Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Erfahrungsberichte, Empfehlungen, Saitenwechsel
Alfred S
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Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Beitragvon Alfred S » So 10. Nov 2019, 22:43

Hallo zusammen,
Ich bin auf der Suche nach den "richtigen" Saiten für meine Flamenco Gitarre.
Vor ca 6 Monaten habe ich meine erste Flamencogitarre gekauft, eine Camps MC 5. Nun befand ich es einmal an der Zeit die Saiten zum ersten Mal zu wechseln weil sie schon ein wenig abgespielt waren. Nun bin ich aber auf das Problem gestoßen, welche Saiten drauf?
In der Zwischenzeit hatte ich mich schon sehr an die Saiten gewöhnt die original auf der Gitarre drauf waren. Leider war es nicht mehr möglich zu ermitteln welche das waren. Der Gitarrenbauer der sie aufgezogen hat als ich die Gitarre gekauft habe, meinte er benutzt in der Regel die "Standart" D'Addario Saiten mit normaler Spannung. Also die EJ45. Das sind auch die Saiten die ich übrig hatte und aufgezogen habe. Allerdings bin ich zu dem Schluss gekommen dass das andere Saiten waren... Leider werde ich es nie genau erfahren zumal auch der Gitarrenbauer nach 6 Monaten natürlich nicht mehr genau wusste welche Saiten er mir drauf gegeben hatte. Es ist davon auszugehen dass es D'Addario Saiten waren.
Daher die Frage ob mir hier jemand einen Tipp geben kann:

Mit dem Thema Saiten habe ich mich zuvor nur begrenzt auseinander gesetzt als dass ich einfach immer die gleichen überall aufgezogen habe und die sonst auch gepasst haben, das ist das erste mal dass mir die EJ45 nicht so ganz passen...

Es waren allerdings zwei Dinge zu bemerken im Unterschied zu den aktuellen EJ45 welche eventuell eine gewisse Aussage darüber treffen könnten um welche Art Saiten es sich handelte.
Die jetzt gespannten EJ45 sind ein wenig "schwerer" bespielbar; soll heißen: Es ist ein bisschen mehr Kraft bzw Druck notwendig um Sauber zu greifen. Vorallem lässt sich das bemerken bei Barre Griffen auf den ersten Bünden. Hier ist wirklich merkbar mehr Druck notwendig um alle Saiten sauber klingen zu lassen als mit den originalen Saiten.
Weiters kamen mir die anderen Saiten auch "agiler" zu bespielen vor. Also vorallem bei Picados merke ich das. Die wollen irgendwie nicht mehr so schnell gespielt werden wie zuvor. Ich nehme mal an das hat etwas mit der Saitenspannung zu tun?

"Saitenkunde" ist ein bisschen ein Neuland für mich weil sonst die "standart" saiten immer gepasst haben. Insofern habe ich nicht wirklich eine Idee welche Saiten ich probieren könnte die eher dem Profil entsprechen wie oben beschrieben.
Werde hier verschiedenes ausprobieren, viele geben sich ja unterschiedliche Saiten von verschiedenen Sätzen drauf, soweit bin ich aber noch lange nicht, ich möchte erstmal ca in die richtige Richtung kommen..

Welche Saiten benutzt ihr? Hat jemand eine Idee in welche Richtung ich testen könnte um in die Nähe der oben beschrieben Saiten zu kommen, bzw welche Eigenschaften welchen Einfluss haben (Spannung, Stärke)?

Vielen Dank!

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Bernd C Hoffmann
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Re: Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mo 11. Nov 2019, 08:40

Hallo Alfred,

ausgewiesene Flamencosaiten verwenden die allerwenigsten Flamencogitarristen, weil sie den Diskant deutlich beschneiden und damit Brillanz wegnehmen.

Alfred S hat geschrieben:Daher die Frage ob mir hier jemand einen Tipp geben kann

Ich glaube, LaBella hat in der 2001 Serie einen einen brauchbaren Flamencosatz im Sortiment mit "Clear Trebles" - sofern ich mich richtig erinnere. Ich hatte die vor Urzeiten getestet und fand sie sehr gut, blieb aber woanders.
Über http://www.Guitarras-Camps.com kannst Du direkt anfragen. Jordi Camps spricht ausgezeichnetes Englisch.
Liebe Grüße
Bernd
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bassklampfe
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Re: Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Beitragvon bassklampfe » Mo 11. Nov 2019, 10:16

Die von Bernd genannten LaBella klingen auf meiner Camps gut, insbesondere die Bässe sind klasse. Falls du testen willst: Mittlere Spannungen reichen normalerweise.

Falls du mit Camps Kontakt aufnimmst, schreib doch mal, was die empfehlen.
______________
Gruß
bassklampfe

Roberlin
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Re: Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Beitragvon Roberlin » Mo 11. Nov 2019, 17:34

Hallo, der Beitrag wirft ein paar fragen auf, daher melde ich mich hier, obwohl Flamenco nicht so mein Thema ist...
- Ich würde generell nie sechs Monate mit dem Saitenwechsel warten. Ich habe gemerkt, dass der eine oder andere hier Saitensätze auch extrem lang verwendet, aber ich denke, sechs Monate alete Saiten sind einfach "andere" Saiten als neue Saiten, ich glaube nicht, dass man dann noch in der Lage ist zu bemerken, ob das der gleiche Saitentyp ist.
- Wie sehr schätzt ihr den Einfluss weicherer Seiten auf das tempo z.B. von Picado-Sequenzen ein? Bei manchen Flamenco-Gitarristen hört es sich ja fast so an, als würden sie mit Gummisaiten spielen - oder sind das mehr die Old-School-Leute? Habe gelesen, Roman Montoya habe seine Gitarre immer ein-zwei Töne niedriger gestimmt...
- Ich habe stets das Gefühl, dass neue Saiten agiler zu spielen sind. Der Grund liegt m.E. darin, dass sie obertonreicher sind und man daher weniger Energie in die Tonerzeugung stecken muss. Das sind unbewusste Vorgänge, die sich dann aber (zumindest subjektiv) als flüssigeres Spiel äußern. Dagegen können sie durchaus beim Greifen unsauberer Klingen, weil der Obertonreichtum auch Schnarrgeräusche eher verstärkt. (Bei mir gerade bemerkt)
- ich spiele zur Zeit eine Flamenca sozusagen notgedrungen, weil meine maßgeschneiderte Gitarre noch nicht fertig ist. Ich liebe die Gitarre, aber für manche Klassikstücke ist sie doch suboptimal. Wenn meine neue fertig ist, würde ich auf die Flamenca vielleicht mal weiche saiten aufziehen. Mein Hauptproblem mit weichen Saiten war nicht fehlendes Sustain oder Klangfülle, sondern schlechte Intonation in hohen Lagen. kann aber auch daran liegen, dass meine Instrumente nicht darauf abgestimmt sind.

Grüße Robin

Alfred S
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Re: Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Beitragvon Alfred S » Mo 11. Nov 2019, 17:36

Danke für die Antworten soweit!

Für alle die es interessiert:
Camps Gitarren sind von Werk aus mit D'Addario J45 bespannt.


Ich werde sie fürs erste wohl mal drauf lassen und schauen ob ich mich doch noch mit ihnen anfreunden kann, die Herrschaften von Camps werden schon ihre Beweggründe haben diese Saiten zu wählen. Auf jeden Fall waren es andere Saiten die auf meiner Gitarre drauf waren, das hatte aber der Gitarrenbauer zu verantworten.

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Re: Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Beitragvon bassklampfe » Mo 11. Nov 2019, 17:49

Alfred S hat geschrieben:die Herrschaften von Camps werden schon ihre Beweggründe haben diese Saiten zu wählen.

Klar, die D'Addario gelten als neutrale Saiten ohne besonderen Stärken oder Schwächen. Insofern sind die für den Anfang immer eine gute Wahl.
______________
Gruß
bassklampfe

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Re: Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Beitragvon Charlie » Mo 11. Nov 2019, 19:44

Hallo Alfred,
wenn ich das richtig verstanden habe, spielst Du sonst auf anderen Gitarren auch die EJ45, ohne dass Du sie für die linke Hand als unangenehm empfunden hast.
Ist vielleicht die Saitenlage an Sattel auf Deiner neuen Flamenca noch zu hoch? Ggf. ist Dir das nicht so aufgefallen, weil bisher Saiten mit geringerer Steifigkeit als die EJ45 aufgezogen waren? Schau Dir vielleicht mal die Saitenlage am Sattel genau an, vielleicht hast Du da schon eine Ursache dafür gefunden, dass Du jetzt mit mehr Kraft im Barree greifen musst.
Ich habe mal direkt nach den EJ45 auf Ortega Natural MT gewechselt. Den Wechsel empfand ich sehr angenehm für beide Hände, da ich sie als weniger steif als die EJ45 empfand. Klanglich habe ich die Ortegas als sehr ausgewogen in Erinnerung. Vielleicht wären die für Dich mal einen Versuch wert.
Viele Grüße
Charlie

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Bernd C Hoffmann
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Re: Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Di 12. Nov 2019, 01:23

Roberlin hat geschrieben:Wie sehr schätzt ihr den Einfluss weicherer Seiten auf das tempo z.B. von Picado-Sequenzen ein? Bei manchen Flamenco-Gitarristen hört es sich ja fast so an, als würden sie mit Gummisaiten spielen - oder sind das mehr die Old-School-Leute? Habe gelesen, Roman Montoya habe seine Gitarre immer ein-zwei Töne niedriger gestimmt...

Derjenige, der einer der 3 Begründer des klassischen Flamenco ist, Ramón Montoya. Den Du meinst, ist sein Neffe Carlos Montoya, der außer seiner Verwandschaft zum "großen Ramón" nichts hatte, was ihn unter den Flamencos attraktiv machte; man sagte ihm nach, dass er den Compás "wohl nicht erfunden" hatte. Ramón Montoya war compás-genau und spielte in Normalstimmung. Carlos M. spielte auf tiefer gestimmten (schwarzen) Flamencosaiten. Ich persönlich brauche einen gewissen Widerstand. Picado-Passagen habe ich nie von der Saitenspannung abhängig gemacht. Bei neuen Gitarren, die mit der Erstbestückung als Non High Tension kamen, hatte ich drauf gelassen, bis sie abgespielt waren. Dass dies einen Einfluss auf das Tempo hat, kann ich für mich nicht bestätigen. Es gibt aber einen ganz anderen Aspekt, der die Haptik betrifft. Wie stark sich die Saitenspannung anfühlt, wird weitestgehend zunächst über den Kopfplattenwinkel eingestellt. Inzwischen sind viele Konzert- und Flamencogitarren mit einem Kopfplattenwinkel von 20° oder sehr wenig mehr ausgestattet. Die Spannung fühlt sich damit überall weitgehend gleich an, sofern die auf jeder Gitarre der gleiche Satz mit der selben Spannung aufgezogen ist. Ist der Winkel steiler, dann nimmt die Saitenspannung deutlich zu. Das Paradebeispiel hierfür sind die Gitarren von Hermanos Sanchís López. Die haben schon bei normaler Spannung einen derart kräftigen Zug, dass man fast meinen könnte, sie gehen über die mittlere Spannung deutlich hinaus.

Roberlin hat geschrieben:Ich habe stets das Gefühl, dass neue Saiten agiler zu spielen sind. Der Grund liegt m.E. darin, dass sie obertonreicher sind und man daher weniger Energie in die Tonerzeugung stecken muss. Das sind unbewusste Vorgänge, die sich dann aber (zumindest subjektiv) als flüssigeres Spiel äußern.

Das kann ich ebenfalls nicht bestätigen. High Tension Sätze haben durch ihr "Prügelerfordernis" die Begleiterscheinung, dass man (ich) decrescendierte Dynamikpassagen öters mal üben muss, weil man sich wegen des Widerstandes bei High Tension Sätzen schnell einen monotonen Power-Anschlag angewöhnen kann (was mir sehr oft passiert ist).


Roberlin hat geschrieben:ich spiele zur Zeit eine Flamenca sozusagen notgedrungen, weil meine maßgeschneiderte Gitarre noch nicht fertig ist. Ich liebe die Gitarre, aber für manche Klassikstücke ist sie doch suboptimal. Wenn meine neue fertig ist, würde ich auf die Flamenca vielleicht mal weiche saiten aufziehen. Mein Hauptproblem mit weichen Saiten war nicht fehlendes Sustain oder Klangfülle, sondern schlechte Intonation in hohen Lagen. kann aber auch daran liegen, dass meine Instrumente nicht darauf abgestimmt sind.

Da ist was dran. Die reichere Klassik-Repertoire-Möglichkeit hat man auf einer Flamencogitarre, wenn es sich um eine Negra handelt. Die schlechte Intonation ist jedoch keine Besonderheit von Flamencogitarren sondern es handelt sich immer um die Eigenschaft einer bestimmten Gitarre individuell. Wenn Du bspw. eine Hermanos Sanchís López aus vor 2005 spielst, dann ist die Intonation definitiv Käse, weil die bis dato nie kontrollierte Bundsägemaschine unzählige Griffbretter verhunzte. Dieser Fehler wurde erst ab 2006 korrigiert.
Liebe Grüße
Bernd
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wolfgang
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Re: Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Beitragvon wolfgang » Di 12. Nov 2019, 18:00

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Es gibt aber einen ganz anderen Aspekt, der die Haptik betrifft. Wie stark sich die Saitenspannung anfühlt, wird weitestgehend zunächst über den Kopfplattenwinkel eingestellt. Inzwischen sind viele Konzert- und Flamencogitarren mit einem Kopfplattenwinkel von 20° oder sehr wenig mehr ausgestattet. Die Spannung fühlt sich damit überall weitgehend gleich an, sofern die auf jeder Gitarre der gleiche Satz mit der selben Spannung aufgezogen ist. Ist der Winkel steiler, dann nimmt die Saitenspannung deutlich zu. Das Paradebeispiel hierfür sind die Gitarren von Hermanos Sanchís López. Die haben schon bei normaler Spannung einen derart kräftigen Zug, dass man fast meinen könnte, sie gehen über die mittlere Spannung deutlich hinaus.

Kann man sich dafür einen physikalischen Hintergrund zusammen reimen?
Ich sags gleich: ich bezweifle die gemachten Erfahrungen in keiner Weise - ich verstehe es nur nicht. Der Knochensattel am Hals ist doch mind. 3mm breit und sollte eine Biegung bereits abfangen.
Frei nach Erich Fromm 'Haben oder Sein': Wenn ich schon nicht spielen kann wie Eric Clapton, möchte ich wenigstens seine Gitarre haben.

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Bernd C Hoffmann
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Re: Flamenco Gitarre Saitenempfehlung

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Di 12. Nov 2019, 22:59

wolfgang hat geschrieben:Kann man sich dafür einen physikalischen Hintergrund zusammen reimen?
Ich sags gleich: ich bezweifle die gemachten Erfahrungen in keiner Weise - ich verstehe es nur nicht. Der Knochensattel am Hals ist doch mind. 3mm breit und sollte eine Biegung bereits abfangen.

Einen wissenschaftlich exakten Zusammenhang kann ich nicht nennen. Meine Beobachtung ist ein Erfahrungswert und hat sich immer wieder bestätigt. Der Sattel hat nur bedingt etwas damit zu tun, denn sie werden (laut Margarete Burnswicker-Apelt) im Winkel zur Kopfplatte gefeilt. Mache einfach folgenden Test: Lege eine HSL mit der Decke nach oben auf den Tisch und daneben eine deutsche (z. B. Höfner) und schau Dir den Winkel der Kopfplatten an. Dann spiele beide Gitarren und achte auf den Widerstand der Anschlagshand. Dann siehst Du, dass es passt.
Liebe Grüße
Bernd
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