Was für eine Gitarre habe ich hier…?

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DanielH
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Was für eine Gitarre habe ich hier…?

Beitragvon DanielH » Di 14. Jan 2020, 21:34

Hallo zusammen,

nachdem mein Interesse am Gitarrespiel wieder erwacht ist, möchte ich mir dieses Jahr ein »gutes« Instrument kaufen.

Im ersten Schritt versuche ich aber zu erfahren, was ich denn da eigentlich zuhause habe: Meine Eltern haben mir ungefähr 1991/92 ein Instrument gekauft, das ich heute noch spiele. Es ist eine Aria von Amalio Burguet, Modell BA 50 für damals 950,- DM.

Hier sind ein paar Bilder: https://ibb.co/album/mX5hka

Ich vermute, die Gitarre hat eine Zederndecke, aber ansonsten bin ich ratlos. Und die Modellbezeichnung ist nicht googlebar… :roll:

Hat vielleicht jemand irgendwelche technischen Daten zum Instrument? Ist da was massiv, oder eher nicht? Was ist das für ein Holz am Griffbrett, an den Zargen? Der Lack sieht sehr orange aus und ist hochglänzend – was für einer ist das? Ach ja, und was könnte die denn heute noch wert sein (falls überhaupt was)? ;)

Danke schon Mal und viele Grüße

Daniel
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Bernd C Hoffmann
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Re: Was für eine Gitarre habe ich hier…?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Mi 15. Jan 2020, 00:32

Hallo Daniel,

sagen gibt es zu dieser Gitarre nicht viel. Es war damals ein Instrument der Mittelklasse mit einer Zederndecke und einem (wahrscheinlich indischem) Palisanderkorpus. Mit etwas Glück war sie schon vollmassiv. Dies kann Dir evtl. Amalio Burguet selbst sagen, wenn er noch Aufzeichnungen aus dieser Zeit hat. Bei so alten Gitarren aus der Serienfertigung ist im Internet natürlich eher nichts zu finden, denn es hatte erst ab 1998 etwas weitere Verbreitung gefunden. Unter meinen Schülern waren gelegentlich solche Aria Modelle zu finden, die bei ca. 500 DM losgingen. Diese hatten für damalige Verhältnisse klanglich eine sehr gute Figur gemacht. Lediglich die Griffbretter, sofern aus Palisander, kamen gelegentlich etwas schlampig daher, weil das Holz zu frisch und damit zu weich war. Bei Deiner Gitarre handelt es sich offenbar um ein Griffbrett aus Ebenholz, also schon deutlich besser.

Was mir auf den Fotos auffällt: Das Griffbrett ist extrem versifft. Hier solltest bei einem Komplettwechsel der Saiten das Griffbrett mit Nähmaschinen- oder Waffenöl in Verbindung mit einer 0000 oder 00000 Stahlwolle reinigen. Das gilt auch für die Bundstäbchen, die seitlich versifft sind.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Was für eine Gitarre habe ich hier…?

Beitragvon RaBu » Mi 15. Jan 2020, 12:46

-
Zuletzt geändert von RaBu am Di 7. Apr 2020, 22:37, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Was für eine Gitarre habe ich hier…?

Beitragvon rwe » Mi 15. Jan 2020, 13:30

Evtl. gibt es auch im Delcamp-Forum im Japangitarrenthread irgendetwas dazu. https://www.classicalguitardelcamp.com/ ... 1f3cab0145

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Re: Was für eine Gitarre habe ich hier…?

Beitragvon DanielH » Do 16. Jan 2020, 17:08

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:Hallo Daniel,

sagen gibt es zu dieser Gitarre nicht viel. […]


Das hatte ich befürchtet… Aber dass sie für ihre Klasse ganz ordentlich klingt, hat damals schon mein Lehrer gesagt. ;)

Was mir auf den Fotos auffällt: Das Griffbrett ist extrem versifft. Hier solltest bei einem Komplettwechsel der Saiten das Griffbrett mit Nähmaschinen- oder Waffenöl in Verbindung mit einer 0000 oder 00000 Stahlwolle reinigen. Das gilt auch für die Bundstäbchen, die seitlich versifft sind.


Oh ja, wie peinlich…! :oops: Mir war das tatsächlich schon aufgefallen, nur ich dachte, das Griffbrett sei abgegriffen. Ich werd ihm dann mal bei Gelegenheit mit Öl und Wolle beikommen.

Danke an alle für Eure Rückmeldungen! 8-)
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Re: Was für eine Gitarre habe ich hier…?

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Do 16. Jan 2020, 18:34

von einem abgegriffenen Griffbrett spricht man, wenn sich im Lauf der Jahre Griffkuhlen gebildet haben. Dabei handelt es sich meist um sehr feine "Schleifarbeiten", die durch die Kante von zu langen Fingernägeln über mehrere Jahre erzeugt werden. Bei billigeren Gitarren treten Griffbrettkuhlen auch ohne Abtragen der Holzmasse auf. Dies ist das Beispiel mit den 500 DM Arias: Wenn das Griffbrett nicht gut abgelagert ist, ist es noch zu frisch und damit zu weich. Das Holz wird nicht abgetragen sondern eingedrückt. Aber dies nur am Rande.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Was für eine Gitarre habe ich hier…?

Beitragvon WGgitarre » Sa 18. Jan 2020, 14:01

Bernd C Hoffmann hat geschrieben:von einem abgegriffenen Griffbrett spricht man, wenn sich im Lauf der Jahre Griffkuhlen gebildet haben. Dabei handelt es sich meist um sehr feine "Schleifarbeiten", die durch die Kante von zu langen Fingernägeln über mehrere Jahre erzeugt werden. Bei billigeren Gitarren treten Griffbrettkuhlen auch ohne Abtragen der Holzmasse auf. Dies ist das Beispiel mit den 500 DM Arias: Wenn das Griffbrett nicht gut abgelagert ist, ist es noch zu frisch und damit zu weich. Das Holz wird nicht abgetragen sondern eingedrückt. Aber dies nur am Rande.


darum verwenden die guten gitarrenbauer ebenholz fürs griffbrett, das habe ich auch gelernt u. darum nehme ich es auch nur. mfgWGgitarre

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Re: Was für eine Gitarre habe ich hier…?

Beitragvon Gitarrenjan » Sa 18. Apr 2020, 11:15

Es ist zwar etwas spät, aber ich habe meine Informationen erst jetzt bekommen.

Nach meinen Informationen ist es eine von Amalio Burguet in (Valencia) Spain handgemachte Gitarre aus dem normalen Programm, jedoch mit anderem Design, für einen deutschen Großhändler BSA, den es nicht mehr gibt und der ein eigenes Label haben wollte.

Diese Informationen bekam ein Bekannter, der bei Burguet nach einer BA100M nachfragte. Diese BA100M ist (nach Auskunft) eine 2M. Man findet sie unter dieser Bezeichnung noch im laufenden Programm.

Dabei bedeutet das M bei der Bezeichnung, dass es sich um eine vollmassive Gitarre handelt.

Mehr weiß ich auch nicht. Ich glaube, dass man aus diesen Infos Schlüsse ziehen kann.

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Re: Was für eine Gitarre habe ich hier…?

Beitragvon DanielH » Sa 18. Apr 2020, 12:21

Danke für die Infos, Jan! Ich hätte Dir noch gemailt, kam nur noch nicht dazu. ;)
Wenn die Gitarrenhändler in Berlin wieder öffnen, werde ich die Burguet mal jemandem zeigen und fragen, was sie wert ist. Ich vermute, nicht viel, aber falls ich sie doch verkaufen (bzw. verschenken…) möchte, ist es ja gut zu wissen, was man hat.

Übrigens habe ich inzwischen eine Gitarre gekauft – eine Evan Kingma von 2019 mit Fichtendecke und Korpus aus Ziricote. Man findet sie im Onlineshop von Siccas. Nachdem ich einiges über den jungen Bauer gelesen hatte und auch mit ihm selbst in Kontakt stand, wurde es immer mehr zu einer Herzensentscheidung. Das gute Stück ist nun bei mir und ich bin außerordentlich happy damit! :D

Viele Grüße
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Re: Was für eine Gitarre habe ich hier…?

Beitragvon Karel » Sa 18. Apr 2020, 13:00

Gitarrenjan hat geschrieben:Es ist zwar etwas spät, aber ich habe meine Informationen erst jetzt bekommen.

Nach meinen Informationen ist es eine von Amalio Burguet in (Valencia) Spain handgemachte Gitarre aus dem normalen Programm, jedoch mit anderem Design, für einen deutschen Großhändler BSA, den es nicht mehr gibt und der ein eigenes Label haben wollte.

Diese Informationen bekam ein Bekannter, der bei Burguet nach einer BA100M nachfragte. Diese BA100M ist (nach Auskunft) eine 2M. Man findet sie unter dieser Bezeichnung noch im laufenden Programm.

Dabei bedeutet das M bei der Bezeichnung, dass es sich um eine vollmassive Gitarre handelt.

Mehr weiß ich auch nicht. Ich glaube, dass man aus diesen Infos Schlüsse ziehen kann.

M = mazico spanisch für massiv, fest ...


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