Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

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watweisich
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Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

Beitragvon watweisich » Mo 20. Jan 2020, 15:45

Hallo Zusammen, insbesondere Bernd,

neulich habe ich eine Juan Hernandez "Profesor" Fichte-Palisander gekauft, welche mir wegen ihres gigantischen Bassfundamentes auf Anhieb begeisterte. Nachdem ich sie jetzt einige Zeit gespielt habe, fällt mir auf, dass die Ausgewogenheit zwischen Bass und Diskant zu sehr Richtung Bass tendiert, da sich insbesondere die e-Saite nicht recht durchzusetzen weiß. Um den Diskant mehr zum Singen zu verführen, habe ich zunächst einen Knochensteg gesägt/gefeilt, was sich auch deutlich im Hinblick auf das Sustain bemerkbar macht. Ganz zufrieden bin ich mit dem Klangbild allerdings immer noch nicht.

Meine Fragen wären: a)Muss ich die Fichtendecke noch längere Zeit einspielen, damit sie den Diskant besser trägt?
b)Soll ich andere Saiten aufziehen, die einen besseren Registerausgleich schaffen?
c)Höre ich möglicherweise nur als Spieler den Bass so stark und für das Gegenüber klingt es ausgeglichener?

Vielen Dank!

CG-Fan
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Re: Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

Beitragvon CG-Fan » Mo 20. Jan 2020, 16:10

Es kommt schon mal vor, dass eine Gitarre im Diskant schwächelt. Ein Knochensattel/Steg dürfte da jedoch wenig bis gar nichts daran ändern, zumal die Hernandez Profesor ohnehin damit ausgestattet ist bzw. war!

Längeres und intensiveres Einspielen kann den Registerausgleich zwar etwas verbessern, aber Wunder sind davon eher nicht zu erwarten.

Erfahrungsgemäß dürfte eine geeignete Saitenwahl den größten Effekt haben. Dazu wäre es natürlich hilfreich zu wissen, welche Saiten aktuell aufgezogen sind. Im Prinzip würde man in deinem Fall einen Carbon Diskant mit „schlanken“ Bässes empfehlen, wie z.B. Savarez Cantiga Alliance . ;) :D

watweisich
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Re: Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

Beitragvon watweisich » Mo 20. Jan 2020, 16:22

Oh...Asche auf mein Haupt....Da war ja tatsächlich ein Knochensteg drin. Allerdings schneeweiß. Das sieht erst auf den zweiten Blick nach Knochen aus ;-).


Danke für den Tipp! Carbonsaiten sind allerdings nicht so mein Fall. Die würden den Diskant ja noch schärfer klingen lassen. Ich habe es lieber weich-singend, aber dafür ist es vielleicht einfach die falsche Gitarre. Bei meiner Fichte-Ahorn-Gitarre ist vor allem der Diskant laut. Vielleicht muss sich mein Ohr einfach erst umgewöhnen. Kann es sein, dass die Fichte-Palisander von Hernandez nicht als Konzertgitarre, sondern als Flamenca-negra konzipiert ist? Dann würde der schwache, scharfe Diskant ja Sinn machen. Da sie aber einen viel breiteren Korpus hat, als fast jede Konzertgitarre, die ich bisher gesehen habe, wird es aber wohl nicht so sein...

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Re: Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

Beitragvon CG-Fan » Mo 20. Jan 2020, 16:43

Die Hernandez Profesor ist zweifelsfrei als Konzertgitarre konzipiert. Im Vergleich zu einer i.a. schlanker klingenden Fichte/Ahorn kann sie hingegen durchaus basslastiger wirken.

Von einem scharf klingenden Diskant war in deinem Ausgangspost nicht die Rede. Vielleicht klären wir erst einmal die Frage, welche Saiten denn aktuell aufgezogen sind? Wäre das z.B. d‘Addario Pro Arte, ließen sich z.B. durchaus sinnvolle Nylon Alternativen nennen!
Zuletzt geändert von CG-Fan am Mo 20. Jan 2020, 16:44, insgesamt 1-mal geändert.

Charlie
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Re: Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

Beitragvon Charlie » Mo 20. Jan 2020, 16:44

Hallo wasweisich,
vielleicht noch ergänzend eine ganz andere Denkrichtung: durch Experimente mit der Nagelform an der rechten Hand hatte ich letztens eine überdominante (!) e-Saite im Klangbild. Erst durch Veränderung der Nagelform des Ringfingers von linksseitiger Rampe auf mehr rechtsseitige Rampe wurde das Klangbild wieder ausgeglichen. Ich bin bis heute beeindruckt, dass wenige 1/10mm an den Nägeln solche Wirkung entfalten können. Also, vielleicht hilft es Dir auch ein wenig zu experimentieren mit dem Anschlagswinkel und der Nagelform und zwar entgegengesetzt zu meiner o.g. Beschreibung. Das ist erstmal ohne Aufwand und Kosten möglich.
Viele Grüße
Charlie

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Re: Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

Beitragvon watweisich » Mo 20. Jan 2020, 16:56

Ja, es sind tatsächlich D`addario Pro Arte. Ich sollte der Gitarre wohl grundsätzlich etwas Besseres gönnen, das sehe ich ein ;-)

Im direkten Vergleich zur Ahorngitarre ist der Bass auf der Hernandez etwa 1/3 lauter. Das ist wirklich gewaltig, was dieses Instrument produziert. Vielleicht ist es in der Konzequenz ganz natürlich, dass sich der Diskant gegen solch eine Klangwalze gefühlt geschlagen gibt.

MIt der Anschlagshand habe ich auch schon experimentiert, aber nur verschiedene Anschlagswinkel, keine Nagelform. Klar, hier kann man auch einiges machen. Es ist insgesamt wohl einfach nur eine Umstellungsphase auf ein neues Instrument, welches von der Konstruktion und der Holzauswahl einfach ganz anders konzipiert ist. Da werde ich einfach durch müssen. Ansonsten ist die Juan Hernandez Profesor zu dem Preis (neu mitlerweile 1099 Euro) ein Klangwunder für den nicht ganz so anspruchsvollen Gitarristen.

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Re: Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mo 20. Jan 2020, 17:04

CG-Fan hat schon alles Wesentliche gesagt. Deine Gitarre scheint ein statistischer Ausreißer zu sein. Ich kenne alle Hernández Gitarren als sehr ausgeglichene Instrumente. Von Tipps wie Rampe feilen, die sicherlich gut gemeint sind und im ersten Aha-Effekt sehr motivierend wirken, sollte man nicht zu viel erwarten. Das spielt sich lediglich im Nuancenbereich ab. Eine Gitarre, die schon als Neuinstrument nicht ausgeglichen klingt, wird keine bedeutsame Entwicklung auf der betreffenden hervorbringen. Die Gitarre entwickelt sich nur als Ganzes weiter. Das bedeutet, dass die Gitarre insgesamt mehr Substanz und Spektrum bekommt, aber die Schieflage in der Klangproportion bleibt erhalten. Wenn die Gitarre neu ist, dann würde ich sie zurück geben und umtauschen. Liegt dem ein Beratungsgespräch zu Grunde, dann hat der Verkäufer es versäumt, Dich auf diesen Punkt hinzuweisen. Fichtendecken entwickeln sich weiter, sie korrigiert jedoch keine schlechten Tonverhältnisse.
Liebe Grüße
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Re: Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mo 20. Jan 2020, 17:12

watweisich hat geschrieben:Ja, es sind tatsächlich D`addario Pro Arte. Ich sollte der Gitarre wohl grundsätzlich etwas Besseres gönnen, das sehe ich ein ;-)

Im direkten Vergleich zur Ahorngitarre ist der Bass auf der Hernandez etwa 1/3 lauter. Das ist wirklich gewaltig, was dieses Instrument produziert. Vielleicht ist es in der Konzequenz ganz natürlich, dass sich der Diskant gegen solch eine Klangwalze gefühlt geschlagen gibt.

D´Addario Pro Arte ist schon eine sehr gute Wahl, weil sie äußerst neutral klingen. Damit reflektieren den ehrlichen Grundcharakter der Gitarre! Ahorn- und Palisandergitarren liefern (fast) immer das von Dir wahrgenommene Klangbild. Mit Palisander bekommt eine Gitarre ein deutlich größeres Spektrum nach unten. Es ist Aufgabe des Gitarrenbauers dies ausgewogen zu bewerkstelligen. Die Hernández haben bekanntermaßen einen ordentlichen Bums unter der Haube, aber das gilt übers gesamte Spektrum. Es sind auch absolut keine "Leisetreter".


Nachtrag

Wenn Du die Unterschiede zwischen Fichte und Zederndecke nicht kennst, dann findest Du unter "Besondere Abhandlungen" von mir einen Bericht hierzu. Dort erfährst Du u. a. was über die Entwicklung des Tones und klangliche Eigenschaften.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

Beitragvon CG-Fan » Mo 20. Jan 2020, 17:22

watweisich hat geschrieben:Ja, es sind tatsächlich D`addario Pro Arte. Ich sollte der Gitarre wohl grundsätzlich etwas Besseres gönnen...

Na sooo schlecht sind die d'Addario Pro Arte nun auch nicht. Das ist eine sehr zuverlässige Wahl mit einer sehr konsistenten Qualität, die auch von Profis auf Konzertgitarren im 5-stelligen Bereich gespielt werden. Der Diskant ist jedoch bekannt dafür, gelinge gesagt etwas "matt" zu klingen. Mit Savarez Cantiga Creation habe ich in einem vergleichbaren Fall recht gute Erfolge erzielt. Das sind Cantiga Bässe mit Cristal Nylon e & h und Carbon g im Diskant kombiniert. Dadurch sollte das Klangbild deutlich aufgehellt werden. Viel Erfolg und berichte mal, ob und wie es gewirkt hat!

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Re: Juan Hernandez Fichte-Palisander schwacher Diskant

Beitragvon Klampfenkarl » Di 21. Jan 2020, 00:17

Ich hatte ein ähnliches Problem mit meiner Valdez. Weil mir die Erstbesaitung mit Savarez Corum Standard Tension zu basslastig war, habe ich die Knobloch CX 300ADC aufgezogen. Damit war die Basslastigkeit weg. Da hat mich nach einer Weile der spitze Charakter vor allem der hohen E-Saite genervt. Diese eine Saite habe ich dann gegen eine D'Addario EJ46 getauscht. Die hat trotz Hard Tension sehr gut zu den Medium Tension von Knobloch gepasst.
Mittlerweile habe ich die Pepe Romero GLOW drauf. Die haben eine schöne Mischung aus Brillanz und rundem Klang. Und die Bässe sind mir auch nicht zu dominant. Entweder haben sich meine Ohren an den Bass gewöhnt oder die Gitarre klingt tatsächlich ausgewogener als mit den Savarez Corum. Das ist ja leider im Nachhinein nicht zu vergleichen.
Nachdem ich meine 8-saitige Max Klein mit Savarez Corum ausgestattet hatte, um die Bässe aufzupeppen, habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Basssaiten im Laufe der Spielzeit dunkler und lauter werden.
Laut Herrn Pécaut von Siccas sind die D'Addario EJ45 dort die Standardbesaitung für alle gebrauchten Gitarren – wahrscheinlich, um alle Gitarren möglichst neutral vergleichen zu können. Sie sind also nicht zu billig, um auf hochwertigen Gitarren verwendet zu werden.


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