Haftung gebrauchte Gitarren???

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thorstochter
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Haftung gebrauchte Gitarren???

Beitragvon thorstochter » Do 11. Apr 2019, 17:35

Ich weiß nicht ob das hier hin gehört, aber weiß jemand wie es mit Haftung bei Kauf einer gebrauchten Gitarre bei einem gewerblichen Händler aussieht, wenn man feststellt, dass ein reparierter Vorschaden verschwiegen wurde?

wolfgang
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Re: Haftung gebrauchte Gitarren???

Beitragvon wolfgang » Do 11. Apr 2019, 19:05

Das Zauberwort heißt "Gewährleistung".
http://www.wissen.de/gewaehrleistung-fu ... chte-waren
Und, repariert ist ja im Grunde ok.
Frei nach Erich Fromm 'Haben oder Sein': Wenn ich schon nicht spielen kann wie Eric Clapton, möchte ich wenigstens seine Gitarre haben.

thorstochter
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Re: Haftung gebrauchte Gitarren???

Beitragvon thorstochter » Do 11. Apr 2019, 19:28

Repariert ist ok, wenn der Schaden an der gleichen Stelle wieder auftritt? Und da muss beim Kauf nicht darauf hingewiesen werden?
Ich werd morgen Nachmittag hoffentlich mehr wissen... fühl mich grad über den Tisch gezogen und bin unschlüssig wie ich jetzt vorgehen soll.

grenner
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Re: Haftung gebrauchte Gitarren???

Beitragvon grenner » Do 11. Apr 2019, 19:31

thorstochter hat geschrieben:Ich weiß nicht ob das hier hin gehört, aber weiß jemand wie es mit Haftung bei Kauf einer gebrauchten Gitarre bei einem gewerblichen Händler aussieht, wenn man feststellt, dass ein reparierter Vorschaden verschwiegen wurde?

Wofür soll der Händler haften, wenn der Schaden repariert ist? Falls der Schaden innerhalb der Gewährleistungsfrist wiederauftritt muss der Händler den Schaden reparieren oder einen Preisnachlass gewähren oder das Instrument zurücknehmen und den Kaufpreis rückerstatten.

Ich würde vor allem als erstes den Händler kontaktieren und ihm Gelegenheit geben sich zu der Angelegenheit zu äußern.
Normalerweise findet man schon eine Lösung im beidseitigen Einvernehmen (wenn man das will).

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Bernd C Hoffmann
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Re: Haftung gebrauchte Gitarren???

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Do 11. Apr 2019, 22:11

Das ist das Gleiche, wie beim Kauf eines Autos, bei dem der Unfallschaden verschwiegen wurde. Ob das Auto repariert wurde, ist unerheblich. Der Händler steht in der Verantwortung. Bei der Gitarre ist zu hinterfragen, ob der Schaden für Dich und Dein Wissen von vornherein von Dir erkennbar gewesen sein kann. In diesem Fall würde der Fehler bei Dir liegen, weil Du den Schaden mit dem Kauf akzeptiert hast. Seriöse Anbieter, z. B. auf Ebay oder hier im Forum, geben solche Schäden an. In Deinem Fall, Thorstochter, wird abzuwägen sein, ob Dir der Fehler hätte auffallen müssen. Ist das nicht so und der Händler behauptet, er habe Dich darauf hingewiesen und Du kannst es nicht beweisen, dann ist das für Dich blöde. Wenn Du tatsächlich auf den Schaden und die die Reparatur hingewiesen wurdest und es war aktzeptabel, dann konntest Du darauf vertrauen, dass der Schaden behoben ist. Ist der Schaden an der reparierten Stelle wieder aufgetreten, dann hat die Gitarre einen sog. "versteckten Mangel". Hier würde ich den Spieß umdrehen und - wenn es hart auf hart kommt - dem Händler eine nachlässig versäumte Sorgfaltpflicht unterstellen. Unabhängig davon hast Du 1 Jahr Gewährleistung. Innerhalb von 6 Monaten gilt die Beweisumkehr zu Gunsten des Käufers.

Ich würde in Deinem Fall im Guten auf den Händler zugehen. Hat sich die Reparatur als nicht zuverlässig erwiesen, dann hast Du in jedem Fall das Recht auf Wandlung, Umtausch oder Minderung. Etwas anders sieht es aus, wenn im Kleingedruckten steht, dass der Händler ein mehrmaliges Korrektur-Recht hat. Dies hat dann mit Deiner Unterschrift Vorrang vor Deinen BGB-Ansprüchen. Auch hier gibt es eine Besonderheit: Handelt es sich um ein sehr wertvolles Instrument, dann ist zu hinterfragen, ob weitere Reparaturen eine Wertminderung darstellen können. Ergo: Manchmal sind die Wege nicht immer so leicht, wie man sie sich wünscht. Ich wünsche Dir, dass die Angelegenheit für Dich gut ausgeht.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Haftung gebrauchte Gitarren???

Beitragvon CG-Fan » Fr 12. Apr 2019, 10:53

Damit dürfte der Riss nur noch durch ausspanen zu reparieren sein. Dabei wird ein Streifen Deckenholz mit dem Riss entfern, weil die Risskanten mit Leim verklebt sind und so nicht mehr zuverlässig zusammen gefügt werden können. Aus möglichst ähnlichem Deckenholz wird dann ein Span in die Lücke eingepasst, verleimt und mit Schellack lackiert. So etwas hält eigentlich immer, ist nur etwas aufwändig, teurer und leider fast nie unsichtbar, auch wenn es da wahre Künstler gibt.
Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg und lass dir dadurch nicht die Freude an dem schönen Instrument verderben.

Nach dieser überraschenden Wendung, sehe ich die Absage von H. Sato übrigens etwas anderes.

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Re: Haftung gebrauchte Gitarren???

Beitragvon thorstochter » Fr 12. Apr 2019, 13:15

CG-Fan hat geschrieben:Nach dieser überraschenden Wendung, sehe ich die Absage von H. Sato übrigens etwas anderes.


Sehe ich auch grad skeptisch. Ich werd dazu jetzt erstmal nichts mehr schreiben, da ich mich mit dem Verkäufer noch nicht auseinander gesetzt habe und es nachher nicht heißen soll, ich würde Rufschädigung betreiben. Bringe sie heute Nachmittag trotzdem mal zum Gitarrenbauer, um ne Einschätzung zu bekommen!
Das man jetzt vermutlich ausspanen muss, denke ich auch, bin ja aber kein Experte.
Zu Beginn habe ich ja noch gedacht, ich hätte was falsch gemacht.... lag vielleicht gar nicht an mir :?

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Re: Haftung gebrauchte Gitarren???

Beitragvon joachim24 » Fr 12. Apr 2019, 13:38

thorstochter hat geschrieben:
CG-Fan hat geschrieben:Nach dieser überraschenden Wendung, sehe ich die Absage von H. Sato übrigens etwas anderes.


Sehe ich auch grad skeptisch. Ich werd dazu jetzt erstmal nichts mehr schreiben, da ich mich mit dem Verkäufer noch nicht auseinander gesetzt habe und es nachher nicht heißen soll, ich würde Rufschädigung betreiben. Bringe sie heute Nachmittag trotzdem mal zum Gitarrenbauer, um ne Einschätzung zu bekommen!
Das man jetzt vermutlich ausspanen muss, denke ich auch, bin ja aber kein Experte.
Zu Beginn habe ich ja noch gedacht, ich hätte was falsch gemacht.... lag vielleicht gar nicht an mir :?


Die Fragen die ich mir stelle sind: Wie ausgetrocknet war die Gitarre bereits als Du sie gekauft hast? Ist sie wirklich erst nach dem Kauf gerissen?

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Re: Haftung gebrauchte Gitarren???

Beitragvon rwe » Fr 12. Apr 2019, 13:45

... bzw. ist es bei Dir zu Hause deutlich trockener als beim Händler, so dass ein vorher vorhandener Riss einfach "nur" stärker auffällt?

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Re: Haftung gebrauchte Gitarren???

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Fr 12. Apr 2019, 14:17

Liebe Leute, bitte bleibt auf dem Teppich und zählt keine Erbsen. Ob die Luft beim Käufer "trockener" ist oder nicht, ist doch egal. Um die 50 % Luftfeuchtigkeit sind ok. Thorstochter hat oben was von 40 % geschrieben. Das ist für Gitarren, die in unseren Breitengraden gebaut werden, normalerweise keine Problem, weil gerade in der Preisklasse und von diesem Gitarrenbauer mit Sicherheit kein Frischholz verarbeitet wird. Wenn die Gitarre einen reparierten Vorschaden hat, der beim Käufer erneut auftritt, dann wurde entweder die Reparatur nicht gut gemacht oder ein Zwischenbesitzer (zu dem Kreis gehört auch der Händler) hat sie klimatisch nicht den Anforderungen entsprechend behandelt. Wenn dies dem Händler nicht aufgefallen ist, dann ist das zwar bedauerlich, doch ein seriöser Händler findet immer eine akzeptable Lösung für so einen Fall.

Egal, aus welchem Blickwinkel man die Sache betrachtet, dass Kazuo Sato auf Grund seines Alters den Fokus auf seine Warteliste legt, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen! Egal, wen es betrifft, an Begriffe, die die Reputation ankratzen, würde ich hierbei erstmal überhaupt nicht denken. Für das Ausspanen kann man wirklich JEDEN Gitarrenbauer besuchen! Soll es möglichst korrekt aussehen, dann muss man sich auch eine neue Deckenlackierung leisten. Diesen Preis muss man dann bezahlen. Habe ich eine emotionale Bindung an diese eine Gitarre, dann akzeptiere ich sie so, wie ich sie am liebsten haben will - allerdings mit allen Konsequenzen. Bitte macht nicht aus einem Furz eine Philosophie ;)
Liebe Grüße
Bernd
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