Beratung Neukauf Meistergitarre (5.000 - 10.000 Segment)

Konzertgitarren, Gitarrenbauer & Themenverwandtes
Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3718
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Beratung Neukauf Meistergitarre (5.000 - 10.000 Segment)

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Fr 13. Jul 2018, 21:18

Ein Gitarrenbauer, den ich Dir in Berlin empfehlen kann, ist Eduardo Valdivia. Ich war bis Anfang der 1990er Jahre nur auf Zederndecken eingeschworen. Dann besuchte ich Eduardo, der damals noch hier wohnte. Er gab mir seine Fichtendeckengitarre mit. Von da an waren Zederndecken für mich quasi völlig out (obwohl ich gegenwärtig eine Manfred Pletz in Zeder/Indio spiele). Du findest ihn in der Pestalozzistraße 49. Wenn Du einen Kontakt machst, bitte grüße ihn von mir.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

grenner
Beiträge: 147
Registriert: Mo 18. Jan 2016, 10:48

Re: Beratung Neukauf Meistergitarre (5.000 - 10.000 Segment)

Beitragvon grenner » Sa 14. Jul 2018, 07:47

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Das muss man relativ betrachten! Dann ist zu sagen, dass man vorab definieren sollte, was unter "kommerzielle" Videos zu verstehen ist. Fakt ist, die Händler haben für die Audionachbearbeitung überhaupt keine Zeit und zudem äußerst selten davon Ahnung und werden sicher keinen Tonmeister dafür bezahlen.


Wenn ich mir die Auftritte von Siccas oder Guitar Salon auf Youtube ansehe, so sind das höchst professionelle Aufnahmen. Der Auftritt dieser Unternehmen ist insgesamt sehr professionell und daher werden sie auch keine nicht optimierten Videos einstellen.
Mal abgesehen davon gibt es heute genug einfachst zu bedienende Freeware mit der ich eine Aufnahme machen und optimieren kann. Das einzige was man dazu noch benötigt ist ein halbwegs ordentliches Mikrofon und ein Audio Interface. Wobei es oft schon genügt einen Hauch von Hall dazuzugeben und die Aufnahme klingt schon um Klassen besser (das ist wahrscheinlich der Grund warum so viele Klassik-Gitarren Videos in Kirchen oder ähnlichem aufgenommen sind)

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3718
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Beratung Neukauf Meistergitarre (5.000 - 10.000 Segment)

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 14. Jul 2018, 09:01

grenner hat geschrieben:
Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Das muss man relativ betrachten! Dann ist zu sagen, dass man vorab definieren sollte, was unter "kommerzielle" Videos zu verstehen ist. Fakt ist, die Händler haben für die Audionachbearbeitung überhaupt keine Zeit und zudem äußerst selten davon Ahnung und werden sicher keinen Tonmeister dafür bezahlen.


Wenn ich mir die Auftritte von Siccas oder Guitar Salon auf Youtube ansehe, so sind das höchst professionelle Aufnahmen. Der Auftritt dieser Unternehmen ist insgesamt sehr professionell und daher werden sie auch keine nicht optimierten Videos einstellen.
Mal abgesehen davon gibt es heute genug einfachst zu bedienende Freeware mit der ich eine Aufnahme machen und optimieren kann. Das einzige was man dazu noch benötigt ist ein halbwegs ordentliches Mikrofon und ein Audio Interface. Wobei es oft schon genügt einen Hauch von Hall dazuzugeben und die Aufnahme klingt schon um Klassen besser (das ist wahrscheinlich der Grund warum so viele Klassik-Gitarren Videos in Kirchen oder ähnlichem aufgenommen sind)


Ich kann nur für mich sprechen. Wir hatten 2 Forumtreffen bei Siccas. Ich hatte mir im Vorfeld ein paar Gitarren per Video angeschaut, die ich dann im Geschäft angespielt habe. Deswegen kann ich sagen, dass meine Wahrnehmung von den Videos sich beim Anspielen vor Ort bestätigt hat.

Was die einfache Nachbearbeitung kostenloser Programme betrifft, diese Software hat doch gar keine Ahnung davon, wie eine Konzert- oder Flamencogitarre klingen soll. Die einzigen Möglichkeiten, die man einfach hinzufügen kann, ist mehr Präsenz Bass und Diskant sowie etwas Raumhall. Diese Einstellungen, v. a. Bass und Diskant, sind vergleichbar mit den Reglern einer Stereoanlage. Diese Präsenz bezieht sich nicht auf das gesamte Spektrum und gibt lediglich mehr Anteil im betreffenden Frequenzbereich hinzu. Das selbe gilt für den Diskant. Es verleiht der Gitarre jedoch eine übertriebene Unnatürlichkeit.

Richtig ist, dass viele Aufnahmen wegen der guten Raumakustik in Kirchen gemacht werden. Dadurch wird aber die klangeigene Substanz der Gitarre nicht verändert. Das bedeutet, dass individuelle Eigenschaften wie Timbre, Dynamik, Trennschärfe, Klangfarben und Präsenz gleich bleiben. Es wirkt sicher befremdlich, wenn man auf Youtube einen Gitarristen im Sommer im Garten oder Wald spielen sieht, und die Aufnahme enthält minimalen Raumhall ohne Hintergrundgeräusche wie Vogelzwitschern, Windrauschen oder Wassergeplätschere. Hier passen Klangbild und Umgebung nicht zusammen. Die individuellen Eigenschaften beeinflusst dies allerdings nicht.

Eine weitere Einstellung, die einfach zu bedienen ist, ist der Kompressor. Hier wird zwischen dem niedrigsten und höchsten Pegel ein durchschnittlicher Ausgleich über das gesamte Audiomaterial durchgeführt. Es ist das selbe, als wenn man den Loudness-Schalter an der Stereoanlage drückt. Dies klingt bei Musik oft gehörgefällig, jedoch greift dies insbesondere bei Gitarren im Ergebnis negativ in die dynamischen Fähigkeiten ein.

Man sollte auch immer im Kopf haben, dass mehrere Gitarren des gleichen Modells nie exakt den gleichen Klang haben. An anderer Stelle wurde Bezug auf eine Torres Gitarre genommen. Auf welche genau, das steht nicht dabei. Da Du GSI genannt hast, es gibt 2 Video, bei den Andrew York jeweils eine Torres spielt. Sie haben völlig unterschiedliche Klänge, wobei mir eine von beiden substanziell nicht gefällt.

Wenn mir eine Gitarre substanziell gefällt, aber sie klingt insgesamt zu mittig, dann kann das am Mikrofon liegen. Viele Gitarristen halten es auch einfach, indem sie ein Mikro um die 50 oder 100 € kaufen und per USB direkt in den PC spielen. Auch hier liegt oft der Hund begraben. Nach meiner Überzeugung geht nichts über gutes Aufnahme-Equipment sowie eine kalibrierte Soundkarte und dem einwandfrei wieder zu erkennenenden Klang vertrauter Instrumente. Im Vergleich Medium/direkt hat sich meine Wahrnehmung vor Ort immer bestätigt.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

Benutzeravatar
Bernd C Hoffmann
Administrator
Beiträge: 3718
Registriert: Mi 24. Okt 2012, 18:30
Wohnort: Fulda

Re: Beratung Neukauf Meistergitarre (5.000 - 10.000 Segment)

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Sa 14. Jul 2018, 09:07

@ manolo_berlin
Was die Auswahl an Meistergitarren im Fachhandel betrifft, solltest man bedenken, dass viele Gitarrenbauer den Weg über den Handel nicht wollen, weil dies die Gewinnspanne deutlich minimiert.
Liebe Grüße
Bernd
:
Tabulaturservice => Liste anfordern!

Roberlin
Beiträge: 32
Registriert: Mi 11. Apr 2018, 11:37

Re: Beratung Neukauf Meistergitarre (5.000 - 10.000 Segment)

Beitragvon Roberlin » Sa 14. Jul 2018, 13:01

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:
grenner hat geschrieben:
Bernd C Hoffmann hat geschrieben:
Was die einfache Nachbearbeitung kostenloser Programme betrifft, diese Software hat doch gar keine Ahnung davon, wie eine Konzert- oder Flamencogitarre klingen soll. Die einzigen Möglichkeiten, die man einfach hinzufügen kann, ist mehr Präsenz Bass und Diskant sowie etwas Raumhall. Diese Einstellungen, v. a. Bass und Diskant, sind vergleichbar mit den Reglern einer Stereoanlage. Diese Präsenz bezieht sich nicht auf das gesamte Spektrum und gibt lediglich mehr Anteil im betreffenden Frequenzbereich hinzu. Das selbe gilt für den Diskant. Es verleiht der Gitarre jedoch eine übertriebene Unnatürlichkeit.



Ich bin selbst Tontechniker und würde Bernd hier zustimmen (!)
Der einzige Effekt, der noch in Frage käme, wäre ein Exciter oder ähnliches, also ein Tool, dass ausgewählte Frequenzbereiche durch das Hinzurechnen von Obertönen auffrischt. (Nicht zu verwechseln mit einem EQ, von dem Bernd spricht). Hierzu braucht man aber schon Übung sonst klingt es leicht künstlich - ähnlich wie viele Stimmen im Radio.
Ich glaube nicht, dass die Händler das benutzen, weil ein sehr gutes Mikro und ein bisschen Hall reicht. Außerdem muss man sehen, dass ein Top-Spieler ein Instrument immer besser klingen lassen kann, als ein mittelmäßiger Amateur. Es kommt ja darauf an, wie die Gitarre unter deinen Händen, mit deinem Anschlag usw. reagiert. Daher geht es nicht ohne Anspielen.

manolo_berlin
Beiträge: 8
Registriert: Do 12. Jul 2018, 13:25

Re: Beratung Neukauf Meistergitarre (5.000 - 10.000 Segment)

Beitragvon manolo_berlin » Sa 14. Jul 2018, 17:31

Danke Euch nochmals für den Input.

Ich werde in Berlin anfangen, evtl. gibt es da schon einen Volltreffer. Ansonsten muss ich wohl in eine Karlsruhe Reise investieren...

Werde definitiv immer meine Rolf Eichinger Zeder mitnehmen, damit ich das als Referenz nutzen kann (ich suche ja nach einem "komplementären" Klang in Fichte).

Hat alles keine Eile, kann mir monatelang Zeit lassen.

Eure Aussagen zu Video-Urteil: Gibt es denn eigentlich tatsächlich Leute, die teure Gitarre ungespielt nach Fernurteil kaufen? Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen...

Wie ist eigentlich eure Erfahrung mit "kleiner" Katze im Sack kaufen bzgl. Neuanfertigung direkt beim Gitarrenbauer? Kann man bei Gitarren den Gitarren-Bauer klar wiedererkennen? Ich kann mich an einen Blindtest bei Geigen erinnern, wo Spezialisten blind unter 10 Geigen keine Zuordnung zum Bauer hinbekamen.

grenner
Beiträge: 147
Registriert: Mo 18. Jan 2016, 10:48

Re: Beratung Neukauf Meistergitarre (5.000 - 10.000 Segment)

Beitragvon grenner » So 15. Jul 2018, 08:24

manolo_berlin hat geschrieben:
Wie ist eigentlich eure Erfahrung mit "kleiner" Katze im Sack kaufen bzgl. Neuanfertigung direkt beim Gitarrenbauer? Kann man bei Gitarren den Gitarren-Bauer klar wiedererkennen? Ich kann mich an einen Blindtest bei Geigen erinnern, wo Spezialisten blind unter 10 Geigen keine Zuordnung zum Bauer hinbekamen.


Wenn man bedenkt, wie viele Parameter beim Bau einer Gitarre mitspielen (Holzqualität, Lagerungszeit, Luftfeuchtigkeit beim Bau....) und dass ein Gitarrenbauer ca. 10 - 15 Gitarren/Jahr baut, sich dabei auch weiterentwickelt und vielleicht mal was Neues probiert, muss man damit rechnen dass die fertige Gitarre vielleicht doch etwas anders klingt als ein Referenzmodell. Auch bei Hauser, Ramirez, Torres....gab es ja immer wieder Gitarren die besonders hervorstachen. D.h. es ist wahrscheinlich auch immer etwas Glück oder Pech dabei, wenn man sich ein Instrument auf Bestellung anfertigen lässt, wobei die Streuung wahrscheinlich eher klein ist und der Mittelwert vom grundlegenden Können des Gitarrenbauer abhängt.
Wobei man sicher auch die Streuung minimieren kann, indem man Holz aus dem gleichen Bestand, wie das Referenzmodell wählt, auf gleiche Ausführung besteht und heutzutage sollten die Workshops ja klimatisiert sein. Und dann bleibt noch die Frage, wie gut ist letztendlich Dein Gehör, dass Du feine Unterschiede auch heraushörst.

Benutzeravatar
pianoguitar
Beiträge: 185
Registriert: Do 8. Nov 2012, 21:38

Re: Beratung Neukauf Meistergitarre (5.000 - 10.000 Segment)

Beitragvon pianoguitar » So 15. Jul 2018, 10:27

Meine Erfahrungen sind:
Der Sound im Video gibt zwar eine erste Richtung, ersetzt aber nicht das persönliche Anspielen. Etwas Hall ist meistens drin, das verändert ziemlich (wie oben schon gesagt). Siccas hat deutlich Hall mit drin.
Ja, es gibt Leute die ungesehen Gitarren in der Preisklasse >5.000 € kaufen. Aber das sind in der Regel weniger Spieler, sondern eher Händler, die dann bald wieder weiterverkaufen wollen.
Zum Bau beim Luthier: Hier solltest Du schon zumindest wissen, daß Du den prinzipiellen Klang der Gitarren eines Luthiers magst. Eine Fankhänel klingt anders als eine Bernabe. Selbst dann ist es immer noch ein Risiko, weil genau Deine Gitarre natürlich wieder anders klingen kann. Es hilft hier ein Referenzmodell des Luthiers zu haben, aber auch dann bleibt es immer noch ein Risiko. Vorteile: es ist Dein Baby (Du wählst evtl. Hölzer aus, mitunter das gesamte Design, es ist meist günstiger als vom Handel). Aber wie gesagt, Du mußt schon genau wissen, dass Du diesen Soundtyp magst.
Wenn Du weniger Erfahrung hast, dann bleibt wie fast immer nur das Spielen, Spielen, Spielen. Aber wenn Du so viel Geld ausgeben willst, dann würde ich Dir unbedingt dazu raten. Fahr nach Karlsruhe. Ob Du dann eine Gitarre dort auch kaufst ist eine andere Frage. Laß Dir Zeit und lass Dich auch mal beraten von einem Experten, der viele Gitarrentypen kennt (kein Verkäufer).

Am Ende ist es immer so: die Gitarre findet Dich, und wenn Du sie spielt wirst Du es sofort wissen. Alles andere lass sein !

Viele Spaß und Grüße
Peter
________________________________________________________________________________________________________________________
"Alles was Du sagst sollte wahr sein, aber nicht alles was wahr ist, solltest Du auch sagen." Voltaire


Zurück zu „Instrumente“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder