Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Unterrichtsformen, Methodik, Didaktik, die Gitarre aus pädagogischer Sicht

Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Umfrage endete am Sa 2. Jun 2018, 16:40

Ja, denn nur schriftliche Verträge stellen die Rechte und Pflichten beider Parteien sicher und sorgen für klare Regelungen.
4
80%
Nein, denn Unterrichtsverträge sind nicht mehr zeitgemäß.
0
Keine Stimmen
Nein, denn die erwartete Flexibilität in in der Berufswelt nimmt zunehmend Einfluss auf das Privatleben. Auch hier muss man ebenfalls flexibel reagieren können muss.
1
20%
Nein, denn Unterrichtsverträge erhöhen lediglich den Verwaltungsaufwand
0
Keine Stimmen
 
Abstimmungen insgesamt: 5

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Bernd C Hoffmann
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Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 24. Mär 2018, 15:40

Bezüglich der Unterrichtstätigkeit gibt es die Möglichkeit des Unterrichtsvertrags und der Bezahlung je Unterrichtseinheit. Beides hat Vor- und Nachteile für Lehrer und Schüler. Wie sehr Ihr das? Bitte begründet Eure Meinung.
Liebe Grüße
Bernd
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rwe
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Re: Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Beitragvon rwe » Sa 24. Mär 2018, 16:05

Mir passen die Antwortalternativen nicht. Erstens gelten Verträge auch, wenn sie nicht schriftlich abgeschlossen werden. Nur der Nachweis ist dann schlechter... "Keine Schriftform" bedeutet also nicht gleichzeitig "kein Vertrag". (Auch wenn ich auf Grund der Dokumentation die Schriftlichkeit vereinbaren würde.)

Zweitens kann man natürlich auch Flexibilität vertraglich vereinbaren. "Vereinbart wird die Bezahlung von 30 Stunden Jahr 2018. Diese finden grundsätzlich Mo 17-18 statt, Falls der Schüler zu diesem Termin nicht kann, kann mit einem Vorlauf von minimal 3 Arbeitstagen ein Ersatztermin gesucht werden. Sollte kein Termin gefunden werden können, wird ersatzweise eine Skype-Stunde [oder ein WoEnd-Seminar mit mehreren Schülern oder ...]) durchgeführt."

Eine solche Flexibilität bindet natürlich auch Deine Ressourcen und das kann und muss man sich bezahlen lassen (das tut der Klempner mit seinem Bereitschaftsvertrag auch), und wenn man durchblicken lässt, dass man selbst auch das Finden von Ersatzterminen ernst nimmt, dann kann das m.E. ein gutes Modell werden. Wissend, dass die Instrumentallehrer unserer Familie dies auch (in Maßen) so halten, bezahle ich denen auch gerne einen etwas höheren Preis im Monat bzw. je Einzelstunde (da, wo es berufsbedingt überhaupt keine festen Termine geben kann). Eine andere Möglichkeit wäre dann, WoEnd- oder Ferienworkshops zu vereinbaren, 0.5-2 Tage, von denen es dann aber kein Rücktrittsrecht gibt. Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn die Schüler selbst Interesse am Unterricht haben und nicht von den Eltern dahin entsorgt werden. In meinem Umfeld gibt es viele voll berufstätigte erwachsene Amateurmusiker, die gerne flexible Möglichkeiten haben möchten (weil dies auch von uns selbst verlangt wird), dafür aber eben auch mehr Geld hinlegen würden. Das ist jetzt nicht das Programm für Leute, die eine Beschäftigungstherapie suchen...

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Bernd C Hoffmann
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Re: Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 24. Mär 2018, 16:59

Mit "Entsorgen durch Unterricht" hatte ich nur ein einziges Mal zu tun. Von da an hatte ich einen Riegel davor geschoben. Instrumentalschüler sollen nicht in den Unterricht kommen, weil sie sollen sondern weil sie wollen. Mit der Umfrage geht es auch weniger um die Zeitliche Organisation sondern um die Sicherheit der Unterrichtenden. Ich fuhr während meiner aktiven Unterrichtstätigkeit aus diesen Gründen zweigleisig.

Ein anderer Aspekt, den Du ansprichst, ist die Frage, ob für bestimmte Anforderungen alternative Unterrichtsmodelle erforderlich sind. Die Flexibilität, die Du ansprichst, kann aus meiner Sicht nicht voll umfänglich sichergestellt werden.
Liebe Grüße
Bernd
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Manfred
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Re: Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Beitragvon Manfred » Sa 24. Mär 2018, 17:55

Aus der Sicht eines (vielleicht untypischen, ewigen) Lernenden) : Für Kinder, Verträge mit den Eltern. Für Erwachsene, flexible Regelungen auf Vertrauensbasis.
Liebe Grüße
Manfred,
der mit 60 seinen ersten Unterricht hatte und nach 21 Jahren immer noch dabei ist; den Lehrer hat er nur einmal gewechselt.

rwe
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Re: Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Beitragvon rwe » Sa 24. Mär 2018, 19:29

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Ein anderer Aspekt, den Du ansprichst, ist die Frage, ob für bestimmte Anforderungen alternative Unterrichtsmodelle erforderlich sind. Die Flexibilität, die Du ansprichst, kann aus meiner Sicht nicht voll umfänglich sichergestellt werden.


Na ja, das "vollumfänglich" ist so eine schöne Juristenformulierung. Ich würde das praktischer als Risikoabwägung sehen: Man vereinbart eine "geordnetes Maß an Flexibilität" (coole Formulierung ... - also das "Biegeverhalten des Vertrags" vor dem Brechen...), dafür liegt das Honorar etwas höher. Beiden Seiten sollte damit gedient sein. Wenn's dann immer noch nicht passt, kann der Vertrag ja immer noch von beiden Seiten gekündigt (oder angepasst) werden. Sieh' es als Markterkundung, mit der Du ggf. auch neue Formate entwickeln kannst.

Wenn es passt, und das sollte es in vielen Fällen, dann hast Du auch eine besondere Marktpositonierung. Ich bin in meinen Freiberufler-Phasen auch immer wieder in Vorleistung getreten, manchmal hat es nicht geklappt ("Ar...cher gibt's überall"), aber in Summe, denke ich, bin ich gut damit gefahren.

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Re: Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Beitragvon JuliaGuitar » So 25. Mär 2018, 09:58

Natürlich ist es für einen hauptberuflichen Gitarrenlehrer unerläßlich mit seinen Schülern Unterrichtsverträge zu machen! WAS genau im Vertrag drin steht, kann unterschiedlich sein. Auch für die Schüler ist es besser, wenn sie einen Vertrag abschließen, denn das schafft für beide Seiten Klarheit.

Während für Kinder und Jugendliche Semesterverträge sicher passender sind, kann man mit Erwachsenen Abonnement Verträge machen. Das darf dann konkret pro Stunde etwas teurer sein, dafür kann man
den Termin gegebenenfalls absagen oder verschieben. Ich verkaufe an Erwachsene meist zehner Abbos. Also, sie zahlen 10 mal im Voraus, zahlen pro Stunde etwas mehr als mit Semestervertrag und sind dafür flexibler als mit Semestervertrag. Trotzdem gilt, daß eine Stunde, die nicht oder zu spät abgesagt wurde, bezahlt werden muß.

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Bernd C Hoffmann
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Re: Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 25. Mär 2018, 19:48

rwe hat geschrieben:
Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Ein anderer Aspekt, den Du ansprichst, ist die Frage, ob für bestimmte Anforderungen alternative Unterrichtsmodelle erforderlich sind. Die Flexibilität, die Du ansprichst, kann aus meiner Sicht nicht voll umfänglich sichergestellt werden.


Na ja, das "vollumfänglich" ist so eine schöne Juristenformulierung. Ich würde das praktischer als Risikoabwägung sehen: Man vereinbart eine "geordnetes Maß an Flexibilität" (coole Formulierung ... - also das "Biegeverhalten des Vertrags" vor dem Brechen...), dafür liegt das Honorar etwas höher. Beiden Seiten sollte damit gedient sein. Wenn's dann immer noch nicht passt, kann der Vertrag ja immer noch von beiden Seiten gekündigt (oder angepasst) werden. Sieh' es als Markterkundung, mit der Du ggf. auch neue Formate entwickeln kannst.

Mit "vollumfänglich" meine ich, dass das für jedes Vertragsverhältnis gilt, d.h. auch für den Gruppenunterricht. Und genau hier ist das Problem. Wenn ich eine Dreiergruppe habe, dann muss man sich auf einen Termin einigen, an dem alle können. Der ist aus meiner Erfahrung immer unter die Woche gefallen. Betrifft der Zeitraum einen Termin, der durch eine andere Gruppe belegt ist, dann fällt der Aufwand für diese Gruppe erneut an. Konkret bedeutet dies, dass man den Aufwand 6x hat! Dem gegenüber steht oft das Problem, dass man die Räumlichkeiten am Wochenende nicht bekommt; es sei denn, man mietet eine Räumlichkeit an. Dies wiederum steht in keinem Verhältnis zu den Unterrichtseinnahmen, ist also praktisch nur realisierbar, wenn man selbst über entsprechende Raummöglichkeiten verfügt.

Das, was Du im Wesentlichen ansprichst, ist das Paradebeispiel für den vertraglichen Wunschschüler. Die Sache hat nur einen besonderen Haken: Das Geld kommt zu 80 % über den Gruppenunterricht rein. Üblich ist es, dass Unterrichtsausfälle durch den Schüler und nicht vom Lehrer nicht zu vertreten sind, sondern zu Lasten des Schülers gehen. Im Gruppenunterricht ist das Nachholen des Stoffs für einzelne Schüler meist gar nicht zu leisten, weil eine Verpflichtung des Unterrichts für die übrigen Schüler besteht. Es gibt aber besondere Ausnahmen, die ich im Einzelfall entschieden habe. Eine Gruppenschülerin hatte sich das Handgelenk angebrochen und wollte den Unterricht nach der Heilung, die ca. 6 Wochen dauerte, unbedingt fortsetzen. Organisatorisch vereinbarte ich mit ihrer Mutter eine Vertragsunterbrechung von 2 Monaten und Vorlage eines ärztlichen Attests, dass durch Fortsetzung des Unterrichts keine gesundheitlichen Probleme an den betreffenden Gliedmaßen zu erwarten sind. Dafür musste sie mit Einzelunterricht zu je 30 Minuten an 3 oder 4 Samstagen bei mir zuhause erscheinen, damit ich sie in etwa auf dem aktuellen Level der Gruppe bringen konnte. Danach wurde der Unterricht wie gewohnt fortgesetzt.

Kommt der Ausfall durch mich zustande, dann versuche ich den Unterricht nachzuholen. Gelingt dies nicht, dann habe ich den Ausfall anteilig zurück gezahlt.

Flexibilität gegenüber Schülern habe ich mich sehr schwer getan, weil ich von Kollegen wusste, dass es ausgenutzt wird. Was ist daran verwerflich, wenn Schüler so organisieren müssen, dass sie am Unterricht teilnehmen können? Nichts! Es gibt immer irgendwelche Risiken, wo man einfach Pech gehabt hat. Wenn der Schüler (oder sein ges. Vertreter) bereit ist, für dieses Risiko pauschal etwas mehr zu bezahlen, dann ist das durchaus ein akzeptables Argument. Wichtig ist aber, dass dies kein Dauerzustand wird. In meinen Info-Veranstaltungen hatten mich Interessenten angesprochen, ob man unabhängig vom Unterrichtsvertrag auch andere Regelungen treffen kann. Das gab es tatsächlich, aber fast nur im Einzelunterricht. Ich hatte ohne schriftlichen Vertrag 18 € für 45 Minuten genommen, die bei Anwesenheit bezahlt werden. Das Honorar wurde auch fällig, wenn der Unterricht durch den Schüler nicht spätestens 2 Tage vorher abgesagt wurden. Ich habe allerdings auch klar gemacht, dass ich den wöchentlichen Unterricht beibehalten werde. Sollte sich herausstellen, dass diese Regelmäßigkeit im Wesentlichen nicht zustande oder es häufig zu Absagen kommt, dass ich dann den Unterricht ablehne. Als Unterrichtender ist mir wichtig, dass ich mit dem Schüler voran komme. Ist das wegen häufiger Unterrichtsausfälle nicht möglich, dann brauche ich diesen Schüler nicht.
Liebe Grüße
Bernd
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Bernd C Hoffmann
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Re: Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 25. Mär 2018, 20:00

JuliaGuitar hat geschrieben:Während für Kinder und Jugendliche Semesterverträge sicher passender sind, kann man mit Erwachsenen Abonnement Verträge machen. Das darf dann konkret pro Stunde etwas teurer sein, dafür kann man den Termin gegebenenfalls absagen oder verschieben.

Ich hatte im Wesentlichen Jahresverträge gemacht mit 3 Monaten Kündigungsfrist gemacht. Es gab einen Monat Probezeit. Bis zur letzten UE konnte sich der Schüler überlegen, ob dabei bleiben möchte. Gegen einen Aufschlag ab Unterrichtsanfang konnte man die Vertragslaufzeit auf 6 Monate verkürzen. Für mich war wichtig, dass ich aus den Raumkosten das Maximum herausholen konnte. Die Vertragslaufzeit bietet hierfür eine gewisse Planungssicherheit. Daneben hatte ich Kurse ausschließlich für Liedbegleitung, die auf 1 Jahr festgelegt sind und nicht verlängert werden. Lediglich bei einer Seniorengruppe hatte ich auf deren Wunsch zweimal um jeweils 3 Monate verlängert.
Liebe Grüße
Bernd
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rwe
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Re: Unterrichtsverträge: Ja oder Nein?

Beitragvon rwe » So 25. Mär 2018, 21:34

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Mit "vollumfänglich" meine ich, dass das für jedes Vertragsverhältnis gilt, d.h. auch für den Gruppenunterricht. Und genau hier ist das Problem. Wenn ich eine Dreiergruppe habe, dann muss man sich auf einen Termin einigen, an dem alle können. Der ist aus meiner Erfahrung immer unter die Woche gefallen. Betrifft der Zeitraum einen Termin, der durch eine andere Gruppe belegt ist, dann fällt der Aufwand für diese Gruppe erneut an.


Ja, ok, ich hatte Einzelunterricht im Fokus. Was wir bei Gruppenunterricht selbst machen (aber nicht im Instrumentalunterricht, sondern in anderen, nicht-musikalischen Bereichen): Es gibt zwei parallele Gruppen an zwei Tagen, die Lerninhalte werden zwischen beiden Terminen synchronisiert. Notfalls kann man mal switchen. Wer an beiden Terminen nicht kann, hat Pech gehabt, da gibt es keine "Nachlieferung". Wer zu häufig fehlt, besteht halt die Prüfung nicht.


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