Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Sehnenprobleme, Dystonie, gesundheitliche Beeinträchtigungen
Roberlin
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Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Beitragvon Roberlin » Sa 5. Jan 2019, 14:21

Hallo zusammen!
Einige Themen, die ich hier ansprechen will, sind hier schon diskutiert worden, ich finde aber, ein Einzelfall kann durchaus erhellend sein und zum zweiten sind gesundheitliche Probleme so wichtig, dass eine gewisse Redundanz nicht schadet.

Ich bin vor ein paar Monaten, wie anderswo beschrieben, auf eine neue Gitarre gestoßen, die mich gesundheitlich und damit auch spielerisch sehr weiter gebracht hat. Ich hatte zuvor leichte chronische Schmerzen in der Greifhand, vor allem im Zeigefinger. Ich habe da auch sehr schwere Stücke geübt. Ich habe mich an die leichten Schmerzen gewöhnt, weil sie mich auch nicht substanziell am Spielen gehindert haben.
Die neue Gitarre (in der Tat ist sie 50 Jahre alt...) hat einen sehr breiten Hals und eine sehr niedrige Saitenlage. Der breite Hals ließ meinen Riesenfingern mehr Freiheit, die niedrige Saitenlage hilft wohl bei Barrées. In der Folge sind die Schmerzen im Zeigefinger und Hand ganz langsam zurückgegangen, so dass ich sie jetzt, also in Ruhe, nicht mehr spüre.
Was mich erstaunt ist, dass ich mir nicht bewusst war, wie sehr ich durch die leichten Schmerzen dennoch im Spiel beeinträchtigt war. Die Kraftentwicklung ist nun viel freier, Klangschönheit hat zugenommen, Kondition sowieso. Dabei übe ich nicht weniger, kann sogar mehr üben.
Ich hatte mich eigentlich damit abgefunden, dass, solange ich noch Gitarre spiele, ich mich mit den leichten Schmerzen abfinden muss. Dem war also nicht so!
Gleiches gilt für Rückenschmerzen. Auf Dauer hat sich die Anschaffung des Guitar Lift wirklich ausgezahlt. natürlich zwickt der Rücken ein bisschen nach einer Session, das vergeht aber wieder oder lässt sich durch ein paar Enspannungübungen sofort bereinigen.

Ich schreibe das, weil es ja hier im Forum einiger um die 50 und drüber gibt. Vielleicht ist oft nur eine unbewusste Geisteshaltung, die einem sagt, was früher ging, muss immer so gehen. Oder vielleicht hat man trotz langer Karriere Haltungsfehler, eine ungeeignetes Gitarrenmaß, eine zu strenge Besaitung einfach noch nicht erkannt. Gratulation natürlich an die, die, egal in welchem Alter, hier einfach von Natur weniger Probleme haben.
Es ist natürlich schwer zu sagen, was genau meine Schmerzen links hat verschwinden lassen. War es eher der breite Hals oder die niedrige Saitenlage, vielleicht sogar das besondere Halsprofil?
Natürlich folgen aus der Veränderung auch Nachteile. Wer glaubt, aus klanglichen Gründen die härtesten Saiten spielen zu müssen, wird ungern Kompromisse eingehen. Auch die niedrige Saitenlage ist nicht für jede Art Musik von Vorteil.
Ich erwäge nun, beim Gitarrenbauer meines Vertrauens mir eine Gitarre nach Maß bauen zu lassen. Sie soll an die leichte SPielbarkeit meine neuen alten herankommen, aber nicht deren klanglichen Nachteile haben. "Mein" Gitarrenbauer hat mir intensive Gespräche in Aussicht gestellt, um herauszufinden, welches Halsprofil und Mensur am besten zu mir passen. Dabei will ich auch das Problem der rechten Schulter angehen, die gerade oft verspannt ist. Ich habe Heikes Bemerkung mit der Auflage mit vollem Gewicht des rechten Arms gelesen und will, dass dies bei der neuen Gitarre dann baulich ebenfalls besser möglich ist.

Beste Grüße und schönes (und gesundes!) neues Jahr!

Robin

P.S. Ich möchte hier auch nochmals den Glücksfall betonen, diese Gitarre gefunden zu haben. Denn ein solches Halsprofil findet man nirgendwo, in keinem Gitarrenladen. Höchstens mit einer Minimalchance von 1:1000 oder so. Diese Halsbreite wird sicher nur auf Bestellung gebaut, oder, was ich nicht weiß, sie war eventuell in den 60ern noch mehr Usus...

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docsteve
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Re: Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Beitragvon docsteve » Di 8. Jan 2019, 13:16

Da hast du ja einen Sechser im Lotto gelandet! Glückwunsch!

Ich achte inzwischen auch mehr auf die Bespielbarkeit, der Klang kommt dann schon. Wenn man nur vorher wüsste, wie der ideale Hals beschaffen sein müsste, könnte man sich eine Menge Schmerzen ersparen. Wobei ich gute Erfahrungen damit mache, die Spielposition zu wechseln - an manchen Tagen mit der Stütze, an anderen Tagen mit der Fußbank, die Höhe immer wieder kontrollieren usw. Auch der Stuhl spielt eine Rolle, der bequemste Stuhl für mich steht in der Küche meiner Duopartnerin :D

Viele Grüße Stephan
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Roberlin
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Re: Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Beitragvon Roberlin » Di 8. Jan 2019, 21:32

docsteve hat geschrieben:Da hast du ja einen Sechser im Lotto gelandet! Glückwunsch!

Ich achte inzwischen auch mehr auf die Bespielbarkeit, der Klang kommt dann schon. Wenn man nur vorher wüsste, wie der ideale Hals beschaffen sein müsste, könnte man sich eine Menge Schmerzen ersparen. Wobei ich gute Erfahrungen damit mache, die Spielposition zu wechseln - an manchen Tagen mit der Stütze, an anderen Tagen mit der Fußbank, die Höhe immer wieder kontrollieren usw. Auch der Stuhl spielt eine Rolle, der bequemste Stuhl für mich steht in der Küche meiner Duopartnerin :D

Viele Grüße Stephan


Ja, vielen Dank! Ich bin ja sonst überhaupt kein Esoteriker, aber in diesem Fall könnte man fast von Schicksal sprechen, auch was die Umstände des Verkaufs betrifft.
Ich wechsle übrigens auch ein bisschen die Spielposition - indem ich mich abends oft aufs Sofa fläze... :-D Der Guitar lift hilft mir auch dann, eine annehmbare Spielposition zu erhalten.... bis mir ein Bein einschläft... ;-)

Viele Grüße Robin

wolfgang
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Re: Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Beitragvon wolfgang » Mi 9. Jan 2019, 00:27

Roberlin hat geschrieben:.., weil es ja hier im Forum einiger um die 50 und drüber gibt..
Ja, lieber Roberlin, das sind wir mehrere. Als ich von ca. 4 Jahren wieder anfing zu spielen, habe ich es gleich einmal etwas übertrieben und mir
Roberlin hat geschrieben:..Ich hatte zuvor leichte chronische Schmerzen in der Greifhand, vor allem im Zeigefinger..
auch im Zeigefinger Stechen eingehandelt, dass meist völlig unberechenbar auftrat und einem elektrischen Schlag ähnelte, sowie man es am Ellbogen kennt, wenn dieser wo ungünstig ankommt. Weil das vorallem am ersten Bund auftrat, hatte ich bald die fixe Idee, dass der Sattel niedriger gefeilt werden sollte, weil dann die Saite nicht soweit niedergedrückt werden müsste. Tatsache ist, dass mir das gar nichts gebracht hat, außer, dass irgendwie das Feedback in der Greifhand über die gegriffene Saite verloren ging (klingt komisch, weiß aber nicht, wie es anders zu beschreiben wäre). Letztlich lag es an mir,weil ich immer etwas zu fest die Saiten gegriffen habe. Das habe ich versucht mir ab zu trainieren. Das mit dem Stechen im (vorallem) Zeigefinger tritt nur mehr selten auf - dann allerdings lege ich sofort eine Pause ein, das ist das einzige was hilft. LG Wolfgang
Frei nach Erich Fromm 'Haben oder Sein': Wenn ich schon nicht spielen kann wie Eric Clapton, möchte ich wenigstens seine Gitarre haben.

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joachim24
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Re: Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Beitragvon joachim24 » Mi 9. Jan 2019, 13:17

In diesem Zusammenhang, ich habe kürzlich

https://youtu.be/w9XtiSxBvjQ

gefunden. Jack sieht mit beiden Armen und Händer sehr entspannt aus. Das Video enhält viele Hinweise zur entspannten Gitarrenhaltung.

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Re: Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mi 9. Jan 2019, 18:58

Jack Sanders hatte ich vor einigen Jahren wegen eines Videobeitrags für ein amerikanisches Gitarrenmagazin hier vorgestellt. Er ist tatsächlich ein Experte über die Anatomie der gitarristischen Motorik. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich von der Fokalen Dystonie sehr weit weg gekommen bin. Dank ihm mache ich noch immer fortlaufen kleine Fortschritte. Und bald werde ich mich wieder meiner Online-Videoserie konzentriert zuwenden können.
Liebe Grüße
Bernd
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Andique
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Re: Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Beitragvon Andique » Fr 11. Jan 2019, 16:11

Es wäre m.Mn. nach durchaus interessant um welches Instrument es sich handelt im Eingangspost. Interessant wäre es auch die Maße des Halses mal auszumessen.
Grundsätzlich scheint es schon so zu sein, dass ältere Instrument einen dickeren, stärkeren Hals haben als die modernen, "schlanke" Hälse, welche angeblich leichter und schneller zu bespielen sind (finde ich nicht so). Ich merke das z.B. an meiner Hopf "Gran Concierto" im Gegensatz zur Martinez "lattice brace". Ich frage mich, ob das was mit Andrés Segovia und seinen "Wurstfingern" (Selbstaussage) zu tun hat, bzw. hatte.
liebe Grüsse, Andreas

Das Leben ist kein Problem, dass man lösen muss, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt.

CG-Fan
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Re: Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Beitragvon CG-Fan » Fr 11. Jan 2019, 19:04

Andique hat geschrieben:...Grundsätzlich scheint es schon so zu sein, dass ältere Instrument einen dickeren, stärkeren Hals haben als die modernen, "schlanke" Hälse, welche angeblich leichter und schneller zu bespielen sind ...

Das würde ich so pauschal nicht stehen lassen wollen. Von meinen drei Gitarren hat die älteste, eine ´78 Kohno, den schlanksten Hals und trotz 660 mm Mensur die beste Bespielbarkeit. Da kommt selbst meine ´04 Kohno mit leichter Griffbrettwölbung und 650 mm Mensur nicht dran. Das Schlußlich in punkto Bespielbarkeit stellt die mittelalte von Grüner Torres von ´85 dar. Der Hals ist recht dick, klobig und ein beredes Zeugnis, dass von Grüner die Anfertigung der Hälse von allen Gitarrenbauarbeiten am wenigsten mochte. :? :D

Kuno Wagner
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Re: Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Beitragvon Kuno Wagner » Fr 11. Jan 2019, 22:23

CG-Fan hat geschrieben:Das Schlußlich in punkto Bespielbarkeit stellt die mittelalte von Grüner Torres von ´85 dar. Der Hals ist recht dick, klobig und ein beredes Zeugnis, dass von Grüner die Anfertigung der Hälse von allen Gitarrenbauarbeiten am wenigsten mochte.


Karl von Grüner? kann ja bauen was er will, unerträglich finde ich jedoch, dass er seine Arbeiten als Model-Torres benennt. Jeder der einmal das Glück hatte eine Torres zu spielen weiß, dass es bezüglich Bespielbarkeit bei einer Gitarre von Torres nichts!!! zu bemängeln gibt.

CG-Fan
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Re: Gesundheitliche Verbesserung durch Instrumentenwechsel

Beitragvon CG-Fan » Sa 12. Jan 2019, 11:47

Kuno Wagner hat geschrieben:
CG-Fan hat geschrieben:Das Schlußlich in punkto Bespielbarkeit stellt die mittelalte von Grüner Torres von ´85 dar. Der Hals ist recht dick, klobig und ein beredes Zeugnis, dass von Grüner die Anfertigung der Hälse von allen Gitarrenbauarbeiten am wenigsten mochte.


Karl von Grüner? kann ja bauen was er will, unerträglich finde ich jedoch, dass er seine Arbeiten als Model-Torres benennt. Jeder der einmal das Glück hatte eine Torres zu spielen weiß, dass es bezüglich Bespielbarkeit bei einer Gitarre von Torres nichts!!! zu bemängeln gibt.

Erwin von Grüner (1925-2001) war damals ein recht angesagter Gitarrenbauer aus Baiersdorf! Das Modell heißt „Torres“ in Anführungsstrichen, was wohl in Anlehnung an signalisieren soll. Beleistung und der kleineren Korpus weisen die typischen, durchschnittlichen Maße aller heute bekannten und vermessenen Torres Gitarren auf. Mir sind bislang nur zwei dieser Modelle von ihm bekannt. Das Baujahr läßt vermuten, dass dies im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Romanillos Buches über Torres, den Ergebnissen der wissenschaftlichen Vermessung der Torres Gitarren aus der Ramirez Sammlung in den Jahren ´83 und ´84 und dem wiedererwachten Interesses an den Torres Originalen zu sehen ist.

Da von Grüner u.a. auch anerkannte Repliken von Gitarren des 19.Jahrhunderts gebaut hat, ist anzunehmen, dass es sich hierbei schon um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk von Torres gehandelt haben dürfte, zumal das zu der Zeit noch nicht durch den Torres Marketing-Hype der heutigen Zeit beeinflusst war. Wie alle Torres Repliken ist auch diese nur eine mehr oder weniger gute Kopie in Anlehnung an usw.! Klanglich gibt es im Vergleich zu den Beispielen, die online in guter Qualität verfügbar sind, schon einige Gemeinsamkeiten, ohne behaupten zu wollen, dass dies DIE ultimative Torres Replik wäre.

Was Hals und Bespielbarkeit betrifft, so fehlt mir da natürlich jeglicher Vergleich. Dafür ist erwiesen, dass dies eindeutig nicht von Grüners Königsdisziplin war. Das spürt man nicht nur, sondern wurde so auch explizit vom Gitarrenbauer meines Vertrauens bestätigt, der ihn während seiner Ausbildung noch persönlich kennengelernt hat. So hat er bei einem Besuch seiner Werkstatt auf die ungewöhnlich große Zahl von Halsrohlingen angesprochen erklärt, dass er das Anfertigen der Hälse am wenigsten beim Gitarrenbau mag. Also hatte er sich in einer ruhigen Minute mal ausgerechnet, wieviele Hälse er in seinem weiteren Leben wahrscheinlich noch verbauen würde und diese dann in einem Rutsch über etwa 14 Tagen komplett vorgefertigt und sich damit für immer dieser ungeliebten Aufgabe entledigt. :lol: :D

Um aber auf das OT wieder zurückzukommen, kann ich nicht zuletzt auch in Folge meines fortgeschrittenen Alters nur bestätigen, dass die Bespielbarkeit einer Gitarre auf Dauer mindestens ebenso hoch zu bewerten ist, wie der Klang. Der menschliche Körper ist sehr trickreich darin, Unzulänglichkeiten unbewußt zu kompensieren und ehe man sich versieht, haben sich solche, kaum merkliche Haltungskorrekturen zu schmerzhaften Spätfolgen auswachsen! ;) :D


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