Max Strohmer, Schnäppchen bei Siccas

Spezielle Beiträge, die z. B. durch besondere Betrachtung, Herangehensweise, Ergebnisse etc. eine beachtenswerte Besonderheit darstellen
CG-Fan
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Re: Max Strohmer, Schnäppchen bei Siccas

Beitragvon CG-Fan » Di 11. Sep 2018, 10:43

grenner hat geschrieben:Danke. Alles klar. Ich wusste nicht, dass Hauser den V-Joint erfunden hat. Man lernt nie aus. :idea:

Erfunden hat er den sicher nicht. Die auf „Alt-Deutsch“ Anschäfter genannte Hals-/Kopfverbindung wurde bereits im frühen 19. Jahrhundert eingesetzt, ist wahrscheinlich aber noch deutlich älter.

Hier ist ein Link zum Archiv von Bernhard Kresse, einem der Experten für historische Gitarren in Deutschland. Bei den Gitarren von Panormo oder auch C.F. Martin sind die Anschäfter z.B. sehr gut zu erkennen.

Manfred
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Re: Max Strohmer, Schnäppchen bei Siccas

Beitragvon Manfred » Di 11. Sep 2018, 12:03

Was ist der Grund für den V-joint? Geringerer Materialeinsat? Warum macht man das im Mutterland des Gitarrenbaus anders?
Liebe Grüße
Manfred

CG-Fan
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Re: Max Strohmer, Schnäppchen bei Siccas

Beitragvon CG-Fan » Di 11. Sep 2018, 14:26

Den Grund könnte ich möglicherweise darin vermuten, dass der V-Joint (um beim Neu-Deutschen zu bleiben) orginär von den Streichinstrumenten herkommt und einige Gitarrenbauer dort ihre Wurzeln hatten. Daher findet man ihn auch relativ häufig in D, F, UK, wobei ich C.F. Martin jetzt mal zu D hinzuzähle! Im vermeintlichen Mutterland des Gitarrenbaus war das wahrscheinlich anders!?

Der V-Joint macht etwas mehr Arbeit, gilt dafür aber als stabilere Kopf-/Halsverbindung und soll einfacher zu reparieren sein!? Der Saitenzug zieht den Kopf quasi in die V-förmige Passung hinein und stabilisiert sich dadurch quasi selbst.

Heutzutage dürften beiden Varianten aber in jeder Hinsicht als weitgehend gleichwertig angesehen werden und die Entscheidung darüber, welche der Gitarrenbauer einsetzt, letztlich davon abhängen, wo er ausgebildet wurde und welche Vorliebe er hat. ;) :D
Zuletzt geändert von CG-Fan am Di 11. Sep 2018, 17:58, insgesamt 1-mal geändert.

Manfred
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Re: Max Strohmer, Schnäppchen bei Siccas

Beitragvon Manfred » Di 11. Sep 2018, 16:45

Danke, das ist eine schlüssige Erklärung.
Liebe Grüße
Manfred

Nils
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Re: Max Strohmer, Schnäppchen bei Siccas

Beitragvon Nils » Di 11. Sep 2018, 19:09

Also ich bin mir recht sicher, dass der Anschäfter, so nennt man ihn auch, sicherlich nicht stabiler ist als ein verdreht angesetzter Kopf, da durch die Komplexität der Leimfuge die Verbindung viel mehr potentielle Fehlerquellen beinhaltet zumal eine große Fläche Leimung, eig die gesamte Fläche Hirnholz ist und das, egal wie gut man es vorleimt niemals so gut hält wie eine Nicht- Hirnholzleimung. Außerdem ist die Leimfläche im Gegensatz zum spanischen Halsansatz viel geringer. Vielleicht neigen angeschäftete Köpfe nicht so stärk zum Bruch an der Daumenkante, aber die Verbindung ist sicher instabiler.

Die Art der Verbindung hat vielleicht den Vorteil, dass man Hals und Kopf separat fertigen kann. Weißgerber zb. hat seine Köpfe beim Holzbildhauer schnitzen lassen und dann fertig geschnitzt angesetzt. Vielleicht entstand die Verbindung auch weil die furnierten Hälse bei zb. Vihuelen nur diese Fertigungsmöglichkeit zuließen. Man müsste mal herausfinden seit wann etwa die Verbindung genutzt wurde. Ich denke die Spanier waren da vielleicht einfach einen Ticken innovativer oder haben den effizienteren Weg genommen.

Viele Grüße

RoyFankhänel
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Re: Max Strohmer, Schnäppchen bei Siccas

Beitragvon RoyFankhänel » Di 11. Sep 2018, 22:39

Hallo Leute,
damit nicht unnötig viele Spekulationen geschrieben werden, was den Anschäfter und dessen Stabilität betrifft, möchte ich gerne meine Erfahrungen hier teilen.
Seit wann es diese konische Zapfenverbindung gibt weiß ich nicht genau, aber sicher ist sie in der mitteleuropäischen Instrumentengeschichte zu finden. Vielleicht ist diese schräge Anplattung der Spanier ein Relikt aus dem historischen Lautenbau der arabischen Welt, bei der die Köpfe oft auch nur Stumpf verleimt wurden. An für sich ist es aber auch die einfachste Form überhaupt ein Kantholz durch Verleimen stabil schräg anzusetzen.

Nun zur Stabilität. Ich bin keineswegs der Meinung, dass der deutsche Anschäfter weniger stabil ist. Ganz im Gegenteil. Zum Vergleich kurz die Situation, was bei einem Sturzschaden mit der jeweiligen Verbindung passiert.

Spanische Verbindung:
Schon bei relativ geringer Krafteinwirkung durch einen leichten Schlagimpuls von hinten, bricht der Kopf zum Teil oder Komplett ab und zwar entlang des Faserverlaufs vom Kopfansatz weg (meist hält den Bruch nur noch das Deckfurnier zusammen). Die Leimfuge hält dabei fast immer, aber das Holz wird gespalten, weil die Faserlage in dem Fall genau an dieser Stelle ungünstig ist. Man kann es mit einer Axt beim Holzhacken vergleichen. Drückt man sie langsam hineint, muss die Kraft enorm sein, um das Holz zu spalten. Durch einen Schlagimpuls geht das ohne große Mühe. So ähnlich ist es auch bei Gitarren. Durch den Saitenzug wird permanent mit großer Kraft die Kopfplatte nach vorn gezogen. Es reicht ein kleiner Schlag aus und der Kopf ist ab.
Ich repariere im Jahr bestimmt zwanzig solcher Brüche an verschiedensten Gitarren.
Hier liegt aber auch der Vorteil. Der Schaden lässt sich leicht und meist fast unsichtbar reparieren, je nach Lackierung. Ich hatte auch schon Mehrfachpatienten in der Werkstatt, wo der neue Bruch aber genau neben der Leimstelle der ersten Reparatur verlief. Die Leimverbindung hält also weitaus mehr, als das Holz an sich.

Deutscher Anschäfter:
Wenn der Zapfen gut eingepasst ist und das sollte er, dann ist diese Verbindung trotz der teilweisen Hirnholzverbindung so extrem stabil, das ein Bruch an dieser Stelle trotzt großer Krafteinwirkung ausgeschlossen ist. Also ausgehend von einer handwerklich gut ausgeführten Holzverbindung wird diese Leimfuge nicht aufgehen.
Was würde also beim Sturz passieren.
Bei leichteren Stößen von hinten, die dennoch stark genug wären, den spanischen Kopf abzubrechen, würde bei der deutschen Variante nichts passieren. Der Kopf hält und alles ist gut. Erst bei stärkerer oder sehr starker Krafteinwirkung (Ich werfe die Gitarre einmal quer durchs Zimmer), würde der Kopf abbrechen und zwar genau an der Stelle, wo die Wirbellöcher der E und e1 Saite sind.
Ich habe das an einem Versuchshals schon ausprobiert Ich musste wirklich mit sehr großer Kraft den Kopf mehrmals auf die Tischplatte schlagen, bis der endlich abgebrochen ist. Der Kopf kann nicht wie bei der spanischen Variante abgespalten werden, weil der Faserverlauf genau an der Ansatzstelle mit dem Kopf in dem jeweiligen Winkel mit verläuft.
Hier liegt dann im Falle eines Falles aber auch der Nachteil. Die Reparatur eines solchen Bruches wäre aufwendiger, ABER da diese Kopfverbindung im Schnitt eher nur an hochwertigen Gitarren verbaut wird und die Besitzer da vorsichtiger sind mit den Instrumenten, sind Schäden sehr sehr selten und wie oben schon geschrieben passiert bei leichteren Stößen garnichts.

Ich hoffe, dass ich mit meinem kurzen Bericht etwas Licht ins Dunkel bringen konnte :-)
(auch wenn das nicht zu dem Thread-Thema passt)

Viele Grüße
Roy

Ekkehard
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Re: Max Strohmer, Schnäppchen bei Siccas

Beitragvon Ekkehard » Mi 12. Sep 2018, 06:18

Hallo Roy,
das finde ich mal eine gelungene, handfeste Information. Sehr plausibel! Danke für deine Mühe. Ekkehard

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Bernd C Hoffmann
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Re: Max Strohmer, Schnäppchen bei Siccas

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mi 12. Sep 2018, 09:08

Hallo Roy,

ich schließe mich dem Ekkehard an. Sei herzlich bedankt!

Das Beispiel zeigt, welch eine interessante (und seltene) Wendung durch einen völlig nebensächlichen Aspekt ein Thema erfahren kann. Roy´s Beitrag macht einen Punkt transparent, der mir schon immer nicht richtig klar war. Das Thema zeigt auch, dass es anderen Mitgliedern ähnlich geht. Wegen Roy´s transparenten Beitrag aus seiner Arbeitspraxis erlaube ich mir, das Thema mit einem Hinweis in die Rubrik Besondere Abhandlungen zu verschieben.
Liebe Grüße
Bernd
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