Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

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Flow
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Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

Beitragvon Flow » Di 8. Mai 2018, 22:05

Hallo zusammen,

Hatte das Bedürfnis meine E-Gitarre wie auch das Plektrum mal beiseite zu legen und mich mehr dem Fingerpicking zu widmen.
Ich möchte Arrangements von bekannten Lieder welche ich auf youtube gesehen/gehört habe nachspielen. Konnte da auch Tabs
bekommen die von den Gitarristen wie z.B Eiro Nareth, Shunga Jung etc., für wenig bis gar kein Geld angeboten werden.

Problem ist jetzt nur, es fällt mir trotz derTabs irre schwer. Ich meine, klar, Fingerpicking ist nun mal anders als Akkorde schrammeln
aber dieses schier nicht vorankommen ist echt zermürbend... . Daher meine Frage:

Wie gehe ich da am besten vor? Gibt es da Literatur die einem gut helfen kann?
Alles was ich bis jetzt an Büchern gesehen habe ist meist mit CD versehen auf welcher gut und gern an die 100 Lieder sind.
Ich will aber keine Lieder zum üben (die mir nicht mal gefallen), sondern eher das "know-how" vermittelt bekommen, Basics,
Tipps+Tricks, sinnvolle Herangehensweisen bzw. sinnvolles Üben. usw.

Gibt's da was/könnt ihr mir was empfehlen?

Was ich wohl noch erwähnen sollte:
Ich spiele seit ca. 10-11 Jahren Gitarre und das überwiegend im rockigen Rhytmusgitarren-Bereich. Habe mich aber zwischendurch immer mal wieder einwenig
im Fingerpicking versucht bis ich es dann halt wieder sein ließ da zu mühselig etc. Bin also nicht wirklich ein blutiger Anfänger darin, lediglich ohne Erfolg :roll:

wäre cool von euch zu hören,

Danke schon mal im Voraus,

Grüße Flow

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Bernd C Hoffmann
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Re: Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Di 8. Mai 2018, 23:18

Hallo Flow,

herzlich willkommen bei uns!

Wenn Du jahrelang mit dem Plektrum gespielt hast, dann ist Deine Anschlagsmotorik überhaupt nicht ausgebildet. Das erklärt Dein Problem. Es gibt diverse Lehrwerke für Fingerstyle, z. B. von Uli Bögershausen. Es handelt sich meist um Anfängermaterial. Was es im Einzelnen konkret gibt, weiß ich nicht, da mein Schwerpunkt Klassik & Flamenco ist. In jedem musst Du Dir darüber im Klaren und auch ehrlich zu Dir selbst sein, dass Dir Deine 11 Jahre Erfahrung fürs Fingerpicking Dir nichts nutzen wird. Das Beste ist ein Lehrer, der für Dich einen Unterrichtsplan für das halbe bis ganze Jahr erstellt. Ich kenne die Problematik aus meinen Unterricht und Workshops, wo ich "Entwicklungshilfe" für solche Schüler leistete. Weiterhin sollte Dir klar sein (das hast Du wahrscheinlich schon gemerkt), dass die "Internet-Tabulaturen" nur bedingt spielbar sind. Das liegt daran, dass sie nicht fehlerfrei oder eben unvollständig sind und keine Fingersätze haben.

Ich hatte diese Kandidaten vor die Wahl gestellt: Entweder ein Unterrichtsplan über mindestens 6 bis 8 Monate oder ein heftiges weil scheußlich klingendes Technikprogramm über maximal 2 bis 3 Monate durchlaufen. Dabei wird unter Einbeziehung von Mentaltechniken die Geläufigkeit beider Hände gestärkt und der Hauptfokus auf die Anforderungen der Anschlagshand gelegt. Hierfür ist schülerseitig eine hohe Eigenmotivationsfähigkeit unbedingt erforderlich.
Liebe Grüße
Bernd
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Flow
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Re: Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

Beitragvon Flow » Do 10. Mai 2018, 01:13

Hallo Bernd,

Danke für deine Antwort.

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:ein Unterrichtsplan über mindestens 6 bis 8 Monate oder ein heftiges weil scheußlich klingendes Technikprogramm über maximal 2 bis 3 Monate durchlaufen. Dabei wird unter Einbeziehung von Mentaltechniken die Geläufigkeit beider Hände gestärkt und der Hauptfokus auf die Anforderungen der Anschlagshand gelegt. Hierfür ist schülerseitig eine hohe Eigenmotivationsfähigkeit unbedingt erforderlich.


Das klingt echt interessant, genau so was meinte ich. Wie in etwa kann man sich das mit dem trainieren der Mentaltechnik vorstellen?
Weißt du zufällig wer in der Region Freiburg i.Br. hierfür guten Unterricht anbietet?

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Bernd C Hoffmann
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Re: Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Do 10. Mai 2018, 14:42

Flow hat geschrieben:Das klingt echt interessant, genau so was meinte ich. Wie in etwa kann man sich das mit dem trainieren der Mentaltechnik vorstellen?
Weißt du zufällig wer in der Region Freiburg i.Br. hierfür guten Unterricht anbietet?

Mentaltechnik ist eine Art Werkzeug, um vordergründlich die technsich-motorischen Anforderungen in der zeitlichen Effizienz deutlich zu verbessern. Konkret geht es darum, korrekte Bewegungsabläufe schnell ins Unterbewusstsein zu bringen, um sie dann schnell und unbewusst abrufen zu können. Dies funktioniert sehr gut mit virtuellen Signalpunkten, an denen man sich bewertend orientiert. - Zumindest ist dies eine Form, die ich praktiziere und mit der viele Schüler sehr gut zurecht kommen. Das näher zu beschreiben, kann ich hier nicht leisten, es sprengt den Rahmen.

Lehrer findest Du bspw. auf Musiklehrer.de. Ob jemand mit Mentaltechnik lernt, weiß ich nicht. Das wird i. d. R. nicht angegeben, ist auch keinen nennenswerter Aspekt im Unterrichtsplan. Im Unterrichtsplan geht es nur darum, was wann erreicht werden soll. Das Wie interessiert dabei nicht. Für Dich sollte lediglich im Vordergrund stehen, dass Du nach ca. 1,5 Jahren einigermaßen "sattelfest" bist. Wie das erreicht wird, spielt keine Rolle. Den Weg dahin sollte jeder Lehrer planen können. Wo ich mit meiner Entscheidung durch Deine Brille eventuell zurückhaltend reagieren würde, sind stark am Notenspiel oder der Klassik verkopfte Lehrer. Es ist nicht so, dass diese Lehrer negativ eingestellt sind oder gar den Fortschritt bremsen. Viel mehr halten sie häufig am traditionellen Weg über die Vermittlung von Notenkenntnissen am Klassikrepertoire fest und machen das weitere Vorankommen häufig durch perfekt erarbeitete Technik abhängig. Dies könnte für Dich bestensfalls demotivierend sein, weil der technische Anspruch sehr hoch ist. Dieser Perfektionismus ist andererseits das Beste, was Dir passieren kann, aber der Weg ist länger und will auch zuhause penibel geplant sein. Auch haben diese Lehrer meist keine Ahnung vom Fingerpickerrepertoire. Dies kann man ihnen aber nicht anlasten, weil diese Form auf Grund ihrer nichtdidaktischen Entwicklung nie einheitlich pädagogisch erfasst und in konkrete Schwierigkeitsgrade eingeteilt wurde, wie wir als Klassiker einen konkreten Rahmenplan mit einer konkreten Einteilung haben. Dies müsste erst vorher vom Lehrer analysiert und dann eingeteilt werden. Dass sie hierzu Lust haben, kann man einfach nicht erwarten. Deswegen gibt es nur wenig Literatur darüber. Wenn Du mit dem Klassikrepertoire jedoch kein Problem hast, dann kannst Du es auch von der Pike auf lernen und lernst insbesondere die Noten im kombinatorischen Zusammenhang auf der Gitarre kennen und hast damit die besten Voraussetzungen zum Erlernen der Harmonielehre, die Du für alles Weitere anwenden kannst.

Kleiner Einschub: Ich mag Fingerstyle Gitarre gelegentlich gerne hören, aber es spielen und mich näher damit auseinanderzusetzen, liegt mir absolut fern. Ich denke auch, dass ich mit meinem mentalen Ansatz eine Art Exotenstatus hatte. Auch habe ich nicht jeden Damit erreicht. Für mich im Unterricht geht es darum, die besten Zugangkanäle beim Schüler zu öffnen.

Letztlich geht es nur darum, dass man die einzelnen Finger gezielt mit einem geforderten Ausdruck, sowohl alleine als auch im Gesamtbild, den musikalischen Zielgedanken entsprechend einsetzt. Ob das über den Weg von Klassikkursen oder (monotonen) Technikübungen erreicht wird, ist dabei unerheblich. Bereichernd ist in jedem Fall beides.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

Beitragvon Flow » Do 10. Mai 2018, 15:00

Ok. Ich werde mich dann mal nach Unterricht umschauen.
Danke für die ausführliche Auskunft.

Grüße Flow

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Re: Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

Beitragvon wolfgang » Mo 14. Mai 2018, 18:05

Bernd C Hoffmann hat geschrieben: Ich mag Fingerstyle Gitarre gelegentlich gerne hören, aber es spielen und mich näher damit auseinanderzusetzen, liegt mir absolut fern.
Ich muß schon wieder blöd fragen: Was ist der Unterschied zu dem was Du spielst und dem Fingerstyle? Ist es das Repertoir, Nylon vs Steel ? Ist das https://www.youtube.com/watch?v=so_V3ZAY0SM jetzt Fingerstyle oder klassisch? LG Wolfgang

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Re: Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Di 15. Mai 2018, 01:47

Das Stück im Video kannst Du halten, wie ein Dachdecker. Peter Langer kommt ursprünglich von der Klassik und schreibt oft Stücke, die sich in beiden Bereichen wiederfinden können. Seine Musik interessiert mich weniger.
Liebe Grüße
Bernd
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docsteve
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Re: Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

Beitragvon docsteve » Di 15. Mai 2018, 13:43

wolfgang hat geschrieben: Ich muß schon wieder blöd fragen: Was ist der Unterschied zu dem was Du spielst und dem Fingerstyle? Ist es das Repertoir, Nylon vs Steel ? Ist das https://www.youtube.com/watch?v=so_V3ZAY0SM jetzt Fingerstyle oder klassisch? LG Wolfgang


Wie so oft sind die Grenzen zwischen den Genres fließend, aber das heißt nicht, dass man sie nicht bestimmen könnte.

Fingerstyle bedeutet "mit den Fingern gespielt" und stammt aus einem amerikanischen Kontext. Der Gegenbegriff ist "Flatpicking", mit Plektrum gespielt. Die solcherart gespielte Musik stammt meist aus Genres wie Folk, Blues, Jazz, also Popularmusik. Die Spielauffassung ist in der Regel eher rhythmisch als melodisch-harmonisch orientiert. Das Instrument der Wahl hat in der Regel Stahlsaiten.

"Klassische Gitarre" bezieht sich auf eine europäische Tradition der Kunstmusik. Entsprechend schreibt sich das Repertoire in diese ein. Die Kompositionen sind in der Regel eher melodisch-harmonisch avanciert und rhythmisch relativ einfach. Im Gegensatz zur Popularmusik gibt es ein relativ verbindliches Klang- und Technikideal. Das Instrument hat meist Nylonsaiten.

Wir haben also mehrere Parameter - Spielauffassung, bevorzugtes Instrument, Repertoire, Tradition, auf die man sich bezieht. Das verlinkte Video bewegt sich irgendwo zwischen diesen Polen. Meist hört man übrigens sehr schnell, woher jemand kommt - Tatyana Ryzhkova hat eindeutig eine klassische Tonbildung, Phrasierung und Timing, da kann sie so viel Elton John spielen, wie sie will. Umgekehrt wird keine Klassik draus, wenn ein amerikanischer Mandolinenhexer Bach spielt.

Viele Grüße Stephan
Viele Grüße Stephan

wolfgang
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Re: Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

Beitragvon wolfgang » Di 15. Mai 2018, 16:00

docsteve, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich hatte natürlich auch schon herumgegoogelt und habe dies und jenes, teils widersprechendes Gefunden, daher auch meine Frage. Das verlinkte Video von der Ryzhkova, hätte ich zB. als Fingerstyle eingestuft - kommt wohl darauf an wer es wie spielt. Ganz klar ist es mir noch nicht.

CG-Fan
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Re: Herangehensweise/Literatur Fingerpicking

Beitragvon CG-Fan » Di 15. Mai 2018, 16:49

wolfgang hat geschrieben:docsteve, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich hatte natürlich auch schon herumgegoogelt und habe dies und jenes, teils widersprechendes Gefunden, daher auch meine Frage. Das verlinkte Video von der Ryzhkova, hätte ich zB. als Fingerstyle eingestuft - kommt wohl darauf an wer es wie spielt. Ganz klar ist es mir noch nicht.

Das dürfte es auch nicht werden, solange man sich in dem Grenzbereich der Genres bewegt. Auch wenn ein Arrangement noch so sehr nach streng klassischen Kompositionsregeln erfolgt ist, dürfte klassisch transkribierte Popmusik nie ganz nach „echter“ Klassik klingen.

Das ist mir Sicherheit kein Fingerstyle! Aber ist das noch Klassik oder nicht einfach nur GENIAL! :D


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