Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

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bindiman
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Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

Beitragvon bindiman » Fr 26. Jul 2013, 16:58

Also gut, hier kommt der Thread, um Euch an einem länger andauernden Erlebnis teilhaben zu lassen !

Auf dem Forentreffen hatte ich es Richard schon verraten: Ich gehe den nächsten Schritt und lasse mir eine Gitarre bauen !

Ich bin ein Opfer meiner Liebhaberei ! Aus dem Gedanken mir nochmal ein etwas besseres Instrument zu gönnen wurde ja schon meine geliebte Ana Espinosa (Die Frau ist sehr nett, aber ich meine ihr Instrument !)
Nun, da ich also eine sehr gute Meistergitarre, klassischer Bauweise habe (Palisander, Fichte, Bauweise Torres-basiert), gingen mir einige Gedanken nicht aus dem Kopf:

- Bei meiner Suche hatte ich ein paar Ahorn Gitarren gespielt. ("kommt nicht in Frage als einziges Instrument!") aber interessant klangen die doch schon ...
- In Granada durfte ich ins Holzlager von Aaron Garcia Ruiz schauen . Ui, schöne Palisander, traumhafte Decken ... und "I'm currently requested to build a maple guitar ..." - mmh.
- Die Leidenschaft GItarre ist so schön und beruhigt so toll, die Arbeit wird immer stressiger, liefert aber immerhin die Kohle für "Eskapaden" ....

Also, schrieb ich Aaron, was mir im Kopf rumschwirrt und fragte ihn, ob er mir wohl eine Ahorn Gitarre bauen könnte ...

er antwortete:

Hello Thomas,
Yes, I remember you. I have sets of little flamed Maple, but of very good quality and very dry, with which I can make a guitar. If you want I can send photos.

Best regards.
Aarón.

Uiii, und nun gings los !!!
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bindiman
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Re: Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

Beitragvon bindiman » Fr 26. Jul 2013, 17:53

Aber natürlich, will ich Fotos !!!

... und alles beginnt mit einem Stück Holz:

Bild

Das liegt grad in der Werkstatt ...

Mein ästhetisches Ideal bei Ahorn ist
- geflammt / Riegelahorn ! (Vogelaugenahorn ist mir zu kitschig)
- Deutliche Riegelstruktur, aber nicht zu kontrastreich (schwarz/weiss)

Aaron hat dazu noch weitere Ideen. und er wirft mich zu mit weiteren Hölzern. Unter anderem ein absolut wunderbares Stück mit einer ganz besonderen Struktur, die aussieht als läge das Holz in Wellen 3D Effekt). Ich widerstehe der Versuchung, denn mein Instrument soll im Rahmen bleiben (Einige kennen ja inzwischen meine uurückhaltende Einstellung ..)
Aber es darf trotzdem schon sehr schön sein !!

Auch dazu hat Aaron die passende Idee, präsentiert mir ein Stück Holz, das sofort sagte "Ich bin Dein !"

Ich bin froh, Aaron kennengelernt zu haben und mit ihm einen tollen Gitarrenbauer für das Projekt zu haben.

Die Wahl des Bodens ist getroffen, so sieht sie aus:
Bild
(Der MIttelstreifen liegt nur auf )
Mann, es nimmt wirklich jetzt schon Formen an ! ....
Übrigens Aaron peilt 6 Monate Bauzeit an, ich rechne mit 9! Ihr braucht als mit mir Geduld.
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Bernd C Hoffmann
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Re: Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

Beitragvon Bernd C Hoffmann » Fr 26. Jul 2013, 18:57

Mein Hauptproblem bei Ahorn ist die Basslosigkeit. Ahorn einen knackigen Bass zu geben, das können offenbar nur ganz wenige Gitarrenbauer. Was hat Dich zu der Entscheidung eines Ahornkorpus geführt?
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

Beitragvon bindiman » Fr 26. Jul 2013, 23:19

Hi Bernd,

Basslosigkeit ? mmh, nee ganz so pauschal kann ich das gar nicht unterschreiben. Ja, Ahorn klingt anders, abe rich trau mich gar nicht mehr so pauschal zu sagen wie ! Ich hab eine Stenzel gespielt (Ok, das ist einer der weltbesten), die war sehr bassig ! Das Preludio, Suite No. 2 von Brouwer ist mein bevorzugtes Tiefbasstück. Die Stenzelahorn schien geradezunfür dieses Stück gemacht zu sein.
Peo Kindgrens aktuelle Per Hallgren ist eine Ahorn. (ok,ok, Youtube-sound und so..) Nach gewisser Einspielzeit klingt die elegant ! (das schließt einen cremigen Bass mit ein).
Was hat mich bewogen ? naja .. eine traditionelle Palisander und eine Ahorn - was für ein Paar ! :-))

Gruß
Thomas
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Re: Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

Beitragvon bassklampfe » So 28. Jul 2013, 18:36

bindiman hat geschrieben:Ich bin ein Opfer meiner Liebhaberei !

Sind wir das nicht alle? ;)

Basslosigkeit kann ich Ahorn auch nicht bescheinigen. Biedermeiergitarren darf man als Vergleich nicht heranziehen, aber ich habe mal eine Michael Gee spielen dürfen, die reichlich Bässe hatte. Frank Bungarten habe ich live gehört mit einer Ahorn, die hätte ich klanglich von einer Palisander nicht unterscheiden können. Tolle Gitarre, ich glaube eine Schnabel (?). Und ein toller Gitarrist.

Die Obertonverteilung und Trennschärfe ist etwas anders bei Ahorn-Gitarren. Ich denke, das ist letztlich Geschmackssache.
______________
Gruß
bassklampfe

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Re: Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 28. Jul 2013, 18:52

bassklampfe hat geschrieben:Basslosigkeit kann ich Ahorn auch nicht bescheinigen. Biedermeiergitarren darf man als Vergleich nicht heranziehen, aber ich habe mal eine Michael Gee spielen dürfen, die reichlich Bässe hatte. Frank Bungarten habe ich live gehört mit einer Ahorn, die hätte ich klanglich von einer Palisander nicht unterscheiden können.

Wenn diese beiden Gitarren für Deine einzige Erfahrung mit Ahornkorpus sind, dann bist Du, zumindest nach meiner Erfahrung, deutlich auf dem Holzweg.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

Beitragvon bindiman » So 28. Jul 2013, 22:45

Aber Bernd ...

immerhin hat Bassklampfe echte Erfahrungen mit Ahorn ! Ganz sicher kann man - mal wieder - nichts pauschalisieren.

Ich weiss, was Du meinst. Ich würde es vielleicht nicht basslosigkeit nennen, sondern "crisp" ! Letztlich ist es vielleicht wie mit den Blancas und Negras ! Nach deiner Aussage schätze ich, Du spielst eine Negra und tatsächlich habe ich ja auch als Erst- und Hauptinstrument eine Palisander !
Interessant wird dann später der direkte Vergleich, bzw. die Kombination !

Übrigens: ausgerechnet mit "Bassklampfe" sollte man nicht so sehr über Basslosigkeit diskutieren ... :-))

Gruß
Thomas
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Re: Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

Beitragvon Bernd C Hoffmann » So 28. Jul 2013, 23:32

"crisp" bzw. "crispy" ist ein Begrif, der als kaufanpreisendes Argument für gute Flamencas verwendet wird. Ob blanca oder negra spielt dabei keine Rolle. Ich selbst spiele seit einigen Jahren nur eine blanca. Meine negra musste ich damals verkaufen. Sie war das Pendant zu meiner blanca. Ein Freund (und damaliger Schüler), der mich zu der Zeit sehr oft bei den Ausstellungen unterstützte, hatte mir die negra abgerungen. Wichtig war mir, dass ich sie bei Bedarf trotzdem spielen kann. Und das ist gut so :) Dass ich eine blanca spiele, betrachte ich als umstandsgegebene Zwischenlösung.

Was den Bass bei Ahorngitarren betrifft, sehe ich keinen Grund, von meiner Meinung abzuweichen. Dafür habe ich zu viele in der Hand gehabt. Eine Ahorngitarre ist im Allgemeinen alles andere als eine Bassklampfe ;). Ausnahmen bestätigen die Regel.
Liebe Grüße
Bernd
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Re: Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

Beitragvon Gazalain » Mo 29. Jul 2013, 06:59

Gerade, baue ich drei Ukulele gleichzeitig, deren eine aus Ahorn. So, möchte ich den Klang vergleichen, abhängig vom Holz (Ahorn, Eibe und Birnenbaum), aber die Decken sind auch verschieden (karpatische Fichte und Red cedar von Kanada)
DSC_0064 (Custom).JPG
ʇɹɥǝʞǝƃɯn ʇɥɔǝlɥɔs ɹɥǝs ǝlǝıds

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Re: Gitarre im Bau - Projekt Ahorn

Beitragvon bassklampfe » Mo 29. Jul 2013, 10:48

Ich kenne noch mehr Ahorn-Instrumente, allerdings nicht in der durchaus gehobenen Preisklasse/Oberklasse. Und nur solche wollte ich hier anführen. Es gab noch Herb, Teller, Hannabach, Klein, Strohmer, Hanika, vielleicht noch andere. Aber gut, dann allgemein gesprochen, soweit es eben geht. "Bass" ist bei der Gitarre ja ein Thema, über dass man stundenlang diskutieren könnte, ohne nennenswerten Erfolg, versteht sich. Die Korpusgröße setzt dem den Bass definitiv Grenzen. Um den Charakter zu forcieren, kann man das Instrument noch dunkel abstimmen. Das mag bei Palisander leichter gehen als bei Ahorn, möglich, keine Ahnung.

Ahorn klingt vielleicht etwas heller als Palisander, eher trennschärfer, klarer. Grundsätzlich glaube ich aber, dass die Kunst des Gitarrenbauers eine größere Rolle spielt. Bei günstigen Schülerinstrumenten mögen die Unterschiede größer ausfallen, da ja weniger Arbeit in die Feinabstimmung gesteckt wird. Das müsste man im direkten Vergleich ausprobieren, und da kann ich keine aktuellen Erfahrungen einbringen.

Ob man das jetzt als "knackig", "crisp" oder wieauchimmer bezeichnet, macht es eigentlich nur schwieriger. Was ist "knackig"? Für mich wäre das "kurz, trocken, definiert". Viel "wumms" sicher nicht.

nebenbei: Die "Bassklampfe" ist ein Kontrabassgitarre ;)
______________
Gruß
bassklampfe


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