Fritz Ober vs. Roy Fankhänel

Konzertgitarren, Gitarrenbauer & Themenverwandtes
Benutzeravatar
pianoguitar
Beiträge: 196
Registriert: Do 8. Nov 2012, 21:38

Re: Fritz Ober vs. Roy Fankhänel

Beitragvon pianoguitar » Do 11. Okt 2018, 13:50

Da gebe ich Dir wiederum recht. Aber das wäre das Thema für einen neuen Thread, das paßt nicht zu diesem. Wenn Du so einen Thread aufmachst sage ich gerne meine Meinung dazu.

Viele Grüße
Peter
________________________________________________________________________________________________________________________
"Alles was Du sagst sollte wahr sein, aber nicht alles was wahr ist, solltest Du auch sagen." Voltaire

Ekkehard
Beiträge: 203
Registriert: So 21. Apr 2013, 19:36

Re: Fritz Ober vs. Roy Fankhänel

Beitragvon Ekkehard » Fr 12. Okt 2018, 09:59

Ich zitiere mal aus einem anderen Thread und wundere mich über das Interesse Grenners an solch hochwertigen Gitarren.


grenner hat geschrieben:
Ekkehard hat geschrieben: Ein wirklich romantisch "spanisch" klingendes Meisterinstrument zum Studentenpreis.


Also ich weiß ja nicht wo Du studiert hast (vielleicht Harvard?), aber 2500 € -2800 € als Studentenpreis zu bezeichnen ist schon heftig.
Und das für einen Chinaböller. Um den Preis bekommst Du auch hierzulande schon excellente handgefertigte Gitarren.


Excellente Gitarren zu dem Preis bestimmt aber nicht von den hier genannten. Und wenn das Geld fehlt - ruhig mal einen "Chinaböller" probieren. ;)

Benutzeravatar
Michael730
Beiträge: 16
Registriert: Fr 29. Sep 2017, 07:16

Re: Fritz Ober vs. Roy Fankhänel

Beitragvon Michael730 » Fr 12. Okt 2018, 10:16

Lieber grenner,

in meiner Warhnehmung gibt es grunsätzlich zwei verschiedene Preisschienen. Die der Gitarrenbauer selbst und die der Händler. Wenn Du eine Erklärung für Preisunterschiede verstehen möchtest, dann benötigst Du zwei unterschiedliche Argumentationslinien, eine für die Händlerpreise und eine für die Gitarrenbauerpreise.

Ein Gitarrenbauer kann einen "Mindestpreis" rein aus ökonomisch/unternehmerischen Gesichtspunkten her ableiten. Kosten für Räumlichkeiten, Material und Lagerzeiten, Versicherungen, Lebensunterhalt, Rücklagen für schlechtere Zeiten, Rücklagen für den Ruhestand, Rücklagen für anfallende Investitionen, Kosten für Kredite. Manche der Rücklagen kann ich jetzt knapp oder mit einem gewissen Polster versehen; so erhalte ich also eine ganze Preisspanne. Der Unternehmer benötigt Aufträge bzw. einen regelmäßigen in-flow von Aufträgen, die ebenfalls Preisgetrieben sind. Ich denke, es gibt grunsätzlich eine Erwartung bei Kunden in welcher Preisspanne der Instrumentenpreis liegt. Hier kann sich der Gitarrenbauer platzieren gemäß seiner eigenen Kalkulation und nun versuchen so zu steuern, dass der in-flow an Aufträgen gesichert ist. Preissteigerungen kann ich als Gitarrenbauer gut riskieren, wenn ich eine lange Warteliste habe. So kann sich ein Gitarrenbauer mit der Zeit seiner Unternehmerischen Tätigkeit, wenn es gut läuft, mit der Zeit besser stellen. Es gibt Gitarrenbauer, die sich deutlich über dieser Preiserwartung platzieren. Hier brauchst Du ein selling point. Das Instrument kann ein Timbre haben, dass wesentlich mehr Leute mögen, als das Timbre anderer Instrumente. Das kann die Reputation sein, oder auch, dass es einen berühmten Gitarristen gibt, der das Instrument spielt. Aus Sicht der Gitarrenbauers sind konzertierende Profimusiker sehr gute Multiplikatoren. Wenn ein Gitarrenbauer, aus welchen Gründen auch immer, Gitarren in dieser Gruppe platzieren kann (sei es dadurch, dass er sie dem Musiker schenkt), dann steigt der Marktwert sehr deutlich.

Aber konkret, was ich bei Gitarrenbauern schon gesehen habe als Kostenfaktoren: Erstens, Holz. Gitarrenbauer bieten Instrumente in verschiedenen Preiskategorien an, die an die Lagerzeiten der Hölzer gebunden sind. Soweit ich weiß lagert Holz etwa 10 Jahre mindestens, bevor es Bereit ist für die Verarbeitung als Instrument. Das Holz kann man aber auch 20 oder 30 Jahre lagern. Das hat deutliche Auswirkungen auf den Klang des Instrumentes. Das machen manche Gitarrenbauer und geben dies in Form eines kernigen Preisaufschlages an den Kunden weiter (was aus meiner Sicht auch vollkommen ok ist). Zweitens, sonstige Bauelemente. Wer da extrem transparent ist, ist Thomas Ochs. Auf seiner Seite findest Du den Grundpreis sowie eine extra Liste mit Optionen und den Preisaufschlag dafür. Der Grundpreis liegt bei 5900 Euro. Wenn Du dann aber sagst: Ne Schellack-Decke soll's schon sein. Nitro für Zargen und Boden etc., sehr gute Mechanik etc., dann landest Du schnell bei 8000 Euro. Und manche haben ihre speziellen Innovationen am Start. Sebastian Stenzel formt den Hals besonders und hat eine genauere/bessere Positionierung der Bünde entwickelt, die wohl zu einer deutlich besseren Intonation des Instrumentes führt. Manche Gitarrenbauer nehmen viel Aufwand in
Kauf um in Sachen Holzkunde besonders gut zu sein.

Händler sind in einer ganz anderen Position: Ein Händler profitiert davon, dass ich das Instrument bei ihm anspielen kann und daher ganz genau weiß, was ich bekomme und dann das Instrument sofort mitnehmen kann. Siccas haben momentan eine Michel Brück im Angebot. Die kann ich da anspielen und sofort mitnehmen. Entscheide ich mich dann stattdessen, direkt bei Herrn Brück zu bestellen, dann warte ich etwa 10 Jahre auf das Instrument. Der Händler weiß jetzt: Die Instrumente sind gefragt und ich bin eine der extrem vereinzelten Stellen auf der Welt, die auf absehbare Zeit so ein Instrument im Angebot hat. Ich kann also für das jetzt und heute einen deutlichen Preisaufschlag nehmen. Dammans gehen manchmal für mehrere(!) 10-tausend Euros über den Tisch. Ich habe bei ihm nie nachgefragt, aber glaube ich nicht, dass er selbst diese Preise nimmt. Ich habe mehrfach bei Händlern und Gitarrenbauern angefragt, bei solchen mit einer kurzen Warteliste. Preisunterschiede von 20%-30% zwischen Händler und Gitarrenbauer waren da keine Seltenheit.

Um zu Ober vs. Fankhänel zu schauen: In der Top-Liga sind eigentlich alle Gitarrenbauer ausgezeichnet. Kein Gitarrenbauer kann es sich leisten schlechte Qualität zu produzieren und dann 10000 Euro zu verlangen. Ober ist hervorragend, Fankhänel ist hervorragend. Ob jetzt eine Ober besser ist oder man mehr Gitarre für das Geld kriegt? Ich würde Bernd hier zustimmen, dass in dieser Liga diese Frage keinen Sinn ergibt. Diese Frage ist sinnvoll im Regime eines Massenmarktes mit hoher Variationsbreite seitens Qualität und zielt dann auf die Optimierung des Quotienten Qualität pro Euro an. In der Top-Liga gibt es keinen Massenmarkt. Das ist Segen und Fluch zugleich. Die typische Kopplung von Preisbildung und Produkteigenschaften findet hier nicht so statt wie im Massenmarkt (wir sind nur leider an diesen gewohnt und sind daher gewohnt dieses Denkmuster anzuwenden). Der Fluch als Kunde ist: Die übliche Optimierung von Preis findet für Dich jetzt nicht statt. Der Segen: Gitarrenbauer sind nicht gewinnoptimierte Unternehmen, in deren Optimierungprozess immer ein Kompromiss zwischen Kosten und Qualität begangen wird. Insofern wäre meine Antwort. Nein, Du kriegst bei Ober nicht mehr Gitarre für's Geld. Es gibt klanglich eine Kaskade an Kriterien, die Du abklopfen kannst. Wenn Dich ein Instrument hier überzeugt, dann ist es seinen Preis wert.

chrisb
Beiträge: 39
Registriert: Do 27. Jul 2017, 08:06

Re: Fritz Ober vs. Roy Fankhänel

Beitragvon chrisb » Fr 12. Okt 2018, 13:19

sehr schöne beiträge von bernd, peter und michael!
danke.
chrisb

"halte dir jeden tag 30 min frei für deine sorgen und ängste - und in dieser zeit mach ein nickerchen"
oder baue gitarren!


Zurück zu „Instrumente“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder