Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

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Andique
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Re: Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

Beitragvon Andique » Do 13. Feb 2020, 15:50

Hallo Chris,
nein, ich habe nur noch Eine, diese hier: viewtopic.php?f=50&t=4691#p20491
Diese ist in tadellosem Zustand, wurde wohl nicht so oft gespielt und gut gepflegt.
Die rambonierte Hopf "Gran Concierto" habe ich einem Freund verkauft, der sie dazu nutzt diese bei seiner Mutter unter zu stellen, damit er beim Besuch keine Gitarre mitnehmen muss und trotzdem seiner Mutter vorspielen kann oder üben kann 8-) .
Wenn ich die Beschädigte noch hätte, würde ich zuerst den Nitrolack auf der Zarge erneuern lassen, da dort keine Saugnäpfe mehr halten. Aufgrund meiner Gitarrenhaltung, die du glaube ich kennst, muss ich zwei Saugnäpfe auf die Zarge anbringen (Einen oben und Einen an die untere Zarge). Das wäre das Wichtigste. Mein Freund benutzt eine Fussbank, daher ist es bei ihm nicht notwendig.
Die Decke nur aus optischen Gründen zu tauschen wäre natürlich auch eine Frage der Finanzen. Wahrscheinlich würde ich es irgendwann machen lassen, wenn die Hopf noch in meinem Besitz wäre oder ich würde sie als Instrument für Strassenmusik nutzen.
Die Frage stellt sich mir nicht mehr.

Übrigens steht in meinem Instrumentenpass nicht "Gran Concierto" sondern auch "Solisten-Gitarre". Aber 1971 war die Gran Concierto das Topmodell von Hopf.
liebe Grüsse, Andreas

Nur weil du nicht paranoid bist, heisst das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.

himmelblau
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Re: Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

Beitragvon himmelblau » Di 18. Feb 2020, 16:09

Nur der Vollständigkeit halber: Bekam eine Antwort vom Hanika-Support bzgl. der Bass-Frage für die 50PC - welche im Wesentlichen eure Hinweise bestätigt:

"Leider lässt sich nachträglich der Klangcharakter einer Gitarre nicht mehr verändern. Was man ändern kann ist die Saitenlage. Bei klassischem Spiel benötigt man eher eine höhere Saitenlage. Beim Spiel modernerer Stile, oder auch jazzigerer Stile ist eine etwas flachere Saitenlage vorteilhafter. Bei einer flacheren Saitenlage lässt aber auch die Dynamik etwas nach, da die Saiten nicht mehr so stark angeschlagen werden können, ohne ein Scheppern zu erzeugen.
Um die Klangfarbe der Gitarre zu beeinflussen, bleibt demnach nur mit verschiedenen Saitensätzen zu experimentieren."


Kleine Frage noch: Verstehe das so, dass man durch niedrigere Saitenlage bei den Bässen deren Dynamik etwas reduzieren könnte (natürlich nur bis zur Schepper-Grenze). Dann wäre ja ein partiell runtergefeilter Steg durchaus einen Versuch wert, oder?

rwe
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Re: Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

Beitragvon rwe » Di 18. Feb 2020, 18:49

himmelblau hat geschrieben:Verstehe das so, dass man durch niedrigere Saitenlage bei den Bässen deren Dynamik etwas reduzieren könnte (natürlich nur bis zur Schepper-Grenze). Dann wäre ja ein partiell runtergefeilter Steg durchaus einen Versuch wert, oder?
Nee, das bringt es nicht. Dynamik ist das Verhältnis von leise zu laut, nicht nur die maximale Lautstärke. (Hä? Ja, doch - es gibt Instrumente, die klingen leise gar nicht oder jedenfalls nicht vernünftig.) Wenn Du mit einer Gitarre mit niedriger Saitenlage laut in die Saiten haust, scheppert sie. Abhilfe: leiser spielen. Leiser spielen funktioniert aber auch bei hoher Saitenlage... Du musst also Dein Spiel anpassen. Ansonsten : Saiten ausprobieren, wie schon beschrieben. DAS kann tatsächlich viel bringen.

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Bernd C Hoffmann
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Re: Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Di 18. Feb 2020, 20:11

Ich bin mit meiner Meinung bei rwe. Die Verringerung der Saitenlage nur für die Basssaiten bringt nichts, weil man exakt hierfür die gesamte Anschlagsdynamik neu gestalten muss. Aber so schnell kann man mental nicht umswitchen. Zumindest stelle ich es mir bei Stücken ab lebhaftem Tempo enorm schwierig vor.
Liebe Grüße
Bernd
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grenner

Re: Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

Beitragvon grenner » Mi 19. Feb 2020, 07:09

himmelblau hat geschrieben:Nur der Vollständigkeit halber: Bekam eine Antwort vom Hanika-Support bzgl. der Bass-Frage für die 50PC - welche im Wesentlichen eure Hinweise bestätigt:

"Leider lässt sich nachträglich der Klangcharakter einer Gitarre nicht mehr verändern. Was man ändern kann ist die Saitenlage. Bei klassischem Spiel benötigt man eher eine höhere Saitenlage. Beim Spiel modernerer Stile, oder auch jazzigerer Stile ist eine etwas flachere Saitenlage vorteilhafter. Bei einer flacheren Saitenlage lässt aber auch die Dynamik etwas nach, da die Saiten nicht mehr so stark angeschlagen werden können, ohne ein Scheppern zu erzeugen.
Um die Klangfarbe der Gitarre zu beeinflussen, bleibt demnach nur mit verschiedenen Saitensätzen zu experimentieren."


Kleine Frage noch: Verstehe das so, dass man durch niedrigere Saitenlage bei den Bässen deren Dynamik etwas reduzieren könnte (natürlich nur bis zur Schepper-Grenze). Dann wäre ja ein partiell runtergefeilter Steg durchaus einen Versuch wert, oder?


Eine Stegeinlage (Knochen) kostet ca. 5 €. Ich würde es auf jeden Fall mal ausprobieren. Es ist definitiv so, dass sich was ändert, wenn Du die Höhe der Stegeinlage veränderst. Ob das Resultat dem entspricht was Du Dir erwartest siehst Du erst wenn Du es ausprobierst. Ich finde, es ist eine interessante Erfahrung damit zu experimentieren und Du kannst definitiv nichts kaputt machen. Wenn Dir das Ergebnis nicht gefällt nimmst Du einfach wieder die originale Stegeinlage, oder feilst an der nächsten.

Obacht wenn Du Stegeinlagen kaufst, immer die Dicke und Länge der originalen messen. Gibt es in vielen unterschiedlichen Maßen.

chrisb
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Re: Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

Beitragvon chrisb » Mi 19. Feb 2020, 08:56

himmelblau hat geschrieben:Nur der Vollständigkeit halber: Bekam eine Antwort vom Hanika-Support bzgl. der Bass-Frage für die 50PC - welche im Wesentlichen eure Hinweise bestätigt:

"Leider lässt sich nachträglich der Klangcharakter einer Gitarre nicht mehr verändern. Was man ändern kann ist die Saitenlage. Bei klassischem Spiel benötigt man eher eine höhere Saitenlage. Beim Spiel modernerer Stile, oder auch jazzigerer Stile ist eine etwas flachere Saitenlage vorteilhafter. Bei einer flacheren Saitenlage lässt aber auch die Dynamik etwas nach, da die Saiten nicht mehr so stark angeschlagen werden können, ohne ein Scheppern zu erzeugen.
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hm, das so kategorisch zu verneinen :roll:
hab die letzten tage hier geschmökert:
https://www.amazon.de/%C3%9Cber-die-Res ... 3000566740
herr streu ist da anderer ansicht.
chrisb

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Bernd C Hoffmann
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Re: Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mi 19. Feb 2020, 09:46

@ chrisb
Dir ist schon klar, dass Hanika nur für sich und seine Firmenziele sprechen kann? Ein Manufakturbetrieb hat überhaupt keine Zeit dafür, um sich damit zu befassen. Dafür ist die quantitative Auswahl in jeder Serie hoch genug. Außerdem geht es hier um eine Einsteigergitarre und nicht - mit Referenz auf Benno Streu - um eine Meistergitarre. Dass gewisse Gitarrenbauer diese besondere Fähigkeit haben, wurde längst schon gesagt.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

Beitragvon chrisb » Mi 19. Feb 2020, 10:55

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:@ chrisb
Dir ist schon klar, dass Hanika nur für sich und seine Firmenziele sprechen kann? Ein Manufakturbetrieb hat überhaupt keine Zeit dafür, um sich damit zu befassen. Dafür ist die quantitative Auswahl in jeder Serie hoch genug. Außerdem geht es hier um eine Einsteigergitarre und nicht - mit Referenz auf Benno Streu - um eine Meistergitarre. Dass gewisse Gitarrenbauer diese besondere Fähigkeit haben, wurde längst schon gesagt.


schon alles klar.
drum hab ich ja auch geschrieben " ... so kategorisch ..."
man hätte auch als firma schreiben können, dass man gitarren im nachhinein noch klanglich verändern kann, dies aber aus wirtschaftlichen gründen nicht im portfolio hat ........
aber sie sagen eine klangliche veränderung geht generell nicht.
chrisb

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Anonymus_140

Re: Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

Beitragvon Anonymus_140 » Mi 19. Feb 2020, 11:01

nochmal:
ich bezweifele, dass GEZIELTE klangliche Verbesserung durch bauliche Eingriffe funktioniert, denn sonst hätten wir nur - in der jeweiligen Kategorie - Spitzeninstrumente. Herr Streu wird im Übrigen unter Gitarrenbauern seeeehr differenziert gesehen.
Jörg Wagner

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Re: Gitarre klanglich im Nachhinein korrigierbar?

Beitragvon Andique » Mi 19. Feb 2020, 12:26

Ich würde als erstes mit verschiedenen Saitenhersteller und/oder verschiedenen (Bass-)Saitenstärken experimentieren; Low Tension, super Low Tension, High Tension und beobachten, wie sich die Dynamik der Basssaiten verändert. Saiten braucht man sowieso, daher hat man keinen finanziellen Schaden. Das Einzige, was evtl. störend ist ist der lange Zeitraum der Experimentierphase.
Eine Idee hätte ich noch, aber auf eigene Gefahr: du könntest Wäscheklammern am Rand des Schallloches befestigen, evtl. damit eine Holzleiste auf die Decke klemmen und beobachten, ob sich da etwas verbessert.
Ist nur eine spontane Idee und auf eigene Gefahr.

@Chris (und alle die es interessiert):
Zur Zeit wird auf Ebay-KA eine offenbar sehr gut erhaltene Hopf "Gran Concierto" aus dem Jahr 1971 angeboten:
https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anz ... 64-74-5123
Das ist dann die dritte aus dem Jahr 1971, die mir bekannt ist. Wie hoch damals wohl der Output war?
Der Preis ist realistisch, die Gran Concierto ist ja der Ramirez 1a nachempfunden und die sind wesentlich teurer.
liebe Grüsse, Andreas

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