: Rob MacKillop und andere

Feiltechnik, Formen, Probleme
Thomas_Gitarre
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ohne Fingernägel: Rob MacKillop und andere

Beitragvon Thomas_Gitarre » Sa 24. Nov 2018, 14:15

https://rmclassicalguitar.com/

Auf der o.g. genannten Website gibt es viele spannende Informationen rund um das Kuppenspiel. Ich finde das sehr interessant, zumal die Website sich nicht nur auf die sog. Romantische Gitarre fokussiert.

Auch das fantastische Duo Maccari-Pugliese scheint auf nägelfreien Pfaden zu wandeln. Aber ausschließlich historisch: https://maccaripugliese.com/

Ganz modern und angeblich ohne Fingernägel ist Virginia Luque wohl unterwegs (siehe Interview auf der Website https://rmclassicalguitar.com/interview ... nia-luque/).

Ich finde, da kommt ein guter Sound bei rum; und auch neue spieltechnische Perspektiven. Wie seht das Forum das?

Schönes WE!

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pianoguitar
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Re: ohne Fingernägel: Rob MacKillop und andere

Beitragvon pianoguitar » Sa 24. Nov 2018, 14:34

Hallo Thomas,
vielen Dank für den Hinweis. Ich kannte die Seite schon, ich finde das Kuppenspiel sehr interessant, aber man muß sich schon sehr umstellen, wenn man es generell umsetzen will. Der Sound ist viel leiser aber dafür ist man eben unabhängig von den Nägeln und allen lästigen Begleiterscheinungen. Das muß denke ich jeder für sich entscheiden, manche finden das unmöglich andere wiederum gut. Ich habe für mich ein Mittelding gefunden, Daumen mit Kuppe und die restlichen Finger mit sehr kurzem Nagel mit Rampe, d.h. es kommt erst mal viel Kuppe und dann noch etwas Nagel. Muß jeder selbst für sich finden.
Was ich noch sagen wollte: bei vielen Frauen (und Männern mit sehr kleinen Händen und schmalen Fingern) hat das Kuppenspiel ohnehin eine andere Charakteristik. Der schmale Finger erfaßt und zupft die Saite mit einer ganz anderen kleineren Fläche als ein breiter Finger. Daher liegt mit schmalen Fingern das Kuppenspiel eher näher, ich glaube Heike hatte das auch schon mal in anderem Zusammenhang erläutert.

Gruß
Peter
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Bernd C Hoffmann
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Re: ohne Fingernägel: Rob MacKillop und andere

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 24. Nov 2018, 15:08

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Kuppenspiel recht schnell präsent ist. Dabei habe ich auch beobachtet, dass der "leise" Anschlag eigentlich nicht vorkommt. Eigentlich, denn dies trifft nur anfangs zu, wobei ich ihn nicht als leiser sondern weicher bezeichne. Mit der Zeit bildet sich eine Hornhaut, die dem Anschlagsimpuls einen gewissen Anstoß gibt, der dem eines Nagels sehr nahe kommt. Beispielsweise gibt es in Spanien viele Flamencogitarristen, die nur mit der Kuppe spielen. Klanglich aufgefallen ist das nicht.
Liebe Grüße
Bernd
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wolfgang
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Re: ohne Fingernägel: Rob MacKillop und andere

Beitragvon wolfgang » Di 27. Nov 2018, 20:40

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Kuppenspiel recht schnell präsent ist. Dabei habe ich auch beobachtet, dass der "leise" Anschlag eigentlich nicht vorkommt...
Ja, die Fingernägel, die sind bei mir nicht ganz so fest und alle paar Wochen reiße ich mir einen Spielnagel ein. Dann muß ich den Kahlschlag machen und alle übrigen der rechten Hand auch, ggf. auf 0 zurückschneiden/feilen. Wenn ich dann zur Gitarre greife, kommt erst einmal gar nichts heraus.
Irgendwann gewöhne ich mich dann ans feeling (dann schmerzt der Daumen :) ) und an den weicheren Ton.
Wobei 2mm Nagel über dem Ansatz ist bei mir schon genug - ich bin also eher nagelunterstützter Kuppenspieler. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass leises Spielen mit Nägel leichter ist/besser klingt.

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Bernd C Hoffmann
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Re: ohne Fingernägel: Rob MacKillop und andere

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mi 28. Nov 2018, 00:29

Das Problem mit weichen Nägeln habe ich auch. Bedingt durch häufiges Flamencospiel nutzen sich die Nägel schneller ab als sie nachwachsen können. Sie werden zu Nagelkante hin dünner und reißen dann. Ich habe das gelöst, indem ich mir im Nagelstudio Gel auftragen lasse und damit die Nägel verstärke. Damit sind sie gegen die bisherige Abnutzung buchstäblich immun. Das hat allerdings auch Nachteile. Das Gel ist in der Anschlagsbewegung beim Saitenkontakt nicht geräuschlos. Sobald ich das Nagelstudio wechsel, probiere ich erst einige Gels durch. Konkrete Aspekte sind die Geräuschempfindlichkeit und die Haltbarkeit. Auf beides kann man in bestimmter Hinsicht Einfluss nehmen. Des Weiteren reagiert Gel an den Basssaiten deutlich empfindlicher als mein Naturnagel. Ich hatte schon Gitarristen gesehen, bei denen spielte das keine Rolle, aber das ist eine Suche ohne Ende.

Ob leises Spiel mit dem Nagel besser klingt, ist die Frage. Wenn sich an der Kuppe Hornhaut gebildet hat, dann klingt das Nagel- oder Kuppenspiel nicht besser oder schlechter sondern anders. Während der Nagel - im Vergleich zur Hornhautkuppe - mehr Brillanz zeigt, hat die Kuppe zwar weniger davon, klingt aber direkt wärmer. Dann kann man fragen, was besser ist. Man kann das nur für sich selbst beantworten.
Liebe Grüße
Bernd
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Roberlin
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Re: ohne Fingernägel: Rob MacKillop und andere

Beitragvon Roberlin » Mi 28. Nov 2018, 12:34

wolfgang hat geschrieben:Ja, die Fingernägel, die sind bei mir nicht ganz so fest und alle paar Wochen reiße ich mir einen Spielnagel ein. Dann muß ich den Kahlschlag machen und alle übrigen der rechten Hand auch, ggf. auf 0 zurückschneiden/feilen.


Ich benutze P2 ultra strong nagelhärter. http://de.p2cosmetics.com/produkt/ultra ... -hardener/ Dadurch seit Monaten keine Probleme mehr. Hatte allerdings eher Probleme mit Brüchigkeit als mit dünn/weich. Meine Nägel sind recht hart.
Gruß Robin

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Re: ohne Fingernägel: Rob MacKillop und andere

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mi 28. Nov 2018, 20:10

Das Zeug enthält Formaldehyd! Sowas hatte ich kurzfristig mal im Test. Mir pochte nach dem Auftragen der Puls ca. 1 Woche unter dem Nagel. Das war nicht nur sehr unangenehm sondern auch schmerzhaft. Deswegen habe ich es gelassen. Damals hatte ich davor die Nägel mit Sekundenkleber und Baumwollstoff gehärtet. Das wurde mir zu nervig, weil das meist nur 2 Tage hielt, bis der Kleber an den Nagelrändern Luft zog.
Liebe Grüße
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Re: ohne Fingernägel: Rob MacKillop und andere

Beitragvon klaus » So 2. Dez 2018, 09:38

Hallo Foraner,
Bernd schreibt:
Mit der Zeit bildet sich eine Hornhaut,

Diese Erfahrung kann ich an den eigenen Fingern bestätigen.
Wie ich schon an verschiedenen Stellen bemerkte, hatte ich mit meinen krumm wachsenden Nägeln so immer meine Angst hängen zu bleiben. Als ich den Trick mit dem Erhitzen noch nicht kannte, hat mein damaliger Lehrer mir die Kuppen verordnet. Also Nägel ab!!!.
Es stimmt: nach ein paar Tagen des An- und Umgewöhnens kann man sich wieder sicher dem üblichen Programm zuwenden. Und es entsteht diese von Bernd beschriebene Hornhaut.
über die ganze Kuppenbreite bildet sich eine ziemlich markante Schicht. Sie hat die Form eines Kamms.(Eben da wo man immer mit der Kuppe die Saite berührt.
Heute spiele ich wieder mit Nagel. Aber die Erfahrung hat noch einen anderen positiven Effekt: Wenn ich mir einen Nagel einreiBe, dann mache ich heute kein groBes Gedöns mit Klebern und Kunstnägeln, sondern schneide mir den Nagel einfach ab. Nach ein paar Stunden Spiel habe ich mich wieder daran gewöhnt.
Ich würde allen raten, einmal diese Erfahrung zu machen, auch wenn es nur für ein paar Wochen ist.

L.G.
Klaus

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Bernd C Hoffmann
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Re: ohne Fingernägel: Rob MacKillop und andere

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 2. Dez 2018, 13:46

klaus hat geschrieben:Ich würde allen raten, einmal diese Erfahrung zu machen, auch wenn es nur für ein paar Wochen ist.

Hallo Klaus,

danke für Deinen Beitrag. Dieser Empfehlung schließe ich mich voll an, weil ich die Sache prinzipiell genauso durch habe wie Du. Ich habe mir das auf 2 bis 3 Tage á 4x 20 Minuten eingeteilt und war eben 2 oder 3 Tagen komplett spielsicher. Auch hierbei ist es außerordentlich nützlich, indem man zusätzlich parallel mental arbeitet. Es geht dadurch nicht unbedingt schneller, aber die Grundbewegung im richtigen Verhältnis aus Positionierung und Motorik setzt beim nächsten Mal schneller ein.
Liebe Grüße
Bernd
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