Welches Aufnahmegerät für Konzertgitarre im Homerecording?

Audio & Video, Hard- & Software, Home Studio Equipment, Fragen & Probleme
manolo_berlin
Beiträge: 16
Registriert: Do 12. Jul 2018, 13:25

Re: Welches Aufnahmegerät für Konzertgitarre im Homerecording?

Beitragvon manolo_berlin » So 29. Jul 2018, 17:58

Hier eine Aufnahemeprobe: https://drive.google.com/file/d/12Dklhs ... sp=sharing

Rahmendaten:
- Sony PCM-D 100, XY-Mikrofonie
- ~40cm Abstand
- Mikrofon-Ausrichtung Richtung Steg
- Raum: 38qm, leer, hohe Decken, viel Fenster-Glas. Keinerlei raumakustische Optimierungen
- Kein Eingriff im Mixprogramm (Reaper), mp3 rendering via Lame

Bitte meine Fehler im Spiel verzeihen, es fehlt auch Dynamik, hoffe dennoch, dass man einen Aufnahmeeindruck bekommt. Was ich sofort höre: Ich brauche neue Bass-Saiten :)
Zuletzt geändert von manolo_berlin am Do 20. Sep 2018, 00:12, insgesamt 1-mal geändert.

manolo_berlin
Beiträge: 16
Registriert: Do 12. Jul 2018, 13:25

Re: Welches Aufnahmegerät für Konzertgitarre im Homerecording?

Beitragvon manolo_berlin » Di 18. Sep 2018, 11:01

Ich habe das Gerät jetzt länger getestet und bin zufrieden.

Ein Fragezeichen ist bei den Mikrofonen: Der Ton klingt „härter“ als ich es im Spiel wahrnehme. Hinzu kommt dass bei der Wiedergabe Unterschiede auftreten: Kopfhörer (neutrale beyerdynamic) klingen härter als meine neutralen Hifi Lautsprecher.

Mikrofone sind im Bereich Schallloch / Steg ausgerichtet (~30cm).

Kann es tatsächlich sein, dass meine Wahrnehmung (Ohren hinter/über Gitarre) verfälscht ist und Zuhörer mein Spiel deutlich anders wahrnehmen? Sollte ich mit anderen Mikrofonen experimentieren (was bestelltechnisch nicht ganz einfach ist).

matthias
Beiträge: 686
Registriert: Do 1. Nov 2012, 15:35

Re: Welches Aufnahmegerät für Konzertgitarre im Homerecording?

Beitragvon matthias » Di 18. Sep 2018, 12:15

Ja, du nimmst den Ton hinterm Instrument anders als der Zuhörer wahr. Setzt dich mal vor ne Glasscheibe zum spielen. Die reflektiert den Ton recht gut.
Die Ausrichtung auf den Steg ergibt einen eher knackigen und trockenen Klang.

Richtig gute Mikrophone ( Schoeps und andere ) kosten eine Stange Geld. Relativ gute Mics für kleines Geld gibt es von z.B. Rohde. Ich meine mich zu erinnern das Kuno hier im Forum ein matched pair zum Verkauf angeboten hat oder anbietet.

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3842
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Welches Aufnahmegerät für Konzertgitarre im Homerecording?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Di 18. Sep 2018, 12:51

Ich erziele annähernd authentische Ergebnisse, wenn die Mikrofone auf Steg und Griffbrett ausrichte, bewertet an einem Beyerdynamic 990. Verfälschte Ergebnisse liefern immer Hifi-Boxen, weil sie in bestimmte Frequenzbereiche eingreifen. Näher am Original ist man nur mit Studio-Abhörmonitoren.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

Rolando
Beiträge: 33
Registriert: Di 25. Apr 2017, 12:52

Re: Welches Aufnahmegerät für Konzertgitarre im Homerecording?

Beitragvon Rolando » Mi 19. Sep 2018, 12:57

-Es gibt Mikrophone die färben den Klang, manchmal ist das gewünscht weil man damit eine bestimmte Klangästhetik realisieren kann.
-Jedes Micro "klingt" anders.
-Positionierung der Micros ist Geschmackssache, selbst da kann man ordentlich Mist bauen. Allerdings gibt es auch da bereits Erfahrungswerte die man guten Gewissens übernehmen kann.
-digitale Nachbearbeitung ist heutztage effizient, ich rede von subtiler Klangbearbeitung, zb bestimmte Resonanzen zu filtern, usw.
-am besten probiert man ein paar Micros aus bis man jenes gefunden hat das einem im Grundklang zusagt.
-teuer heisst nicht gleich gut, es gibt Billos mit hervorragenden Eigenschaften
-die Charakteristik des Micros ist nicht unrelevant


Kurzum: eine Aufnahme wird sich IMMER von deinem persönlichen Höreindruck unterscheiden, weil dein Schädel nunmal ein anderer Resonanzraum ist als der (Aufnahme) Raum in dem du dein Micro positionierst hast.

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3842
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Welches Aufnahmegerät für Konzertgitarre im Homerecording?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Do 20. Sep 2018, 00:05

Rolando hat geschrieben:-Es gibt Mikrophone die färben den Klang, manchmal ist das gewünscht weil man damit eine bestimmte Klangästhetik realisieren kann.

Das ist bei fast jedem (für "Normalsterbliche") bezahlbaren Mikrofon der Fall. Das Paradebeispiel sind die Rhode Mikros, konkret unter Gitarristen das NT-5. Dabei geht es nicht um den Höreindruck sondern um eine verbesserte Anpassung an die Eigenschaften von Instrumenten, damit die Nachbearbeitung vereinfacht werden kann. Lineares Hören wird mit Ausnahme von Toningenieuren von kaum jemanden beherrscht. Beispielsweise werden Mikros von Rhode in professionellen Studios genau aus diesem Grund gemieden. Man findet sie ausschließlich im Home Recording Bereich. Das ist auch marktseitig von den Herstellern gewollt, weil Hobbymusiker und Amateure i. d. R. nicht das nötige Geld haben, um sich die angemessene Elektronik leisten zu können.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

rwe
Beiträge: 255
Registriert: Di 9. Dez 2014, 23:22

Re: Welches Aufnahmegerät für Konzertgitarre im Homerecording?

Beitragvon rwe » Do 20. Sep 2018, 08:19

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:
Rolando hat geschrieben:-Es gibt Mikrophone die färben den Klang, manchmal ist das gewünscht weil man damit eine bestimmte Klangästhetik realisieren kann.

Das ist bei fast jedem (für "Normalsterbliche") bezahlbaren Mikrofon der Fall. <...> Das ist auch marktseitig von den Herstellern gewollt, weil Hobbymusiker und Amateure i. d. R. nicht das nötige Geld haben, um sich die angemessene Elektronik leisten zu können.


Das ist mir zu kurz. Mikrofone sind halt auch nur analoge Wandler, ebenso wie Lautsprecher. Und damit genau so Teil der "Klangkette" bis zur Aufnahme, wie beispielsweise die Gitarre selbst. Wobei aber auch die teuren Mikrophone "den Klang färben" - und ein Brüel&Kjaer-Messmikrofon habe ich noch nie im Studio gesehen...., jedenfalls nicht bei der Instrumentenaufnahme.

Auch bei Schoeps oder Neumann liegt ein Paar Kleinmembranmikrofonen im Gegenwert eines ordentlichen Studenteninstruments (2-3.5k€). Das IST bezahlbar, wenn man es möchte. Gleichzeitig arbeiten auch professionelle Studios immer wieder mit günstigen Mikrofonen, weil sie eben genau "passen". Was also ist "die angemesse Elektronik"?

Die Frage ist: Was möchte ich mit dem Homerecording?
Mich selbst zur Kontrolle aufnehmen? => Günstiger Handheld-Recorder, den kann ich ggf. mit externen Mikrofonen aufnorden.
Ein Demo erstellen? => Dafür reicht die Qualität der Handheld-Recorder auch.
Für kommerzielle Produkte (Platten, ggf. Videos)? => Da lohnt es sich dann schon, Zeit und Geld in die Auswahl und Optimierung von Mikrofonen und Raum zu stecken. Und vor allem in die eigene Erfahrung. (Nein, ich kann's nicht wirklich gut.)

Rolando
Beiträge: 33
Registriert: Di 25. Apr 2017, 12:52

Re: Welches Aufnahmegerät für Konzertgitarre im Homerecording?

Beitragvon Rolando » Do 20. Sep 2018, 11:54

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:
Rolando hat geschrieben:-Es gibt Mikrophone die färben den Klang, manchmal ist das gewünscht weil man damit eine bestimmte Klangästhetik realisieren kann.

Das ist bei fast jedem (für "Normalsterbliche") bezahlbaren Mikrofon der Fall. Das Paradebeispiel sind die Rhode Mikros, konkret unter Gitarristen das NT-5. Dabei geht es nicht um den Höreindruck sondern um eine verbesserte Anpassung an die Eigenschaften von Instrumenten, damit die Nachbearbeitung vereinfacht werden kann. Lineares Hören wird mit Ausnahme von Toningenieuren von kaum jemanden beherrscht. Beispielsweise werden Mikros von Rhode in professionellen Studios genau aus diesem Grund gemieden. Man findet sie ausschließlich im Home Recording Bereich. Das ist auch marktseitig von den Herstellern gewollt, weil Hobbymusiker und Amateure i. d. R. nicht das nötige Geld haben, um sich die angemessene Elektronik leisten zu können.


Ja, mag sein, rein technokratisch-konservativ betrachtet hast du recht.

Ich hab zb auch schon mit einem Billig-Richtmicrophon (Sperrmüllfund) experimentiert, und diese Färbung die recht rotzig und leicht Aggro war, hatte eben eine ganz eigene Ästhetik die mich dann im Mixdown entsprechend inspiriert hat.

Was ich damit dagen will: jedes Micro hat seine "Farbe", unabhängig von der linearen Qualität die unter Laborbedingungen gemessen wurde um ein aussagekräftiges Datenblatt dem Produkt beilegen zu können.
Zumal ist Linearität heutzutage auch eher relativ da man in der Regel, bei anspruchsvolleren (im Hobbybereich spricht man von ambitionierten Produktionen) Produktionen das Aufnahmesignal subtil bis aufwendig in der DAW nachbearbeiten kann.
Im Kontext mit weiteren Instrumenten im Arrangement gilt es einer Frequenz und Tiefenstaffelung mehr Beachtung zu widmen, dabei ist weniger das lineare Sigal ( Micro-Aufnahme) einzelner Signale von Belang sondern eher eine ausgewogene Abhörsituation die in der Regel auf linearen Monitoren erfolgt, im besten Fall mit entsprechend optimiertem Abhörraum.
Das Endergebnis sollte dann linear sein. (die einzelnen Spuren sind im Frequenzgang stark beschnitten).

In professionellen Studios werden Micros nicht nach der Neutralität ausgewählt sondern nach Färbung, die aus Verarbeitung, Materialien, Wertigkeit, Selektion der Bauteile usw resultiert.
Es gibt unterschiedliche Micros mit annähernd gleichen technischen Daten die aber im Ergebnis (Aufnahme) unterschiedlich klingen. Und überhaupt ist der Dynamikumfang entscheidend, also inwiefern das Signal (zb Gesang oder klassische Gitarre) in ihrem Dynamikumfang nachgebildet wird. Es gibt Micros die glätten fast schon das Signal, in Form von leichter bis mittlerer Komprimierung. Da würde ich zb ganz genau Hinhören bzw hinschauen, aus meiner Sicht das Qualitätsmerkmal von Micros schlechthin.
Zumal man auch wissen muss das klassische Gitarren individuelle Resonanzen im Klangspektrum aufweisen und diese zu filtern ist nicht Aufgabe des Microphons (das natürlich im besten Falle linear sein sollte) sondern diese eher störenden Resonanzen filtert man mit entsprechenden Werkzeugen im Nachgang, die heutzutage in jeder DAW zu finden sind.

Wobei es hier im Forum wohl überwiegend um Soloaufnahmen von Gitarren geht und weniger um Mehrspurproduktionen und da bin ich der Meinung man sucht sich als Solist einfach ein Micro aus das für einen Selbst im Ergebnis gut klingt und im Handling problemlos ist.
Als Auswahlkriterium würde ich mein Augenmerk auf die entsprechende Charakteristik legen und mir auch einen passenden Preamp zulegen.... Übrigens: mit einem Preamp kompensiert bzw veredelt man den Frequenzgang eines jeden Micros und holt dadurch das volle Pfund heraus.


Zurück zu „Aufnahmetechnik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder