Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

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RaBu
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Re: Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

Beitragvon RaBu » Do 20. Jun 2019, 11:57

t-moll2 hat geschrieben:...Mit Sandelholz interpretiere ich ein geringes Gewicht und hohe Resonanzfähigkeit, das kann gut klingen.

Da bin ich mir nicht sicher. Korpusholz soll eher nicht resonieren, sondern der durch die Deckenschwingungen angeregten Luft im Korpus möglichst stabilen Widerstand bieten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass dem guten Ton, der ja vor allem durchs Schallloch an unsere Ohren soll, durch "wabernde" Böden und Zargen zu viel Energie entzogen wird. Extrembeispiel sind die in bestimmten Bereichen durch immer vorhandene Resonanzfrequenzen absterbenden Töne (Dead Spots).

Meine Gedanken zu den String Plates, Beads usw.: wie der 12-Loch-Steg verbessern die sicher den Saitendruck auf die Stegeinlage. Die klanglichen Vorteile halte ich allenfalls für minimal. Sonst hätte es sich im Gitarrenbau womöglich umfassend durchgesetzt. Jedenfalls erleichtert es ein wenig die Verknüpfung der Saiten.

Gerissene Saiten habe ich in den letzten 20 Jahren vielleicht dreimal erlebt, immer ohne mein Zutun, quasi über Nacht. Und es waren immer umwickelte Basssaiten. Durchrutschende Diskantsaiten (mit den hässlichen Kerben) habe ich stets durch gewissenhafte Knüpftechnik vermeiden können, muss also prinzipiell gar nicht sein.

Na, und ausleiernde/ausfransende Stegbohrungen sind ein Langzeitproblem, das ich mit spürbaren Auswirkungen an meinen Instrumenten in meiner Lebenszeit wohl nicht mehr zu erwarten habe. :roll: ;)
Gruß
von
Ralf

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Bernd C Hoffmann
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Re: Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Do 20. Jun 2019, 14:11

Bezüglich 12Lochsteg und String Beds etc:
Bei meiner damaligen Gitarrenserie Fernandeo Sánchez, wo ich eine sehr gute Einsteigergitarre anbot, hatte ich bei einigen einen Versuch gemacht. Sie waren ab Werk mit 12Lochsteg ausgestattet. Bei einigen Gitarren hatte ich die Stegfuge um 1 mm tiefer fräsen lassen. Das Ergebnis war direkt und sehr deutlich hörbar. Der Ton wurde kräftiger, während dem Ton ein besonderes Timbre mit etwas Perkussivität im Anschlag hinzugefügt wurde. Was mich in diesem Zusammenhang interessieren würde, ob jemand mit einer vorhandenen Gitarre die Stegfuge um 1 mm nach unten nachfräst und eine neue Stegeinlage mit derselben Saitenlage wie vorher erstellt und einen Vorher-/Nachher-Test aufnimmt. Dann hätte man einen Anhaltspunkt, um bspw. bestimmte Gitarren klanglich aufzuwerten. Möglicherweise war mein Versuch nur auf bestimmte Hölzer anwendbar.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

Beitragvon Yukon » Do 20. Jun 2019, 14:22

Bzgl der string ties hab ich hier ja jetzt mehr als genug info, das werde ich mir mal anschauen :mrgreen:
Oder, da ich selber in der Schreinerei tätig bin, einfach welche selber machen :?:

Und bzgl des schepperns/komischen Tons beim unsauberen greifen, das ist mittlerweile fast weg. Und wie gesagt absolut vom greifen abhängig. Denke das ist ok? Die Bünde scheinen sauber poliert!

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Andique
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Re: Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

Beitragvon Andique » Do 20. Jun 2019, 14:38

Wenn du Interesse hast, könnte ich dir gegen einen geringen Unkostenbeitrag ein Set (8 Stück) der String-Plates von Luca Waldner zuschicken. Kosten neu mittlerweile ca. 27€ mit Versand aus Italien. Wenn ja, bitte PN an mich.

Was den Preis betrifft, dann finde ich alle Modelle der Saitenhalter zu teuer. Aber die genannten Beschädigungen, die entstehen können, aber nicht zwangsläufig entstehen müssen, zu richten wird dann teuerer. Oder man hat einen Wertverlust der Gitarre.
liebe Grüsse, Andreas

Das Leben ist kein Problem, dass man lösen muss, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt.

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Re: Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

Beitragvon Andique » Fr 21. Jun 2019, 10:49

RaBu hat geschrieben:
Meine Gedanken zu den String Plates, Beads usw.: wie der 12-Loch-Steg verbessern die sicher den Saitendruck auf die Stegeinlage. Die klanglichen Vorteile halte ich allenfalls für minimal. Sonst hätte es sich im Gitarrenbau womöglich umfassend durchgesetzt. Jedenfalls erleichtert es ein wenig die Verknüpfung der Saiten.

Ich halte mich da an die Ausführungen von Herrn Gropius: viewtopic.php?f=70&t=311&start=20#p6853
Wie beschrieben ist nur der Kraftvektor mit dem Anfangspunkt auf dem Scheitelpunkt der Stegeinlage bis zum Endpunkt hinterer Ausgang des Lochkanals entscheidend. Und der ist bei allen Knüpfungsarten gleich. Der Vektor muss natürlich nicht genau diese Strecke haben, es geht nur um die Richtung.

Hätte es sich durchgesetzt würden vor allem die Saitenhersteller verstärkt Saiten mit "Ball-ends" anbieten. Was toll wäre. Wenn jemand traditionell knüpfen will, braucht er ja nur den Ball-end abzuschneiden.
RaBu hat geschrieben:
Na, und ausleiernde/ausfransende Stegbohrungen sind ein Langzeitproblem, das ich mit spürbaren Auswirkungen an meinen Instrumenten in meiner Lebenszeit wohl nicht mehr zu erwarten habe. :roll: ;)

Das kommt wohl auf die Qualität der Gitarre, bzw. auf die Qualität des Holzes der Brücke/Knüpfblocks an. Ich hatte schon Gitarren im low-price Sektor, da hat sich der Lochkanal sehr schnell ausgeweitet, zumal viele Gitarren lange im Geschäft unter voller Saitenspannung stehen.
liebe Grüsse, Andreas

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Re: Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

Beitragvon CG-Fan » Fr 21. Jun 2019, 13:32

Andique hat geschrieben:... Ich hatte schon Gitarren im low-price Sektor, da hat sich der Lochkanal sehr schnell ausgeweitet, zumal viele Gitarren lange im Geschäft unter voller Saitenspannung stehen.

Das kann auch bei teureren Gitarren passieren, wie nachfolgende Bilder einer Kohno Pro-J nach knapp 5 Jahren zeigen. Holz ist eben nicht immer gleich und nicht nur bei Kohno kann es schon mal vorkommen, dass das Stegholz weicher ist als normal.

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Was das OT Thema string plates/ties betrifft, so nutze ich die Diamond String Ties von Rosette, deutlich kleiner und unauffälliger als die String Ties bei dem großen T und größer und deutlich montagefreundlicher als die String Plates. MMn einfach eine saubere Sache, die den Steg schont, dabei insbesondere den Knüpfblock und in Extremfällen den Anstellwinkel zur Stegeinlage verbessern kann. Extremfälle bedeutet von einem erfahrenen Gitarrenbauer empirisch ermittelt, kleiner 8°! ;)

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Zu guterletzt auch von mir Glückwünsche zur neuen Höfner HLE-SAZ und viel Spaß mit deinen beiden Neuerwerbungen! String Plates/Tie hin oder her! ;) :D

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Bernd C Hoffmann
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Re: Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Fr 21. Jun 2019, 14:00

Andique hat geschrieben:Das kommt wohl auf die Qualität der Gitarre, bzw. auf die Qualität des Holzes der Brücke/Knüpfblocks an. Ich hatte schon Gitarren im low-price Sektor, da hat sich der Lochkanal sehr schnell ausgeweitet, zumal viele Gitarren lange im Geschäft unter voller Saitenspannung stehen.

*Ironie an* Dann nenne doch mal ein paar bekannte Qualitätskriterien explizit für Stege, die wir für eine Bewertung des konkreten Gitarrenkaufs heranziehen können. *Ironie aus* In der Praxis ist das fast unmöglich. Ob die Gitarre beim Händler unter Spannung steht, ist kein Argument, denn sie muss spielbereit zur Verfügung stehen. Ob sie das zuhause oder beim Händler tut, ist völlig egal. Den Verschleiß bezahlt man immer mit.

In der Zubehörindustrie gibt es die sog. Komponententeilefertigung. Hierzu gehören einsatzfertige Rohstege, die mehr oder minder individualisiert vorgefertigt sind. Bei auffällig günstigen Preisen kann man davon ausgehen, dass deren Qualität unter dem Aspekt der Trocknung nichts Respektables vorzuweisen hat. Aber die Gewinnmarge erhöht sich nicht nur durch Erhöhung der Verkaufspreise sondern auch durch Einsparungen im Einkauf. Das sind absolute Betriebsinterna, die nach außen nicht kommuniziert werden. Wie zuverlässig die Geschäftsbeziehung läuft, hängt vom Qualitätsmanagement der Gitarrenmanufaktur ab. Steigt die Fehlerquote innerhalb eines Jahres auf 5 %, dann kann die Lieferant die Koffer packen. Lediglich in der Ober- und Spitzenklasse, wo alles in Handarbeit gefertigt wird, kann man sicher sein, dass auch für den Steg bewusst lange abgelagertes Holz verwendet wird, weil auch die Stege in diesem Segment vom Gitarrenbauer selbst hergestellt werden. Aber in jedem Fall funktioniert auch dies nicht immer. Siehe hierzu das Beispiel mit Kohno. Dies ist relevant, weil längst nicht jede Werkstatt in feuchten Klimazonen die Luftfeuchte mit Geräten auf 50 % hält. Deshalb kann man in solchen Fällen davon ausgehen, dass auch bei hochwertigen Gitarren mit längerer Lagerdauer eine höhere Restfeuchte enthalten ist, die entsprechend weniger widerstandsfähig ist.

Ausgefranste Löcher, wie sie in den Fotos zu sehen sind, kann man reparieren lassen. Hierfür werden die Löcher mit Harthölzern und Epoxykleber ausgefüllt. Anschließend werden neue Löcher gebohrt. Diese haben dann lediglich eine Kanalfunktion, in die Führungsröhrchen aus Metall eingesetzt werden. Damit bleiben die neuen Löcher verschleißfrei.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

Beitragvon RaBu » Fr 21. Jun 2019, 14:28

Dank an CG-Fan für die schönen Stegfotos. Da kann man besonders auf Bild 2 sehr gut sehen, wie die traditionelle Knüpftechnik das Bohrlochproblem durch den deutlichen Zug nach oben/hinten verschärft. Da sind die String Plates sicher eine Hilfe.
Gruß
von
Ralf

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Re: Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

Beitragvon Andique » So 23. Jun 2019, 12:11

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:
Andique hat geschrieben:Das kommt wohl auf die Qualität der Gitarre, bzw. auf die Qualität des Holzes der Brücke/Knüpfblocks an. Ich hatte schon Gitarren im low-price Sektor, da hat sich der Lochkanal sehr schnell ausgeweitet, zumal viele Gitarren lange im Geschäft unter voller Saitenspannung stehen.

*Ironie an* Dann nenne doch mal ein paar bekannte Qualitätskriterien explizit für Stege, die wir für eine Bewertung des konkreten Gitarrenkaufs heranziehen können. *Ironie aus* In der Praxis ist das fast unmöglich. Ob die Gitarre beim Händler unter Spannung steht, ist kein Argument, denn sie muss spielbereit zur Verfügung stehen. Ob sie das zuhause oder beim Händler tut, ist völlig egal. Den Verschleiß bezahlt man immer mit.
...

Tja, bei dem Thema stosse ich langsam an die Grenzen meines Wissens und Erfahrung.
Kritisch würde ich einen Steg ansehen, der keine Verstärkung auf dem Knüpfblock trägt. Deswegen habe ich das Thema hier ja aufgeworfen, ohne die Qualität der Höfner schmälern zu wollen.
Die Bilder von CG-Fan zeigen auch, dass eine Verstärkung etwas bringt, jedenfalls scheint das Aufreissen des Lochkanals genau da aufzuhören. Blöd ist bei der Kohno, dass der Lochkanal auch innen so aufgerissen ist. Da nützen String-ties auch nichts mehr. Die Saiten laufen sehr flach über die Stegeinlage. Möglicherweise gibt es hier tatsächlich auch Klangeinbussen, entgegen der Darstellung von Achim - Peter Gropius.
liebe Grüsse, Andreas

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Re: Höfner HLE-SAZ, traumhaft und made in Germany!

Beitragvon Andique » So 23. Jun 2019, 12:26

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:...

Ausgefranste Löcher, wie sie in den Fotos zu sehen sind, kann man reparieren lassen. Hierfür werden die Löcher mit Harthölzern und Epoxykleber ausgefüllt. Anschließend werden neue Löcher gebohrt. Diese haben dann lediglich eine Kanalfunktion, in die Führungsröhrchen aus Metall eingesetzt werden. Damit bleiben die neuen Löcher verschleißfrei.

Es stellt sich die Frage, warum man nicht gleich beim Bau einer Gitarre die Kanäle mit Metallröhrchen verstärkt, zumindestens bei hochpreisigen Gitarren.
Der Mehraufwand an Arbeit und Materialien dürfte sich in Grenzen halten.
liebe Grüsse, Andreas

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