Der Nullbund

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bassklampfe
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Der Nullbund

Beitragvon bassklampfe » Do 13. Jan 2022, 17:49

Hallo zusammen,

ausgehend von @gitarrenjans neuer Sander-Gitarre, ist mir der Nullbund wieder etwas in den Fokus gerückt. Der Vorteil eines Nullbundes ist ja einerseits, dass die leer angeschlagene Saite eher wie eine gegriffene klingt oder klingen soll. Der andere Vortiel ist, dass die Saitenlage am ersten Bund tatsächlich optimal niedrig sein kann.

Dazu eine Frage: muss der Nullbund exakt die selbe Höhe wie der erste Bund haben, oder sollte er etwas höher sein?
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Gruß
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Klampfenkarl
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Re: Der Nullbund

Beitragvon Klampfenkarl » Fr 14. Jan 2022, 01:28

Theoretisch sollte der Nullbund mit den folgenden Bünden fluchten. Bei meiner Max Klein ist er aber ein paar zehntel Millimeter höher.

chrisb
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Re: Der Nullbund

Beitragvon chrisb » Fr 14. Jan 2022, 12:46

hallo,

ich hatte mir bei meinem eigenbau nr.3 mal die mühe gemacht verschiedene sättel zu vergleichen:
- nullbund
- ebenholz
- knochen

Bild

das war damals mein ergebnis:
"mein favorit ist aus gitarrenbautechnischen gründen der nullbund. für mich momentan am präzisesten zu bauen.
klanglich sind die unterschiede für mich geringfügig. hier bevorzuge ich der reihe nach nullbund, knochen, ebenholz.
der nullbund hat für meine ohren eine leicht größere "strahlkraft".
chrisb

Gitarrenjan
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Re: Der Nullbund

Beitragvon Gitarrenjan » Fr 14. Jan 2022, 12:52

Hallo,
ich hatte gerade die Gelegenheit mit dem Gitarrenbauer Anton Sandner zu sprechen.
Er fertigt Gitarren nach den Vorgaben der Kunden. Man kann bei ihm am Halsende einen Sattel oder einen 0-Bund haben.
Den 0-Bund fertigt er nach Wunsch in gleicher Höhe mit den anderen Bünden oder leicht erhöht.
Der eine möchte es so, der andere so!

Sehe ich das richtig, dass nach dem 0-Bund in geringem Abstand noch ein kleiner Sattel eingebaut wird, damit die Saiten seitlich geführt werden.

Liebe Grüße Christian

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Re: Der Nullbund

Beitragvon bassklampfe » Fr 14. Jan 2022, 18:09

Gitarrenjan hat geschrieben:Sehe ich das richtig, dass nach dem 0-Bund in geringem Abstand noch ein kleiner Sattel eingebaut wird, damit die Saiten seitlich geführt werden.

Ja, du brauchst eine Saitenführung.
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bassklampfe
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Re: Der Nullbund

Beitragvon bassklampfe » Fr 14. Jan 2022, 18:14

chrisb hat geschrieben:das war damals mein ergebnis:
"mein favorit ist aus gitarrenbautechnischen gründen der nullbund. für mich momentan am präzisesten zu bauen.
klanglich sind die unterschiede für mich geringfügig. hier bevorzuge ich der reihe nach nullbund, knochen, ebenholz.
der nullbund hat für meine ohren eine leicht größere "strahlkraft".

Tolle Aktion, das finde ich echt klasse.

Man fragt sich, warum der Nullbund nicht häufiger verbaut wird? Die Spielbarkeit, gerade in den ersten Lagen, wird doch deutlich verbessert, da meiner Erfahrung nach die meisten Sättel zu hoch sind. Das Problem dabei ist, dass ein Nacharbeiten gerne mal über das rechte Maß hinaus geht und dann liegt die Saite zu tief und rappelt. Und da ich keine Sattelfeilen habe, kann ich auch nicht "mal eben" einen neuen schnitzen.
______________
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Gitarrenjan
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Re: Der Nullbund

Beitragvon Gitarrenjan » Fr 14. Jan 2022, 19:41

Hallo,
auch ich finde den hier durchgeführten, praktischen Versuch sehr lobenswert! Er bestätigt meine Überlegungen.

Ich habe mir ja meine neue Anton Sandner mit Nullbund bestellt und mir gewünscht, dass er gleichhoch mit den anderen Bünden ist. Das halte ich für die vernünftigere Lösung. Der leicht erhöhte Nullbund hat in meinen Augen keinen Sinn und nur Nachteile.

Bin sehr gespannt auf die neue Gitarre. Es sind noch andere Besonderheiten an ihr. Dazu mehr, wenn ich sie nach Erhalt in ca. 6 Wochen vorstelle.

Liebe Grüße Christian

Gitarrenjan
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Re: Der Nullbund

Beitragvon Gitarrenjan » Sa 15. Jan 2022, 11:45

Jetzt bin ich (nach längerem Nachdenken - in der Nacht) etwas unsicher geworden.

Ich glaube, dass ein erhöhter Nullbund keinen Unterschied zwischen aktivem Bund und Steg macht.

Aber wie sieht es zwischen aktivem Bund und Nullbund aus? Darf die Saite dort auf den Bünden dazwischen aufliegen? Wenn nicht, dann hätte eine Erhöhung des Nullbundes doch einen Sinn.

Noch ein Randproblem: Würdet ihr an einer neu zu fertigenden Gitarre (Mensur 650 mm; Halsbreite 52 mm) das Griffbrett etwas abrunden lassen? Das müsste ja auch bei einem Nullbund möglich sein.

Liebe Grüße Christian

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Re: Der Nullbund

Beitragvon Die Heike » Sa 15. Jan 2022, 18:39

bassklampfe hat geschrieben:
Man fragt sich, warum der Nullbund nicht häufiger verbaut wird? Die Spielbarkeit, gerade in den ersten Lagen, wird doch deutlich verbessert, da meiner Erfahrung nach die meisten Sättel zu hoch sind. Das Problem dabei ist, dass ein Nacharbeiten gerne mal über das rechte Maß hinaus geht und dann liegt die Saite zu tief und rappelt. Und da ich keine Sattelfeilen habe, kann ich auch nicht "mal eben" einen neuen schnitzen.


Die Einschränkung beim Nullbund ist halt, dass er (sofern er fix eingebaut ist) unveränderlich ist. Einen Sattel kann man höher oder tiefer legen und vor und zurücksetzten (sogar für einzelne Saiten).

Ich habe heute ein bisschen mit dem Sattel an der Gitarre experimentiert und ihn mal ganz runter gelegt (auf Nullhöhe, vorher war er ein paar Zehntel mm höher). Auf Nullhöhe hat dann die A Saite gerappelt. Anscheinend war diese Kerbe etwas tiefer gesägt, konnte ich mit unterlegen eines Stückchen Papiers wieder wegbringen. Da hat dann der Nullbund sicher Vorteile, weil alle Saiten gleich hoch sind und es nicht von der Exaktheit der Kerben abhängt. Interessanterweise war aber das Spielgefühl nicht gut. Es hat sich irgendwie labbrig angefühlt. Auch hatte ich das Gefühl, dass die Saiten insgesamt etwas muffiger klingen (auch bei gegriffenen Bünden). Ich werde morgen den Sattel wieder höher legen. Mal sehen, ob das Einbildung ist.

Klampfenkarl
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Re: Der Nullbund

Beitragvon Klampfenkarl » Sa 15. Jan 2022, 22:47

Gitarrenjan hat geschrieben:Würdet ihr an einer neu zu fertigenden Gitarre (Mensur 650 mm; Halsbreite 52 mm) das Griffbrett etwas abrunden lassen?

Das ist eine Frage der persönlichen Vorlieben. Ein Freund von mir hatte sich von Hanika eine neue Gitarre mit abgerundetem Griffbrett bauen lassen, dann aber festgestellt, dass er mit dem regelmäßigen Wechsel zwischen geradem und gerundetem Griffbrett nicht zurechtkam. Die eine Gitarre hatte er zu Hause und die andere im Büro. Mit der an das gerundete Griffbrett angepassten Saitenlage hat er sich ständig verheddert und letztendlich das gerundete Griffbrett wieder begradigen lassen.


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