Auswendig lernen

Unterrichtsformen, Methodik, Didaktik, die Gitarre aus pädagogischer Sicht

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Nosie
Beiträge: 4
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Re: Auswendig lernen

Beitragvon Nosie » Sa 14. Dez 2013, 14:12

Ich kann weite Strecken eines Stückes auswendig, lange bevor ich es auch wirklich spielen kann. Nachdem ich bei komplexeren Stellen und Lagenwechseln nicht auf die Noten schauen und zugleich greifen kann, merke ich mir das Griffbild möglichst sofort. Ich registriere bei der Wiedergabe aus dem Gedächtnis dann eine Art Kettenreaktion, d.h. eine Bewegung und die Vorstellung, was klanglich als nächstes kommt, löst die nächste Bewegung aus und diese die nächste usw.
In diesem Stadium kann ich zwar ein ganzes Stück auswendig spielen, kann aber weder an einer bestimmten Stelle ohne Noten wieder einsteigen, eben weil der Auslöser davor nicht da ist (tödlich bei Lampenfieber), noch finde ich dann diese Stelle so ohne weiteres im Notenbild. Auswendig können heißt eben noch lange nicht, ein Stück zu beherrschen.
Bei mir beginnt dann erst die Arbeit, die Heike schon macht, bevor sie die Gitarre überhaupt zur Hand nimmt. Erst wenn ich das Stück mit all seinen kognitiven und musikalischen Aspekten neu durcharbeite, fängt es wirklich an, sattelfest zu werden. Es umgekehrt zu machen, dazu fehlt mir in erster Linie die fachliche Qualifikation und auch die Geduld. So ohne weiteres erkenne ich aus den Noten nicht, wie es klingt, und grad das ist ja am Anfang der große Anreiz für ein neues Stück.
Leider bleibe ich bei vielen Stücken im ersten Stadium des Auswendigkönnens stecken, weil meine Zeit für die Gitarre nicht unendlich ist und es so viele Stücke gibt, die ich auch lernen will - da bleibt dann die Gründlichkeit auf der Strecke.

Eine Besonderheit ist mir auch aufgefallen. Je länger ich ein Stück mit Noten übe, umso schwerer fällt es mir, es dann aus dem Gedächtnis zu spielen. Anscheinend verknüpft das Gehirn während der motorischen Automatisierung auch sämtliche übrigen Begleitumstände. Deshalb ist es wahrscheinlich auch wichtig, immer wieder die Übe-Umgebung zu variieren, anderer Raum, andere Tageszeit etc., um die Fähigkeit zur Wiedergabe unabhängig von äußeren Umständen (dazu zählt auch Noten vor der Nase) zu trainieren.

Liebe Grüße
Gertraud

Liebe Grüße
Gertraud

Coraghessan

Re: Auswendig lernen

Beitragvon Coraghessan » Mi 11. Jun 2014, 18:03

Also. ich hab keine Geduld, jetzt den umfangreichen Faden durchzuackern, wenn das was ich schreibe schon gesagt wurde-Mille regrets ;)
Ich denke beim Auswendiglernen unterscheidet man 4 Lerntypen:

1) Visueller Lerntyp
2) Auditver Lernyp
3) Motorischer Lerntyp
4) Kognitiver Lerntyp

zu 1) Prägt sich Notenbild und Griffbrettpositionen bildlich ein und reproduziert das Gelernte bei Bedarf.
zu 2) Hat eine Klangvorstellung verinnerlicht und weiß durch Erfahrung auf dem Instrument wie er diese verwirklicht.
zu 3) Bewegungsabläufe prägen sich ein und werden reproduziert.
zu 4) Eine wissentliche Verinnerlichung musikalischer Zusammenhänge (Harmoniefolge, Rhythmus...)

Natürlich ist niemand ausschließlich ein Lerntyp, aber bei den meisten überwiegt wohl ein Typ. Für mich zum Beispiel spielt das Kognitive eine gewisse Rolle. Ich merke das wenn ich Stücke z,B. in Renaissancestimmung lernen will, wo Akkorde nicht mehr ihre gewohnten Griffpositionen haben, ist das schwerer als in Normalstimmung. Mein Gehirn sagt mir dann "Subdominante" aber den Griff muss ich erst finden. Ein fotografisches Gedächtnis habe ich dagegen überhaupt nicht.
So wird sich jeder seine Eselsbrücken bauen, je nach Lerntyp.


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