Steg tiefer legen?

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docsteve
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Steg tiefer legen?

Beitragvon docsteve » Do 9. Aug 2018, 13:25

Ich habe immer vermieden eine Flamenca anzufassen, weil ich das Fass nicht aufmachen wollte. Am Samstag hab ich es doch getan und schon geht es los...

Die Saitenlage ist ja nun bauartbedingt sehr viel flacher als bei einer normalen Konzertgitarre, was zumindest dem Tempo bei schnellen Läufen entgegenkommt. Jetzt meine Fragen:

Was spricht dagegen, den Steg meiner Konzertgitarre entweder runterzuschleifen oder durch einen anderen zu ersetzen, um die Saitenlage zu optimieren? Woher bekommt man einen Ersatz- oder gar einen Flamencosteg, evtl. schon kompensiert? Kann man das selber oder lieber nicht? Lieber erst mal bei der Yamaha anfangen, bevor ich mich an die Gute wage?

Viele Grüße Stephan
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Roberlin
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Re: Steg tiefer legen?

Beitragvon Roberlin » Do 9. Aug 2018, 13:50

Ich war bei einem Gitarrenbauer, der mir von dem ständigen Disput mit einer Gitarrenprpofessorin erzählte: Sie wollte immer, dass er die Saitenlage so tief wie möglich machte, das sei gerade für Anfänger sehr gut. Vorasussetzung: Es darf nirgendwo schnarren, was bei Flamenco ja gewollt ist (oder in Kauf genommen wird). Da er gleichzeitig meine Gitarre überholte, war ich Zeuge, wie er meine Saitenlage optimierte, bis er sagte: Niedrigste Saitenlage, die er je bei einer Konzertgitarre geschafft hatte. Zwischenzeitlich mussten wir aber wieder hochgehen, da die hohe E-Saite ungefähr beim h ein bisschen zischelte.
Ich meine aber auch schon von Klangfetischisten gehört zu haben, dass die hohe Saitenlage besser klingt, weil dann mehr Spannung auf die Saite beim Greifen kommt...

Meinem Verständnis nach kann man bei einer Konzertgitarre natürlich keinen Flamencosteg einbauen, dann müsste ja der Halswinkel vollkommen neu angepasst werden...

CG-Fan
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Re: Steg tiefer legen?

Beitragvon CG-Fan » Do 9. Aug 2018, 14:05

docsteve hat geschrieben:...Was spricht dagegen, den Steg meiner Konzertgitarre entweder runterzuschleifen oder durch einen anderen zu ersetzen, um die Saitenlage zu optimieren? Woher bekommt man einen Ersatz- oder gar einen Flamencosteg, evtl. schon kompensiert? Kann man das selber oder lieber nicht? Lieber erst mal bei der Yamaha anfangen, bevor ich mich an die Gute wage?...

Nichts spricht dagegen. Mache ich mit meinen Konzertgitarren ebenfalls so, wobei dabei klar sein muss, dass man bauartbedingt die Saitenlage einer guten Flamencogitarre nicht oder nur in den seltensten Fällen erreichen dürfte.

Den vorhandenen Steg runterschleifen würde ich nicht empfehlen, weil es dann keinen Weg zurück mehr gibt. Besser ist, eine neue Stegeinlage anzufertigen bzw. anfertigen zu lassen. Ein Knochenrohling kostet 3-4€, kostet also nicht die Welt. Dabei ist es wichtig, die Dicke der vorhandenen Stegeinlage zu kennen, um den Rohling möglichst passend zu kaufen. Anleitungen, wie man eine Stegeinlage anfertigt, findet man einige im Netz und Stegrohlinge gibts in jedem gut sortierten Musikhandel!

Wenn der alte Steg erhaltenbleibt, kann man sich ohne Probleme auch direkt an die Gute wagen. Die Höhenoptimierung macht man ja nicht an der eingebauten Stegeinlage! ;)

Vom Gitarrenbauer angefertigt und optimiert dürfte das ganze um die 30€ liegen.

wolfgang
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Re: Steg tiefer legen?

Beitragvon wolfgang » Do 9. Aug 2018, 16:33

docsteve hat geschrieben:Was spricht dagegen, den Steg meiner Konzertgitarre entweder runterzuschleifen
Kann man machen. Wenn man bedenkt, dass 1mm am Steg abgeschliffen mm 0,5mm weniger über dem 12 Bund ergibt und der Knochen hart ist und man lange schleifen muss (ich spreche von einem sehr feinen Schleifpapier). Ich schleife meine Stegeinlagen allerdings von oben her ab und nicht von unten, weil ich dann auch noch die Schräge perfekt erhalten müsste können. Wovon ich aber absolut abrate, ist am Halssattel die Kerben zu vertiefen. Ich hatte mir eingebildet, dass eine tiefere Saitenlage am ersten Bund meinen stechenden Zeigefingerschmerz verringern könnte - tut sie nicht. Da kam ich bei der g Saite zu tief, den Sattel kriegte ich nicht raus und mit Gewalt (so wie der Gitarenbauer es später gemacht hat) traute ich mich nicht. Hat mich dann um die 80 Euro gekostet und ich mag die tiefere Lage in am ersten Bund gar nicht mehr; meine Zeigefingerschmerzen haben sich wieder gegeben.

RaBu
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Re: Steg tiefer legen?

Beitragvon RaBu » Fr 10. Aug 2018, 11:27

wolfgang hat geschrieben:...Ich schleife meine Stegeinlagen allerdings von oben her ab und nicht von unten, weil ich dann auch noch die Schräge perfekt erhalten müsste können...

Ich mach das genau anders herum. Die Stegeinlage unten schön plan nachschleifen, reduziert die Saitenlage und erhält die Schräge. Außerdem würde ich mit meinen "Hausmitteln" oben an der Stegeinlage weder eine anständige Krone für den gut definierten Auflagepunkt noch die nötigen Feinheiten für die Längenkompensation (manchmal variiert das je nach Breite der Einlage zwischen den einzelnen Saiten deutlich) hinkriegen.
Gruß
von
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Re: Steg tiefer legen?

Beitragvon Joseph Maria Moller » Sa 11. Aug 2018, 20:45

Ich habe das mal machen lassen mit fatalen Folgen, plötzlich war die Stegeinlage viel zu niedrig und die Gitarre war bei optimalem Griffbrett mit exakt abgerichtet Bünden nicht mehr "schnarrfrei" zu spielen. Danach habe ich immer eine neue Stegeinlage machen lassen und das Original nicht angerührt. Damit konnte ich sofort wieder zur alten Einstellung/Saitenlage zurück falls es nötig war. Ich kann nur raten, nicht an der alten Stegeinlage herum zu schleifen, lieber eine Neue machen (lassen).

RaBu
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Re: Steg tiefer legen?

Beitragvon RaBu » So 12. Aug 2018, 12:53

Wenn man sich in mehreren vorsichtigen Schleifvorgängen dem Optimum nähert, ist das Risiko gering. Und wenn sich die Verhältnisse z.B. durch klimatische Schwankungen spürbar verändern, hilft beizeiten ein mehr oder weniger dünner Furnierstreifen unter der Stegeinlage auch wieder weiter. Wobei ich die Lösung mit separaten, unterschiedlich hohen Einlagen natürlich als perfekte Lösung nicht grundsätzlich ablehne. ;)
Gruß
von
Ralf

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Bernd C Hoffmann
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Re: Steg tiefer legen?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 12. Aug 2018, 14:18

Im Hinblick auf klimatische Einflüsse bestelle ich meine Gitarren immer mit 2 zusätzlichen Stegeinlagen. Nach einigen Wochen Heizperiode trocknet das Holz aus und die Saitenlage wird niedriger. Dann kann ich einfach die Stegeinlage austauschen.

Es gibt auch eine andere Methode, die optisch nicht sehr ansprechend ist. Da zu den Bqasssaiten die Stegeinlage immer höher wird und zu den Diskantsaiten immer flacher, kann man eine Stegeinlage verwenden, die etwas breiter ist. Dabei liegt die Normalposition ungefähr in der Mitte. Kommt nun die Heizperiode, dann lockert man die Saiten und schiebt die Stegeinlage etwas weiter nach unten in Richtung der Diskantsaiten. Hierdurch wird die Saitenlage minimal erhöht. Falls es schnarrt, schiebt man sie noch ein bisschen weiter nach unten.
Liebe Grüße
Bernd
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docsteve
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Re: Steg tiefer legen?

Beitragvon docsteve » So 12. Aug 2018, 17:27

Vielen Dank für eure Hinweise. Ich habe mir die Stegeinlage mal näher angesehen und werde vorerst die Finger davon lassen. Bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass das Griffbrett eine leichte Wölbung hat, der der Steg folgt, und dass der Steg unter der hohen e-Saite schon sehr wenig Spiel hat. Er ist also schon weitgehend optimiert.

Einen Rohling, der dieselbe Wölbung wie der vorhandene Steg hat, werde ich so einfach nicht finden, und runterfeilen ist mir zu riskant. Dann lieber üben, und vielleicht mal irgendwann zum Gitarrenbauer bringen.

Viele Grüße Stephan
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Bernd C Hoffmann
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Re: Steg tiefer legen?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 12. Aug 2018, 21:31

docsteve hat geschrieben:Einen Rohling, der dieselbe Wölbung wie der vorhandene Steg hat, werde ich so einfach nicht finden

Den wirst Du überhaupt nicht finden, weil die Griffbrettwölbung bei jedem Gitarrenbauer individuell verschieden ist. Wenn, dann muss der Rohling von oben an die Griffbrettwölbung angepasst werden. Alles andere ist Murks.
Liebe Grüße
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