Auftrittsmöglichkeiten

Rund um das Konzertleben, Tonabnahme & Verstärkersysteme, Lampenfieber etc.
Momo
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Auftrittsmöglichkeiten

Beitragvon Momo » Sa 31. Aug 2013, 18:06

Hallo,

meine Frage richtet sich in erster Linie an "professionelle", d.h. studierte klassische Gitarristen, aber eigentlich auch an alle anderen, die sich so ungefähr auf ähnlichem Niveau befinden (was immer das auch heissen mag:)):

Was macht ihr so mit eurem Instrument, abgesehen von etwaiger Unterrichtstätigkeit? Orchesterstellen gibt es naturgemäss nunmal nicht, und der Markt für Solokonzerte in großem Stil ist sicherlich klein. Aber - gibt es noch etwas anderes? Kleine Konzerte, Engagements als Hochzeits- oder Kneipengitarrist..?

Bin gespannt. Oder, platt ausgedrückt, wo steckt ihr alle:)?

Lg,
Momo

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Bernd C Hoffmann
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Re: Auftrittsmöglichkeiten

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 31. Aug 2013, 19:14

Ich hatte öfters als Einlage auf Hochzeiten, Geburtstagen und Jubiläen gespielt, auch bei Autorenlesungen.
Liebe Grüße
Bernd
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docsteve
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Re: Auftrittsmöglichkeiten

Beitragvon docsteve » Di 3. Sep 2013, 13:07

Ich bin kein Profi und muss/will kein Geld verdienen, daher: im Gottesdienst der Kirchengemeinde. Hat den Vorteil, dass man immer ein Publikum hat, ohne werben zu müssen. Auch der Druck ist verhältnismäßig gering, immerhin stehe ich / stehen wir nicht im Zentrum des Geschehens (okay, für manche ist das ein Nachteil). Dafür sind die Reaktionen immer sehr dankbar bis enthusiastisch. Nachteil ist die manchmal unchristlich frühe Zeit...

Nächsten Sonntag, 8.9. 10h in der ev.-reformierten Kirche, Haan-Gruiten (das liegt zwischen Wuppertal und Düsseldorf) spielen wir im Duo voraussichtlich Barrios, E. Granados und Hernando Pascual, evtl. auch was von Vivaldi ;)

Viele Grüße, Stephan
Viele Grüße Stephan

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Heike
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Re: Auftrittsmöglichkeiten

Beitragvon Heike » Di 3. Sep 2013, 14:39

Die legendäre "Heike-Regel": Auf 100 Bewerbungen 3 Zusagen!
Wird mir in dieser Proportion von anderen Profis auch immer wieder bestätigt..
Etwa 80% keine Antwort, der Rest Absagen und Vertröstungen- und auf telefonisches Nachhaken wird schon mal gerne extrem genervt reagiert: "Hier liegen noch hunderte Bewerbungen, wenn da jeder anriefe..."

Kerstin Muc
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Re: Auftrittsmöglichkeiten

Beitragvon Kerstin Muc » Di 3. Sep 2013, 16:17

Heike hat geschrieben:Die legendäre "Heike-Regel": Auf 100 Bewerbungen 3 Zusagen!
Wird mir in dieser Proportion von anderen Profis auch immer wieder bestätigt..
Etwa 80% keine Antwort, der Rest Absagen und Vertröstungen- und auf telefonisches Nachhaken wird schon mal gerne extrem genervt reagiert: "Hier liegen noch hunderte Bewerbungen, wenn da jeder anriefe..."



das meint tatsächlich, DU vernarktest / managest Dich selbst? Und von 100 Anfragen bekommst Du drei Zusagen = 3 Mal Gage?

UNd davon musst Du Hotel, Anreise etc. pp. finanzieren? Und wie alle anderen auch: 2 Wochen Urlaub als Selbständiger wollen auch "reingearbeitet" werden.

Also ich ziehe den Hut!!!

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Heike
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Re: Auftrittsmöglichkeiten

Beitragvon Heike » Di 3. Sep 2013, 18:54

Es ist ein einfaches Rechenspiel:
Wie hoch muß eine Abendgage sein , damit eine Agentur für die 15% davon arbeitet?
Ich habe eine kleine, wunderbare Agentur, über die zwar immer was kommt, aber den Löwenanteil mache ich alleine - und viele Veranstalter verhandeln auch lieber direkt mit den Künstlern, erstens um die 15% nicht indirekt einzurechnen ( weil sie ja wissen, daß der Künstler eben für diese Nettosumme antritt)- zweitens weil er sich im Zweifelsfall auch noch leichter herunterhandeln lässt- und drittens weil einfach eine Zwischenstufe mit Hinundhertelefonierei in den Verhandlungen herausgenommen wird.
Und ich google dann mal das Wort Jahresurlaub :D :D
Also Augen auf bei der Berufswahl!

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Re: Auftrittsmöglichkeiten

Beitragvon bassklampfe » Mi 4. Sep 2013, 10:13

3 Prozent positive Reaktionen mit Auftrittserfolg ist ein sehr guter Schnitt. Als Freiberufler rechnet man mit 1 bis 1,5, maximal 2 Prozent positive Reaktion – also höchstens ein Gesprächstermin – OHNE Auftragserfolg, der hängt dann vom Verlauf des Gesprächs ab. Als Angestellter denkt man über solche Dinge wie Akquise gar nicht nach, der Chef wird's schon richten …

Zu den Auftritten: das wird immer schwieriger, für alle. Die Veranstalter - im weitesten Sinne – machen weniger als noch vor 10 oder gar 20 Jahren. Deshalb müssen die Profis immer mehr Muggen annehmen, die sie früher niemals gemacht hätten. Das war aber das Gebiet der Nicht-Profis, für die dementsprechend weniger bleibt. Selbst schlecht bezahlte Kneipengigs sind heute von Profis besetzt. Und damit wir uns richtig verstehen: Ich neide es ihnen nicht, die müssen davon leben.

Mit meinem Duo-Partner suche ich seit Monaten eine Auftrittsmöglichkeit, ohne Erfolg. Das ist wie überall: sehr viel sehr gute Leute müssen sich einen kleiner werdenden Markt teilen. Für die nicht so guten wird es dann richtig eng.
______________
Gruß
bassklampfe

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Re: Auftrittsmöglichkeiten

Beitragvon Heike » Mi 4. Sep 2013, 11:32

andererseits habe ich den subjektiven Eindruck, daß es immer mehr "Mitmachbühnen" gibt, Spielorte, die sich bezahlte Musiker komplett sparen und stattdessen offene Bühnen anbieten, da finden sich auch wirklich gute Musiker, die da auftreten.. und eben keine Vollprofis sind

(Ist ja krass, @bassklampfe, daß ich da im sogar über Schnitt liege. Es ist immer wieder moralisch verflixt schwierig, sich in diesen Bewerbungsmarathon zu schmeissen.. danke für die Rückmeldung!!!)
Ich habe meine Situation einfach mal geschildert, weil ich immer wieder bei Amateuren, die gerne auftreten wollen, oder jungen Berufsanfängern den Irrglauben sehe, daß ab einem gewissen Leistungslevel alles von selber läuft. Dazu muss man dann aber wieder Romero, Barrueco etc heißen!
Wo kommen denn sonst all die hochgehandelten Multi-Wettbewerbsgewinner abhanden???
In meiner Zeit im Vorstand eines sichtbar nicht sehr reichen Gitarrenvereins kamen auch Anfragen rein von Kollegen, von denen man dachte, daß man sie nie bezahlen könnte..

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Re: Auftrittsmöglichkeiten

Beitragvon klaus » Do 28. Nov 2013, 09:18

Hallo Haike,
Wenn ich sehe, wie viele Menschen jedes Jahr durch die Musikhochschulen gehen, dann frage ich mich auch, wo die Leute alle unterkommen. In erster Linie verdient man sich als Profesioneller wie du das nennst seine Brötchen mit Unterricht. Das ist eben eine regelmäBige Einnahmquelle.
Aber jedem Gitarristen juckt es natürlich in den Fingern auch Konzerte zu geben.. aus mehreren Gründen.


Musik ist für Andere gedacht.Man will zeigen was man kann.
Man braucht die Erfahrung (Bühenerfahrung) auch als Lehrer.
Kann man Schüler besser davon überzeugen, dass man sein Handwerk versteht.

Bis vor 16 Jahrern war ich aktiv als Gitarrist tätig, dann ging das - Familie - nicht mehr.

Es war kein groBes Angebot. Und die Zwischenräume zwischen Konzert und Konzert sehr groB.
Da ich vorher Probekonzerte mache und ich das Repertoir ja eh drauf habe, habe ich dieses Konzert auch gratis angeboten allerdings nur in sozialen Einrichtungen. Krankenhäuser, Alten-Jugendzentren, Volkshochschulen.
Obwohl ..gratis.. haben mir diese Konzerte dann geholfen, das "wichtigste" (bezahlte, ofizielle ..)Konzert cool über die Runden zu bringen. Wenigstens ich brauche das.

Es war interessant, dass gerade diese Vor-Konzerte mehr Feedback und Resonanz abwarfen, als die offiziellen Konzerte . Es gab Nachfragen von potenziellen Schülern und Konzertangebote.

Mal davon abgesehen, habe ich viele Konzerte bekommen, weil ich das Umfeld der Veranstalter kenne (Kontakte muss man haben und pflegen..)

Schliesslich und endlich möchte ich mal auf die Arbeit von dieser russischen Gitarristin Tatyana Ryskova(?) aufmerksam machen, die sich selbst vermarktet.
Ich glaube, sie hat es geschafft nur durch ihre Internetpräsents an Konzerte zu kommen... Was sie macht könnte eigentlich jeder von uns auch.
Videos einspielen .. verbreiten..etc. . Besucht mal ihre Webseite.

In dem Bereich haben Gitarristen nicht viel zu bieten. Wenn es nicht gerade Fernsehaufzeichnungen sind, sind die Resultate ziemlich mager. Diese Gitarristin zeigt uns, wie da geht.

Gut... ich schreibe das aus der "Barcelonasicht" vielleicht ticken die "Veranstalteruhren" in Deutschland anders.
Auf alle Fälle viel Erfolg, mit dem was Du machst..

KLAUS

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Re: Auftrittsmöglichkeiten

Beitragvon Heike » Do 28. Nov 2013, 13:25

gerade solch "Vorkonzerte" sind ja auch schon wieder oft ein Präzedenzfall für "Art but Fair".. sollte man eigentlich nur als absoluter Anfänger machen, weil sich sonst immer mehr Veranstalter daran gewöhnen, daß man gute Künstler für lau findet!!!
Selbst ich als klar erkennbarer Profi werde auch immer mal wieder gebeten , was umsonst zu machen ( okay, der gute Zweck ist ein ganz anderes Thema), aber es gibt immer wieder Veranstalter, die davon ausgehen, daß man doch gerne spielt, also dann logischerweise auch kein Geld dafür braucht!
Und jedes Altenheim , das Musiker für umsonst findet, wird nie wieder eine Gage zahlen- und der Deal, daß man danach tolle bezahlte Folgeaufträge bekommt, ist auch eigentlich immer Blödsinn.
Für Auftrittstraining sollten die lieben Verwandten und Freunde herhalten, den größtmöglichen Druck kann man sich selber durch Videoaufnahmen machen- oder eben gezielt als solche ausgeschriebene offene Bühnen bespielen.

Tatyana Ryzhkova macht unglaublich vieles richtig... aber es ist längst nicht mehr so, daß Youtube ein Selbstläufer sind, es gibt einfach unendlich viele Gitarrenvideos inzwischen, da können auch große Namen mit neuen Videos manchmal nur ein paar 1000 Klicks bekommen. Sie spielt super, ist photogen, investiert in tolle Photos, die Videos sind professionell aufwändig gemacht ( geht auch nicht mit der durchschnittlichen Heimausstattung..) und optisch ansprechend gemacht, da hat es, mal ganz zynisch gesagt, jeder Mann schwierig, solche Eyecatcher ins Netz zu stellen... und youtube ist eben ein visuelles Medium!
Sie macht jetzt eine Gitarrenschule in Bremen auf! Ich habe sie noch nie im Konzert gehört, die Videos sind beeindruckend, wäre sehr neugierig zu sehen, wie sie live auf der Bühne ist..


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