Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Unterrichtsformen, Methodik, Didaktik, die Gitarre aus pädagogischer Sicht

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Kerstin Muc
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Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Beitragvon Kerstin Muc » Do 1. Aug 2013, 06:56

Hallo in die Runde,

ich habe eine Frage an die Lehrer unter Euch, resp. die, die Unterricht nehmen. Wie geht Euer Lehrer oder eben Ihr (Bernd ist meines Wissens ja Lehrer) didaktisch in einer Stunde vor? Lasst Ihr Euch vorspielen, wenn ja, wie läuft das ab (sollte das ablaufen) und gebt Ihr Aufgaben mit heim? Was sind das für Aufgaben? Immer nur neue Stücke, oder nur Passagen?
Merkt Ihr Euch, welches Stück resp. welche Übungen Ihr dem Schüler mitgegeben habt und kontrolliert das die Woche darauf, oder ist das Ansprechen dessen Sache des Schülers?

Mir fehlt (im MOment) ein wenig die Stringenz und teilweise ist es auch so, dass nach einer Stunde zu Beginn der nächsten die Aufgbaben vergessen sind. Will sagen: Mir fehlt etwas die Struktur irgendwie. Nachdem mir aber auch Vergleichswerte fehlen, weiß ich nicht, ob das "normal" ist oder nicht.

Freue mich über Feedback

Liebe Grüße Kerstin

agustin
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Re: Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Beitragvon agustin » Do 1. Aug 2013, 17:28

[quote="Kerstin Muc"
....................Mir fehlt (im MOment) ein wenig die Stringenz..............
................... Mir fehlt etwas die Struktur irgendwie.................
[/quote]

Hi Kerstin,
das halte ich für eine ziemliche Untertreibung. Ich weiß nicht, welche Unterrichtsbefähigung (Studium, Fortbildungen, etc.) Du aufzuweisen hast, aber Deinem Text entnehme ich, dass Du ins Blaue hineinunterrichtest.
Natürlich braucht man eine, vor allem für Kinder auch feste, Struktur, d.h. man sollte sich tunlichst vor der ersten
Gitarrestunde Gedanken darüber machen, wie das Ganze ablaufen soll. Der Schüler soll ja in progressiven Schritten sein "Handwerk" lernen, damit er später in der Lage ist, selbst Stücke die ihn interressieren, einstudieren kann.
Am Anfang steht also eine Schule, ein Grundheft, in dem sich ein Autor viele Gedanken über den Ablauf eines strukturierten Unterrichtes gemacht hat. Diese Schule kann/muß/wird man mit zunehmender Erfahrung mit Spielheften des jeweils entsprechenden Schwierigkeitsgrades ergänzen, wobei die Wahl des Stiles (Klassik, Folklore/Blues etc.) bei der heute vorhandenen Menge an Unterrichtsliteratur jeglicher Coleur eine große Bandbreite zulässt.
Modelle der Unterichtsmethodik/Didaktik gibts wie Sand am Meer.
Meine: Am Anfang der Stunde nach Begrüßung, einleitenden Worten und dem Stimmen der Gitarre spielt der Schüler die Hausaufgabe vor. Dabei gibt es kein "Ansprechen des Schülers" auf den Stoff, die Hausaufgabe, die der Lehrer aufgegeben hat, steht einerseits im Hausaufgabenheft (dann vergisst man auch nicht, was man aufgegeben hat, wie peinlich wäre das denn...?), andererseits markiere ich die Hausaufgabe zusätzlich auch direkt im jeweiligen Spielheft.
Nach dem Vorspiel sprechen wir über die Interpretation des Stückes, wenn zu wenig geübt wurde und der Vortrag dementsprechend war, gibt´s das Ganze noch einmal auf.
Sollten nur Kleinigkeiten zu beanstanden gewesen sein, wird das Stück samt der Korekturen noch mal gespielt, dann kommt die neue Hausi, je nachdem ein Spielstück oder eine Etüde, in dem/der es um eine neu zu lernende bzw. zu vertiefende Technik geht, oder, oder, oder.....Bei langen Stücken ist es oft nur eine mehr oder wenig lange Passage. Musiktheoretisches baue ich dabei passend zum Stück ein.
Dass ".... nach einer Stunde zu Beginn der nächsten die Aufgaben vergessen sind......" :?: das verstehe ich nicht ganz. Wenn ein Schüler die Hausaufgabe "vergessen" hat, ja was hat er denn dann die ganze Woche geübt/gelernt ???

Und, und, und, und....Es würde den Rahmen sprengen, all das aufzählen zu wollen, was wichtig ist.

Ich würde mir an Deiner Stelle als Erstes eine, wie auch immer geartete Form der Lehrbefähigung zulegen, ansonsten führst Du als Blinder einen anderen Blinden durch die Nacht.

gruß,
agu

P.S. Für die "Insider": wenn der peperle diesen Thread liest......... ;) :lol: ;)

Kerstin Muc
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Re: Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Beitragvon Kerstin Muc » Do 1. Aug 2013, 17:31

Servus,

ich BIN DER SCHÜLER...und ich versuche herauszufinden, ob bei meinem Unterricht alles läuft, wie es sollte....

Grüße Kerstin

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Bernd C Hoffmann
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Re: Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Do 1. Aug 2013, 18:09

Hallo Kerstin,

ich habe mich beruflich verändert und bin seit Herbst 2007 nicht mehr im Unterricht aktiv.

Was Du beschreibst, deutet auf einen "Freizeitlehrer" hin, der weitgehend planlos vorgeht. Wichtig ist eine grundlegende Struktur als grundsätzliche Orientierung für die Unterrichtseinheit sowie eine Zielplanung, was man in welchem Zeitraum erarbeitet haben soll. Das Ziel muss man nicht genau erreichen. Man kann also weiter sein oder auch darunter liegen. Dies ist i. d. R. abhängig vom Schüler, wobei das Ziel die Marschroute bereitet. Dies setzt Zwischenziele voraus, an denen sich der Fortschritt messen lässt. Hierbei merkt man eigentlich sehr schnell, wenn etwas problematisch wird. Ich habe das (ein bestimmtes Alter vorausgesetzt) mit den Schülern bzw. deren Eltern direkt besprochen und aufgezeigt, wie ich weiter vorgehe.

Natürlich bekommen die Schüler Hausaufgaben auf. Die müssen in der Folgeeinheit auch kontrolliert werden. Ich habe meine Schüler immer gefragt, ob dabei Fragen oder Probleme aufgetreten sind. Was inhaltlich aufgegeben wird, ist Sache des Lehrers und richtet sich nach dem, was gerade erforderlich ist. Das können bei bestimmten motorischen Problemen bspw. auch technische Trockenübungen über 2 - 3 Wochen sein, in denen man die Intensität an musikalischer Zuwendung zurückstellt. Bei mehreren Schülern bzw. Gruppen kommt man als Unterrichtender über die eigene Notierung der Hausaufgaben gar nicht herum. Dies ist z. B. wichtig, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, die auf Schüler-/Elternseite einen juristischen Weg androhen, weil bestimmte Dinge angeblich nicht vermittelt worden sein sollen. Es wird nicht nur die Hausaufgabe festgehalten sondern auch die Anwesenheit. Bei letzterem wird insbesondere bei Kindern festgehalten, ob Abwesenheiten entschuldigt oder unentschuldigt sind. Auch Hinweise zu besonderen Problemen mit einzelnen Schülern habe ich den Aufzeichnungen festgehalten. Was den Unterricht substanziell betrifft, ist auch die Motivation des Schülers über verschiedene Aspekte wichtig.

Darüber lässt sich noch vieles mehr anführen. In meinen Info-Veranstaltungen zum Unterricht kam als Einwand öfters der Preis. Es wurde z. B. oft der Preis von jemandem aus der Nachbarschaft oder der Parallelklasse genannt, "der auch gut spielen kann". Ich habe darauf geantwortet, dass ich meine Entscheidung zum Unterrichten getroffen habe, weil ich nicht für die Bühne gemacht bin. Die Frage ist auch, wer das "gut spielen" bewertet hat und mit welcher Kompetenz! Hieraus ergibt sich die nächste Frage, was ihn für das Unterrichten auszeichnet. Als Tipp habe ich gegeben zu fragen, ob sie den Unterrichtsplan sehen können. Wenn dann vom Freizeitunterrichtenden Fragen der Art kommen "Wie meinen Sie das?", dann hat der schon alles gesagt! Das gilt auch für den Fall, wenn der Plan nur mündlich beschrieben wird. Als Beispiel habe ich dann meinen Unterrichtsplan vorgelegt. Damit habe ich die Sache fast immer für mich entschieden.
Liebe Grüße
Bernd
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agustin
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Re: Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Beitragvon agustin » Fr 2. Aug 2013, 21:48

Kerstin Muc hat geschrieben:Servus,

ich BIN DER SCHÜLER...und ich versuche herauszufinden, ob bei meinem Unterricht alles läuft, wie es sollte....

Grüße Kerstin



Hi Kerstin,
:lol: ;) :roll: :lol: ;) :roll: :lol: ;) :roll:
da habe ich Deine Ausführungen wohl misinterpretiert, aber inhaltlich bin ich nach wie vor der selben Meinung, es
betrifft dann natürlich nicht Dich, sondern Deinen "Lehrer".
Du hast wohl einen Lehrer erwischt, der seine Kompetenz durch kosmische Bestrahlung erworben hat....
gruß,
agu

Kerstin Muc
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Re: Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Beitragvon Kerstin Muc » Mo 5. Aug 2013, 06:41

Hallo IHr Beiden,

da habt Ihr mir schon sehr geholfen, vielen Dank. Ich denke, ich darf mir was überlegen...

Viele Grüße Kerstin

Kerstin Muc
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Re: Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Beitragvon Kerstin Muc » Sa 10. Aug 2013, 15:14

Hallo,

Habe gestern eine konzertgitarristin, die Jahrzehnte am Theater war und auch konzertiert hat, besucht.
Nach meinem Vorspiel sagte Sie, es sei erstaunlich, was ich der Gitarre für Töne entlocke....OBWOHL ich gerade in der rechten Hand die falsche Technik habe resp. eine Fehlhaltung. Diese - und dazu noch Wissens- und Techniklücken- sei eine Ursache meiner Stagnation. Ich kannte zwar Apoyando, aber ich habe es nie geübt, weil ich gar nicht wusste wofür....

Ich habe ja relativ schnell leichte klassikstücke "spielen" gelernt, oder sagen wir mal, es versucht. Sie meinte, es sei fast normal, dass man - beginne man als Erwachsener in der 1. Lage - an seine Grenzen stört, was Schnelligkeit und auch Sicherheit und Sauberkeit der Töne betrifft. Sie beginne in der 5.Lage mit den Schülern.

Meine rechte Hand sei leicht verkrampft, die Fingerhaltung nicht gut, ich spiele zu viel mit dem Arm, nicht genug aus dem (im Moment sehr unlockeren) Handgelenk und den Fingern. So habe ich das verstanden.

Meine Aufgabe die nächsten 2 Wochen!!!! Alle Notenhefte weg und im 5. Bund 5 Töne auf den unteren beiden Saiten. Da mir die Theorie auch etwa fehlt, kann ich nicht mal die Tonleiter nennen...nun ja, Defizite lassen sich wohl nur beseitigen, in dem man die Fehler anerkennt. Mt diesen 5 Tönen übe ich Apoyando, stets i,m,a / Saite. Achte auf das rechte Handgelenk, die genaue Position der Fingerspitzen bei Berührung der Saiten, saubere Töne. Links schaue ich auf die genaue Position des Daumens und der Fingerperlen.

Was anderes einzuschieben, andere stücke etc. Sei kontraproduktiv.

Ich gehe quasi also mal einige Schritte Retour - ich will nicht sagen ganz auf Null, aber in die Richtung - und übe noch mal von vorne. Damit ich dann sprichwörtlich die richtige Biege bekomme, den richtigen Weg gehe. Leider habe ich kein Liederbuch, sie sagte all meine Stücke seien "nur" akkorde, ich bräuchte was anderes...das habe ich nicht ganz verstanden, aber ich folge erst einmal ihren Tipps und übe eben das jetzt. Sie meinte, das könne schon ein gutes halbes Jahr dauern mit der Korrektur...

Ich habe einen Rel. starken Muskeltonus, aber ich würde spüren irgendwann, dass die rechte Hand lockerer wird.

Ich darf also gespannt sein.

ps. Hätten die Lehrer unter euch auch schon solche Erfahrungen? Also das Ihr Schüler bekommt, die umlernen müssen?

Viele Grüße k.

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Re: Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 10. Aug 2013, 16:07

Kerstin Muc hat geschrieben:ps. Hätten die Lehrer unter euch auch schon solche Erfahrungen? Also das Ihr Schüler bekommt, die umlernen müssen?

Ja. Ich habe viel "Entwicklungshilfe" gemacht. Meistens waren es Autodidakten nach der Büchern von Peter Bursch, die dann Klassik lernen wollten. Die haben sich z. B. Ein-Finger-Apreggien beigebracht, wo der kleine Finger auf die Decke gestützt wurde. Oder Schüler von oberflächlichen Lehrern, die mit einer falschen Haltung rechts oder links belegt waren.

Momentan beobachte ich seit längerem an mir selbst, dass mein Flamencotremolo (Quintole) technisch miserabel abläuft, obwohl es mal sehr schön klang. Aus irgend einem Grund gelingt es mir nicht mehr, die Finger rund zu halten. Der Ringfinger will sich durchstrecken. Hat das geklappt, dann wollen das auch der Zeige- und Mittelfinger. Das Besondere dabei ist, dass beim Durchstrecken die Finger über in die andere Richtung, also nach oben, gewölbt sind; sieht auch ziemlich bescheuert aus. Dies wird wohl noch ein großes Stück Arbeit werden...
Liebe Grüße
Bernd
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Kerstin Muc
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Re: Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Beitragvon Kerstin Muc » Sa 10. Aug 2013, 20:28

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:
Kerstin Muc hat geschrieben:ps. Hätten die Lehrer unter euch auch schon solche Erfahrungen? Also das Ihr Schüler bekommt, die umlernen müssen?

. Oder Schüler von oberflächlichen Lehrern, die mit einer falschen rechts oder links belegt ...



Hi Bernd, was meinst du damit?

Danke und viele Grüße

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Re: Pädagogik/ Struktur im Unterricht

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 10. Aug 2013, 21:20

Da hat sich ein Fehler eingeschlichen. Es sollte heißen: eine falsche Haltung rechts ... Ich habe es oben korrigiert.
Liebe Grüße
Bernd
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