Artesano Sonata Ebano Verde

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Susaphon66
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Artesano Sonata Ebano Verde

Beitragvon Susaphon66 » Sa 23. Nov 2019, 13:07

Guten Morgen, :)
als Anfängerin habe ich mir, nachdem ich die ersten Schritte des Notenlernens und Griffbrett-Kennenlernens auf einer 20jahre alten 250-DM-Gitarre von Ibañez getan habe, nun meine erste "gute" Gitarre gekauft (s. Überschrift). Nicht im Internet, sondern hier (Bonn) beim örtlichen Gitarrenhändler. Da ich diese Gitarre z. B. bei Thomann oder ähnlichen Läden nicht entdeckt habe bzw. auch keine Bewertungen darüber finde, möchte ich Euch einmal fragen, ob Ihr das Instrument kennt oder etwas davon gehört habt, und wenn ja, wie Eure Meinung dazu ist. Ich wünsche Euch einen schönen sonnigen Samstag!
Liebe Grüße,
Susanne


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Bernd C Hoffmann
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Re: Artesano Sonata Ebano Verde

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 23. Nov 2019, 13:17

Eine Gitarre beurteilt man immer nach einem persönlichen Test. Insbesondere ist es schwierig etwas über ein Instrument zu sagen, das von Seiten des Herstellers über einen absoluten Exotenstatus verfügt, weil dieser keine Verbreitung hat. Insbesondere zu Thomann ist zu sagen, dass kein Konzertgitarrist dort seine Gitarren kauft. Thomann hat durch seine Preispolitik höchst negativen Einfluss mit weit reichenden Folgen auf den stationären Handel genommen. Auch der unter Gitarristen weltbeste Notenversender Trekel (der auch Gitarren anbietet) ist dem zum Opfer gefallen. Ich kaufe dort nur Studiozubehör, allerdings auch nicht mehr nur dort. Für alles andere bringe ich mein Geld woanders hin.

Zu Deiner Gitarre ist zu sagen, dass sie im Vergleich mit anderen unter allen wesentlichen Aspekten Deine Sympathie gefunden haben muss. Ist dem so, dann ist sie für Dich passend. Aber das können wir nicht für Dich entscheiden ;-)
Liebe Grüße
Bernd
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rwe
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Re: Artesano Sonata Ebano Verde

Beitragvon rwe » Sa 23. Nov 2019, 14:08

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:weil dieser keine Verbreitung hat
Artesano hat in D eine ziemliche große (Fach-) Händlerzahl. Ich weiß nicht, ob Orozco noch hinter der Marke steht (so war es früher), ich vermute nicht. Großhändler in D ist Musik-Meyer, der im Fachhandel eine ziemlich starke Position hatte und hat. Entsprechend wurden und werden die Instrumente auch seit Jahren häufig im "mittelgroßen" Fachhandel angeboten (ein Hinweis findet sich u.a. hier: https://www.musikmedia.de/mstore.php?SKU=GIT0033071-000) Allerdings bedienen die Instrumente das Segment Schüler- oder allenfalls Studierendengitarren bzw. Amateurensembles. Das konkrete Modell kenne ich nicht, in meinem Umfeld hat jemand vor wenigen Jahren eine Artesano (Maestro?) gekauft und spielt sie selbst auch in Konzerten und ist damit offenbar gut zufrieden.

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Auch der unter Gitarristen weltbeste Notenversender Trekel (der auch Gitarren anbietet) ist dem zum Opfer gefallen.
Die Einschätzung hinsichtlich der gesamten Preispolitik kann ich teilen, allerdings hatte Trekel selbst auch fast nur Gitarren <1k€, maximal knapp darüber, im Angebot, also eigentlich nichts für den praktizierenden Konzertgitarristen selbst. (Bei Mandolinen war es anders.) Die Artesano Sonate liegt mit - gerade recherchierten - ca. 900€ in einer Preisregion, in der auch so ziemlich das Ende der preislichen Fahnenstange bei Trekel erreicht war.

Tatsächlich hilft da nur das Ausprobieren. Wenn sie gefällt - prima.

Susaphon66
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Re: Artesano Sonata Ebano Verde

Beitragvon Susaphon66 » Sa 23. Nov 2019, 14:16

Hallo Bernd,
Ich habe noch nicht herausgefunden, wie man zitiert...
Ja: Meine Sympathie hatte sie sofort, obwohl sie mir rein optisch gar nicht so sehr gefiel. Aber nachdem ich 10 Minuten mit meinem mageren Repertoire darauf geübt hatte, stand für mich fest: Das ist sie!! :)
Und als ich dann erfuhr, dass sie eigentlich 1.100,-- € gekostet hätte, aber auf 489,--€ heruntergesetzt war, gab es für mich kein Halten mehr.
Außer einer winzigen Unebenheit am Binding und des Fehlens des Holzkoffers gab es lt. Händler keinen Grund dafür.
Es wäre dennoch schön, falls irgend jemand im Forum diese Gitarre kennt, eine Meinung dazu zu hören.
Hallo @rwe, Danke für Deine Antwort! :)
Liebe Grüße,
Susanne


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Re: Artesano Sonata Ebano Verde

Beitragvon rwe » Sa 23. Nov 2019, 15:04

Susaphon66 hat geschrieben:Es wäre dennoch schön, falls irgend jemand im Forum diese Gitarre kennt, eine Meinung dazu zu hören.
Bei insgesamt nur 50 gebauten Instrumenten (https://www.artesanoguitars.com/de/sona ... -2016.html) könnte es schwierig werden, es sei denn, jemand hat genau DEIN Instrument mal im laden gespielt gehabt. Der Preis ist sehr ok. - Wie gesagt, die Ebano verde kenne ich nicht, die Artesano in meinem Umfeld klingt ordentlich. Könnte auch am Spieler liegen, der hätte sich aber mit Sicherheit kein schlechtes Instrument gekauft.

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Bernd C Hoffmann
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Re: Artesano Sonata Ebano Verde

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 23. Nov 2019, 16:03

@ Susanne
Zitieren kannst Du durch Klick auf das Symbol " mit den Anführungszeichen oben, d. h. rechts über jeden Beitrag.

Wenn die Gitarre angeblich wegen eines kleinen Fehlers und dem fehlenden Koffer um über 50 % herab gesetzt wird, dann ist meiner Ansicht nach daran irgendwas oberfaul. Der Koffer wird beim Vertrieb als Deluxe-Koffer angepriesen, ist aber tatsächlich eine Normalausstattung. Möglicherweise hat er einen verstärkten Deckel, die Information fehlt. Einen Luxuskoffer erkennt man als erstes am Griff. Der angebliche Luxuskoffer hat den billigsten Plastikgriff, den jeder Standardkoffer im untersten Preisniveau hat. Ein absolut vernünftiger Koffer ist der GeWa Prestige mit bequemen Ledergriff, den man überall um 100 € bekommt. Das heißt, ohne Koffer (und Händlergewinnspanne) läge der Preis bei 1.000 €. Jetzt frage Dich mal, wie eine kleine Macke so einen riesigen Preisnachlass bewirken kann! Ich sage, da steckt etwas anderes hinter. Bei so einem Preisnachlass gehen mir die Alarmglocken hoch, ich hätte sie nicht gekauft. Daneben fällt mir auf, dass die Gitarre zwar schön "einseifend" beschrieben ist, wobei man lediglich die massive Decke hervorgehoben hat. Aber das Boden- und Zargenholz besteht offenbar aus Sperrholz, denn wenn es Massivholz wäre, dann stünde es dabei ;) Ergo: Für knapp 500 € ist die Gitarre mindestens ok (sofern alles andere in Ordnung ist). Aber 1.000 € gebe ich für eine teilmassive Gitarre niemals aus.

Liebe Susanne, ich habe den Eindruck, dass Dir in Deinem Wissen über Gitarren ein wesentliches Detail fehlt. Vollmassive Gitarren haben gegenüber teilmassiven einen besonderen Unterschied in der Offenheit der Tonentfaltung, der immer gleich ist. In diesem Punkt reagieren vollmassive Gitarren immer besser. Ich weiß nicht, wie man das mit Worten beschreiben kann.
:
Praxisbeispiel
Die typische Anfängergitarre hat einen gesperrten Mahagoniekorpus (das Deckenholz, Fichte oder Zeder, spielt keine Rolle). Die preisgünstigste Gitarre bei Hanika liegt bei ca. 800 € (oder knapp darunter). Sie ist aber vollmassiv. Der Grund für den Preis liegt aber nicht in dieser Eigenschaft sondern in der Holzqualität, weil sie viel länger abgelagert ist als bspw. eine 300 € Gitarre. Auch der Produktionsprozess spielt hier wegen der Qualitätskontrolle preislich rein. Das ist ein besonderer Grund dafür, dass die Streubreite bei Hanika viel geringer ist als bei den großen Industriemanufakturen oder OEM-Herstellern. Unabhängig von der höherwertigen Tonsubstanz (aufgrund der Lagerzeit) hat sie zusätzlich diese besondere Eigenschaft. Du kannst sie mit jeder anderen Gitarre vergleichen, die die selben Hölzer hat. Wegen dieses einen spezifischen Merkmales wird sie immer besser abschneiden als andere, solange die anderen teilmassiv sind.

Wenn Du sonst keine Mängel an der Gitarre findest, dann freue Dich an ihr! Es gibt verschiedene Gründe, warum Händler besonders hohe Preisnachlässe gewähren. Einer ist z. B., dass man diesen Hersteller aus dem Sortiment nehmen will. Das wurde bspw. Alhambra in den 80er Jahren zum Verhängnis, ebenso Raimundo, der seit ein paar Jahren in späterer Generation wieder wieder im Markt ist. Ihm hängt das Image von damals immer noch an, weshalb er den neuen Markeintritt zunächst in Kooperation mit einem renommierten Hersteller vollzogen hat.

@ rwe
Artesano Gitarren haben aus meiner Sicht ihre Verbreitung hauptsächlich in den Läden. Ich hatte mehrere angetestet. Mir war dabei klar, dass man bei vielen anderen Herstellern mehr Gitarre fürs Geld bekommen hat. Vielleicht hat sich das zwischenzeitlich geändert. Hier im Radius von ca. 100 km spielen sie bei den Händlern kaum eine Rolle. Die Geschäfte werden hauptsächlich mit Marken wie Duke und La Mancha gemacht, daneben Höfner, Hanika, Yamaha und Hopf-Abkömmlinge.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Artesano Sonata Ebano Verde

Beitragvon rwe » Sa 23. Nov 2019, 16:34

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Wenn die Gitarre angeblich wegen eines kleinen Fehlers und dem fehlenden Koffer um über 50 % herab gesetzt wird, dann ist meiner Ansicht nach daran irgendwas oberfaul.<...> Jetzt frage Dich mal, wie eine kleine Macke so einen riesigen Preisnachlass bewirken kann! Ich sage, da steckt etwas anderes hinter.
Die Ebano Verde ist das 2016er-"Limimted"-Modell... Ob sie auf Grund der Qualität ein Ladenhüter ist, wissen wir nicht, aber auf jeden Fall möchten die Kaufleute ganz gerne irgendwann mal das Kapitel umgeschlagen sehen...

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Artesano Gitarren haben aus meiner Sicht ihre Verbreitung hauptsächlich in den Läden. Ich hatte mehrere angetestet. Mir war dabei klar, dass man bei vielen anderen Herstellern mehr Gitarre fürs Geld bekommen hat. Vielleicht hat sich das zwischenzeitlich geändert.
Ich denke, dass diese Ltd-Instrumente zu guten Teilen "Show-Instrumente" sind, bei denen eher mit Optik als mit Substanz versucht wird, die Preise zu legitimieren. Wie gesagt, die in meinem Umfeld ist ok und das Geld allemal wert, über Susannes Instrument kann ich keine Aussagen treffen.

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Re: Artesano Sonata Ebano Verde

Beitragvon Susaphon66 » So 24. Nov 2019, 13:14

Bernd und rwe, ich danke Euch sehr für die ausführlichen Antworten. Das hat mir schon weitergeholfen. 1.000,--€ hätte ich definitiv auch nicht ausgegeben, für den Preis muss es NATÜRLICH eine vollmassive Gitarre sein. Vielleicht ist DAS ja auch mit ein Grund, dass das gute Stück so stark reduziert wurde, weil "echte Kenner" das mehrfach beanstandet haben? Jedenfalls freue ich mich jetzt einfach über meine neue Gitarre und wünsche noch einen schönen Restsonntag! :)
Liebe Grüße,
Susanne


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Re: Artesano Sonata Ebano Verde

Beitragvon rwe » So 24. Nov 2019, 19:18

Susaphon66 hat geschrieben:1.000,--€ hätte ich definitiv auch nicht ausgegeben, für den Preis muss es NATÜRLICH eine vollmassive Gitarre sein. Vielleicht ist DAS ja auch mit ein Grund, dass das gute Stück so stark reduziert wurde, weil "echte Kenner" das mehrfach beanstandet haben?
"Vollmassiv" ist überbewertet. Viele "richtig teure" Gitarren sind im technischen Sinn ja auch nicht "vollmassiv" - weder gedoppelte Zargen noch gedoppelte Böden, geschweige denn Doubletops sind technisch "vollmassiv" - da kommen durch das Laminieren noch zusätzliche, aufwändige Arbeitsschritte hinzu, die man wirklich können muss. (Wir reden bei diesen Gitarren aber auch nicht von günstigem Sperrholz mit "Sichtfurnier".) Auch die alten K.Yairis sind nicht "vollmassiv".

Aber richtig, heute sind vollmassive Gitarren so günstig erhältlich, dass dies für Kunden ein Qualitätsmerkmal per se ist. Die "Prospektlage" hat das Hören als Kaufargument häufig verdrängt.

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Bernd C Hoffmann
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Re: Artesano Sonata Ebano Verde

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 24. Nov 2019, 19:54

Hinsichtlich gedoppelter Böden, Zargen und Doubletops sollte man erwähnen, dass diese Lagen nicht gesperrt verleimt werden, wie es bei billigen Gitarren i. d. R. der Fall ist. Das sind alternative Konstruktionsarten, bei denen es darum geht, um mehr Klang aus der Gitarre herauszuholen. Gedoppelte Zargen, die zudem zusätzlich versteift sind, sollen als Beispiel die Tragfähigkeit erhöhen. Aus meiner Sicht stellt sich das tatsächlich so dar. Aber da bewegen wir uns in preislichen Regionen, die für einen Hobbygitarristen far out of range liegen.
Liebe Grüße
Bernd
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