Gitarrenunterricht

Unterrichtsformen, Methodik, Didaktik, die Gitarre aus pädagogischer Sicht

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matthias
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Gitarrenunterricht

Beitragvon matthias » Mo 12. Nov 2012, 14:14

Moin,

womit würdet Ihr beim Gitarrenunterricht bei einer 10 jährigen ohne jede Vorkenntnisse anfangen (kein Klassik: eher Pop, Folk, Rock evtl. Flamenco) ?


lieben Gruß, Matthias

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Bernd C Hoffmann
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Re: Gitarrenunterricht

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mo 12. Nov 2012, 14:18

Grundsätzlich ja. Meine Liedbegleitkurse habe ich erst für Kinder ab 12 Jahren angeboten, weil sie dann schon ein bisschen Englisch können und ich meine Liederliste nicht überarbeiten musste. Ansonsten spricht mit deutschen Texten nichts dagegen.
Liebe Grüße
Bernd
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matthias
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Re: Gitarrenunterricht

Beitragvon matthias » Mo 12. Nov 2012, 14:35

Hi Bernd,
da hab ich wohl blöd formuliert.

Womit würdest Du beginnen?
z.B.
Haltung, Greifen, Saiten der Gitarre, Stimmen, e moll- a moll, Tonika Sub- und Dominante und dann C- Dur, oder oder oder
Etwas Theorie oder vorerst nur Vorspielen- Nachspielen, welche Stücke.....
Sollte Sie auch bei nicht Klassikambitionen ne kleine Gitarre kaufen oder reicht die vom Pappa......

Ich hatte noch nie einen totalen und so jungen Anfänger als Schüler.

l.G. matthias

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Bernd C Hoffmann
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Re: Gitarrenunterricht

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mo 12. Nov 2012, 15:45

Ich habe immer bei "Null" angefengen. Die erste Stunde ging bei mir so los, dass ich das Instrument hochgehalten habe und sate: "Das ist eine Gitarre." Dann habe ich die Bestandteile kurz gezeigt, anschließend ging es mit der Haltung los. Dann sollte die Kinder irgendwelche Töne aus der Gitarre holen. Das sind nicht nur die typischen Saitenklänge sondern auch die selteneren Töne, wie hinterm Sattel und Klopfgeräusche an verschiedenen Stellen für unterschiedliche Klänge.

Die erste Übung sind 4rtelabschläge in A-Dur, also: A A A A / D D D D / A A A A / E E E E / A A A A / D D D D / A A E E / A______ //
Lieder gibt es Anfangs noch nicht.

Wichtig ist bei den Akkorden, dass nur solche drankommen, die leicht zu greifen sind. Grundtonart in C-Dur habe ich wegen F als Barrée immer nach hinten geschoben. Ansonsten eben nur Lieder mit C und G7 (z. B. Tom Dooley; Tonika + Subdomonate).

In der zweiten Woche gibt es die gleiche Hausaufgabe, aber transponiert in D, die 3. Woche in G. Dann hatte ich auch die Dominate als Septimakkord vorgestellt und ihre Auflösungstendenz an einem Melodiebeispiel verdeutlicht. Bis hierhin gab es alle Hausaufgaben och einmal auf, allerdings mit Dom7 statt reine Dominante. Die Folgewoche der Hausaufgabe ist die Ausgangsübung in E mit H7. Dann gibt es auch kreative Aufgaben in der Form, dass sie eigene Akkordfolgenspielen sollen, zu denen sie mit Trällersilben eigene Melodien "erfinden", die dann in der Folgestunde vorgetragen werden. Im weiteren Verlauf ist kommen werden die ersten Schlagmuster vermittelt und auf die bislang angesammelten Akkordfolgen angewendet. Das erste Lied ist Bob Dylan´s "Blowing in the Wind". Wichtig sind auch Lieder im 3/4 Takt, z. B. "Mull of Kintyre". Auch die Mollakkorde sind auf dem Plan, ebenso die Barréeakkorde in kleiner und großer Form, letzteres als Version von E und A Akkorden. Bei den Mollakkorden gibt es als Lieder z. B. den "Drunken Sailor", "Lady in Black", "Star of the County Down" etc.

Mit dem Stimmen hatte ich nach ca. 4 - 6 Wochen angefangen. HIerzu musste jeder eine eigene Stimmgabel mitbringen. Theorie gab es erst in 2. Jahreshälfte. Hierbei habe ich gezeigt, wie eine Tonleiter in Dur aufgebaut und wie sie über 2 Oktaven die Moll-Parallele beinhaltet. Dann habe ich aus der Ausgangstonleiter in C die neuen Tonleitern für die Herleitung des Quintenzirkels gezeigt. Hierzu gab es als Hausaufgabe zunächst nur die Kreuztonarten auf, die die die Schüler zuhause als Tonlieter alleine ins Notenblatt schreiben. Wichtig ist immer, dass die Klangwirkung vorgeführt wird, wenn man eine Tonleiter in unterschiedlicher Tonhöhe (eigentlich: TonART) spielt. Ich habe die Tonleitern auch singen lassen und kleine Melodiediktate vorgegeben. In der Folgewoche geschieht das gleiche mit den B-Tonarten. Dann habe ich mir die C-Dur Tonleiter nochmal separat herausgepickt und gezeigt, wie welche Struktur Dur- und Mollakkrode haben, mit entsprechenden Höreindrucken. In diesem Zusammenhang hatte ich auch den Aufbau von Septim- und Quartvorhaltakkorden gezeigt. Am Ende habe ich den Quintenzirkel als Kreisform dargestellt (außen Dur, innen Moll) und verdeutlicht, welchen Nutzen er für die Liedbegleitung hat. Dazu gab es wieder kreative Aufgaben für die Melodieimprovisation, wobei ich jedem Schüler eine andere Tonart vorgegeben habe. Anschließend ein paar gängige Zupfmuster, dann war der Kurs nach einem Jahr vorbei.

Bei der Liederauswahl für die 10jährigen ist es ratsam zu fragen, welche Lieder sie konkret spielen können wollen. Die musst Du Dir besorgen und erst selber lernen. Was die Gitarre betrifft, die sollte unbedingt an die Körpergröße des Kindes angepasst sein. Ich hatte schon Schüler, die mit 10 Jahren problemlos auf einer 4/4 Gitarre spielen konnten. wichtig ist auch die Handgröße. Aus der Erfahrung kann ich sagen, wenn eine 3/4 Gitarre genommen werden muss, dann sie mindestens die nächsten 2 bis 3 Jahre im Einsatz war, bis eine normalgroße erforderlich war (im Klassikunterricht).
Liebe Grüße
Bernd
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matthias
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Re: Gitarrenunterricht

Beitragvon matthias » Mo 12. Nov 2012, 15:56

Super, danke Bernd :!:

Das ist ne gute Herangehensweise. "Also dat is ne Schitarre...." hören, begreifen und Töne machen.

lieben Gruß, Matthias

matthias
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Re: Gitarrenunterricht

Beitragvon matthias » Di 13. Nov 2012, 09:50

...ohmann, da fällt mir ein. Ich bräuchte wohl am besten noch einen höhenverstellbaren Hocker für den kleinen Mensch,- oder?

Hat da jemand ne günstige und gute Empfehlung?

l.G matthias

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Bernd C Hoffmann
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Re: Gitarrenunterricht

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Di 13. Nov 2012, 12:44

Ich hatte dafür einen Schlagzeughocker verwendet. Diese teile sind schon sehr günstig zu bekommen. Ansonsten geht auch ein höhenverstellbarer Bürostuhl ohne Armlehnen. Sowas bekommt man oft im Ramschhandel von Läden, wo Waren aus Insolvenzen und Versicherungsschäden angeboten werden. Oder einfach in der Bucht nachschauen.
Liebe Grüße
Bernd
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Kuno Wagner
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Re: Gitarrenunterricht

Beitragvon Kuno Wagner » Do 31. Aug 2017, 23:17

Kleine Schüler (Grundschule 1-4 Klasse) sitzten bei mir auf Kinder-Cajons (ca. 35cm). Das hat den Vorteil, dass das zweckentfremdete Möbel auch in seiner ursprünglichen Bestimmung verwendet werden kann.


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